Grund­la­gen für er­folg­rei­ches Wirt­schaf­ten schaf­fen

In­fra­struk­tur

Zu den Kern­auf­ga­ben des Staa­tes ge­hört es, die not­wen­di­gen in­fra­struk­tu­rel­len Rah­men­be­din­gun­gen für den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt zu schaf­fen. Die An­for­de­run­gen an den Staat aus Sicht der Un­ter­neh­men sind klar auf die Ge­währ­leis­tung in­no­va­ti­ons­freund­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen aus­ge­rich­tet.

 

Die Ba­sis: ei­ne in­no­va­tions- und wirt­schafts­freund­li­che In­fra­struk­tur

  • Maß­vol­le bü­ro­kra­ti­sche An­for­de­run­gen
  • Schnel­le Ver­fah­rens­ab­wick­lung (z. B. Zu­las­sun­gen, Ge­neh­mi­gun­gen), E-Go­vern­ment
  • Leis­tungs­star­ke Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ver­kehrs­in­fra­struk­tur
  • Zu­ver­läs­si­ge En­er­gie­ver­sor­gung
  • Zu­kunfts­fä­hi­ges Bil­dungs­sys­tem, ein­schließ­lich der in­fra­struk­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen
  • Aus­rei­chend fle­xi­bler Rechts­rah­men (z. B. Ar­beits­recht)

 

Wei­te­re Fak­to­ren, die Qua­li­tät und At­trak­ti­vi­tät des Stand­orts prä­gen, kom­men hin­zu: u. a. Ge­sund­heits­ver­sor­gung, öf­fent­li­che Si­cher­heit und kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen. Das muss als Min­dest­maß ge­währ­leis­tet wer­den, da­mit er­folg­rei­ches Wirt­schaf­ten am Stand­ort mög­lich bleibt. Für grund­le­gen­de In­no­va­tio­nen muss punk­tu­ell mehr hin­zu­kom­men (vgl. Ka­chel 02.4).

 

Als we­sent­lich wird ak­tu­ell vor al­lem der zü­gi­ge, flä­chen­de­cken­de Aus­bau der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur an­ge­se­hen. Wie be­reits in frü­he­ren Hand­lungs­emp­feh­lun­gen be­tont, bleibt der flä­chen­de­cken­de Aus­bau von Glas­fa­ser- und Mo­bil­funk­an­schlüs­sen (bis hin zu 5G) ei­ne der ent­schei­den­den Auf­ga­ben der kom­men­den Jah­re. Der Be­darf von Un­ter­neh­men, Wis­sen­schaft, Ver­wal­tung und Bür­gern an hoch­leis­tungs­fä­hi­gen Ver­bin­dun­gen wächst stän­dig wei­ter an. Um auch nur mit­tel­fris­tig da­mit Schritt hal­ten zu kön­nen, muss heu­te für (ver­meint­lich) höchs­te An­sprü­che aus­ge­baut wer­den. Ins­be­son­de­re beim künf­ti­gen Mo­bil­funk­stan­dard 5G müs­sen wir Tem­po und Am­bi­tio­nen er­hö­hen, um von An­fang an an der Spit­ze mit­spie­len und die An­wen­dungs­po­ten­zia­le der Echt­zeit­nut­zung von Mas­sen­da­ten – z. B. für In­dus­trie 4.0, Smart Far­ming, in­tel­li­gen­te Ver­kehrs­steue­rung oder me­di­zi­ni­sche An­wen­dun­gen – he­ben zu kön­nen.

 

Bei der Di­gi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tung hat sich Bay­ern zu Recht we­sent­lich am­bi­tio­nier­te­re Zie­le ge­setzt als der Bund: Bis En­de 2020 sol­len die wich­tigs­ten Ver­wal­tungs­leis­tun­gen di­gi­tal ver­füg­bar sein. Das muss auch die Ein­rich­tung ei­nes nut­zer­freund­li­chen di­gi­ta­len Un­ter­neh­mer­por­tals mit ent­spre­chen­der ID um­fas­sen. Die Vor­ha­ben müs­sen auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne mit Nach­druck vor­an­ge­trie­ben wer­den. Ent­schei­dend ist da­bei, dass In­ter­ope­ra­bi­li­tät zwi­schen al­len An­ge­bo­ten auf den ver­schie­de­nen staat­li­chen Ebe­nen si­cher­ge­stellt wird, so­dass sie für Wirt­schaft und Ver­brau­cher bruch­frei nutz­bar sind und wie aus ei­nem Guss er­schei­nen.

 

Ne­ben der Bun­des- und Lan­des­ebe­ne spielt da­bei auch die kom­mu­na­le Ebe­ne ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Je­de Kom­mu­ne ist ge­for­dert, im ei­ge­nen Be­reich die rich­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen für In­no­va­tio­nen zu schaf­fen. Vor al­lem darf ei­ne ak­tu­ell her­vor­ra­gen­de Si­tua­ti­on kein Grund sein, wei­te­re Zu­kunfts­pro­jek­te ab­zu­blo­cken. Bei­spie­le et­wa aus dem Be­reich des Glas­fa­ser­aus­baus zei­gen, wie er­folg­reich vor Ort Pro­jek­te um­ge­setzt wer­den kön­nen und wie ent­schei­dend das pro­ak­ti­ve Wir­ken der ge­meind­li­chen Ebe­ne ist. Der Glas­fa­ser­aus­bau in der ober­baye­ri­schen Ge­mein­de Hals­bach er­schließt tat­säch­lich je­de Milch­kan­ne und konn­te mit ei­ner Ka­bel­ver­le­gung quer über die Fel­der für et­wa ein Vier­tel der ur­sprüng­lich ver­an­schlag­ten Kos­ten durch­ge­führt wer­den. Auch in an­de­ren In­fra­struk­tur­be­rei­chen wie dem Ver­kehrs­sys­tem ist kom­mu­na­les En­ga­ge­ment oft er­folgs­ent­schei­dend.

Bil­dungs­sys­tem

Im ge­sam­ten Bil­dungs­sys­tem, ins­be­son­de­re auch an den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len, muss ein noch stär­ke­rer Fo­kus dar­auf ge­rich­tet wer­den, ein Ver­ständ­nis für Zu­sam­men­hän­ge zu we­cken. Das gilt für das Wirt­schafts­sys­tem im Gan­zen wie für be­stimm­te grund­le­gen­de Struk­tu­ren, z. B. die En­er­gie­ver­sor­gung.

Di­gi­ta­le Kom­pe­ten­zen auf al­len Ebe­nen des Bil­dungs­sys­tems sind un­ab­ding­bar. Die Hand­lungs­emp­feh­lun­gen von 2017 (Neue Wert­schöp­fung durch Di­gi­ta­li­sie­rung) müs­sen kon­se­quent um­ge­setzt wer­den. Der von der vbw in­iti­ier­te Ak­ti­ons­rat Bil­dung hat mit sei­nem Gut­ach­ten von 2018 (Di­gi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät und Bil­dung) wich­ti­ge kon­kre­te An­sät­ze auf­ge­zeigt. Er stellt dar­in die Be­deu­tung di­gi­ta­ler Kom­pe­ten­zen als „4. Kul­tur­tech­nik“ her­aus und for­dert ei­ne um­fas­sen­de Re­for­mie­rung des Bil­dungs­sys­tems mit dem Ziel der Ver­mitt­lung di­gi­ta­ler Sou­ve­rä­ni­tät. Di­gi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät be­deu­tet, dass je­der Ein­zel­ne be­fä­higt sein soll, di­gi­ta­le Me­di­en selbst­be­stimmt und un­ter ei­ge­ner Kon­trol­le zu nut­zen und sich an die stän­dig wech­seln­den An­for­de­run­gen in ei­ner di­gi­ta­li­sier­ten Welt an­zu­pas­sen. So­mit bil­det die di­gi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für die ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be so­wie für un­se­re jet­zi­ge und künf­ti­ge Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Au­ßer­dem bie­ten di­gi­ta­le Me­di­en viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, um die Qua­li­tät des Leh­rens und Ler­nens zu ver­bes­sern.

 

Wich­ti­ge Maß­nah­men, die in­ner­halb ei­nes Ge­samt­kon­zepts zur di­gi­ta­len Bil­dung par­al­lel und ver­zahnt um­ge­setzt wer­den müs­sen

 

  • in­ten­si­ver Aus­bau der di­gi­ta­len In­fra­struk­tur an Schu­len, Be­rufs­schu­len und Hoch­schu­len
  • fes­te Ver­an­ke­rung ei­ner di­gi­ta­len Grund­bil­dung in den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len, den Aus­bil­dungs­be­ru­fen und in je­dem Stu­di­en­gang
  • di­gi­ta­le Kom­pe­ten­zen auch bei der Ar­beit­neh­mer­wei­ter­bil­dung stär­ken und för­dern
  • sys­te­ma­ti­sche Im­ple­men­tie­rung di­gi­ta­ler Lehr- und Lern­in­hal­te an al­len Bil­dungs­ein­rich­tun­gen
  • in der Aus- und Wei­ter­bil­dung des päd­ago­gi­schen Per­so­nals ei­ne deut­li­che Schwer­punkt­set­zung auf das di­gi­ta­le Leh­ren und Ler­nen le­gen
  • flä­chen­de­cken­des tech­ni­sches und me­di­en­päd­ago­gi­sches Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bot für Bil­dungs­ein­rich­tun­gen schaf­fen
  • In­ten­si­vie­rung des For­schungs­be­reichs „Di­gi­ta­li­sie­rung in der Bil­dung“

 

Es muss fort­lau­fend ge­prüft wer­den, wel­che neu­en As­pek­te in die Bil­dungs­an­ge­bo­te auf­zu­neh­men sind, et­wa im Hin­blick auf künst­li­che In­tel­li­genz und die Mensch-Ma­schi­ne-In­ter­ak­ti­on. Die­se The­men müs­sen ins­be­son­de­re auch in die be­ruf­li­che Bil­dung be­rufs­spe­zi­fisch in­te­griert wer­den. Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Schu­len und Hoch­schu­len (be­darfs­ge­rech­te In­fra­struk­tur­aus­stat­tung und Qua­li­fi­zie­rung der Lehr­kräf­te) muss mit Nach­druck vor­an­ge­trie­ben wer­den. Die vbw Stu­dien Di­gi­ta­le Bil­dung an baye­ri­schen Schu­len (2017) und Di­gi­ta­le Bil­dung an baye­ri­schen Hoch­schu­len (2018) ge­ben ei­nen Über­blick über den Stand der di­gi­ta­len Bil­dung und zei­gen not­wen­di­ge Re­form­schrit­te auf.

 

Auch die Ver­mitt­lung al­go­rith­mi­schen Den­kens ist Teil der di­gi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät, die auf al­len Ebe­nen des Bil­dungs­sys­tems ver­mit­telt wer­den muss. Hier geht es dar­um, ein Grund­ver­ständ­nis von den Me­cha­nis­men zu ver­mit­teln, die un­ser All­tags- und Be­rufs­le­ben in zu­neh­men­dem Ma­ße prä­gen. Staat und Ver­wal­tung sind eben­falls auf ent­spre­chen­den Sach­ver­stand an­ge­wie­sen.

All­ge­mein­bil­den­de Schu­len kön­nen nicht für je­de tech­no­lo­gi­sche Neue­rung spe­zi­el­le Kennt­nis­se und Fä­hig­kei­ten ver­mit­teln. Der Fo­kus muss da­her noch stär­ker auf der stra­te­gi­schen Über­le­gung lie­gen, wel­che Grund­kom­pe­ten­zen not­wen­dig sind. Ziel ist ei­ne brei­te Ba­sis, auf der ei­ne spä­te­re Ver­tie­fung in be­son­de­ren schu­li­schen An­ge­bo­ten, Aus­bil­dung und Stu­di­um auf­bau­en kann. Im­mer wich­ti­ger wird die Fä­hig­keit, Zu­sam­men­hän­ge zu er­ken­nen und The­men ganz­heit­lich zu be­trach­ten.

 

Ver­mit­telt wer­den muss vor al­lem die Kom­pe­tenz, Sach­ver­hal­te ein­zu­ord­nen und In­for­ma­tio­nen zu be­wer­ten. Da­zu müs­sen kei­ne neu­en Schul­fä­cher ge­schaf­fen wer­den – be­stehen­de In­hal­te kön­nen an­hand ent­spre­chen­der Bei­spie­le er­ar­bei­tet wer­den, z. B. im Ma­the­ma­tik- oder auch im Geo­gra­fie­un­ter­richt. Gleich­zei­tig wer­den da­durch die me­tho­di­schen Lern­in­hal­te kon­kre­ter und plas­ti­scher. Ge­stärkt wer­den muss da­bei auch die An­wen­dungs­kom­pe­tenz, ge­ra­de in der Ver­net­zung ver­schie­de­ner Fä­cher be­zie­hungs­wei­se mit fä­cher­über­grei­fen­den The­men und Fra­ge­stel­lun­gen.

Auf die Fä­hig­keit zur Ver­mitt­lung von Zu­sam­men­hän­gen und zur Be­wer­tung von In­for­ma­tio­nen (z. B. Ein­schät­zung von Wahr­schein­lich­kei­ten, Chan­cen und Ri­si­ken) muss in der Qua­li­fi­zie­rung ein noch stär­ke­rer Fo­kus ge­legt wer­den (vgl. Aus­klap­per 2).

 

Für die Fort­bil­dung der In­for­ma­tik-Leh­rer an den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len und die Ver­mitt­lung von Grund­kennt­nis­sen an das ge­sam­te Lehr­per­so­nal müs­sen die be­stehen­den An­ge­bo­te (z. B. Aka­de­mie für Leh­rer­aus­bil­dung in Dil­lin­gen) wei­ter ge­stärkt und die Zu­sam­men­ar­beit mit den Hoch­schu­len in­ten­si­viert wer­den. Der Staat muss auch den Uni­ver­si­tä­ten die Mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len, um die­se Auf­ga­be er­fül­len zu kön­nen. Grund­la­ge ist ei­ne um­fas­sen­de Per­so­nal­pla­nung für die Ver­mitt­lung der in­halt­li­chen Kennt­nis­se und me­di­en­päd­ago­gi­schen Fä­hig­kei­ten.

Für ei­ne bes­se­re Im­ple­men­tie­rung neu­er Tech­no­lo­gi­en im Un­ter­neh­men wer­den Schnitt­stel­len­kom­pe­ten­zen ge­braucht, de­ren Er­werb ge­zielt auf­ge­baut wer­den muss. Ins­be­son­de­re im Rah­men der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on be­nö­ti­gen Un­ter­neh­men zu­neh­mend Mit­ar­bei­ter, die tech­ni­sche Kennt­nis­se mit di­dak­ti­schem Know-how kom­bi­nie­ren, fach­über­grei­fend agie­ren und Pro­zes­se be­herr­schen kön­nen (vgl. Ka­chel 01.3).

 

Mit dem Mo­dell­pro­jekt „IT- / Di­gi­ta­li­sie­rungs­päd­ago­ge“ der Re­gio­nal­di­rek­ti­on der Bun­des­agen­tur für Ar­beit und der vbw wird ak­tu­ell ein Kon­zept ge­tes­tet, das ar­beits­su­chen­den (tech­ni­kaf­fi­nen) Aka­de­mi­kern die Mög­lich­keit er­öff­net, das Spek­trum des ei­ge­nen Be­rufs­felds zu er­wei­tern und ei­nen neu­en Ar­beits­markt­be­reich zu er­schlie­ßen. Ziel ist, die Un­ter­neh­men bei der Ge­stal­tung von di­gi­ta­ler Trans­for­ma­ti­on und un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­scher Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men zu un­ter­stüt­zen. Bei ei­nem er­folg­rei­chen Ab­schluss des Pro­jekts wird ei­ne Über­füh­rung in die Re­gel­struk­tu­ren und ei­ne bun­des­wei­te Um­set­zung des Kon­zepts an­ge­strebt.

Steu­er­li­che An­rei­ze sind ein sinn­vol­les und ein­fach um­setz­ba­res Mit­tel, um das not­wen­di­ge In­ves­ti­ti­ons­ge­sche­hen in Aus­bil­dungs­stät­ten an­zu­sto­ßen. Zu den­ken ist vor al­lem an ei­ne de­gres­si­ve AfA und an Son­der­ab­schrei­bun­gen.

 

Auch im Be­reich der Wei­ter­bil­dung sind steu­er­li­che Maß­nah­men ge­bo­ten, um an­ge­sichts der tief­grei­fen­den Um­wäl­zun­gen vor al­lem im Rah­men der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on zu­sätz­li­che An­rei­ze zu set­zen. Ar­beit­ge­ber kön­nen Kos­ten für die Fort­bil­dung ih­rer Be­schäf­tig­ten bis­her voll als Be­triebs­aus­ga­ben ab­set­zen – we­nigs­tens für ei­nen mehr­jäh­ri­gen Über­gangs­zeit­raum soll­te ein über­pro­por­tio­na­ler Ab­zug, z. B. 120 Pro­zent, er­mög­licht wer­den. Die Be­schäf­tig­ten ih­rer­seits kön­nen Wei­ter­bil­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten ab­set­zen, müs­sen aber eben­falls zu­sätz­li­che An­rei­ze be­kom­men, zu­mal sich bis zum Er­rei­chen der Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le ein be­son­de­res En­ga­ge­ment steu­er­lich bis­her nicht rech­net.

Die be­ruf­li­che Bil­dung leis­tet ei­nen ele­men­ta­ren Bei­trag, wenn es dar­um geht, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der baye­ri­schen Wirt­schaft zu er­hal­ten. Grund­la­ge da­für ist ih­re kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung, um ge­sell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Struk­tur­ent­wick­lun­gen ge­recht zu wer­den und die Si­che­rung und Op­ti­mie­rung von Qua­li­täts­pro­zes­sen vor­an­zu­trei­ben. In vie­len Bran­chen gibt es Neu­ord­nungs­ver­fah­ren bzw. sind die­se be­reits ab­ge­schlos­sen – et­wa der­zeit bei den IT-Be­ru­fen vor­aus­sicht­lich zum 01. Au­gust 2020 oder schon zum 01. Au­gust 2018 im M+E-Be­reich. Die zum 01. Au­gust 2018 in Kraft ge­tre­te­nen elf mo­der­ni­sier­ten M+E-Aus­bil­dungs­be­ru­fe so­wie sie­ben op­tio­na­le Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen sind ein Bei­spiel für die ge­lun­ge­ne Wei­ter­ent­wick­lung der Aus­bil­dungs­be­ru­fe im Hin­blick auf die Her­aus­for­de­run­gen der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on, de­ren Nut­zung es fort­lau­fend zu be­glei­ten gilt.

 

Da­mit noch mehr Fle­xi­bi­li­tät in der Aus­bil­dung mög­lich wird, kann im Rah­men an­ste­hen­der Über­ar­bei­tun­gen von Be­ru­fen ei­ne Glie­de­rung der Aus­bil­dung in Aus­bil­dungs­bau­stei­ne ei­ne Op­ti­on dar­stel­len, wenn die So­zi­al­part­ner dies wol­len. Zur Stär­kung der At­trak­ti­vi­tät der be­ruf­li­chen Bil­dung braucht es ei­ne Ver­zah­nung von aka­de­mi­scher und be­ruf­li­cher Be­rufs­aus­bil­dung. Mo­der­ne und zu­kunfts­ori­en­tier­te Be­rufs­pro­fi­le kön­nen sich bei­spiels­wei­se durch die Mög­lich­keit des Er­werbs von Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen oder an­re­chen­ba­rer Mo­du­le für ein spä­te­res Stu­di­um aus­zeich­nen.

 

Auch der dua­le Part­ner Be­rufs­schu­le muss sich für die ra­sant wach­sen­de, glo­bal ver­netz­te In­for­ma­ti­ons- und Ar­beits­welt rüs­ten. Des­halb müs­sen die Be­rufs­schu­len den Aus- und Wei­ter­bil­dungs­stand ih­rer Lehr­kräf­te, ih­re in­ne­re Füh­rungs­struk­tur und ih­ren Qua­li­täts­stan­dard stän­dig über­prü­fen und wei­ter­ent­wi­ckeln. Es müs­sen neue Lehr- und Lern­me­tho­den von al­len Lehr­kräf­ten ge­übt und in der Un­ter­richts­pra­xis ein­ge­setzt wer­den. Be­rufs­schul­leh­rer und Be­rufs­aus­bil­der ste­hen häu­fig vor ähn­li­chen Pro­ble­men. Um den Aus­tausch und die Zu­sam­men­ar­beit zu in­ten­si­vie­ren, soll­ten sie ver­mehrt ge­mein­sam den Wei­ter­bil­dungs­be­darf fest­le­gen, pla­nen und durch­füh­ren.

Das An­ge­bot an be­rufs­be­glei­ten­den Qua­li­fi­zie­rungs­op­tio­nen, wie z. B. Mo­dul­stu­di­en, Zer­ti­fi­kats­stu­di­en­gän­ge, di­gi­ta­len Na­no De­grees (und be­rufs­be­glei­ten­de Ba­che­lor- Stu­di­en­gän­ge), ist wei­ter zu stär­ken und ge­zielt aus­zu­bau­en, ins­be­son­de­re in den MINT-Fä­chern. Na­no De­grees sind On­line- An­ge­bo­te von Wei­ter­bil­dungs­platt­for­men wie Uda­ci­ty, die be­rufs­be­glei­tend oder ne­ben dem Haupt­stu­di­um be­legt wer­den kön­nen und ak­tu­el­les Wis­sen bei­spiels­wei­se in be­stimm­ten Pro­gram­mier­spra­chen oder in spe­zi­el­len An­wen­dungs­fel­dern (z. B. Da­ta Vi­sua­liza­t­i­on, Cloud De­ve­l­oper) ver­mit­teln und mit ei­nem Zer­ti­fi­kat ab­schlie­ßen. Vor­tei­le die­ser An­ge­bo­te sind die im Ver­gleich zu Lehr­plä­nen deut­lich hö­he­re Re­ak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit beim Auf­grei­fen neu­er In­hal­te und die Pra­xis­ori­en­tie­rung bei in Ko­ope­ra­ti­on mit der In­dus­trie er­stell­ten Mo­du­len.

Fach­kräf­te­si­che­rung

Die ak­tu­el­le vbw Stu­die Ar­beits­land­schaft 2025 pro­gnos­ti­ziert, dass bis zum Jahr 2025 in Deutsch­land 2,9 Mil­lio­nen Fach­kräf­te am Ar­beits­markt feh­len wer­den. In Bay­ern wird zu die­sem Zeit­punkt ein Man­gel in Hö­he von 350.000 Fach­kräf­ten er­war­tet, ein er­heb­li­cher Teil da­von im Be­reich In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik, tech­ni­sche Ent­wick­lung / Kon­struk­ti­on / Pro­duk­ti­ons­steue­rung. Mit der In­itia­ti­ve Fach­kräf­te­si­che­rung FKS+, die die vbw in Ko­ope­ra­ti­on mit der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung um­setzt, wer­den be­reits wich­ti­ge Schrit­te un­ter­nom­men, um die­se Lü­cke zu schlie­ßen. Die­se Maß­nah­men müs­sen kon­se­quent fort­ge­führt und pass­ge­nau er­gänzt wer­den. Nicht nur in der Brei­te, auch an der ab­so­lu­ten tech­no­lo­gi­schen Spit­ze müs­sen die rich­ti­gen Fach­kräf­te (z. B. Wis­sen­schaft­ler) ge­won­nen und lang­fris­tig ge­hal­ten wer­den.

Die in Ka­chel 02.2.1 skiz­zier­ten Rah­men­be­din­gun­gen spie­len auch bei der Fach­kräf­te­ge­win­nung und -bin­dung ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Das gilt be­son­ders für die „wei­che­ren“ Fak­to­ren wie ser­vice­ori­en­tier­tes Be­hör­den­han­deln (z. B. bei der An­er­ken­nung von Ab­schlüs­sen, der Er­tei­lung von Ge­neh­mi­gun­gen) oder fa­mi­li­en­freund­li­che An­ge­bo­te. Hier sind be­son­ders die Kom­mu­nen ge­for­dert.

Die Er­geb­nis­se an­wen­dungs­na­her For­schungs­pro­jek­te zu Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en müs­sen noch schnel­ler in Maß­nah­men für le­bens­lan­ges Ler­nen „über­setzt“ wer­den. Ein Ve­hi­kel da­für könn­te die be­reits be­stehen­de Pro­jekt­för­de­rung des Bun­des sein: Die ent­spre­chen­den Aus­schrei­bun­gen könn­ten in pas­sen­den Fäl­len bei­spiels­wei­se ein kon­kre­tes Qua­li­fi­zie­rungs­kon­zept als Teil des Er­geb­nis­ses ein­for­dern, für das fünf bis zehn Pro­zent der je­weils be­an­trag­ten För­der­sum­me vor­zu­se­hen sind. Glei­cher­ma­ßen kön­nen auch Ge­schäfts­mo­del­le oder die Be­schrei­bung mög­li­cher An­wen­dungs­ge­bie­te schon im Call for Pro­jects (Auf­for­de­rung zur Ein­rei­chung von Pro­jekt­skiz­zen) vor­ge­ge­ben wer­den.

Um Fach­kräf­te von mor­gen zu ge­win­nen, müs­sen z. B. be­reits vor­han­de­ne In­for­ma­tik- und Ro­bo­tik-An­ge­bo­te an Schu­len kon­se­quent wei­ter aus­ge­baut wer­den. Schu­len müs­sen da­zu bei­tra­gen, die neue Tech­no­lo­gie in die Brei­te zu tra­gen und gleich­sam zu de­mo­kra­ti­sie­ren. Ne­ben Grund­kennt­nis­sen in und In­ter­es­se an Pro­gram­mie­rung ist es wich­tig, Zu­gangs­hür­den mög­lichst weit zu sen­ken und ei­ne in­tui­ti­ve Er­fas­sung zu er­leich­tern. Vor­bild kön­nen et­wa die An­ge­bo­te an all­ge­mei­nen und be­ruf­li­chen Schu­len in Nie­der­sach­sen sein. Dort sind im Rah­men des Pro­jekts Mensch-Ro­bo­ter- Kol­la­bo­ra­ti­on – Ro­bo­na­ti­ves die Ein­rich­tung von zu­nächst fünf Zen­tren an be­rufs­bil­den­den Schu­len in un­ter­schied­li­chen Be­rufs­fel­dern so­wie Tech­no­lo­giela­bo­re zum The­ma kol­la­bo­ra­ti­ve Ro­bo­ter an rund 50 wei­ter­füh­ren­den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len vor­ge­se­hen. An der Uni­ver­si­tät Han­no­ver ist ei­ne ers­te ro­bo­ter­fa­brik ein­ge­rich­tet, die sich an Schü­ler von all­ge­mein- und be­rufs­bil­den­den Schu­len so­wie an Aus­zu­bil­den­de und Stu­den­ten rich­tet. Die Lern­ort­ko­ope­ra­ti­on muss noch stär­ker ge­för­dert wer­den. Viel­ver­spre­chend ist z. B. der sys­tem­in­te­grie­ren­de An­satz der Di­gi­ta­len Lern­fa­brik, bei dem die Wirt­schaft Hand in Hand mit den Be­rufs­schu­len ar­bei­ten kann.

 

Spe­zi­el­le In­hal­te (Co­ding, Ro­bo­tik) las­sen sich gut auch schon in un­te­ren Jahr­gän­gen in spie­le­ri­scher Form in den Un­ter­richt in­te­grie­ren– das An­ge­bot an pas­sen­der Hard- und Soft­ware (z. B. Le­go Mind­storms, Open Ro­ber­ta, Cal­lio­pe mi­ni, Raspber­ry Pi etc.) ist in­zwi­schen groß. Die In­itia­ti­ven zur Aus­stat­tung von Schu­len müs­sen fort­ge­führt wer­den. Wich­tig ist fer­ner, in al­len Pha­sen der Leh­rer­aus­bil­dung ent­spre­chen­de Qua­li­fi­zie­run­gen in aus­rei­chen­dem Ma­ße durch­zu­füh­ren, da­mit die Ak­ti­vi­tä­ten sinn­voll im Un­ter­richt ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Das po­si­ti­ve Image von Tech­no­lo­gi­en und In­no­va­tio­nen in der Ge­sell­schaft ist ein wei­te­res wich­ti­ges Ele­ment, da da­von auch ab­hängt, ob sich die Men­schen für ein In­no­va­ti­ons­the­ma in­ter­es­sie­ren, sich ihm ak­tiv zu­wen­den und da­für ge­zielt Qua­li­fi­ka­tio­nen er­wer­ben oder na­tur­wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Be­ru­fe er­grei­fen; ver­glei­che da­zu Ka­chel 02.5 und 02.4.1, Aus­klap­per 9.

Er­gän­zend zum Kom­pe­tenz­mo­ni­to­ring auf be­trieb­li­cher Ebe­ne (vgl. Ka­chel 01.4) muss es auch auf re­gio­na­ler Ebe­ne ein Kom­pe­tenz­mo­ni­to­ring ge­ben. Hier­zu muss die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) ein Kom­pe­tenz­mo­ni­to­ring mit ei­ner et­was brei­te­ren Per­spek­ti­ve durch­füh­ren. Des­sen Ziel muss es sein, zu klä­ren,

 

  • wel­che Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen für die Ar­beit der Zu­kunft und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit baye­ri­scher und deut­scher Un­ter­neh­men wich­tig sind und
  • über wel­che Kom­pe­ten­zen der In­no­va­ti­ons­stand­ort Bay­ern ver­fü­gen muss, um re­le­van­ten (tech­no­lo­gie­ge­trie­be­nen) Zu­kunfts­the­men zum Durch­bruch zu ver­hel­fen.

 

Es müs­sen zu­dem Mög­lich­kei­ten ge­bo­ten wer­den, das in­di­vi­du­el­le Kom­pe­tenz­pro­fil zu er­fas­sen und mit am Ar­beits­markt be­nö­tig­ten Job­pro­fi­len und Kom­pe­tenz­pro­fi­len ab­zu­glei­chen. Vie­le Un­ter­neh­men füh­ren be­reits ei­ne Be­darfs­er­mitt­lung durch. Ei­ne Her­aus­for­de­rung für die Un­ter­neh­men ist es je­doch, ei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­ge Pro­gno­se über die zu­künf­ti­gen Kom­pe­tenz­an­for­de­run­gen zu stel­len und dar­auf ba­sie­rend pas­sen­de Qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te aus­zu­wäh­len. Des­halb sind re­gio­na­le Auf­klä­rungs­maß­nah­men dar­über not­wen­dig, wel­che Kom­pe­tenz­fel­der und Job­pro­fi­le im tech­no­lo­gi­schen Wan­del und ins­be­son­de­re im Kon­text der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on be­nö­tigt wer­den.

Das un­er­schlos­se­ne Po­ten­zi­al von Frau­en in der Tech­no­lo­gie­ent­wick­lung muss mit ge­eig­ne­ten Maß­nah­men ge­ho­ben wer­den. Mo­dell­haft kann hier ein Pro­jekt in der Ro­bo­tik und KI sein: Die MS­MR will im Rah­men ei­ner „50 – 50 In­itia­ti­ve“ ein gleich­ge­stell­tes, gleich­be­rech­tig­tes Ar­beits­um­feld für Frau­en und Män­ner kon­zi­pie­ren und um­set­zen, in dem durch­ge­hend 50 Pro­zent Frau­en und 50 Pro­zent Män­ner teil­neh­men, bzw. im Or­ga­ni­sa­ti­ons­team sind. Frau­en bzw. Mäd­chen sol­len für die Ro­bo­tik und Künst­li­che In­tel­li­genz be­geis­tert und et­wai­ge Be­rüh­rungs­ängs­te ab­ge­baut wer­den; hier­für soll auch die Ko­edu­ka­ti­on in dem The­ma auf den Prüf­stand ge­stellt wer­den. Gleich­zei­tig soll durch die Er­fah­rung ei­nes ge­schlech­ter­ge­rech­ten Ar­beits­um­felds die ge­stei­ger­te Ef­fek­ti­vi­tät und auch Krea­ti­vi­tät die­ser Um­ge­bung so­wohl den weib­li­chen als auch den männ­li­chen Teil­neh­men­den er­kennt­lich ge­macht wer­den. Sämt­li­che Maß­nah­men fol­gen ei­nem „Pur­po­se Dri­ven“-An­satz und sol­len so­wohl Wert für die Wis­sen­schaft als auch be­son­ders für die Ge­sell­schaft ha­ben, wo­bei die drei gro­ßen Leit­the­men der MSRM – Zu­kunft der Ge­sund­heit, Ar­beit und Mo­bi­li­tät – im Vor­der­grund ste­hen. Wenn das ge­lingt, kann die MSRM als Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt für ei­ne bay­ern­wei­te Stra­te­gie die­nen. Die hier­für ent­wi­ckel­ten Maß­nah­men kön­nen im Nach­gang auf an­de­re Uni­ver­si­tä­ten über­tra­gen wer­den. Die MSRM ent­wi­ckelt da­zu Stra­te­gi­en und un­ter­stützt bei der Um­set­zung. Zu­erst wer­den die fol­gen­den ska­lier­ba­ren Maß­nah­men an der MSRM kon­zi­piert, ge­tes­tet und um­ge­setzt: 1. Lea­dership Le­vel: „Nach­wuchs­for­schungs­grup­pen Ro­botics and AI“, 2. PhD Le­vel: „AI-Ro­le Mo­del Lec­tu­re Se­ries“, 3. Stu­dent Le­vel: „50 – 50 Award Next Gen AI“, 4. School Le­vel: „Ro­bo­ter­fa­brik Camps“.

In­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit

Die Un­ter­neh­men am Stand­ort müs­sen ei­nen ho­hen Kos­ten­druck be­wäl­ti­gen. Sie sind mit der Her­aus­for­de­rung kon­fron­tiert, kurz­fris­tig zu in­ves­tie­ren und Pro­zes­se zu op­ti­mie­ren, wäh­rend sie gleich­zei­tig für die mit­tel- bis län­ger­fris­ti­ge An­pas­sung von Pro­duk­ten und Ge­schäfts­mo­del­len an den tech­no­lo­gi­schen Wan­del ei­nen er­heb­li­chen In­ves­ti­ti­ons­auf­wand stem­men müs­sen. Zu den zen­tra­len Auf­ga­ben des Staa­tes ge­hört da­her, wirt­schafts­freund­li­che Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, da­mit die Un­ter­neh­men die­se Her­aus­for­de­run­gen be­wäl­ti­gen kön­nen.

Kern­ele­ment ist ei­ne wirt­schafts­freund­li­che Steu­er­po­li­tik. Es gilt, in Deutsch­land die Un­ter­neh­mens­steu­ern auf ein wett­be­werbs­fä­hi­ges Ni­veau zu sen­ken und die Be­las­tun­gen auch für Pri­va­te ab­zu­bau­en. In­ter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig wä­re ein Be­las­tungs­ni­veau von rund 25 Pro­zent – ak­tu­ell lie­gen wir in Deutsch­land bei ei­ner ef­fek­ti­ven Be­las­tung der Un­ter­neh­men von knapp 32 Pro­zent, die je nach Ge­wer­be­steu­er­he­be­satz noch hö­her aus­fal­len kann.

 

Es ist rich­tig, dass die Pro­jekt­för­de­rung nun end­lich auch in Deutsch­land durch ei­ne steu­er­li­che For­schungs­för­de­rung er­gänzt wird. Sie muss so um­ge­setzt und fi­nan­zi­ell aus­ge­stat­tet wer­den, dass sie ei­ne ma­xi­ma­le He­bel­wir­kung ent­fal­tet und so den For­schungs­stand­ort in der Brei­te vor­an bringt. Da­zu ge­hört, dass For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men und Spit­zen­for­schungs­in­sti­tu­ten von der steu­er­li­chen För­de­rung pro­fi­tie­ren kön­nen. Auch für Groß­un­ter­neh­men muss das An­ge­bot im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich at­trak­tiv sein.

Die Ar­beits­kos­ten dür­fen nicht wei­ter stei­gen. Ins­be­son­de­re muss die Lohn­zu­satz­kos­ten­quo­te sta­bi­li­siert und mit­tel­fris­tig ge­senkt wer­den, vor al­lem über die Bei­trä­ge zur So­zi­al­ver­si­che­rung.

 

Die Kos­ten für die in­dus­tri­el­len Strom­ver­brau­cher und die Ver­sor­gungs­si­cher­heit sind Schlüs­sel­fak­to­ren für die Kon­kur­renz­fä­hig­keit am Stand­ort. Die Strom­kos­ten in Deutsch­land sind im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich schon heu­te deut­lich zu hoch und dür­fen kei­nes­falls wei­ter stei­gen. In­zwi­schen spü­ren ge­ra­de In­dus­trie­un­ter­neh­men in der gan­zen Brei­te die Be­las­tun­gen sehr deut­lich. Durch den ge­plan­ten vor­zei­ti­gen Aus­stieg aus der Koh­le­ver­stro­mung ent­ste­hen­de zu­sätz­li­che Kos­ten dür­fen nicht auf die In­dus­trie ab­ge­wälzt wer­den. Ein kon­se­quen­ter Ein­satz für den Aus­bau der Strom­tras­sen ist not­wen­dig, da an­de­ren­falls nicht nur ei­ne wei­te­re Ver­teue­rung auf­grund zu­sätz­li­cher Ein­grif­fe der Netz­be­trei­ber (Re­dis­patch) droht, die über die Netz­ent­gel­te um­ge­legt wird, son­dern auch ei­ne Auf­tei­lung in Strom­preis­zo­nen mit mas­si­ven Kos­ten­nach­tei­len für den Stand­ort Bay­ern.

Auch auf der eu­ro­päi­schen Ebe­ne gilt es, ent­schlos­sen ge­gen neue Be­las­tun­gen für Un­ter­neh­men wie die dis­ku­tier­te Di­gi­tal­steu­er oder Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er ein­zu­tre­ten. Sie schwä­chen in ers­ter Li­nie die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Wirt­schaft im Bin­nen­markt, in­ter­na­tio­na­le Wett­be­wer­ber pro­fi­tie­ren. Die eu­ro­päi­schen Am­bi­tio­nen zum Bei­spiel beim Kli­ma- und Um­welt­schutz müs­sen im­mer im glo­ba­len Kon­text ge­se­hen wer­den. Die größ­ten In­dus­trie­län­der ste­hen für rund 80 Pro­zent des Treib­haus­gas­aus­sto­ßes und ha­ben frag­los ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung. Die EU ist für rund zehn Pro­zent der glo­ba­len CO2-Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich und da­mit al­lein au­ßer­stan­de, die glo­ba­le Er­wär­mung auf­zu­hal­ten. Wäh­rend im Ver­hält­nis zu Ent­wick­lungs­län­dern ei­ne Vor­bild­funk­ti­on und Vor­rei­ter­rol­le sinn­voll ist (vgl. Ka­chel 04.2), müs­sen im Ver­gleich zu an­de­ren In­dus­trie­na­tio­nen Al­lein­gän­ge ver­mie­den wer­den, um ei­ne blo­ße Ver­la­ge­rung von Emis­sio­nen (Car­bon Lea­ka­ge) und da­mit auch das Aus­blei­ben der not­wen­di­gen Kli­ma­schutz­ef­fek­te zu ver­mei­den. Ziel muss es blei­ben, ein gleich­mä­ßig ho­hes Ni­veau um­zu­set­zen.

In­dus­trie­po­li­tik

Ei­ne In­dus­trie­stra­te­gie und ei­ne dar­auf auf­bau­en­de In­dus­trie­po­li­tik ist ei­ne wich­ti­ge Grund­la­ge für den Tech­no­lo­gie- und In­no­va­ti­ons­stand­ort. Die Stu­die Tech­Check 2019. Er­folgs­fak­tor Mensch. zeigt, dass sich An­wen­dun­gen aus prak­tisch je­dem der zehn baye­ri­schen Zu­kunfts­fel­der in ei­ner oder meh­re­ren Schlüs­sel­bran­chen Bay­erns und Deutsch­lands nie­der­schla­gen. Al­lein in Gü­tern aus dem Be­reich Ma­schi­nen­bau kom­men Tech­no­lo­gi­en aus neun der zehn Zu­kunfts­fel­der zur An­wen­dung. Ei­ne deut­sche und baye­ri­sche In­dus­trie­stra­te­gie muss von den Grund­la­gen un­se­res wirt­schaft­li­chen Er­folgs aus­ge­hen (Stär­ken stär­ken) und de­fi­nie­ren, auf wel­che zu­sätz­li­chen neu­en Fel­dern Spit­zen­stel­lun­gen an­ge­strebt wer­den (Di­ver­si­fi­ka­ti­on). Kern­ele­men­te müs­sen dem­nach un­ter an­de­rem Fahr­zeug- und Ma­schi­nen­bau, aber auch Ro­bo­tik ein­schließ­lich künst­li­cher (ma­schi­nel­ler) In­tel­li­genz sein.

 

Ziel der In­dus­trie­po­li­tik muss es sein, Ori­en­tie­rung für die Wirt­schaft zu ge­währ­leis­ten – ins­be­son­de­re für KMU –, in­dem die gro­ßen Leit­plan­ken für die nächs­ten Jah­re ab­ge­steckt wer­den, auch für das Agie­ren im eu­ro­päi­schen und glo­ba­len Kon­text. Zu den In­hal­ten ge­hört ei­ne kla­re, kri­te­ri­en­ba­sier­te De­fi­ni­ti­on, wel­ches die Schlüs­sel­in­dus­tri­en für den Stand­ort sind und auf wel­chen Fel­dern in wel­chem Maß na­tio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät (Kom­pe­ten­zen, Roh­stof­fe etc.) an­ge­strebt wird, um die Zu­kunfts­fä­hig­keit ab­zu­si­chern. Ei­ne Stra­te­gie darf al­ler­dings nicht mit staat­li­cher In­ter­ven­ti­ons­po­li­tik ver­wech­selt wer­den. Staat­li­che Be­tei­li­gun­gen oder ähn­li­che Ein­grif­fe zur Ver­hin­de­rung ei­nes sog. „Aus­ver­kaufs“ von Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en et­wa dür­fen nur die letz­te Aus­nah­me sein und müs­sen an trans­pa­ren­te, har­te Kri­te­ri­en ge­bun­den wer­den. In­dus­trie- und Tech­no­lo­gie­stra­te­gie müs­sen schließ­lich engs­tens ver­zahnt sein, an­ders als es et­wa bis­lang bei der Na­tio­na­len In­dus­trie­stra­te­gie 2030 und der High­Tech-Stra­te­gie 2025 der Fall ist. Des­glei­chen ist auch ei­ne Ver­zah­nung mit der eu­ro­päi­schen For­schungs- und In­no­va­ti­ons­po­li­tik ein­schließ­lich des kom­men­den For­schungs­rah­men­pro­gramms Ho­ri­zon Eu­ro­pe und sei­nen Mis­sio­nen zu ge­währ­leis­ten.

 

Grund­la­ge je­der In­dus­trie­stra­te­gie so­wohl auf na­tio­na­ler wie auf baye­ri­scher Ebe­ne muss ei­ne fun­dier­te Ana­ly­se von Schlüs­sel­bran­chen be­zie­hungs­wei­se -in­dus­tri­en und der sie prä­gen­den tech­no­lo­gi­schen Trends so­wie der stra­te­gi­schen Ent­wick­lun­gen auf der in­ter­na­tio­na­len Ebe­ne sein, wie sie et­wa die Stu­di­en Bay­erns Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en (2015) und Tech­Check 2019. Er­folgs­fak­tor Mensch. lie­fern.