Ge­sell­schaft mit­neh­men

Kla­res Ver­ständ­nis von den Ver­ant­wort­lich­kei­ten

se­hen die Un­ter­neh­men auf der ge­sell­schaft­li­chen Ebe­ne haupt­säch­lich auf der emo­tio­na­len Ebe­ne, mit ei­ner star­ken Be­to­nung des er­leb­ba­ren Nut­zens.

 

 

In ers­ter Li­nie se­hen die Un­ter­neh­men sich selbst in der Pflicht, wenn es dar­um geht, Be­geis­te­rung für tech­no­lo­gi­sche Neue­run­gen zu we­cken. Das ist un­zwei­fel­haft rich­tig, wenn es um den Ab­satz kon­kre­ter Pro­duk­te geht, im Nor­mal­fall (d. h. ab­ge­se­hen von der Ver­ant­wor­tung für ein kon­kre­tes Fehl­ver­hal­ten) aber auch dar­auf be­schränkt. Denn für das Um­feld und das „Kli­ma“, in dem die Ge­sell­schaft sich mit tech­no­lo­gi­schem Wan­del aus­ein­an­der­setzt, ist ganz maß­geb­lich der Staat ver­ant­wort­lich, wie sich auch an den Aus­sa­gen zu den (in­fra­struk­tu­rel­len) Rah­men­be­din­gun­gen ab­le­sen lässt.

 

Für vie­le „Mis­sio­nen“, wie sie im Rah­men der staat­li­chen Po­li­tik de­fi­niert wer­den kön­nen, ist wie­der­um im Kern je­der Ein­zel­ne ver­ant­wort­lich, und die­ses Be­wusst­sein muss der Staat auch trans­por­tie­ren. Ein Bei­spiel ist der Kli­ma­schutz im Ver­kehrs­be­reich: Staat­li­che Re­gu­lie­rung setzt beim Her­stel­ler an, dem Flot­ten­grenz­wer­te vor­ge­schrie­ben wer­den. Funk­tio­nie­ren wird das al­ler­dings nur, wenn emis­si­ons­är­me­re Fahr­zeu­ge tat­säch­lich auch in gro­ßer Zahl nach­ge­fragt wer­den. Bis­lang sind die Zu­las­sungs­zah­len von Pkw mit al­ter­na­ti­ven An­trie­ben ge­ring. Die bis­he­ri­gen Ver­su­che, mit An­rei­zen (Kfz-Steu­er, Prä­mi­en etc.) die Nach­fra­ge zu er­hö­hen, ha­ben noch zu we­nig Wir­kung ge­zeigt.

Po­si­ti­ves Bild neu­er Tech­no­lo­gi­en schaf­fen

Ins­ge­samt ist die deut­sche Ge­sell­schaft nicht ne­ga­tiv ein­ge­stellt. Ech­te Be­geis­te­rung für tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt ist al­ler­dings auch nicht fest­zu­stel­len, und ein­zel­ne tech­no­lo­gi­sche Trends wer­den sehr kri­tisch ge­se­hen. Wenn die Ge­sell­schaft Vor­be­hal­te ge­gen­über neu­en Tech­no­lo­gi­en oder An­wen­dun­gen pflegt, kann sich das als Wett­be­werbs­nach­teil aus­wir­ken. Der Staat ist da­her ge­for­dert, ein Kli­ma der Tech­no­lo­gie­of­fen­heit und In­no­va­ti­ons­freu­dig­keit zu schaf­fen. Zen­tral ist da­bei, den ge­sell­schaft­li­chen Nut­zen zu ver­mit­teln.

 

Es gilt, recht­zei­tig Chan­cen zu be­to­nen und Ri­si­ken rea­lis­tisch ein­zu­ord­nen, um Ängs­te nicht ent­ste­hen zu las­sen oder vor­han­de­ne po­si­tiv auf­zu­lö­sen. Der Staat darf we­der selbst so­fort ei­ne Ab­wehr­hal­tung aus dog­ma­ti­schen Grün­den ein­neh­men noch ei­ne sol­che in der Be­völ­ke­rung be­för­dern

 

Die Ein­bin­dung der Ge­sell­schaft er­folgt heu­te öf­ter als frü­her auch pro­ak­tiv, was grund­sätz­lich gut ist. Der ge­sell­schaft­li­che Dis­kurs muss al­ler­dings so ge­führt wer­den, dass Ri­si­ken nicht al­le Chan­cen über­la­gern. Beim au­to­no­men Fah­ren kann das trotz des letzt­lich aus­ge­wo­ge­nen Er­geb­nis­ses der Ethik-Kom­mis­si­on be­zwei­felt wer­den: Es gibt kein Bild, das in der Ge­sell­schaft zu die­sem The­ma prä­sen­ter wä­re als das des Au­tos, das sich zwi­schen der Ver­let­zung zwei­er Per­so­nen(grup­pen) ent­schei­det. Ethik soll­te als In­no­va­ti­ons­trei­ber ver­stan­den und ein­ge­setzt wer­den: als das Auf­zei­gen von Chan­cen, wie neue An­wen­dun­gen zum Nut­zen des Men­schen ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Zu Recht be­tont der Ko­ali­ti­ons­ver­trag auf Bun­des­ebe­ne, das „Zeit­al­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung als Chan­ce für mehr und bes­se­re Ar­beit nut­zen“ zu wol­len. Es feh­len je­doch die chan­cen­ori­en­tier­ten An­sät­ze. Im Hin­blick auf den Ar­beits­schutz den­ken die Ko­ali­tio­nä­re bei­spiels­wei­se nur an mög­li­che psy­chi­sche Be­las­tun­gen durch Di­gi­ta­li­sie­rung. Ziel­füh­rend wä­re es, den Fo­kus auf po­si­ti­ve Wir­kun­gen der Ar­beit zu rich­ten und aus den ent­spre­chen­den For­schungs­er­geb­nis­sen Ge­stal­tungs­an­sät­ze für Ar­beits­mit­tel, -um­ge­bun­gen und Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren zu ent­wi­ckeln, die Fak­to­ren wie Mo­ti­va­ti­on, Iden­ti­fi­ka­ti­on und Ver­trau­en stär­ken. Di­gi­ta­le Mo­del­le hel­fen, mit der Kom­ple­xi­tät der Ar­beits­welt um­zu­ge­hen und Zu­sam­men­hän­ge zu ver­an­schau­li­chen, bei­spiels­wei­se bei der Ver­än­de­rung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen. Die­se Mög­lich­kei­ten müs­sen noch stär­ker be­kannt ge­macht und die in­tui­ti­ve, in­ter­ak­ti­ve Aus­ge­stal­tung ge­för­dert wer­den. Auch im ei­ge­nen Be­reich (Mi­nis­te­ri­en, Be­hör­den, staat­lich ge­tra­ge­ne Agen­tu­ren etc.) müs­sen die Po­ten­zia­le di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en stär­ker aus­ge­schöpft wer­den, um ei­ge­nes Er­fah­rungs­wis­sen auf­zu­bau­en und trans­por­tie­ren zu kön­nen.

Um Tech­no­lo­gie- und In­no­va­ti­ons­be­geis­te­rung in der Brei­te zu we­cken, muss der Staat die ver­schie­de­nen po­si­ti­ven As­pek­te trans­por­tie­ren. Neue Tech­no­lo­gi­en ha­ben auch gro­ße öko­lo­gi­sche und so­zia­le Po­ten­zia­le für die Ge­sell­schaft. Die­se müs­sen stär­ker be­tont und trans­por­tiert wer­den, bei­spiels­wei­se ihr Bei­trag für das Er­rei­chen der Nach­hal­tig­keits­zie­le (vgl. Ka­chel 04.2), um von der Not­wen­dig­keit tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts zu über­zeu­gen, Vor­be­hal­te zu be­sei­ti­gen und das ent­spre­chen­de Po­ten­zi­al im ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen In­ter­es­se ent­fal­ten zu kön­nen.

Ei­ne stär­ke­re Mis­si­ons­ori­en­tie­rung (vgl. Ka­chel 02.4.1, Aus­klap­per 5) mit po­si­tiv for­mu­lier­ten Zie­len wird eben­falls ei­nen Bei­trag leis­ten. Am Bei­spiel der „Gen-Sche­re“ CRIS­PR / Cas9 las­sen sich die bis­he­ri­gen Me­cha­nis­men gut il­lus­trie­ren. Mit die­sem Ge­nom-Edi­tie­rungs­ver­fah­ren kann das Erb­gut von Pflan­zen, Tie­ren und Men­schen ver­än­dert wer­den. CRIS­PR / Cas9 ist um so viel prä­zi­ser und vor al­lem auch kos­ten­güns­ti­ger als bis­he­ri­ge Me­tho­den, dass es sich um ei­ne Schlüs­sel­an­wen­dung und be­deut­sa­me Sprun­gin­no­va­ti­on der Bio­tech­no­lo­gie han­delt. In Deutsch­land und Eu­ro­pa wer­den al­ler­dings vor­ran­gig die Ge­fah­ren und ethi­schen Be­den­ken de­bat­tiert. Die Geg­ner der neu­en Tech­no­lo­gie ar­gu­men­tie­ren ge­zielt ge­gen die mög­li­chen po­si­ti­ven Vi­sio­nen – Be­kämp­fung des welt­wei­ten Hun­gers, von schwer­wie­gen­den Er­kran­kun­gen etc., Ver­rin­ge­rung von Um­welt­ri­si­ken – da­mit, dass in der Pra­xis das Ver­fah­ren ja nicht für die­se Zie­le ge­nutzt wer­de und nur da­zu die­ne, die Markt­po­si­ti­on ein­zel­ner Un­ter­neh­men et­wa aus der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie wei­ter aus­zu­bau­en. Dass die Ver­fah­ren ent­spre­chend ein­ge­setzt wer­den, dürf­te zu­tref­fen. Bei der Ar­gu­men­ta­ti­on wird aber über­se­hen, dass bei uns we­der ei­ne ech­te Ziel­ori­en­tie­rung auf die­sem Ge­biet vor­liegt noch ent­spre­chen­de Ak­ti­vi­tä­ten der Un­ter­neh­men ge­för­dert wür­den. Im Ge­gen­teil: Der EuGH hat 2018 ent­schie­den, dass das neue Ver­fah­ren der Gen­tech­nik zu­zu­ord­nen ist. Im Be­reich der Nutz­pflan­zen fehlt da­mit bei uns gänz­lich der Markt: Ei­ne eu­ro­pa­wei­te Be­we­gung gen­tech­nik­frei­er Re­gio­nen, der in Deutsch­land al­le Län­der mit Aus­nah­me von Sach­sen an­ge­hö­ren, un­ter­bin­det den An­bau gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men. Was der­zeit an wirt­schaft­li­chen An­wen­dun­gen im Be­reich Ge­nom-Edi­tie­rung zu be­ob­ach­ten ist, er­folgt al­so tat­säch­lich nur im Aus­land und aus wirt­schaft­li­chen Ei­gen­in­ter­es­sen der Un­ter­neh­men, ist aber als grund­sätz­li­ches Ar­gu­ment zur Ent­kräf­tung po­si­ti­ver Vi­sio­nen nicht ge­eig­net, weil da­für der Rah­men fehlt. Dass ei­ne neue Tech­no­lo­gie wirt­schaft­lich sehr er­folg­reich ein­ge­setzt wer­den kann, sagt nichts über ih­ren ge­sell­schaft­li­chen Nut­zen aus.

Schließ­lich muss der Staat auch die Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on stär­ker för­dern. Teil da­von sind auch die Mu­se­en, na­ment­lich For­schungs­mu­se­en wie das Deut­sche Mu­se­um in Mün­chen, das welt­weit größ­te na­tur­wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Mu­se­um. Ein wei­te­res Bei­spiel ist die Neu­kon­zep­ti­on des Mu­se­ums Mensch und Na­tur im Schloss Nym­phen­burg als BIO­TO­PIA, Mu­se­um für Life Sci­en­ces und Um­welt­wis­sen­schaf­ten.

Neue An­wen­dun­gen ge­zielt für Par­ti­zi­pa­ti­on nut­zen

Der Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en bzw. dar­auf ba­sie­ren­der An­wen­dun­gen er­öff­net auch Chan­cen, die Aus­wir­kun­gen und den Nut­zen von Ver­än­de­run­gen zu trans­por­tie­ren. Ein Bei­spiel sind 3D-An­wen­dun­gen (Vi­sua­li­sie­rung, Si­mu­la­ti­on), die et­wa bei Bau­vor­ha­ben An­woh­nern und wei­te­ren In­ter­es­sier­ten de­mons­trie­ren kön­nen, wie die neue In­fra­struk­tur sich in die Um­ge­bung ein­fügt. Gleich­zei­tig kann auf An­re­gun­gen und Ein­wän­de so­fort re­agiert wer­den: Mit ei­ner An­pas­sung der Pa­ra­me­ter kann z. B. na­he­zu in Echt­zeit ge­zeigt wer­den, wel­che Aus­wir­kun­gen ei­ne an­de­re Bau­wei­se, Tras­sen­füh­rung etc. hät­te. Ar­gu­men­te kön­nen so­fort ver­ar­bei­tet und bei Be­darf glaub­haft wi­der­legt wer­den. Da­mit wird ei­ne öf­fent­li­che Kon­sul­ta­ti­on mit di­rek­tem Feed­back mög­lich.

 

Bis­her ist der Staat hier zu zö­ger­lich beim Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en. Stutt­gart 21 ist ein Bei­spiel: Die Werk­zeu­ge für ei­ne über­zeu­gen­de Vi­sua­li­sie­rung der ver­schie­de­nen Op­tio­nen und des Ziel­zu­stands la­gen vor, ka­men aber nicht zum Ein­satz. Künf­tig müs­sen sol­che An­wen­dun­gen im Rah­men von Par­ti­zi­pa­ti­ons­ver­fah­ren zum Stan­dard wer­den.

 

Der Staat ist auch ge­for­dert, neue­re Ka­nä­le stär­ker zu be­set­zen und ins­be­son­de­re Fake News et­was „Be­glau­big­tes“ ent­ge­gen­zu­set­zen. Da­zu reicht es mög­li­cher­wei­se nicht, nur ei­nen Face­book-, YouTube- oder Ins­ta­gram- Ac­count zu be­trei­ben, wenn man ei­ne brei­te Ziel­grup­pe er­rei­chen will. Auch In­flu­en­cer müs­sen bei­spiels­wei­se ernst ge­nom­men und als neu­es Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um ge­nutzt wer­den. Es kann hel­fen, wenn sich die Ver­ant­wort­li­chen im Sin­ne ei­nes Per­spek­tiv­wech­sels selbst als In­flu­en­cer be­grei­fen und ent­spre­chend agie­ren. Ver­gleich­bar der Ge­gen­dar­stel­lung in der Zei­tung muss auch hier der So­ci­al-Me­dia-Nut­zer dort er­reicht wer­den, wo er sich in­for­miert. Ein ak­tu­el­les Bei­spiel ist der Impf­schutz: Jah­re­lang war die Ma­sern­imp­fung kein The­ma, bis die So­ci­al-Me­dia-Ka­nä­le ge­flu­tet wur­den von Fake News über an­geb­li­che Impf­schä­den – mit dem Er­geb­nis, dass Ma­sern wie­der auf dem Vor­marsch sind. Ver­pflich­tun­gen und Straf­an­dro­hun­gen sind hier als al­lei­ni­ges Mit­tel nicht aus­rei­chend, wie die Impf­zah­len und vor al­lem Krank­heits­fäl­le in be­nach­bar­ten Staa­ten wie Frank­reich oder Ita­li­en zei­gen.

Rea­lis­ti­sche Er­war­tun­gen in der Be­völ­ke­rung er­zeu­gen

Ne­ben den Un­ter­neh­men selbst sind auch die staat­li­chen Ein­rich­tun­gen als „neu­tra­le In­stan­zen“ ge­for­dert, wenn es dar­um geht, rea­lis­ti­sche Er­war­tun­gen im tech­no­lo­gi­schen Wan­del zu we­cken. Staat und Po­li­tik müs­sen Zu­sam­men­hän­ge und die Aus­wir­kun­gen grund­le­gen­der Wei­chen­stel­lun­gen früh­zei­tig und so trans­pa­rent und ver­ständ­lich wie mög­lich kom­mu­ni­zie­ren.

In der Ge­sell­schaft hat sich bei­spiels­wei­se mitt­ler­wei­le das Bild ver­fes­tigt, Da­ten sei­en der ent­schei­den­de Roh­stoff, das „Öl“ der Zu­kunft und sehr wert­voll. Wie Stu­di­en der TU Darm­stadt zei­gen, über­schät­zen die Bür­ger al­ler­dings den Wert ih­rer Da­ten deut­lich. So ver­dient Face­book pro Nut­zer in Eu­ro­pa zwi­schen acht und 13 Eu­ro im Jahr, was zu­min­dest ein gu­ter Nä­he­rungs­wert für die Be­stim­mung des Werts der Da­ten ist. Die Schät­zung der Stu­di­en­teil­neh­mer liegt oft drei- bis vier­mal hö­her. Zu­sätz­lich sind sie viel­fach der An­sicht, nicht aus­rei­chend für die Preis­ga­be ih­rer Da­ten kom­pen­siert zu wer­den. Es ent­steht al­so ein Ge­fühl der Un­fair­ness, aus dem wie­der­um die For­de­rung nach ei­ner hö­he­ren Be­tei­li­gung an der Wert­schöp­fung durch Da­ten­nut­zung bzw. ei­ne Frei­ga­be von „Da­ten für al­le“ ab­ge­lei­tet wird. Das blen­det nicht nur den tat­säch­li­chen mo­ne­tä­ren Wert und die ei­gent­li­che Leis­tung des An­bie­ters des da­ten­ge­trie­be­nen Ge­schäfts­mo­dells aus, es spie­gelt nicht ein­mal den sub­jek­ti­ven Wert der Da­ten wi­der, wie er im Um­gang des Ein­zel­nen da­mit zum Aus­druck kommt. Die Ak­zep­tanz da­ten­ba­sier­ter Ge­schäfts­mo­del­le ist in der Be­völ­ke­rung re­la­tiv nied­rig, was in star­kem Kon­trast zum Maß der Nut­zung ge­ra­de im pri­va­ten Be­reich steht. Ei­ne sta­bi­le Mehr­heit von knapp un­ter 50 Pro­zent sagt, sie fin­de es nicht in Ord­nung, dass „kos­ten­lo­se“ In­ter­net­diens­te wie Face­book oder Goog­le Geld mit Nut­zer­da­ten ver­die­nen, „aber ich muss mich da­mit ab­fin­den“. Er­staun­li­cher­wei­se steigt der An­teil der­je­ni­gen, die dar­über „noch nie nach­ge­dacht“ ha­ben, seit Jah­ren an: von 3,6 Pro­zent im Jahr 2012 auf 13,2 Pro­zent in der jüngs­ten Be­fra­gung von 2017. Auf der ei­nen Sei­te spricht das nicht für den Er­folg der bis­he­ri­gen Be­mü­hun­gen zur Stei­ge­rung der Me­di­en­kom­pe­tenz, auf der an­de­ren Sei­te mag das Aus­druck ei­ner wach­sen­den Nor­ma­li­tät des Ge­schäfts­mo­dells ge­ra­de in den jün­ge­ren Ziel­grup­pen sein.

 

Wäh­rend zu­nächst viel­fach ein „Da­ten­ei­gen­tum“ dis­ku­tiert wur­de, hat sich in­zwi­schen der Trend kom­plett ge­wan­delt, und es sol­len nun nach Auf­fas­sung vie­ler Da­ten im­mer al­len „ge­hö­ren“. Die­ser Rich­tungs­wech­sel lässt sich in­so­weit nach­voll­zie­hen, als der Bür­ger mit sei­nen Da­ten in mo­ne­tä­rer Hin­sicht nicht viel an­fan­gen kann. Zwar gibt es je­den­falls in den USA be­reits Ge­schäfts­mo­del­le, die ex­pli­zit auf ei­nen „Ver­kauf“ von per­sön­li­chen Da­ten (z. B. Be­we­gungs­da­ten, Ein­kaufs­ver­hal­ten) set­zen, sie wer­den aber in Deutsch­land von der Be­völ­ke­rung mehr­heit­lich ab­ge­lehnt und ent­spre­chen von den Er­lö­sen her auch nicht den o. g. Er­war­tun­gen. Ei­ne ge­wis­se Aus­nah­me stel­len Ver­si­che­rungs­an­ge­bo­te dar, bei de­nen der Kun­de dem Un­ter­neh­men zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung stellt, um in ei­nen güns­ti­ge­ren Ta­rif zu ge­lan­gen. Da al­so die „Selbst­ver­mark­tung“ nur in be­grenz­tem Um­fang klappt, das Ge­fühl der Un­ge­rech­tig­keit aber bleibt, ver­la­gern sich die For­de­run­gen je nach po­li­ti­scher Aus­rich­tung hin zur Um­ver­tei­lung (Teil­ha­be an Wert­schöp­fung, z. B. über „Ro­bo­ter­steu­er“) oder Zer­schla­gung der „Da­ten­mo­no­po­le“ bzw. der über sie ver­fü­gen­den Un­ter­neh­men. Die­ses an­de­re Ex­trem ist al­ler­dings nicht min­der ris­kant für ei­ne zu­kunfts­fä­hi­ge Aus­rich­tung des Stand­orts und eben­so ab­zu­leh­nen.

 

Nur wenn öko­no­mi­sche Grund­la­gen be­kannt sind – und da­zu ge­hö­ren in ei­ner zu­neh­mend di­gi­ta­len Wirt­schaft auch Grund­zü­ge der Da­ten­öko­no­mie –, ist ei­ne sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung auch in der po­li­ti­schen De­bat­te mög­lich, die nicht al­lei­ne um Fra­gen der (Ver­tei­lungs-)Ge­rech­tig­keit kreist.

Ur­sprüng­lich an­ge­tre­ten war die Po­li­tik mit Aus­sa­gen wie je­ner, dass die En­er­gie­wen­de (oder ge­nau­er: die För­de­rung er­neu­er­ba­rer En­er­gi­en) den durch­schnitt­li­chen Haus­halt pro Mo­nat nur so viel kos­te wie ei­ne Ku­gel Eis. Der­zeit lie­gen die­se Kos­ten bei rund 20 Eu­ro im Mo­nat al­lein für die EEG-Um­la­ge. Of­fen bleibt, ob es dem Wäh­ler auch die­sen oder viel­leicht so­gar ei­nen noch hö­he­ren Be­trag wert ge­we­sen wä­re, wenn man ihn von vorn­her­ein kom­mu­ni­ziert und er­klärt hät­te. Statt­des­sen kreist die De­bat­te seit Jah­ren dar­um, wer an wel­cher Stel­le ver­sagt hat, weil die Kos­ten hö­her aus­fal­len, und wer stär­ker be- oder ent­las­tet wer­den müss­te. Hin­zu kom­men Ak­zep­tanz­pro­ble­me im Hin­blick auf An­la­gen und Lei­tun­gen, de­ren Not­wen­dig­keit ei­gent­lich auch schon von An­fang an fest­stand. Bei den not­wen­di­gen Maß­nah­men zur Er­rei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le zeigt sich ei­ne ähn­li­che Ten­denz: Es wer­den Zie­le fest­ge­legt und Maß­nah­men auf ei­ner Ebe­ne dis­ku­tiert, die so abs­trakt ist (Ver­kehrs­sek­tor, In­dus­trie etc.), dass die Be­trof­fen­heit des Ein­zel­nen im Dun­keln bleibt, je­den­falls so­fern er nicht in ei­nem der im Fo­kus ste­hen­den Wirt­schafts­zwei­ge be­schäf­tigt ist. Zu­sätz­lich wird bei je­der Maß­nah­me be­tont, sie müs­se selbst­ver­ständ­lich so­zi­al­ver­träg­lich aus­ge­stal­tet wer­den. Wenn dem Bür­ger aber nicht er­klärt wird, was Kli­ma­neu­tra­li­tät für sei­nen ganz per­sön­li­chen Le­bens­stil be­deu­tet und mit wel­chen Aus­wir­kun­gen auf Wirt­schafts­struk­tur, Wohl­stand und Be­schäf­ti­gung zu rech­nen ist, ist die nächs­te Ent­täu­schung vor­pro­gram­miert. Die Stu­die Kli­ma­pfa­de für Deutsch­land (BCG / Pro­gnos 2018) zeigt, wel­che enor­men An­stren­gun­gen für die Er­rei­chung von 95 Pro­zent Emis­si­ons­re­du­zie­rung bis 2050 er­for­der­lich sind. Ne­ben volks­wirt­schaft­li­chen Mehr­kos­ten in Hö­he von 15 bis 30 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr müs­sen u. a. syn­the­ti­sche Kraft­stof­fe in gro­ßer Men­ge im­por­tiert wer­den, Car­bon Cap­tu­re and Sto­ra­ge (CCS) in der In­dus­trie ein­ge­setzt und die Emis­sio­nen im Tier­be­stand re­du­ziert wer­den; um den Fort­be­stand der In­dus­trie am Stand­ort zu si­chern, sind neue Aus­gleichs­me­cha­nis­men er­for­der­lich. Nur bei op­ti­ma­ler Um­set­zung und glo­ba­len Kli­ma­schutz­an­stren­gun­gen kön­nen nach dem Er­geb­nis der Stu­die ge­samt­wirt­schaft­lich neu­tra­le bis leicht po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen er­war­tet wer­den.

 

 

Tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt und Nach­hal­tig­keit ge­mein­sam vor­an­trei­ben

Vie­le neue An­wen­dun­gen er­leich­tern das Le­ben der Men­schen und stif­ten gro­ßen Nut­zen in der Ge­sell­schaft. Gleich­zei­tig steigt mit neu­en Tech­no­lo­gi­en oft auch der Be­darf an be­stimm­ten Res­sour­cen. Tech­no­lo­gie kann auch für die Be­wäl­ti­gung die­ser Fra­ge der Schlüs­sel sein, wenn die ent­spre­chen­den Lö­sun­gen mit­be­dacht wer­den.

Un­ter Be­rück­sich­ti­gung des deut­lich stei­gen­den Ab­sat­zes von In­dus­trie­ro­bo­tern in be­stehen­den An­wen­dungs­be­rei­chen und ih­res ab­seh­ba­ren groß­flä­chi­gen Ein­sat­zes in neu­en Märk­ten müs­sen auch ihr En­er­gie­ver­brauch und die Nach­hal­tig­keit be­rück­sich­tigt wer­den. Es wird ge­schätzt, dass die vor­han­de­nen 1,7 Mil­lio­nen In­dus­trie­ro­bo­ter im Jahr 2015 rund 271 PJ ver­braucht ha­ben. Für 2025 wird er­war­tet, dass die­se Zahl auf min­des­tens 1.079 PJ an­stei­gen wird, ba­sie­rend auf ei­ner sehr kon­ser­va­ti­ven Schät­zung von 6,5 Mil­lio­nen in­stal­lier­ten Ro­bo­tern. Die da­mit ver­bun­de­nen En­er­gie­kos­ten be­tra­gen ins­ge­samt ca. 3,2 Mil­li­ar­den Eu­ro bei durch­schnitt­li­chen Kos­ten von ca. 100 € /MWh. Die­se Zah­len be­le­gen den zu­künf­ti­gen Be­darf an nach­hal­ti­ge­ren in­tel­li­gen­ten Ro­bo­tern und au­to­no­men Sys­te­men, selbst bei ei­ner eher kon­ser­va­ti­ven An­nah­me des Markt­wachs­tums, wo­bei die der­zeit stark wach­sen­den mo­bi­len Sys­te­me und der Pri­vat­sek­tor noch nicht be­rück­sich­tigt sind. Ne­ben ho­her Per­form­anz und wirt­schaft­li­cher Ef­fi­zi­enz ist al­so durch die im­mer wei­te­re Ver­brei­tung in­tel­li­gen­ter Ro­bo­te­r­as­sis­ten­ten und an­de­rer KI-Sys­te­me die Ent­wick­lung von wirt­schaft­li­chen und en­er­gie­be­wuss­ten KI-Al­go­rith­men mit­samt ent­spre­chen­der ska­lier­ba­rer KI-In­fra­struk­tur ein Schlüs­sel für den High­tech-Wirt­schafts­stand­ort Bay­ern. Um die­sem Be­darf ge­recht zu wer­den, soll die Leucht­tur­mi­nitia­ti­ve „Green AI“ un­ter Fe­der­füh­rung der TUM, mit star­ker Be­tei­li­gung der Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft und for­tiss, in Ko­ope­ra­ti­on mit der baye­ri­schen Wirt­schaft und dem BIDT auf­ge­baut und aus­ge­rollt wer­den (Vgl. Ka­chel 02.3.2, Aus­klap­per 14).

Auf der Ebe­ne von En­er­gie­trans­port und -ver­tei­lung ge­winnt die Mo­der­ni­sie­rung der In­fra­struk­tur in Rich­tung sog. in­tel­li­gen­ter Net­ze (Smart Grids: dif­fe­ren­zier­te und in Tei­len selbst or­ga­ni­sier­te Steue­rung von ver­knüpf­ten En­er­gie­net­zen) in den nächs­ten Jah­ren wei­ter an Be­deu­tung. Ih­nen wird ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Sta­bi­li­sie­rung und Aus­re­ge­lung von fluk­tu­ie­ren­der Ein­spei­sung bei er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en, stei­gen­den Nach­fra­ge­spit­zen durch neue Ver­brau­cher und da­mit bei der Ak­ti­vie­rung von Fle­xi­bi­li­tät zu­ge­schrie­ben. Der Ein­satz von Smart Grids konn­te nach ei­ner Ab­schät­zung des Fraun­ho­fer-In­sti­tuts für Sys­tem- und In­no­va­ti­ons­for­schung zu­dem mit­tel­bar in al­len Wirt­schafts­be­rei­chen (u. a. En­er­gie, Ge­sund­heit, Ver­kehr) zu jähr­li­chen Ef­fi­zi­enz­ge­win­nen und zu­sätz­li­chen Wachs­tums­im­pul­sen in Mil­li­ar­den­ho­he fuh­ren. Auch aus der zu­neh­men­den Au­to­ma­ti­sie­rung des Ver­kehrs- bzw. Trans­port­we­sens er­ge­ben sich gro­ße Chan­cen. Bei­de Be­rei­che set­zen eben­falls stark auf Künst­li­che In­tel­li­genz.