Emp­feh­lun­gen zu all­ge­mei­nen Rah­men­be­din­gun­gen für In­no­va­tio­nen

Not­wen­di­ge Wei­chen­stel­lun­gen als Re­ak­ti­on auf glo­ba­le Trends

 

In­no­va­tio­nen sind der Treib­stoff für un­se­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit. In ei­ner Welt im ra­san­ten Wan­del müs­sen ne­ben vie­len spe­zi­fi­schen Ein­zel­maß­nah­men da­für vor al­lem die Wei­chen­stel­lun­gen am Stand­ort stim­men.

Die Be­völ­ke­rungs­zahl in Deutsch­land geht zu­rück und die in Deutsch­land le­ben­den Men­schen wer­den im­mer äl­ter – der de­mo­gra­fi­sche Wan­del prägt wie kaum ein an­de­rer As­pekt die wirt­schaft­li­che und ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung des Lan­des in den kom­men­den Jahr­zehn­ten. Die Zahl der Neu­ge­bo­re­nen ei­nes Jahr­gangs ist durch die de­mo­gra­fi­sche Struk­tur der Be­völ­ke­rung für den Zeit­raum ei­ner Le­bens­span­ne – d.h. für rund 80 Jah­re – fest­ge­schrie­ben. Selbst fun­da­men­ta­le Än­de­run­gen bei Fer­ti­li­tät, Mor­ta­li­tät und auch Zu­wan­de­rung blei­ben in­ner­halb ei­ner Ge­ne­ra­ti­on oh­ne we­sent­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Al­ters­struk­tur.

Die dras­ti­sche Al­te­rung der Ge­sell­schaft in­ner­halb der nächs­ten Jahr­zehn­te ist weit­ge­hend un­ab­än­der­lich. Nur ei­ne sub­stan­zi­el­le Zu­wan­de­rung bie­tet in be­grenz­tem Um­fang die Chan­ce für kurz­fris­ti­ge Ver­än­de­run­gen der de­mo­gra­fi­schen Struk­tur. Der ge­ziel­te Zu­zug von Fach­kräf­ten fin­det der­zeit nur in be­grenz­tem Um­fang statt. Dies be­deu­tet für den Ar­beits­markt, dass der Ver­lust von Ar­beits­kräf­ten durch al­ters­be­ding­tes Aus­schei­den nicht voll­stän­dig kom­pen­siert wer­den kann, son­dern durch ei­ne ge­ziel­te An­wer­bung von Fach­kräf­ten er­gänzt wer­den muss. Setzt sich der der­zei­ti­ge Flücht­lings­strom nach Deutsch­land und Bay­ern fort, wird der In­te­gra­ti­on die­ser Grup­pe in den Ar­beits­markt gro­ße Be­deu­tung zu­kom­men.

Die­ses Phä­no­men hat auf die So­zi­al­sys­te­me und auf den Ar­beits­markt mas­si­ve Aus­wir­kun­gen. Durch die Um­la­ge­fi­nan­zie­rung und Leis­tungs­aus­wei­tun­gen wer­den die Bei­trags­sät­ze wei­ter an­stei­gen. Die ent­schei­den­de Her­aus­for­de­rung für die Po­li­tik be­steht dar­in, die So­zi­al­ver­si­che­run­gen so zu re­for­mie­ren, dass sie fi­nan­zier­bar blei­ben und den Fak­tor Ar­beit nicht noch stär­ker be­las­ten. Gleich­zei­tig be­steht auch das In­ter­es­se, Al­ters­krank­hei­ten vor­zu­beu­gen und ef­fek­ti­ve The­ra­pi­en zu ent­wi­ckeln.

Dar­über hin­aus wan­deln sich die Nach­fra­ge und die Be­dürf­nis­se von gro­ßen Tei­len der Be­völ­ke­rung. Hier­auf müs­sen sich nicht nur die Po­li­tik – et­wa hin­sicht­lich der Ge­währ­leis­tung ei­ner flä­chen­de­cken­den me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung – ein­stel­len, son­dern auch Wirt­schaft und Wis­sen­schaft, wenn es bei­spiels­wei­se um die Ent­wick­lung von As­sis­tenz­sys­te­men geht, die ein weit­ge­hend selbst­stän­di­ges Le­ben im Al­ter er­leich­tern, oder um Tech­no­lo­gi­en zur Un­ter­stüt­zung des ge­sun­den Al­terns. Gleich­zei­tig gilt es, bei al­len Ent­schei­dun­gen die Prä­fe­ren­zen ei­ner viel­leicht nicht we­sent­lich klei­ne­ren, aber an­ders zu­sam­men­ge­setz­ten Be­völ­ke­rung an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.

Auf dem Ar­beits­markt wer­den sich die Fol­gen des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels mit am stärks­ten zei­gen. Wie in der vbw-Stu­die „Ar­beits­land­schaf­ten“ dar­ge­stellt, be­steht bis 2020 in Bay­ern ei­ne po­ten­zi­el­le Lü­cke von rund 230.000 Ar­beits­kräf­ten, bis 2040 so­gar von rund 560.000 Ar­beits­kräf­ten.

Die Un­ter­de­ckung ist in den ein­zel­nen Tä­tig­keits­fel­dern un­ter­schied­lich aus­ge­prägt. Die größ­ten Eng­päs­se tre­ten im Dienst­leis­tungs­sek­tor, vor al­lem bei Ge­sund­heit und Pfle­ge, aber auch im Ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be auf. Wäh­rend die Nach­fra­ge nach we­nig oder nicht qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten sinkt, steigt die Nach­fra­ge nach qua­li­fi­zier­ten Be­schäf­tig­ten. So­wohl in der Pro­duk­ti­on als auch bei den Dienst­leis­tun­gen neh­men die wis­sens­ba­sier­ten Tä­tig­kei­ten zu.

Um den Be­darf an Fach­kräf­ten zu de­cken, müs­sen al­le Po­ten­zia­le aus­ge­schöpft wer­den. Ge­eig­ne­te Maß­nah­men sind die Ver­bes­se­rung der Be­schäf­ti­gungs­chan­cen durch Qua­li­fi­zie­rung, ei­ne hö­he­re Er­werbs­be­tei­li­gung von Frau­en, län­ge­re (Le­bens-)Ar­beits­zei­ten so­wie die ge­ziel­te Zu­wan­de­rung von Fach­kräf­ten aus dem Aus­land. Auch die­je­ni­gen, die oh­ne ge­ziel­te An­wer­bung zu uns kom­men und ei­ne kon­kre­te Blei­be­per­spek­ti­ve ha­ben, müs­sen schnellst­mög­lich in den Ar­beits­markt in­te­griert wer­den.

Gu­te Bil­dung ist ein uni­ver­sel­ler Er­folgs­fak­tor. Sie er­mög­licht dem Ein­zel­nen, sein pri­va­tes, be­ruf­li­ches und ge­sell­schaft­li­ches Le­ben selbst­ge­stal­tet füh­ren zu kön­nen. Bil­dung ist heu­te und mor­gen grund­le­gend für die Wei­ter­ent­wick­lung un­se­rer Ge­sell­schaft und de­ren Zu­sam­men­halt, und sie ist ent­schei­dend für den Er­halt un­se­rer volks­wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit so­wie un­se­res Wohl­stands.

Um im glo­ba­len Wett­be­werb be­stehen und um das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al voll aus­schöp­fen zu kön­nen, brau­chen wir in un­se­rem Bil­dungs­sys­tem noch mehr Bil­dungs­qua­li­tät, mehr Bil­dungs­be­tei­li­gung und mehr Par­ti­zi­pa­ti­ons­ge­rech­tig­keit. Denn nur wenn wir al­le Bil­dungs­po­ten­zia­le he­ben, sind wir für die Zu­kunft ge­wapp­net.

Zen­tra­le An­satz­punk­te für die Zu­kunft sind ei­ne ganz­heit­li­che und mehr­di­men­sio­na­le Bil­dung so­wie die op­ti­ma­le Aus­schöp­fung der Po­ten­zia­le di­gi­ta­ler Lehr- und Lern­pro­zes­se.

Bil­dung um­fasst die drei Di­men­sio­nen Wis­sens­er­werb, Kom­pe­tenz­ent­wick­lung und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung. Auf­ga­be des Bil­dungs­sys­tems über al­le Le­bens­pha­sen ist es, Ler­nen­de so­wohl beim Wis­sens­er­werb als auch beim Kom­pe­tenz­auf­bau und bei der ganz­heit­li­chen Ent­wick­lung ih­rer Per­sön­lich­keit zu un­ter­stüt­zen. Nur wenn im Lern­pro­zess al­le Bil­dungs­di­men­sio­nen be­rück­sich­tigt wer­den, stellt sich Er­folg in Schu­le, Aus­bil­dung, Stu­di­um, Be­ruf und in der ge­sell­schaft­li­chen Teil­ha­be ein.

Die Halb­werts­zeit von Wis­sen wird im­mer kür­zer. Gleich­zei­tig er­for­dert der ver­ein­fach­te Zu­gang zu In­for­ma­ti­on neue Kom­pe­ten­zen, die im Bil­dungs­sys­tem ver­mit­telt wer­den müs­sen – zwi­schen Da­ten, In­for­ma­tio­nen und Wis­sen lie­gen er­heb­li­che Ver­ar­bei­tungs­schrit­te. Mit ei­nem Smart­pho­ne kann heu­te ein Kind an ei­nem x-be­lie­bi­gen Punkt der Er­de mehr In­for­ma­ti­on und manch­mal auch Wis­sen auf­ru­fen, als es selbst höchs­te po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger mit al­len Stä­ben, Kon­tak­ten und Ad­mi­nis­tra­ti­ons­ein­hei­ten noch vor 40 Jah­ren konn­ten. Nicht nur Wis­sen wis­sen, son­dern Ler­nen ler­nen und In­for­ma­tio­nen kri­tisch be­wer­ten sind ent­schei­den­de Kom­pe­ten­zen in der Ge­sell­schaft 4.0. Un­ser Bil­dungs­sys­tem muss die­se Maß­stä­be ver­in­ner­li­chen.

Ver­schie­de­ne Stu­di­en zeig­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf, dass in Deutsch­land und Bay­ern der schu­li­sche Er­folg im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich über­durch­schnitt­lich stark von der Her­kunft und dem so­zia­len Sta­tus der El­tern ab­hängt. Zu­dem fal­len Schü­ler oh­ne deut­schen Pass oder mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund deut­lich un­ter den deut­schen Durch­schnitt zu­rück. Da­mit wer­den die Chan­cen ei­nes wich­ti­gen Teils der jun­gen Be­völ­ke­rung auf so­zia­le Teil­ha­be er­heb­lich ge­schmä­lert. Ei­ne er­höh­te Bil­dungs­be­tei­li­gung in die­ser Be­völ­ke­rungs­grup­pe wird das Ar­beits­kräf­te- bzw. Fach­kräf­te­po­ten­zi­al deut­lich er­hö­hen.

Im­mer mehr Schul­ab­gän­ger ent­schei­den sich für ein Hoch­schul­stu­di­um. Der An­teil der Ju­gend­li­chen, die ei­ne dua­le Aus­bil­dung an­stre­ben, nimmt ab. Zu­sätz­lich bleibt die Zahl der jun­gen Er­wach­se­nen, die we­der über ei­nen Stu­di­en­ab­schluss noch über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung ver­fü­gen, auf ei­nem zu ho­hen Ni­veau. Dies ver­schärft die Lü­cke ins­be­son­de­re bei be­nö­tig­ten Fach­kräf­ten mit be­ruf­li­cher Qua­li­fi­zie­rung. Gleich­zei­tig ste­hen die Hoch­schu­len vor der Her­aus­for­de­rung ei­ner stei­gen­den Zahl von Stu­die­ren­den. Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len sind ge­for­dert, ih­re Ef­fi­zi­enz und ih­ren Out­put zu ver­bes­sern. Wich­ti­ge An­halts­punk­te sind die Re­du­zie­rung der Stu­di­en­ab­bruch­quo­ten, nicht zu­letzt durch Op­ti­mie­rung der Ein­gangs­pha­sen (sog. Eig­nungs­fest­stel­lung vor Stu­di­en­be­ginn).

Dar­über hin­aus wer­den Wei­ter­bil­dung und le­bens­lan­ges Ler­nen noch wich­ti­ger. Das ist von in­di­vi­du­el­ler wie und volks­wirt­schaft­li­cher Be­deu­tung. Die Be­deu­tung der Wei­ter­bil­dung wird im her­kömm­li­chen Bil­dungs­sys­tem mas­siv un­ter­schätzt: Nur durch sie lässt sich das Fach­kräf­te­po­ten­zi­al aus­schöp­fen.

Es kommt hin­zu, dass für ei­ne dau­er­haf­te Fach­kräf­te­si­che­rung die Ge­stal­tung von Bil­dungs­an­ge­bo­ten stär­ker dem Um­feld an­ge­passt wer­den muss. Bis­her sind vie­le An­ge­bo­te in den un­ter­schied­li­chen Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen stark stan­dar­di­siert und un­fle­xi­bel. Ei­ne Fle­xi­bi­li­sie­rung von Bil­dungs­an­ge­bo­ten (et­wa in Form von Teil­zeit­aus­bil­dun­gen und -stu­di­en­gän­gen, mo­du­la­ri­sier­ten und / oder be­rufs­be­glei­ten­den An­ge­bo­ten, Sum­mer Schools u. Ä.) kann da­zu bei­tra­gen, dass die ver­schie­de­nen Per­so­nen­grup­pen, ge­ra­de auch je­ne in be­son­de­ren Le­bens­la­gen (et­wa mit Kin­der­be­treu­ung oder Pfle­ge­auf­ga­ben), die Mög­lich­keit er­hal­ten, Bil­dungs­an­ge­bo­te über­haupt erst in An­spruch neh­men zu kön­nen.

In der Ge­sell­schaft 4.0 wer­den al­le Le­bens­be­rei­che di­gi­ta­li­siert. Be­reits heu­te sind Le­ben und Ar­bei­ten durch die Ver­net­zung von Mensch und Ma­schi­ne ge­prägt. Ent­spre­chend sind auch die An­for­de­run­gen an die Un­ter­neh­men und Ar­beit­neh­mer. In der di­gi­ta­len Ar­beits­welt sind Mit­ar­bei­ter ge­fragt, die ins­be­son­de­re ei­ne ho­he Me­di­en­kom­pe­tenz auf­wei­sen, d. h. die di­gi­ta­le Tech­nik ziel­spe­zi­fisch an­wen­den kön­nen, und die zum le­bens­lan­gen di­gi­ta­len Ler­nen be­reit sind. Denn ge­ra­de die Di­gi­ta­li­sie­rung er­mög­licht es Men­schen je­den Al­ters und in al­len Le­bens­si­tua­tio­nen, Bil­dungs­an­ge­bo­te in An­spruch zu neh­men.

Mo­der­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­me­di­en spie­len im Un­ter­richt noch nicht die Rol­le, die ih­nen auf­grund des di­gi­ta­len Wan­dels und der Be­deu­tung für Ge­sell­schaft und Wirt­schaft in Zu­kunft zu­kommt. Al­le Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sind ge­for­dert, sich di­gi­tal bes­ser auf­zu­stel­len, was spe­zi­fi­sche Lern­in­hal­te und -me­tho­den be­trifft. Das stellt auch Her­aus­for­de­run­gen an die In­fra­struk­tur. Nicht nur die schnel­len Da­ten­au­to­bah­nen müs­sen in der Flä­che aus­ge­baut wer­den, auch die Aus­stat­tung der Bil­dungs­ein­rich­tun­gen muss mas­siv vor­an­ge­trie­ben wer­den. Di­gi­ta­li­sie­rung be­ginnt im Klas­sen­zim­mer, wenn nicht schon im Kin­der­gar­ten.

Neue tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen wer­den die Ar­beits­welt in wei­ten Tei­len grund­le­gend ver­än­dern. Die Ar­beits­welt der Zu­kunft wird ver­netz­ter, di­gi­ta­ler und fle­xi­bler. Die Pro­duk­ti­on ver­än­dert sich grund­le­gend. Die stär­ke­re Ver­net­zung und ei­ne en­ge­re Zu­sam­men­ar­beit von Mensch und Ma­schi­ne er­mög­li­chen neue Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen. Die­se Ar­beits­welt be­dingt hoch­qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer, die sich lau­fend auf sich än­dern­de Rah­men­be­din­gun­gen ein­stel­len. Fle­xi­bi­li­tät und Spe­zia­li­sie­rung füh­ren zu ei­nem neu­en Ver­ständ­nis von Ar­beits­ver­hält­nis­sen und Kar­rie­re­we­gen. Da­her ist es nö­tig, dass die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen und die so­zia­len Si­che­rungs­sys­te­me die­sen Chan­cen Rech­nung tra­gen.

Fle­xi­ble Be­schäf­ti­gungs­for­men und neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel bie­ten den Un­ter­neh­men und ih­ren Mit­ar­bei­tern zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten, Ar­beits­ab­läu­fe zu op­ti­mie­ren und zu be­schleu­ni­gen. In der Ar­beits­welt 4.0 ge­stal­ten sich die Gren­zen zwi­schen be­ruf­li­chem und pri­va­tem Be­reich flie­ßend. Da­durch wird es den Ar­beit­neh­mern er­mög­licht, bei­des bes­ser mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen. Ar­beits­zeit und Ar­beits­ort ver­lie­ren an Be­deu­tung. Die Di­gi­ta­li­sie­rung führt zu ei­ner stär­ke­ren Ori­en­tie­rung an Ar­beits­er­geb­nis­sen und zur Auf­lö­sung klas­si­scher funk­tio­na­ler Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten und zu be­schleu­nig­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­sen.

Für vie­le Un­ter­neh­men und ih­re Mit­ar­bei­ter stellt die Ent­kop­pe­lung von Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt oder das Ar­bei­ten in der Cloud ei­ne Er­leich­te­rung dar, die für al­le Sei­ten Vor­tei­le mit sich bringt. Das In­di­vi­dual­ar­beits­recht so­wie zahl­rei­che Ar­beits­schutz­vor­schrif­ten, die die­se mo­der­nen Va­ri­an­ten des Mit­ar­bei­ter­ein­sat­zes nicht im Blick ha­ben, er­schwe­ren je­doch die Eta­blie­rung mo­der­ner Be­schäf­ti­gungs­for­men. Das Ar­beits­recht muss die­sen ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen an­ge­passt wer­den, da­mit die deut­schen Un­ter­neh­men im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb Schritt hal­ten kön­nen.

Mit sei­ner zen­tra­len La­ge und auf­grund sei­ner Ex­port­stär­ke ist Bay­ern in be­son­ders ho­hem Ma­ße in die Welt­wirt­schaft ein­ge­bun­den. Ei­ne po­si­ti­ve wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung ist von ei­ner mo­der­nen, funk­tio­nie­ren­den In­fra­struk­tur ab­hän­gig. Dies gilt um­so mehr, je stär­ker die in­ter­na­tio­na­len Ver­flech­tun­gen der Wert­schöp­fungs­ket­ten zu­neh­men.

Bay­ern ver­fügt über ein gut aus­ge­bau­tes Stra­ßen-, Schie­nen- und Was­ser­stra­ßen­netz. Die­ser Stand­ort­vor­teil ist ge­fähr­det. Ins­be­son­de­re im Stra­ßen­netz sind Ka­pa­zi­täts­gren­zen er­reicht. Es muss ver­hin­dert wer­den, dass rück­läu­fi­ge In­ves­ti­ti­ons­quo­ten und die zu­neh­men­de Be­las­tung zu ei­nem Qua­li­täts­ver­lust füh­ren.

Bis 2030 müs­sen deutsch­land­weit rund 300 Mil­li­ar­den Eu­ro in den Aus- und Neu­bau der deut­schen Ver­kehrs­in­fra­struk­tur in­ves­tiert wer­den, da­mit aku­te Eng­päs­se be­ho­ben so­wie der ste­tig stei­gen­de Gü­ter- und Per­so­nen­ver­kehr auch künf­tig be­wäl­tigt wer­den kön­nen. Da­zu müs­sen die Bun­des­mit­tel für die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur dau­er­haft er­höht und ver­ste­tigt, öf­fent­lich-pri­va­te Part­ner­schaf­ten auf ge­si­cher­ter Rechts­ba­sis ein­ge­gan­gen und die Nut­zer­fi­nan­zie­rung dau­er­haft im­ple­men­tiert wer­den.

Ei­ne zu­neh­mend wich­ti­ge Rol­le spielt der Zu­gang zu schnel­ler In­for­ma­ti­ons­in­fra­struk­tur. Flä­chen­de­ckend – ge­ra­de auch im länd­li­chen Raum – müs­sen min­des­tens 100 Mbit/s bis zum Jahr 2020 zur Ver­fü­gung ste­hen. Er­gän­zend muss suk­zes­si­ve der Aus­bau von Glas­fa­ser­ver­bin­dun­gen bis zu den Häu­sern vor­an­ge­trie­ben wer­den, was für das Flä­chen­land Bay­ern ei­ne im­men­se Her­aus­for­de­rung dar­stellt. Der Be­darf steigt ste­tig mit wach­sen­den Da­ten­men­gen und dem Fort­schrei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung in al­len Be­rei­chen.

Ein hoch­leis­tungs­fä­hi­ger In­ter­net­an­schluss wird von der Be­völ­ke­rung heu­te schon als Teil der Da­seins­vor­sor­ge an­ge­se­hen und ist Grund­la­ge je­des wirt­schaft­li­chen Han­delns. Auch der Staat be­nö­tigt für die Be­reit­stel­lung sei­ner sons­ti­gen An­ge­bo­te und die Um­set­zung sei­ner Auf­ga­ben ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz, das mo­derns­ten An­sprü­chen ge­nügt. Er muss den Zu­gang zum Breit­band­netz, des­sen si­che­ren Be­trieb und sei­ne fort­lau­fen­de An­pas­sung und Er­wei­te­rung ge­währ­leis­ten. Gleich­zei­tig muss die Fra­ge be­ant­wor­tet wer­den, wie un­ter Wah­rung der not­wen­di­gen Netz­neu­tra­li­tät die Fi­nan­zie­rung künf­ti­ger Aus­bau­stu­fen er­folgt und in­wie­weit ei­ne Be­tei­li­gung der­je­ni­gen Un­ter­neh­men denk­bar ist, de­ren Ge­schäfts­mo­del­le dar­auf ba­sie­ren.

Von zen­tra­ler Be­deu­tung für den In­dus­trie­stand­ort Bay­ern sind dar­über hin­aus die Ver­füg­bar­keit und Preis­ent­wick­lung von En­er­gie und Res­sour­cen.

Die si­che­re und um­welt­ver­träg­li­che En­er­gie­ver­sor­gung zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen ist ei­ne un­ver­zicht­ba­re Grund­la­ge für wirt­schaft­li­chen Er­folg und Le­bens­qua­li­tät in un­se­rem Land. Das gilt in be­son­de­rem Ma­ße für die Be­reit­stel­lung von elek­tri­schem Strom. Die Strom­ver­sor­gung ist vom Um­bau der En­er­gie­sys­te­me im Rah­men der En­er­gie­wen­de pri­mär be­trof­fen.

Deutsch­land und Bay­ern ver­fü­gen nach wie vor über ei­ne ho­he Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Für die baye­ri­sche Wirt­schaft mit ih­rem gro­ßen In­dus­trie­an­teil, ins­be­son­de­re für die Stand­ort­ent­schei­dun­gen aus­län­di­scher In­ves­to­ren in Bay­ern, hat Ver­sor­gungs­si­cher­heit obers­te Prio­ri­tät. Ab­stri­che hät­ten fa­ta­le Fol­gen für den Wirt­schafts­stand­ort Bay­ern.

Die Still­le­gung der Kern­kraft­wer­ke in Bay­ern führt in den nächs­ten Jah­ren zu er­heb­li­chen De­fi­zi­ten: Wir ver­lie­ren da­durch bis 2023 40 Pro­zent der ge­si­cher­ten Leis­tung. Bis En­de 2017 ist die Ver­sor­gung ge­si­chert und kann auch bis An­fang des nächs­ten Jahr­zehnts durch ein neu­es Strom­markt­de­sign bzw. ei­ne Ver­ord­nung zur Ka­pa­zi­täts- und Netz­re­ser­ve ge­währ­leis­tet wer­den. Die lang­fris­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen müs­sen jetzt un­mit­tel­bar ge­trof­fen wer­den und dul­den kei­ner­lei Auf­schub.

Um bei wach­sen­dem An­teil er­neu­er­ba­rer En­er­gi­en die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten, ist ein ver­stärk­ter Strom­aus­tausch not­wen­dig. Das gilt vor al­lem von Nord nach Süd und um­ge­kehrt. Das vor­han­de­ne Strom­netz muss so er­tüch­tigt wer­den, dass es den ver­än­der­ten Trans­port­be­darf er­fül­len kann. Als flan­kie­ren­de Si­cher­heits­maß­nah­me und zur Netz­sta­bi­li­sie­rung sind Gas­kraft­wer­ke not­wen­dig, eben­so wie die Ent­wick­lung ka­pa­zi­täts­star­ker En­er­gie­spei­cher­tech­no­lo­gi­en.

Die Strom­prei­se in Deutsch­land ha­ben sich dra­ma­tisch ent­wi­ckelt. In­dus­trie­strom, der nicht un­ter die Be­frei­ung von der EEG-Um­la­ge fällt, ist nach Zy­pern, Mal­ta und Ita­li­en in Deutsch­land am teu­ers­ten. Die deut­sche In­dus­trie be­zahlt für Strom im Mit­tel 50 Pro­zent mehr als in Frank­reich und weit über das Dop­pel­te der Un­ter­neh­men in den USA. Haupt­kos­ten­trei­ber ist un­ver­än­dert das Er­neu­er­ba­re-En­er­gi­en-Ge­setz (EEG). Der Strom­preis muss ge­de­ckelt und mit­tel­fris­tig auf das Ni­veau ver­gleich­ba­rer In­dus­trie­staa­ten ge­senkt wer­den.

Ge­gen­wär­tig sind die Prei­se für fos­si­le En­er­gie­trä­ger, vor al­lem auf­grund der mas­si­ven Aus­wei­tung der För­de­rung von Erd­gas und Erd­öl in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten durch Fracking, ver­gleichs­wei­se nied­rig. Mit­tel- und lang­fris­tig wird der wach­sen­de En­er­gie­be­darf der heu­ti­gen Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­der da­zu füh­ren, dass der glo­ba­le En­er­gie­ver­brauch eben­so wie das Preis­ni­veau für fos­si­le En­er­gi­en deut­lich steigt.

Nach Ein­schät­zung des World En­er­gy Out­look ist da­von aus­zu­ge­hen, dass auch im Jahr 2035 noch rund drei Vier­tel des welt­wei­ten En­er­gie­be­darfs durch fos­si­le En­er­gie­trä­ger ge­deckt wer­den. In Deutsch­land voll­zieht sich der Aus­bau der er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en im Zu­ge der En­er­gie­wen­de we­sent­lich schnel­ler. Ne­ben dem be­schlos­se­nen Aus­stieg aus der nu­klea­ren En­er­gie­er­zeu­gung bis 2022 ist ein deut­li­ches Zu­rück­fah­ren der En­er­gie­er­zeu­gung aus Koh­le ab­seh­bar. Die En­er­gie­wen­de muss so ge­stal­tet wer­den, dass die zu­ver­läs­si­ge En­er­gie­ver­sor­gung für den In­dus­trie­stand­ort Bay­ern ge­währ­leis­tet ist. Un­ter­neh­mens­be­lan­ge, Ver­sor­gungs­si­cher­heit und Um­welt­schutz müs­sen im Ein­klang blei­ben.

Auch die künf­ti­ge Ver­sor­gung mit nicht-en­er­ge­ti­schen Roh­stof­fen hat gro­ße Be­deu­tung für den Pro­duk­ti­ons­stand­ort Bay­ern. Die Wei­ter­ent­wick­lung von Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en, bei­spiels­wei­se in den Be­rei­chen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik, im Fahr­zeug­bau, im Ma­schi­nen­bau oder der Me­di­zin­tech­nik, so­wie der be­schleu­nig­te Wan­del der Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­der zu In­dus­trie­län­dern lässt den Be­darf an Roh­stof­fen stark an­stei­gen. Da­zu ge­hö­ren so­wohl Mas­sen­me­tal­le für In­fra­struk­tur, Bau­wirt­schaft und In­dus­trie als auch Ma­te­ria­li­en wie Halb­me­tal­le, Halb­lei­ter, Edel­me­tal­le, Sel­te­ne Er­den und zu­neh­mend bio­lo­gi­sche (land­wirt­schaft­lich pro­du­zier­te) Roh­stof­fe.

So­wohl bei der In­fra­struk­tur als auch bei der Ver­sor­gung mit En­er­gie und Roh­stof­fen sind Si­cher­heits­fra­gen, ins­be­son­de­re im Be­reich IT-Se­cu­ri­ty, von zen­tra­ler Be­deu­tung.

Vor­aus­set­zun­gen sind in ganz Bay­ern wohn­ort­na­he qua­li­fi­zier­te In­fra­struk­tu­ren zur Grund­ver­sor­gung im Ge­sund­heits­we­sen, aus­rei­chen­de In­fra­struk­tu­ren zur Be­treu­ung von Kin­dern wie auch pfle­ge­be­dürf­ti­ger Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ger vor Ort, er­reich­ba­re Bil­dungs- und Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te so­wie ne­ben den Ein­rich­tun­gen der Spit­zen­for­schung auch auf die re­gio­na­le Un­ter­neh­mens­struk­tur zu­ge­schnit­te­ne, gut ver­netz­te öf­fent­li­che For­schungs­in­fra­struk­tu­ren in al­len Lan­des­tei­len.

Emp­feh­lun­gen Tech­no­lo­gie­trans­fer / Ko­ope­ra­ti­on

Aus­tausch und Ver­net­zung als Er­folgs­fak­to­ren der Zu­kunft

 

Die tra­di­tio­nel­len Gren­zen zwi­schen ein­zel­nen Bran­chen und Tech­no­lo­gie­fel­dern lö­sen sich zu­neh­mend auf. Dem Tech­no­lo­gie­trans­fer und der Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen ur­sprüng­lich frem­den Be­rei­chen kommt ei­ne maß­geb­li­che Be­deu­tung für den Er­halt der Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft zu.

 

Schnitt­stel­len für den sys­te­ma­ti­schen Aus­tausch

Neue Ak­teu­re müs­sen in künf­ti­ge In­no­va­ti­ons­pro­zes­se in­te­griert wer­den. An Schnitt­stel­len kommt es auf den sys­te­ma­ti­schen Wis­sens- und Er­fah­rungs­aus­tausch an, um die Ent­wick­lung von Quer­schnitts- und In­te­gra­ti­ons­tech­no­lo­gi­en vor­an­zu­trei­ben. Leit­bild für ei­nen sol­chen Aus­tausch muss ei­ne tech­no­lo­gie­of­fe­ne Ziel­ori­en­tie­rung sein.

Die heu­ti­gen För­der­struk­tu­ren sind stark sek­to­ral or­ga­ni­siert; sie neh­men ei­ne Tren­nung ent­lang der klas­si­schen Ein­tei­lung in Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en vor. Die Auf­ga­be von Po­li­tik und Wirt­schaft ist es, die In­fra­struk­tur für ei­nen an­wen­dungs- und pro­blem­ori­en­tier­ten Aus­tausch be­reit­zu­stel­len. Die in der Ver­gan­gen­heit er­folg­rei­che Clus­ter-Of­fen­si­ve des Frei­staats muss jetzt wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den.

Das Ziel muss in ei­ner ech­ten Ver­net­zung lie­gen, d. h. dem Zu­sam­men­brin­gen der Wis­sens­trä­ger und Ent­schei­der aus ver­schie­de­nen Bran­chen und Tech­no­lo­gie­fel­dern. Ent­spre­chend sind Cross-Clus­ter-Ak­ti­vi­tä­ten häu­fi­ger und ef­fi­zi­en­ter zu in­iti­ie­ren, da In­no­va­tio­nen oft an den Schnitt­stel­len zwi­schen Bran­chen und Tech­no­lo­gie­fel­dern ent­ste­hen. Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen oder Ge­schäfts­stel­len sind da­für nicht er­for­der­lich.

Or­ga­ni­sa­to­risch müs­sen die Clus­ter

– ent­spre­chend der För­der­richt­li­ni­en (Bund bzw. EU) auf­ge­stellt sein;

– ihr Mar­ke­ting mit den be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men so­wie den Wirt­schafts-und Wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen ko­or­di­nie­ren; 

– nach­weis­lich ef­fi­zi­ent ar­bei­ten.

Es emp­fiehlt sich die stär­ke­re Bin­dung der Ak­teu­re an die Clus­ter durch In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung der­je­ni­gen Clus­ter, die heu­te noch in­for­mell or­ga­ni­siert sind, et­wa über Ver­eins­struk­tu­ren. Die neu­en Clus­ter müs­sen auf dem Er­folg bis­he­ri­ger In­stru­men­te, wie der Ex­zel­lenz­clus­ter zur Pro­fi­lie­rung von Uni­ver­si­tä­ten und der Spit­zen­clus­ter zur re­gio­na­len Ver­net­zung von Uni­ver­si­tä­ten und au­ßer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen, auf­set­zen und sie leis­tungs- und ver­wer­tungs­ori­en­tiert wei­ter­ent­wi­ckeln.

Es gilt die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te von Be­schaf­fung über Pro­duk­ti­on bis hin zum Mar­ke­ting, Ver­trieb und Ser­vice ab­zu­de­cken. Als Vor­bild kann das er­folg­rei­che Che­mie-Clus­ter die­nen: Es er­schließt ver­steck­te Märk­te so­wohl auf ver­ti­ka­ler Ebe­ne (che­mi­sche Vor­pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen, die auch an Ab­neh­mer aus an­de­ren Bran­chen ver­kauft wer­den kön­nen) als auch auf ho­ri­zon­ta­ler Ebe­ne (che­mi­sche Auf­wer­tung in­dus­tri­el­ler End­pro­duk­te, et­wa durch neue Be­schich­tun­gen).

Der Wis­sen­schaft kommt da­bei ei­ne ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Auf der Ent­wick­lungs­ebe­ne soll die wis­sen­schaft­li­che (uni­ver­si­tä­re und au­ßer­uni­ver­si­tä­re) For­schung ei­ne Vor­den­ker­rol­le über­neh­men, wel­che Aus­wir­kun­gen bei­spiels­wei­se die Di­gi­ta­li­sie­rung auf ein­zel­ne Tech­no­lo­gie­fel­der hat.
Da­bei muss das Den­ken in tra­di­tio­nel­len Fa­kul­täts-, Bran­chen- und Tech­no­lo­gie­g­ren­zen auf­ge­bro­chen wer­den. Hür­den sind ab­zu­bau­en, die durch die Kul­tur­un­ter­schie­de ge­ra­de zwi­schen Un­ter­neh­men und Uni­ver­si­tä­ten be­stehen und ei­nem Aus­tausch im We­ge ste­hen. Hier sind Staat und Wis­sen­schaft glei­cher­ma­ßen ge­for­dert, um ad­mi­nis­tra­ti­ve Hemm­nis­se zu be­sei­ti­gen.

Ver­netz­te Bil­dung und For­schung

Der Be­deu­tungs­zu­wachs von tech­no­lo­gi­schen und sys­te­mi­schen Schnitt­stel­len er­for­dert mehr In­ter- und Trans­dis­zi­pli­na­ri­tät so­wie Mehr­fach-Qua­li­fi­ka­tio­nen. Die Be­rufs­märk­te sind vo­la­ti­ler ge­wor­den und er­for­dern des­halb vom Ein­zel­nen grö­ße­re The­men- und Stand­ort­fle­xi­bi­li­tät als in der Ver­gan­gen­heit.

Um ver­netz­te und kom­ple­xe Pro­ble­me zu be­wäl­ti­gen, muss das Bil­dungs­sys­tem auf Ko­ope­ra­ti­on aus­ge­legt sein und die Fä­hig­keit zur Ko­ope­ra­ti­on mit an­de­ren wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen und mit Ex­per­ten au­ßer­halb des Wis­sen­schafts­be­triebs ver­mit­teln.

Das ge­lingt nur, wenn ei­ne sek­to­ra­le Durch­läs­sig­keit er­reicht wird. Hier­für muss die Kom­pa­ti­bi­li­tät von Ba­che­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen aus un­ter­schied­li­chen Fach­rich­tun­gen aus­ge­baut wer­den. So könn­te man bei­spiels­wei­se ei­nen Bio­tech­no­lo­gie-Ba­che­lor für ein Mas­ter­stu­di­um in In­for­ma­tik mo­ti­vie­ren. Eben­so sind Me­di­zin- und die In­ge­nieurs­fä­cher be­reits auf dem Ni­veau der je­wei­li­gen Stu­di­en­gän­ge zur in­halt­li­chen Ver­net­zung emp­foh­len. In die Me­di­zi­ner-Aus­bil­dung müs­sen tech­ni­sche Fä­cher auf­ge­nom­men wer­den; die Aus­bil­dungs­ord­nung der Me­di­zi­ner (Lern­ziel­ka­ta­log) und die Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te sind drin­gend an­pas­sungs­be­dürf­tig. Die Me­cha­tro­nik mit ih­rem Kern­ziel, in­tel­li­gen­te Me­cha­nis­men durch best­mög­li­che In­te­gra­ti­on von Ma­schi­nen­bau, Elek­tro­tech­nik/Elek­tro­nik und In­for­ma­tik zu schaf­fen, ist her­vor­ra­gend ge­eig­net, um Ab­gren­zun­gen zwi­schen klas­si­schen Fa­kul­tä­ten ab­zu­bau­en.

In­ter­dis­zi­pli­na­ri­tät setzt ei­ner­seits die ver­stärk­te Zu­sam­men­ar­beit über Fa­kul­täts­gren­zen hin­weg vor­aus, an­de­rer­seits ist ei­ne ge­mein­sa­me Hoch­schul­stra­te­gie er­for­der­lich. Aus­bil­dungs­an­ge­bo­te kön­nen viel­fach nicht mehr auf ein­zel­ne Fa­kul­tä­ten be­schränkt wer­den (z.B. Big Da­ta, Ga­mes En­gi­nee­ring). Ein An­reiz für mehr In­ter­dis­zi­pli­na­ri­tät an Hoch­schu­len könn­te die Bil­dung the­men­be­zo­ge­ner Ko­ope­ra­ti­ons­platt­for­men – auch zwi­schen Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len – für ge­mein­sa­me Ab­schluss- und Pro­mo­ti­ons­ar­bei­ten sein (Sys­tem „Ver­bund­pro­mo­ti­on“). Die Grund­aus­bil­dung (Ba­che­lor­pha­se) muss ge­ne­ra­lis­tisch aus­ge­rich­tet sein, wäh­rend die fort­ge­schrit­te­ne Aus­bil­dung (Mas­ter­pha­se bzw. struk­tu­rier­te Pro­mo­ti­on) der Spe­zia­li­sie­rung dient. Die­sen An­satz ver­folgt der BSc-Stu­di­en­gang „In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten“ an der TU Mün­chen, der für zahl­rei­che ver­tief­te Aus­bil­dungs­op­tio­nen (Mas­ter­stu­di­um) an­schluss­fä­hig ist.

Die Ent­wick­lun­gen hin zur In­dus­trie 4.0 und zu Smart Pro­ducts ver­stär­ken die fir­men­über­grei­fen­de Ver­net­zung von Wert­schöp­fungs­ket­ten. Die früh­zei­ti­ge, auf die Er­for­der­nis­se des End­pro­dukts zu­ge­schnit­te­ne Ab­stim­mung in der Wert­schöp­fungs­ket­te ist oft ein Pro­blem. Dies führt z.B. zu Auf­schlä­gen bei den Qua­li­täts­an­for­de­run­gen von Ein­zel­kom­po­nen­ten, die von Zu­lie­fe­rer zu Zu­lie­fe­rer wei­ter­ge­reicht wer­den und so zu ei­ner Über­er­fül­lung der Er­for­der­nis­se und zur Kos­ten­stei­ge­rung bei­tra­gen. Sys­tem­kom­pe­tenz wird zum ent­schei­den­den Fak­tor.

Um der­ar­ti­ge Ab­stim­mungs­pro­zes­se sys­te­ma­tisch zu ver­bes­sern und die Grund­la­gen so­wie er­for­der­li­chen Kom­pe­ten­zen wis­sen­schaft­lich fun­diert zu er­ar­bei­ten, ist ein In­sti­tut oder Zen­trum für „Sys­tems En­gi­nee­ring“ er­for­der­lich; es soll­te durch meh­re­re Fach­kom­pe­ten­zen breit und in­ter­dis­zi­pli­när auf­ge­stellt sein. Ein ganz­heit­li­cher An­satz un­ter Ein­be­zie­hung von Ar­beits­wis­sen­schaf­ten, Be­triebs­wirt­schafts­leh­re, In­for­ma­tik, In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten, Psy­cho­lo­gie, So­zi­al­wis­sen­schaf­ten u.a. fehlt in der bun­des­deut­schen Hoch­schul­land­schaft. Hier soll­te Bay­ern die Vor­rei­ter­rol­le über­neh­men.

Dring­lich sind die För­de­rung von dua­len Stu­di­en­gän­gen und de­ren Ein­füh­rung an Uni­ver­si­tä­ten. Da­durch wird vor al­lem der ler­nen­de Aus­tausch zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft ge­stärkt. Emp­foh­len wird des­halb die In­itia­ti­ve Bay­ern.Du­al, mit Pi­lot­pro­gram­men, die von Staat und Wirt­schaft ge­mein­sam an­schub­ge­för­dert wer­den.

Grün­der­zen­tren sind wirk­sa­me Bin­de­glie­der zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft. Sie ver­stär­ken das En­ga­ge­ment und In­ter­es­se von Stu­die­ren­den, über die Gren­zen ih­res aka­de­mi­schen Stu­di­ums hin­aus­zu­wach­sen. Ge­ra­de für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men kön­nen sich hier­aus wert­vol­le In­no­va­ti­ons­an­stö­ße er­ge­ben.

Wir be­nö­ti­gen un­ter­ein­an­der ver­netz­te (di­gi­ta­le) Grün­der­zen­tren in al­len Re­gie­rungs­be­zir­ken, die in der Nä­he ei­ner oder meh­re­rer Hoch­schu­len an­ge­sie­delt wer­den, die von An­fang an eng ein­ge­bun­den wer­den müs­sen. Auch die Ein­bin­dung der eta­blier­ten re­gio­na­len Un­ter­neh­men und Un­ter­neh­mens­netz­wer­ke ist si­cher­zu­stel­len.

Um den In­ter­net- und Me­di­en­stand­ort Bay­ern in­ter­na­tio­nal zu stär­ken, muss ein sicht­ba­rer Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt ge­schaf­fen wer­den. Die­ser be­nö­tigt Räum­lich­kei­ten und In­fra­struk­tur zur Pro­fes­sio­na­li­sie­rung und In­ter­na­tio­na­li­sie­rung von Grün­dern und zur Ver­net­zung von Teil­bran­chen, wie z.B. der Me­di­en- und Ga­mes­bran­che, und wei­te­ren da­von pro­fi­tie­ren­den Un­ter­neh­men.

Ent­schei­dend ist ne­ben der rei­nen In­fra­struk­tur auch das „Kli­ma“, das den Kon­takt zwi­schen Grün­dern, mit eta­blier­ten Un­ter­neh­men, Wis­sen­schaft, Ver­wal­tung, Ven­ture- Ca­pi­tal-Ge­bern und Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen för­dern muss. Ein wich­ti­ger Mehr­wert sind für vie­le Grün­der ein nie­der­schwel­li­ger Zu­gang und kur­ze We­ge. Vor­bild soll­ten die di­gi­ta­len Leit­re­gio­nen und Grün­der-Hot­spots der Welt sein.

Die Ak­ti­vi­tä­ten und Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für Grün­der wer­den über ei­ne zen­tra­le baye­ri­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form be­kannt ge­macht.

Um ih­re Mit­ar­bei­ter ge­zielt in­ter­dis­zi­pli­när zu qua­li­fi­zie­ren, müs­sen die Un­ter­neh­men auf die Uni­ver­si­tä­ten zu­ge­hen. Be­son­ders ge­eig­net sind For­schungs­se­mes­ter für Un­ter­neh­mens­mit­ar­bei­ter in der uni­ver­si­tä­ren For­schung. Da­mit es bei den Mit­ar­bei­tern nicht zu fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen kommt, soll­te von­sei­ten der Wirt­schaft die Fi­nan­zie­rungs­lü­cke zwi­schen dem re­gu­lä­ren Ge­halt und der uni­ver­si­tä­ren Be­zah­lung über­brückt wer­den.

Um­ge­kehrt müs­sen Hoch­schul­leh­rer zeit­wei­se (z.B. bis zu 5 Jah­re) in die In­dus­trie wech­seln kön­nen, oh­ne Nach­tei­le beim Kar­rie­re­auf­stieg und bei der Al­ters­ver­sor­gung zu er­lei­den. Füh­ren­de Hoch­schu­len Eu­ro­pas, z. B. die ETH Zü­rich, bie­ten die­se Mög­lich­keit seit Lan­gem. Das baye­ri­sche Hoch­schul­leh­rer­ge­setz muss ent­spre­chend an­ge­passt wer­den.

Zu ei­ner ech­ten In­no­va­ti­ons­kul­tur ge­hö­ren för­der­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für Fir­men­aus­grün­dun­gen aus der For­schung. Im Be­reich der Hoch­schu­len sind grün­dungs­ak­ti­ven Pro­fes­so­ren, wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern und Stu­den­ten Frei­se­mes­ter zu ge­wäh­ren. En­tre­pre­neurship-Kur­se an Hoch­schu­len dür­fen kei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung blei­ben. Aus­grün­dun­gen ge­hö­ren in die aka­de­mi­sche Leis­tungs­bi­lanz. Bei Neu­be­ru­fun­gen sind un­ter­neh­me­ri­sche Er­fah­run­gen zu be­rück­sich­ti­gen.

Der Wert des geis­ti­gen Ei­gen­tums ist in der uni­ver­si­tä­ren For­schung er­heb­lich un­ter­be­wer­tet. Hier liegt ei­ne der Ur­sa­chen für den viel­fach man­gel­haft aus­ge­präg­ten „en­tre­pre­neu­ri­al spi­rit“. Die­sem Man­gel kann durch ein sys­te­ma­tisch wirk­sa­mes Scou­ting-Sys­tem ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, in­dem die Wis­sen­schaft­ler für die un­ter­neh­me­ri­sche Re­le­vanz ih­rer Er­fin­dun­gen sen­si­bi­li­siert wer­den, ver­bun­den mit pro­fes­sio­nel­ler Hil­fe­stel­lung bei Pa­tent- und Ge­brauchs­mus­ter-An­mel­dun­gen.

Ge­ne­rell sind Maß­nah­men zur Eta­blie­rung ei­ner In­tra- und En­tre­pre­neurship- Kul­tur bei Mit­ar­bei­tern im For­schungs­sek­tor so­wie bei Hoch­schul­ab­sol­ven­ten um­zu­set­zen. Die Un­ter­neh­mens­grün­dung als al­ter­na­ti­ver Kar­rie­re­weg für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter muss gleich­wer­tig po­si­tio­niert wer­den ne­ben dem Ver­bleib am For­schungs­in­sti­tut bzw. an der Hoch­schu­le oder dem Wech­sel in die In­dus­trie. Hier wird Hand­lungs­be­darf im Baye­ri­schen Hoch­schul­ge­setz und im Baye­ri­schen Hoch­schul­per­so­nal­ge­setz ge­se­hen.

All die­se Maß­nah­men ha­ben nichts mit dem ge­le­gent­lich be­schwo­re­nen Schreck­ge­spenst „Öko­no­mi­sie­rung der Wis­sen­schaft“ zu tun. Sie ha­ben viel­mehr das Ziel, die In­no­va­ti­ons­kraft der wis­sen­schaft­li­chen For­schung im wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­se der Ge­sell­schaft zu stär­ken.

Di­gi­ta­les Ler­nen
Im ge­sam­ten Bil­dungs­be­reich müs­sen di­gi­ta­le Tech­no­lo­gi­en als Werk­zeu­ge zur Ver­fü­gung ste­hen. Bil­dungs­in­hal­te müs­sen die Di­gi­ta­li­sie­rung auf­grei­fen und um­set­zen.

Da­zu müs­sen Schu­len flä­chen­de­ckend mit der er­for­der­li­chen In­fra­struk­tur aus­ge­stat­tet und auf die Nut­zung neu­er Tech­no­lo­gi­en ein­ge­stellt sein. Lehr­ma­te­ria­li­en müs­sen die Po­ten­zia­le des heu­te ver­füg­ba­ren Wis­sens voll aus­schöp­fen, da­mit den Schü­lern le­bens- und pra­xis­nah die rich­ti­gen Kom­pe­ten­zen ver­mit­telt wer­den. Die 1:1-Um­set­zung heu­ti­ger Schul­bü­cher als E-Book ge­nügt nicht. Ent­schei­dend sind die Ver­net­zung und der je­der­zei­ti­ge Zu­griff auf wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen. So ist bei Ver­lin­kun­gen nicht maß­ge­bend, ob die da­hin­ter lie­gen­den In­for­ma­tio­nen je­der­zeit von der Schuld­be­hör­de um­fas­send kon­trol­liert wer­den kön­nen – dem Schü­ler muss viel­mehr die Fä­hig­keit zur kri­ti­schen Ein­ord­nung und rich­ti­gen Nut­zung von Da­ten und Fak­ten ver­mit­telt wer­den.

Di­gi­ta­li­sie­rung in Aus- und Wei­ter­bil­dung
Di­gi­ta­le Kom­pe­ten­zen müs­sen zum selbst­ver­ständ­li­chen Ge­gen­stand je­der Aus­bil­dung wer­den – von der Be­herr­schung gän­gi­ger An­wen­dun­gen über den si­che­ren Um­gang mit ver­füg­ba­ren In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len bis zu ei­nem grund­le­gen­den Ver­ständ­nis von Struk­tur und Auf­bau von IT-Sys­te­men ein­schließ­lich der da­mit ver­bun­de­nen Si­cher­heits­fra­gen. Hin­zu kom­men spe­zi­el­le Kennt­nis­se für die je­wei­li­gen Be­rei­che, wie et­wa Wis­sen über E-Com­mer­ce für den Han­del und Ver­trieb.

For­cie­rung der Ko­ope­ra­ti­ons­fä­hig­keit

Bei der Ent­wick­lung an den Schnitt­stel­len von eta­blier­ten Tech­no­lo­gie­fel­dern müs­sen neue Ak­teu­re sys­te­ma­tisch in In­no­va­ti­ons­pro­zes­se ein­be­zo­gen wer­den.

Bay­ern ist als ex­port­star­kes Land be­reits heu­te stark glo­ba­li­siert. Je­des zwei­te baye­ri­sche Un­ter­neh­men ist di­rekt oder in­di­rekt in in­ter­na­tio­na­le Wert­schöp­fungs­ket­ten ein­ge­bun­den. Vie­le ar­bei­ten auch im Be­reich F+E mit in­ter­na­tio­na­len Part­nern zu­sam­men. Des­halb dür­fen För­der­pro­jek­te nicht an der Lan­des­gren­ze en­den, viel­mehr ist auch bei der För­der­po­li­tik ei­ne grenz­über­schrei­ten­de Zu­sam­men­ar­beit er­for­der­lich. Wei­ter­hin ist die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung re­gio­na­ler In­no­va­ti­ons­clus­ter an­zu­stre­ben.

Bun­des­mit­tel und EU-Gel­der (z.B. KICs, Ho­ri­zon 2020) müs­sen ge­zielt nach Bay­ern ge­holt und mit baye­ri­schen Mit­teln kom­bi­niert wer­den. Die He­bel­wir­kung ist be­acht­lich und da­durch kön­nen zu­sätz­li­che baye­ri­sche Pro­jek­te an­ge­scho­ben wer­den. Ge­ra­de staat­li­ches Han­deln muss sich stär­ker an die­sem Ziel aus­rich­ten. Über die er­folg­rei­chen Ak­ti­vi­tä­ten der Baye­ri­schen For­schungs­al­li­anz hin­aus er­scheint es drin­gend ge­bo­ten, die Ak­qui­si­ti­on von Groß­for­schungs­pro­jek­ten (z. B. Know­ledge and In­no­va­ti­on Com­mu­nities (KICs) der Eu­ro­päi­schen Uni­on) sys­te­ma­tisch zu un­ter­stüt­zen, um im ver­schärf­ten eu­ro­päi­schen Wett­be­werb baye­ri­sche Er­folgs­ge­schich­ten zu be­grün­den. Hier­zu be­darf es in der oft mehr­jäh­ri­gen Vor­be­rei­tungs­pha­se ma­nage­men­ter­fah­re­ner Ko­or­di­na­to­ren, die die­se gro­ßen Ver­bund­pro­jek­te im Wis­sens­drei­eck „Re­se­arch – Teaching – En­tre­pre­neurship“ und zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft auf den Weg brin­gen.

Ins­be­son­de­re Grün­der und jun­ge Un­ter­neh­men müs­sen bei der In­ter­na­tio­na­li­sie­rung un­ter­stützt wer­den, zum Bei­spiel mit Start-up-Un­ter­neh­mer­rei­sen und Aus­bil­dungs­pro­gram­men.

Zur För­de­rung der Ent­wick­lung über Bran­chen- und Tech­no­lo­gie­g­ren­zen hin­weg ist es er­for­der­lich, die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Un­ter­neh­men zu stär­ken und zu ver­ein­fa­chen. Hilf­reich ist hier die Be­reit­stel­lung von Ser­vices, In­for­ma­tio­nen und Best-Prac­tice-Bei­spie­len. Ge­ra­de bei ho­her Tech­no­lo­gie­rei­fe wird auf Ko­ope­ra­tio­nen oft­mals ver­zich­tet, weil die ein­zel­nen Fer­ti­gungs­schrit­te nicht im Rah­men ge­werb­li­cher Schutz­rech­te ab­ge­si­chert wer­den kön­nen. Ei­ne in­sti­tu­tio­na­li­sier­te und län­ger­fris­ti­ge Zu­sam­men­ar­beit im Rah­men von For­schungs­ver­bün­den kann hier Ab­hil­fe schaf­fen, auch im Ver­hält­nis zwi­schen Un­ter­neh­men und Hoch­schu­len.

Ent­schei­dend ist, dass Start-ups in die Ko­ope­ra­ti­ons­pro­zes­se ein­be­zo­gen wer­den. Ein gu­tes Bei­spiel ist die Platt­form Bits & Pret­zels mit rund 2.000 Teil­neh­mern. Sie trägt ei­ner­seits da­zu bei, die Sicht­bar­keit der baye­ri­schen Grün­der­sze­ne zu er­hö­hen, an­de­rer­seits bie­tet sie vor al­lem Start-ups ei­ne Mög­lich­keit zur Ver­net­zung mit eta­blier­ten Un­ter­neh­men. Die Platt­form muss da­her ver­ste­tigt wer­den. Wei­te­re Netz­werkt­ref­fen, auf de­nen jun­ge Un­ter­neh­men ih­re Ent­wick­lun­gen und Ide­en vor­stel­len, Kon­tak­te knüp­fen und Ko­ope­ra­tio­nen an­bah­nen kön­nen, müs­sen fol­gen.

Ko­ope­ra­tio­nen bie­ten sich – auch mit Un­ter­stüt­zung des Staa­tes – im Be­reich des Han­dels an. Bei­spie­le sind die Er­hö­hung der On­line-Sicht­bar­keit von Kleinst­un­ter­neh­men durch Be­tei­li­gung an Wer­be­ge­mein­schaf­ten und Her­an­füh­rung an E-Com­mer­ce-Markt­plät­ze oder die Her­an­füh­rung von Händ­ler­zu­sam­men­schlüs­sen mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men auf lo­ka­ler Ebe­ne an den E-Com­mer­ce.

In­no­va­ti­ons­pro­zes­se bei gro­ßen Or­ga­ni­sa­tio­nen sto­ßen nicht sel­ten auf or­ga­ni­sa­ti­ons­im­ma­nen­te Träg­heit und Rou­ti­nen. Um auf im­mer schnel­ler ge­tak­te­te Her­aus­for­de­run­gen wirk­sam re­agie­ren zu kön­nen, müs­sen die In­no­va­ti­ons­pro­zes­se schnel­ler und fle­xi­bler wer­den.

Ent­spre­chend muss die Ver­net­zung der For­schungs- und In­no­va­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten von Groß- und Klein­un­ter­neh­men in­ten­si­viert wer­den. Da­bei wer­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­ei­gen­schaf­ten kom­bi­niert: Klein­un­ter­neh­men kön­nen ih­re Vor­tei­le als schnel­le und fle­xi­ble Ak­teu­re ein­brin­gen, Groß­un­ter­neh­men hin­ge­gen ih­re Be­stän­dig­keit und (fi­nan­zi­el­les) Durch­hal­te­ver­mö­gen. Da­durch ent­steht ei­ne dy­na­mi­sche Ent­wick­lungs- und Er­pro­bungs­land­schaft für in­no­va­ti­ve Ide­en.

Ent­schei­dend ist die ge­ziel­te staat­li­che För­de­rung von Ver­bund­pro­jek­ten zwi­schen Groß- und Klein­un­ter­neh­men. Er­for­der­lich ist hier nicht nur die För­de­rung von Neu­pro­jek­ten, son­dern auch die von In­no­va­tio­nen im Rah­men be­stehen­der re­gio­na­len Wert­schöp­fungs­ket­ten. Hier kann auf ei­ne be­währ­te, ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit auf­ge­baut wer­den.

Für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men ist ein stär­ke­rer In­put aus uni­ver­si­tä­rer und au­ßer­uni­ver­si­tä­rer For­schung von gro­ßem Wert. Als Best-Prac­tice-Bei­spiel ist das Kom­pe­tenz­zen­trum Mit­tel­stand (KME) der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen und des vbm zu wer­ten. Bun­des­weit wür­de Bay­ern ei­ne Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men, wenn an ge­eig­ne­ten Uni­ver­si­täts­stand­or­ten staat­li­cher­seits For­schungs­ge­bäu­de er­rich­tet wür­den, in de­nen die Ko­ope­ra­ti­ons­for­schung mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men mit Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len so­wie au­ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen er­folgt. Sol­che Zen­tren wä­ren ide­al für Ver­bund­pro­mo­tio­nen ge­eig­net, wie sie in Bay­ern der­zeit zwi­schen den bei­den Hoch­schul­ar­ten ent­wi­ckelt wer­den. Fer­ner ist die Ko­ope­ra­ti­ons­fä­hig­keit, z. B. mit Mus­ter­ver­trä­gen für die Zu­sam­men­ar­beit von Uni­ver­si­tät und Un­ter­neh­men, zu er­leich­tern.

Die Wei­ter­ent­wick­lung der Wis­sen­schafts­land­schaft in Deutsch­land wird über ei­nen Wett­be­werb der Stand­or­te um Ex­zel­lenz und In­no­va­ti­ons­kraft er­fol­gen. Zu­künf­tig wer­den die Wis­sen­schafts­re­gio­nen ge­win­nen, de­nen es ge­lingt, in­te­grier­te Stand­ort­kon­zep­te neu­er Qua­li­tät zu ent­wi­ckeln und ge­mein­sam mit Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Po­li­tik nach­hal­tig um­zu­set­zen.

In­te­grier­te Stand­ort­kon­zep­te neu­er Qua­li­tät zeich­nen sich durch fol­gen­de Merk­ma­le und Zie­le aus:

– Sie über­zeu­gen durch ein the­ma­ti­sches Pro­fil mit Al­lein­stel­lung auf na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Ebe­ne.

– Sie ver­bin­den ex­zel­len­te For­schung und Leh­re, Aus- und Wei­ter­bil­dung, Trans­fer und wirt­schaft­li­che Ak­ti­vi­tä­ten zu ei­nem leis­tungs­fä­hi­gen In­no­va­ti­ons­sys­tem mit re­gio­na­ler, na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Wir­kung und in­ter­na­tio­na­ler Aus­strah­lung.

– Sie be­zie­hen die re­le­van­ten Ak­teu­re aus Wis­sen­schaft (Uni­ver­si­tä­ten, Fach­hoch­schu­len, au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­in­sti­tu­te), Wirt­schaft (KMU, Groß­un­ter­neh­men und Ver­bän­de) und Po­li­tik ein.

– Sie ha­ben als re­gio­na­le An­ker und Kern ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Wis­sen­schafts­ein­rich­tung, las­sen the­men­spe­zi­fi­sche, aber auch trans­re­gio­na­le Ab­strah­l­ef­fek­te mit ver­netz­ten Stand­or­ten zu.

– Sie för­dern die in­ter­dis­zi­pli­nä­re, trans­dis­zi­pli­nä­re und bran­chen­über­grei­fen­de Zu­sam­men­ar­beit.

– Sie stär­ken die In­no­va­ti­ons­kraft ins­be­son­de­re klei­ner und mitt­le­rer Un­ter­neh­men.

Für For­schungs- und Ent­wick­lungs­pro­zes­se und Er­pro­bun­gen exis­tie­ren be­reits um­fang­rei­che An­ge­bo­te, wie z.B. Li­ving Labs. Al­ler­dings wer­den die­se zum Teil un­ge­nü­gend ge­nutzt. Es be­steht Hand­lungs­be­darf beim Ab­bau von Nut­zungs­hür­den und bei der Stei­ge­rung der Be­kannt­heit be­stehen­der An­ge­bo­te.

Für Un­ter­neh­men im länd­li­chen Raum sind die Ide­en und die Ex­per­ti­sen aus der Uni­ver­si­tät nicht so schnell und ein­fach zu­gäng­lich. Mit Un­ter­stüt­zung der Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen könn­ten The­men­ta­ge und Part­ne­ring Events der Hoch­schu­len ge­zielt au­ßer­halb von Zen­tren durch­ge­führt wer­den. So wer­den be­stehen­de An­ge­bo­te be­kannt ge­macht und ver­bes­sert.

Ei­ne mo­der­ner An­satz für die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Un­ter­neh­men und Uni­ver­si­tä­ten sind In­no­va­ti­on Labs. Sie be­schäf­ti­gen sich in­ter­dis­zi­pli­när mit in­no­va­ti­ven Fra­ge­stel­lun­gen, um die­se in der Vor­pro­dukt­ent­wick­lung oder in De­mons­tra­to­ren um­zu­set­zen. Die Er­geb­nis­se aus In­no­va­ti­on Labs flie­ßen in die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men, kön­nen aber auch als Grund­la­ge für Fir­men­grün­dun­gen ge­nutzt wer­den.

Im Ge­gen­satz zu be­stehen­den Grün­der­zen­tren, die pri­mär Start-ups un­ter­stüt­zen, zie­len In­no­va­ti­on Labs auf die Er­ar­bei­tung von Ide­en für be­stehen­de Un­ter­neh­men oder kom­men­de Grün­dun­gen ab. Bei­spiel sind das In­no­va­ti­on Lab der Me­tro­pol­re­gi­on Rhein-Ne­ckar in Hei­del­berg und der neue Ma­ker­Space von Un­ter­neh­mer­TUM. Es müs­sen wei­te­re In­no­va­ti­on Labs in Bay­ern ent­ste­hen.

Emp­feh­lun­gen zu In­ku­ba­to­ren, De­mons­tra­to­ren, Fi­nan­zie­rung

Ge­ziel­te För­de­rung si­chert die Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft baye­ri­scher Un­ter­neh­men

 

Für ei­ne er­folg­rei­che In­no­va­tions- und Grün­dungs­po­li­tik ist ent­schei­dend, dass in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­men von ih­rer Grün­dung über die Pro­dukt­ent­wick­lung bis hin zur Markt­rei­fe bis zur nächs­ten Wachs­tums­pha­se die pas­sen­den Rah­men­be­din­gun­gen vor­fin­den. Ent­schei­dend sind Ge­schwin­dig­keit, Ka­pi­tal, stra­te­gi­sche Me­cha­nis­men und Da­ten­ban­ken so­wie Netz­wer­ke zu den re­gio­na­len Ak­ti­vi­tä­ten.

Aus- und Neu­grün­dun­gen

Re­vo­lu­tio­när neue Tech­no­lo­gi­en ha­ben ih­ren Ur­sprung häu­fig in neu ge­grün­de­ten Un­ter­neh­men. Da­her muss der seit Jah­ren rück­läu­fi­ge Trend im deut­schen Grün­dungs­ge­sche­hen ge­dreht wer­den. Um im Wett­be­werb um die füh­ren­den Tech­no­lo­gi­en der Zu­kunft be­stehen zu kön­nen, be­darf es ei­ner An­pas­sung der Rah­men­be­din­gun­gen und ei­ner mög­lichst un­bü­ro­kra­ti­schen Un­ter­stüt­zung von Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen. Ge­setz­li­che Auf­la­gen und Ver­wal­tungs­an­for­de­run­gen sind auf ein Mi­ni­mum zu be­gren­zen. Ei­ne ho­he Grün­dungs­in­ten­si­tät be­schleu­nigt den ef­fi­zi­en­ten Trans­fer von Ide­en aus der Wis­sen­schaft in markt­fä­hi­ge Pro­duk­te. Un­ter­neh­me­ri­sches Den­ken und Han­deln muss in die Hoch­schu­len ein­zie­hen und de­ren aka­de­mi­schen Auf­trag er­gän­zen.

Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen wer­den durch di­rek­te Un­ter­stüt­zung we­sent­lich ver­ein­facht. Die­se um­fasst Men­to­ren, Busi­ness An­gels, en­ga­gier­te Pro­fes­so­ren und Stu­den­ten so­wie Un­ter­neh­men. Wich­tig sind vor al­lem ein­fa­che und trans­pa­ren­te Struk­tu­ren, Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung so­wie die Eta­blie­rung von ein­heit­li­chen An­sprech­part­nern (One Stop Agen­cy) und För­der­lot­sen. Über die Er­wei­te­rung be­stehen­der An­ge­bo­te, wie z.B. Un­ter­neh­mer-TUM, kön­nen mehr mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men er­reicht und ak­ti­viert wer­den.

Die Busi­ness-An­gel- und Fi­nan­zie­rungs-Netz­wer­ke müs­sen durch Ge­win­nung neu­er In­ves­to­ren zu­sam­men­ge­führt und ver­stärkt wer­den. Jun­gen Un­ter­neh­men müs­sen in Netz­wer­ke und Ver­bund­pro­jek­te ein­ge­bun­den wer­den, um ei­nen in­ten­si­ven fach­li­chen Er­fah­rungs­aus­tausch zu ge­währ­leis­ten.

Ei­ne Her­aus­for­de­rung sind das in Deutsch­land all­ge­mein schwach aus­ge­präg­te Grün­dungs­kli­ma und die Angst vor dem Stig­ma des un­ter­neh­me­ri­schen Schei­terns. Der un­ter­neh­me­ri­sche Spi­rit, zum Bei­spiel an Uni­ver­si­tä­ten, be­darf ei­ner mas­si­ven, ge­ziel­ten För­de­rung. Die wirt­schaft­li­che Ziel­set­zung darf im Um­feld der uni­ver­si­tä­ren For­schung kein Ta­bu sein.

Nur ei­ne brei­te Un­ter­neh­mer- und Grün­dungs­kam­pa­gne kann zu ei­ner Be­wusst­seins­än­de­rung füh­ren. In die­se müs­sen In­for­ma­ti­ons- und Kar­rie­re­mes­sen an Hoch­schu­len, zu de­nen spe­zi­ell Start-up-Un­ter­neh­men ein­ge­la­den wer­den, eben­so in­te­griert wer­den wie The­men­ta­ge des Mit­tel­stands an den Hoch­schu­len oder bei­spiel­haf­te Pro­jek­te und Wett­be­wer­be für Grün­dun­gen, wie z.B. 5-Eu­ro-Busi­ness.

Re­gio­na­le In­itia­ti­ven, wie die Aus­lo­bung von Grün­der­prei­sen durch eta­blier­te Un­ter­neh­men, sind ein wei­te­rer Bau­stein und kön­nen Vor­bild­cha­rak­ter ha­ben.

Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten ver­bes­sern

Zu vie­le In­no­va­tio­nen schei­tern noch an der Fi­nan­zie­rung. Des­halb wan­dern sie noch zu häu­fig aus Bay­ern aus.

Die baye­ri­schen För­der­quo­ten und -vo­lu­mi­na sind aus­bau­fä­hig. Ge­ra­de bei be­son­ders in­no­va­ti­ven, mög­li­cher­wei­se dis­rup­ti­ven Ent­wick­lun­gen sind ho­he För­der­quo­ten von re­gel­mä­ßig min­des­tens 40 Pro­zent er­for­der­lich, aber auch die Über­nah­me oder Ab­si­che­rung be­stimm­ter Teil­ri­si­ken.

Auf­ga­be der Po­li­tik ist es auch, sich in noch grö­ße­rem Ma­ße für die Ver­ga­be von Bun­des- und EU-Mit­teln nach Bay­ern ein­zu­set­zen, auch durch Un­ter­stüt­zung bei der An­trag­stel­lung, und ei­ne ent­spre­chen­de Ko-Fi­nan­zie­rung ge­zielt si­cher­zu­stel­len.

Die Ab­wick­lung der Ver­fah­ren muss ver­ein­facht, trans­pa­rent ge­stal­tet und be­schleu­nigt wer­den: Von der An­trag­stel­lung mit voll­stän­di­gen Un­ter­la­gen bis zur Ent­schei­dung über den För­der­an­trag dür­fen in der Re­gel nicht mehr als drei Mo­na­te ver­ge­hen.

Be­son­ders für in kauf­män­ni­schen Din­gen oft un­er­fah­re­ne Un­ter­neh­mens­grün­der sind kom­pe­ten­te An­sprech­part­ner und trans­pa­ren­te Fi­nan­zie­rungs­sys­te­me ent­schei­dend für den Grün­dungs­er­folg. Hier­zu ge­hört ei­ne ak­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on von För­der­pro­gram­men und För­der­in­hal­ten.

Um der Ver­net­zung Rech­nung zu tra­gen, muss Tech­no­lo­gie­för­de­rung ge­ra­de auch die Schnitt­stel­len zwi­schen Tech­no­lo­gi­en er­fas­sen. Star­re Be­gren­zun­gen durch Pro­gram­me sind da­her auf­zu­ge­ben.

Da­für emp­fiehlt sich ein ein­heit­li­cher Pro­gramm­ty­pus im Sin­ne ei­ner mis­si­ons­ori­en­tier­ten, pro­blem­zen­trier­ten För­de­rung. Zu­min­dest muss ein tech­no­lo­gie­über­grei­fen­des Ba­sis­pro­gramm al­le Ver­net­zun­gen zwi­schen den Tech­no­lo­gi­en ab­bil­den.

Gleich­zei­tig ver­bie­tet sich auch ei­ne strik­te Tren­nung nach Bran­chen, da­mit neu­en Ge­schäfts­mo­del­len Rech­nung ge­tra­gen wird und Wert­schöp­fungs­ket­ten voll­stän­dig ab­ge­bil­det wer­den kön­nen.

Der in­ter­na­tio­na­le Ver­gleich zeigt, dass in Deutsch­land die Fi­nan­zie­rung von tech­no­lo­gie­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men in der Grün­dungs- und Wachs­tums­pha­se durch Be­tei­li­gungs­ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten un­zu­rei­chend ent­wi­ckelt ist. Da in den USA 50-mal so viel Wag­nis­ka­pi­tal zur Ver­fü­gung steht wie in Deutsch­land, kön­nen dort po­ten­zi­ell dis­rup­ti­ve Tech­no­lo­gi­en in viel grö­ße­rem Um­fang und er­heb­lich ra­scher ent­wi­ckelt wer­den. Der Aus­bau der Ver­füg­bar­keit von Ri­si­ko­ka­pi­tal ist da­her ei­ne ele­men­ta­re Not­wen­dig­keit bei der Um­set­zung von in­no­va­ti­ver Tech­no­lo­gie in un­ter­neh­me­ri­sches Han­deln.

In Bay­ern gibt es mit Bay­ern Ka­pi­tal und LfA be­währ­te In­sti­tu­tio­nen, bei de­nen Grün­der so­wohl Hil­fe bei der Fi­nan­zie­rung als auch Un­ter­stüt­zung mit be­triebs­wirt­schaft­li­chem Know-how er­hal­ten. Dort gibt es auch Be­tei­li­gungs­pro­gram­me für den IT-Be­reich so­wie Fi­nan­zie­run­gen, die spe­zi­ell auf Vor­ha­ben mit er­heb­li­chen tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Ri­si­ken zu­ge­schnit­ten sind. Trotz­dem er­scheint vie­len Start-ups der „Sze­ne­platz“ Ber­lin at­trak­ti­ver. Dar­aus lässt sich ab­lei­ten, dass ne­ben Um­feld­fak­to­ren auch die Sicht­bar­keit des vor­han­de­nen An­ge­bots so­wie ei­ner ein­heit­li­chen An­lauf­stel­le ent­schei­dend sind.

Nach­dem im Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung / IT ein Nach­hol­be­darf in Bay­ern be­steht, der sich über Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en er­streckt, ist spe­zi­ell für Grün­der aus dem Be­reich IT ein ein­heit­li­cher An­sprech­part­ner („Di­gi­ta­li­sie­rungs­lot­se“) für Bay­ern Ka­pi­tal und LfA ein­zu­set­zen. Die­ser muss zu den be­stehen­den För­der­pro­gram­men und Fi­nan­zie­rungs­op­tio­nen be­ra­ten so­wie Kon­tak­te in das ent­spre­chen­de wirt­schaft­li­che und wis­sen­schaft­li­che Um­feld ver­mit­teln.

Dar­über hin­aus sind die steu­er­li­chen und re­gu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen für Wag­nis­ka­pi­tal in Deutsch­land zu ver­bes­sern, zum Bei­spiel bei der Mo­bi­li­sie­rung von Ven­ture Ca­pi­tal für Wachs­tums- bzw. An­schluss­fi­nan­zie­run­gen. Das La­ter-Sta­ge-Fun­ding liegt in den USA mit ca. 12 Mrd. Eu­ro rund 30-mal so hoch wie in Deutsch­land. Das ho­he Ri­si­ko bei In­ves­ti­tio­nen von Ven­ture-Ca­pi­tal-Fonds in Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen kann durch Ge­wäh­rung steu­er­li­cher An­rei­ze aus­ge­gli­chen wer­den.

Ex­pe­ri­men­tier­feld für Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ko­ope­ra­ti­ons­mo­del­le

In­no­va­tio­nen ent­ste­hen durch Of­fen­heit, Krea­ti­vi­tät, un­kon­ven­tio­nel­le Denk­an­sät­ze und aus mu­ti­gen Ex­pe­ri­men­ten. Ei­ne Vor­aus­set­zung für die­se geis­ti­ge Frei­heit ist al­ler­dings auch die Ab­we­sen­heit von fi­nan­zi­el­lem Druck. Des­halb müs­sen die För­der­struk­tu­ren und -be­din­gun­gen so ge­öff­net wer­den, dass sie die „Im­pro­vi­sa­ti­ons­freu­de“ in Wis­sen­schaft, For­schung und Ent­wick­lung be­flü­geln. Stark aus­bau­be­dürf­tig sind Son­der­för­der­pro­gram­me für be­son­ders in­no­va­ti­ve, aber auch ris­kan­te For­schungs- und Ent­wick­lungs­vor­ha­ben („high risk, high re­ward“), vor­zugs­wei­se in­ter­dis­zi­pli­när und an den Schnitt­stel­len der Tech­no­lo­gie­fel­der. Die Mög­lich­keit ei­nes Fehl­schla­ges soll da­bei be­wusst in Kauf ge­nom­men wer­den, was sich auch in den För­der­richt­li­ni­en nie­der­schla­gen muss.

Der­ar­ti­ge Son­der­för­der­pro­gram­me kön­nen in be­stehen­de Sys­te­me der For­schungs­fi­nan­zie­rung, wie z.B. die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft, in­te­griert wer­den. Auch In­no­va­ti­on Labs bie­ten sich zur Um­set­zung von „ris­kan­ten“ Ex­pe­ri­men­ten an.

„Val­ley of De­ath“ über­win­den

Die Grund­la­gen­for­schung ist oft sehr gut durch öf­fent­li­che Mit­tel ab­ge­deckt, wäh­rend die För­der­mög­lich­kei­ten mit zu­neh­men­der Markt­rei­fe ab­neh­men. An die­ser Stel­le wird vom „Val­ley of De­ath“ ge­spro­chen, wenn vor al­lem klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men oder Aus­grün­dun­gen die Ei­gen­fi­nan­zie­rung nicht auf­brin­gen kön­nen.

Das trifft auch auf die Hoch­schu­len zu, nach­dem sie sich – vor al­lem kraft des In­puts aus der öf­fent­lich fi­nan­zier­ten For­schung – an Aus­grün­dun­gen be­tei­ligt ha­ben: Man­gels Ka­pi­tal kön­nen sie Fi­nan­zie­rungs­run­den nicht stem­men, was ei­ne stu­fen­wei­se re­du­zier­te Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gung nach sich zieht. Um den Aus­grün­dungs­er­folg aus­zu­schöp­fen, müs­sen al­so auch die Hoch­schu­len be­darfs­ge­recht mit Ka­pi­tal aus­ge­stat­tet wer­den.

Be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist die Fi­nan­zie­rung der letz­ten Ent­wick­lungs­schrit­te bis zur Markt­rei­fe. Nicht zu­letzt schei­tern neue Tech­no­lo­gi­en an der Mas­sen­fer­ti­gung. Die Auf­nah­me von Fremd­ka­pi­tal, bei­spiels­wei­se in Form von Bank­kre­di­ten, ge­stal­tet sich schwie­rig, da Ban­ken oft­mals nicht die Er­folgs­aus­sich­ten be­ur­tei­len kön­nen.

Es müs­sen ge­zielt die För­der­mög­lich­kei­ten für die letz­ten Ent­wick­lungs­schrit­te und die Markt­ein­füh­rung mit staat­li­cher Hil­fe er­wei­tert wer­den. Zu­dem soll­te die För­de­rung von Ba­sis­tech­no­lo­gi­en stär­ker mit An­wen­dun­gen ver­knüpft wer­den. Auch an­wen­dungs­na­he De­mons­tra­to­ren und Schau­fens­ter­pro­jek­te sind – ggf. in Ab­stim­mung mit wei­te­ren Ak­teu­ren – zu för­dern. Die­se Maß­nah­men stel­len si­cher, dass nicht nur die Ent­wick­lung, son­dern auch die sich an die er­folg­rei­che Markt­ein­füh­rung an­schlie­ßen­de Wert­schöp­fung in Bay­ern statt­fin­det.

Ins­be­son­de­re staat­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen kön­nen über ih­re Auf­trags­ver­ga­be ge­zielt In­no­va­ti­ons­pro­zes­se för­dern. Wäh­rend die USA von die­sem In­stru­ment („pu­blic pro­cu­re­ment for in­no­va­ti­on“) in er­heb­li­chem Um­fang Ge­brauch ma­chen, wird es in Eu­ro­pa bis­lang in kaum ei­nem Land ge­nutzt.

Um die Ein­bin­dung jun­ger Un­ter­neh­men (Aus­grün­dun­gen, Start-ups) zu er­mög­li­chen, müs­sen die Ver­ga­be­richt­li­ni­en an­ge­passt wer­den, z.B. An­for­de­run­gen an Li­qui­di­tät und das Vor­lie­gen von Jah­res­ab­schlüs­sen.

Auch Groß­un­ter­neh­men kön­nen in­no­vie­ren­de klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men durch ge­ziel­te Auf­trags­ver­ga­be un­ter dem As­pekt „vom Pro­to­typ­ing zum Pro­dukt“ un­ter­stüt­zen.

Mit Leucht­turm-In­itia­ti­ven kom­plet­te Wert­schöp­fungs­netz­wer­ke för­dern

Mit ge­ziel­ten Leucht­turm-Pro­jek­ten,die sich auf ei­ne be­stimm­te An­wen­dung, vor al­lem aber auf ein zu lö­sen­des Pro­blem fo­kus­sie­ren, müs­sen kom­plet­te Wert­schöp­fungs­netz­wer­ke ge­för­dert wer­den. Ein kon­kre­tes Bei­spiel ist der Be­reich der As­sis­tenz­ro­bo­tik. Vor­ge­schla­gen wird bei­spiels­wei­se ei­ne Leucht­turm-In­itia­ti­ve As­sis­tenz­ro­bo­tik, in die un­ter Ko­or­di­na­ti­on des in­ter­na­tio­nal füh­ren­den DLR-Ro­bo­tik-Zen­trums ne­ben sei­nen Spin-off-Start-ups die ein­schlä­gi­gen TUM-In­sti­tu­te bzw. An-In­sti­tu­te wie FOR­TISS und die In­sti­tu­te der Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft ein­ge­bun­den sind, baye­ri­sche Un­ter­neh­men (Raum­fahrt-Spe­zia­lis­ten, In­dus­trie­ro­bo­ter­her­stel­ler, Elek­tro­nik-Aus­rüs­ter) und baye­ri­sche Kli­ni­ken so­wie Pfle­ge-Ein­rich­tun­gen. Der Fi­nanz­be­darf ei­ner auf 5 Jah­re an­ge­leg­ten wirk­sa­men In­itia­ti­ve liegt bei jähr­lich ca. 10 Mio. Eu­ro, d. h. ins­ge­samt bei 50 Mio. Eu­ro.

Grün­der an Bay­ern bin­den

Jun­ge Un­ter­neh­men müs­sen auch nach der Markt­ein­füh­rung in Bay­ern wach­sen kön­nen, um die Wert­schöp­fung lang­fris­tig im Frei­staat zu rea­li­sie­ren. Heu­te ist viel­fach zu be­ob­ach­ten, dass stra­te­gi­sche Ein­käu­fer aus dem Aus­land ge­zielt Start-ups ein­kau­fen, vor al­lem aus dem leicht ska­lier­ba­ren IKT-Be­reich. Da­durch ver­la­gern sich ab­rupt Wert­schöp­fung und Wachs­tum.

Die Über­nah­me von und die Be­tei­li­gung an Start-ups durch ein­hei­mi­sche Un­ter­neh­men muss un­ter­stützt wer­den, um die stra­te­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Po­ten­zia­le aus­zu­schöp­fen. Da­zu müs­sen po­ten­zi­el­le Er­wer­ber (Un­ter­neh­men, Fonds, in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger) und jun­ge Un­ter­neh­men zu­sam­men­ge­bracht wer­den. Emp­feh­lens­wert sind die bei­den fol­gen­den Maß­nah­men:

– Auf­bau ei­ner Platt­form, auf der sich jun­ge Un­ter­neh­men prä­sen­tie­ren kön­nen. Die­se Platt­form ist z.B. bei Bay­ern In­no­va­tiv oder der LfA an­zu­sie­deln und über Hoch­schu­len, au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen und Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen zu be­wer­ben. Hier­zu kann für den Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung auf die be­stehen­de Platt­form Bits & Pret­zels auf­ge­baut wer­den.

– Un­ter­stüt­zung eta­blier­ter Un­ter­neh­men bei der Su­che nach ge­eig­ne­ten Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern oder Über­nah­me­kan­di­da­ten un­ter den jun­gen Un­ter­neh­men. Ge­ra­de im Mit­tel­stand fehlt es an „Scouts“, die ge­zielt und recht­zei­tig Start-ups auf­spü­ren. Be­ra­tung und Best-Prac­tice-Bei­spie­le sind er­for­der­lich. Grö­ße­re, vor al­lem in­ter­na­tio­na­le Un­ter­neh­men ver­fü­gen teil­wei­se be­reits über Scouts, de­ren Ar­beit ei­nen Teil der ei­ge­nen Ent­wick­lung er­setzt. Für den brei­te­ren Ein­satz des sog. stra­te­gi­schen Scou­tings ist ei­ne be­darfs­ge­rech­te För­de­rung vor­zu­se­hen.

För­de­rung von De­mons­tra­to­ren

För­der­fä­hig müs­sen künf­tig auch De­mons­tra­to­ren mit au­ßer­halb von Bay­ern ent­wi­ckel­ten Tech­no­lo­gi­en sein, wenn die­se mit der Ent­wick­lung neu­er An­wen­dungs­po­ten­zia­le in Bay­ern kor­re­spon­die­ren. Sol­che De­mons­tra­ti­ons­vor­ha­ben sind sinn­voll, um den Nut­zen in der Pra­xis zu zei­gen und An­sät­ze für die Wei­ter­ent­wick­lung und Op­ti­mie­rung zu fin­den. Hin­zu kommt die Ver­füg­bar­keit von Ba­sis-Pa­ten­ten.

Baye­ri­sche Tech­no­lo­gie­för­de­rung auf dem Prüf­stand

Die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung will ih­re Tech­no­lo­gie­för­de­rung im Lich­te der Er­kennt­nis­se des Zu­kunfts­rats auf den Prüf­stand stel­len und ex­tern eva­lu­ie­ren las­sen. Die­se Über­prü­fung er­folgt un­ter Be­rück­sich­ti­gung der bis­he­ri­gen Emp­feh­lun­gen des Zu­kunfts­rats.

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt, die Eva­lu­ie­rung so­fort in Gang zu set­zen. Er wird die Er­geb­nis­se der Eva­lu­ie­rung er­ör­tern und wei­te­re Emp­feh­lun­gen ma­chen. Die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung be­ab­sich­tigt, dar­auf auf­bau­end die Tech­no­lo­gie­för­de­rung neu auf­zu­stel­len.

An­pas­sung von recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen

Die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen dro­hen zu­neh­mend von den tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen über­holt zu wer­den. Ziel muss es sein, ge­setz­li­che Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die den Weg für die prak­ti­sche Um­set­zung neu­er Tech­no­lo­gi­en frei­ma­chen und da­mit die An­wen­dung in Deutsch­land und Bay­ern för­dern.

Die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen sind be­son­ders im Be­reich der In­for­ma­ti­ons- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en be­reits heu­te nicht aus­rei­chend an be­stehen­de und auch tat­säch­lich ge­nutz­te tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten an­ge­passt. Deut­lich wird dies z. B. beim mo­bi­len Ar­bei­ten und bei der Da­ten­si­cher­heit. Hier sind auch im Sin­ne der Ar­beit­neh­mer die Fle­xi­bi­li­täts­po­ten­zia­le voll aus­zu­schöp­fen.

Drin­gend ge­bo­ten ist ei­ne kri­ti­sche Ana­ly­se von recht­li­chen Hür­den für tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen. Dies be­trifft Haf­tungs­the­men, Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen und -ge­neh­mi­gun­gen. Neue An­wen­dun­gen (z.B. au­to­no­mes Fah­ren, Droh­nen) be­nö­ti­gen drin­gend ei­nen recht­li­chen Rah­men, um die wei­te­re Ent­wick­lung und Ver­brei­tung der Tech­no­lo­gi­en zu er­mög­li­chen. Durch ei­ne ra­sche und vor­aus­schau­en­de Ge­setz­ge­bung kann Deutsch­land ei­ne Vor­rei­ter­rol­le bei der markt­wirt­schaft­li­chen Um­set­zung sol­cher Auf­bruchs­tech­no­lo­gi­en ein­neh­men.

Die Ent­wick­lun­gen in den Life Sci­en­ces stel­len die Ge­sell­schaft vor neue ethi­sche Her­aus­for­de­run­gen, auf die vom Ge­setz­ge­ber an­ge­mes­se­ne Ant­wor­ten er­war­tet wer­den. Da­bei müs­sen die For­schungs- und An­wen­dungs­frei­heit mit dem Ver­brau­cher­schutz und ethi­schen Er­wä­gun­gen ins Gleich­ge­wicht ge­bracht wer­den.

Die not­wen­di­gen An­pas­sun­gen der Rah­men­be­din­gun­gen kön­nen nur be­grenzt von re­gio­na­len Ak­teu­ren oder auf Lan­des­ebe­ne um­ge­setzt wer­den. Um Bay­ern für die be­stehen­den und kom­men­den Her­aus­for­de­run­gen zu rüs­ten, sind ent­spre­chen­de Maß­nah­men zum Agen­da-Set­ting auf Ebe­ne des Bun­des und der EU an­zu­re­gen. Zur Vor­be­rei­tung ei­ner baye­ri­schen Po­si­ti­on sind zu be­son­ders re­le­van­ten Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en Ex­per­ten­grup­pen mit Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Po­li­tik ein­zu­set­zen.

Steu­er­li­che For­schungs­för­de­rung

In Deutsch­land ist – er­gän­zend zu den be­stehen­den För­der­mög­lich­kei­ten für Ein­zel- und Ver­bund­vor­ha­ben – ei­ne steu­er­li­che For­schungs­för­de­rung vor­zu­se­hen, wie sie in den meis­ten EU-Staa­ten und in mehr als zwei Drit­teln der OECD-Staa­ten längst exis­tiert: Un­ter­neh­men müs­sen grö­ßen­un­ab­hän­gig zehn Pro­zent ih­rer F+E In­ves­ti­tio­nen von der Steu­er­schuld ab­zie­hen kön­nen („tax credit“).

Be­son­ders für den Mit­tel­stand ist die­se Maß­nah­me in­no­va­ti­ons­för­dernd. Für die wir­kungs­vol­le Um­set­zung ei­ner steu­er­li­chen F+E För­de­rung ist ent­schei­dend, dass Un­ter­neh­men auch nach au­ßen ver­ge­be­ne For­schungs­auf­trä­ge steu­er­lich in vol­lem Um­fang gel­tend ma­chen kön­nen.

Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft für die Zu­kunft si­chern

Stra­te­gi­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

 

Um Bay­ern für die Zu­kunft zu rüs­ten, müs­sen Po­li­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft die Wei­chen rich­tig stel­len und zu­sam­men­wir­ken. Nur ge­mein­sam ist der Er­folg in ei­ner tech­no­lo­gie­ge­trie­be­nen Wirt­schaft mög­lich. Das be­trifft grund­sätz­li­che Stra­te­gi­en eben­so wie kon­kre­te Ein­zel­maß­nah­men.

Stär­ken stär­ken

Wie in fast al­len Volks­wirt­schaf­ten hat sich auch in Bay­ern in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren die Spe­zia­li­sie­rung auf sol­che Be­rei­che ver­stärkt, in de­nen be­reits ein kom­pa­ra­ti­ver Vor­teil be­steht. Für die baye­ri­sche In­dus­trie sind der Kraft­wa­gen­bau und der Ma­schi­nen­bau bei der Pro­duk­ti­on und Aus­fuhr so­wie For­schung und Ent­wick­lung die mit Ab­stand wich­tigs­ten Ein­zel­bran­chen. Glo­bal sind die­se die größ­ten Ex­port­bran­chen und si­chern der­zeit Bay­erns wirt­schaft­li­chen Er­folg. Des­halb müs­sen Kraft­wa­gen- und Ma­schi­nen­bau in je­dem Zu­kunfts­kon­zept der baye­ri­schen Wirt­schaft ei­ne tra­gen­de Rol­le spie­len. Vor­han­de­nen Stär­ken sind sys­te­ma­tisch aus­zu­bau­en und vor al­lem die Chan­cen der Di­gi­ta­li­sie­rung voll aus­zu­schöp­fen.

Über Er­wei­te­run­gen des An­ge­bots im ei­ge­nen Un­ter­neh­men oder Ko­ope­ra­tio­nen mit Dienst­leis­tern kön­nen Wert­schöp­fungs­ket­ten deut­lich ver­län­gert und neue Ge­schäfts­mo­del­le um­ge­setzt wer­den. Heu­te setzt schon rund ein Vier­tel der Un­ter­neh­men auf hy­bri­de Ge­schäfts­mo­del­le, mit stark stei­gen­der Ten­denz und mess­ba­ren wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len. Ziel muss es sein, ein wett­be­werbs­fä­hi­ges und auf die Kun­den­be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­te­nes Pro­dukt an­zu­bie­ten, und auch auf Än­de­run­gen im Kon­sum­ver­hal­ten fle­xi­bel re­agie­ren zu kön­nen.

So ver­liert z. B. der per­sön­li­che Be­sitz ei­nes Au­tos an Be­deu­tung. Die Er­war­tungs­hal­tung der Kun­den ver­schiebt sich vom Sta­tus­sym­bol zur be­darfs­ori­en­tier­ten und fle­xi­blen Ver­füg­bar­keit. Au­to­mo­bil­her­stel­ler wan­deln sich zu „Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tern“ und stei­gen z. B. in den Car-Sharing-Markt ein. Sei­tens der Un­ter­neh­men be­steht ei­ne ent­schei­den­de Her­aus­for­de­rung dar­in, Kun­den frü­her und stär­ker in die neu­en Be­darfs­pro­fi­le ein­zu­bin­den.

Ein zen­tra­ler An­knüp­fungs­punkt ist die Kom­bi­na­ti­on von Stär­ke­fel­dern. Ein Schlüs­sel zum wei­te­ren Er­folg liegt ne­ben den In­no­va­tio­nen in den ein­zel­nen Tech­no­lo­gie­fel­dern in der Ver­net­zung von Tech­no­lo­gi­en und gan­zen Bran­chen. Die zu­neh­men­de Sys­tem­in­te­gra­ti­on und Ver­net­zung muss durch Po­li­tik, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Ver­wal­tung kon­se­quent auf­ge­grif­fen und un­ter­stützt wer­den, vor al­lem zwi­schen den für Bay­ern be­son­ders aus­sichts­rei­chen Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en und -bran­chen.

Ne­ben der In­for­ma­ti­ons- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie prä­gen auch in Zu­kunft neue Werk­stof­fe und Ma­te­ria­li­en den Kfz- und Ma­schi­nen­bau. Der­zeit steht die Ver­wen­dung von Car­bon in Mit­tel­punkt, in Zu­kunft wer­den wei­te­re Ma­te­ria­lin­no­va­tio­nen Ein­zug hal­ten. In­no­va­tio­nen ent­ste­hen nicht nur in den Be­rei­chen Be­last­bar­keit oder Ge­wicht: Neue Ent­wick­lun­gen der Mess­tech­nik ma­chen „smar­te“ Bau­tei­le mög­lich. Auch die En­er­gie­ver­sor­gung durch So­lar­zel­len wird zu­neh­mend in die Bau­tei­le in­te­griert.

Es gilt, wei­te­re An­sät­ze für die Kom­bi­na­ti­on vor­han­de­ner Stär­ke­fel­der mit krea­ti­ven Schnitt­stel­len zu fin­den, um In­no­va­tio­nen durch Tech­no­lo­gie­trans­fer und Ko­ope­ra­ti­on zu för­dern. Ein Bei­spiel sind die koh­len­stoff­ba­sier­ten Hoch­leis­tungs­werk­stof­fe; hier hat die Wis­sen­schaft in Bay­ern ih­ren In­no­va­ti­ons­auf­trag für die Wirt­schaft ver­stan­den.

Ein wei­te­rer sol­cher Be­reich kann die As­sis­tenz­ro­bo­tik wer­den. Sie wird sich zu ei­ner Schlüs­sel­tech­no­lo­gie der Ge­sell­schaft ent­wi­ckeln. Auch jen­seits des Ein­sat­zes von Ro­bo­tern in der Pro­duk­ti­on oder für Trans­port und Mo­bi­li­tät ent­ste­hen zahl­rei­che neue Ein­satz­ge­bie­te. Da­zu ge­hö­ren z.B. die neu­en mi­ni­mal­in­va­si­ven Chir­ur­gie­sys­te­me, me­cha­tro­nisch-ro­bo­ti­sche Im­plan­ta­te, in­tel­li­gen­te Pro­the­sen (z. B. Bau­kas­ten­prin­zip) oder „Per­so­nal As­sis­tan­ce“-Ro­bo­ter, die durch den de­mo­gra­fi­schen Wan­del ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung er­hal­ten. Da­mit bringt der Be­reich der Mensch- Ma­schi­ne-In­ter­ak­ti­on bzw. -Ko­ope­ra­ti­on um­fas­sen­den For­schungs­be­darf mit sich, der kon­zen­trier­ter als bis­her ab­zu­de­cken ist.

Auch die Luft- und Raum­fahrt­tech­no­lo­gie ge­hört zu den hoch­in­no­va­ti­ven Be­rei­chen, in de­nen der Frei­staat auf vor­han­de­ne Stär­ken auf­bau­en kann.

In Ge­sund­heits­wirt­schaft und Me­di­zin­tech­nik muss auf der vor­han­de­nen gu­ten Ba­sis vor al­lem im Be­reich For­schung und Ent­wick­lung auf­ge­baut wer­den, da de­ren Be­deu­tung an­ge­sichts des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels kon­junk­tur­un­ab­hän­gig wei­ter steigt.

Klum­pen­ri­si­ko durch Di­ver­si­fi­ka­ti­on auf­lö­sen

Die re­la­ti­ve Be­deu­tung des Au­to­mo­bil- und Ma­schi­nen­baus ist in Bay­ern noch hö­her als im Bun­des­durch­schnitt. Durch ih­ren Er­folg sind sie auch für an­de­re Bran­chen von gro­ßer Wich­tig­keit. Mit ei­ner der­art star­ken Schwer­punkt­set­zung ist ein Klum­pen­ri­si­ko ver­bun­den: Es be­steht das Ri­si­ko, dass ein Ab­schwung in die­ser für Bay­ern zen­tra­len Bran­che die Ge­samt­kon­junk­tur in Mit­lei­den­schaft zieht. So ist der Fahr­zeug­bau stark kon­junk­tur­ab­hän­gig, und das Bran­chen­wachs­tum fin­det der­zeit in nur we­ni­gen Wachs­tums­re­gio­nen statt. Gleich­zei­tig tre­ten neue Kon­kur­ren­ten, v.a. aus der IKT-Bran­che auf, wie bspw. Goog­le und Ap­ple, die mit au­to­no­men Fahr­zeu­gen und ei­ge­nen Diens­ten den Markt re­vo­lu­tio­nie­ren wol­len.

Die Wirt­schafts­för­de­rung muss sich al­so auch auf die Kom­pen­sa­ti­on von Schwä­chen und auf Di­ver­si­fi­ka­ti­on fo­kus­sie­ren. Der Be­deu­tungs­zu­wachs von Tech­no­lo­gie­schnitt­stel­len bie­tet da­her auch die Chan­ce, bis­her un­ter­re­prä­sen­tier­te Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en aus­zu­bau­en. Be­son­de­rer Hand­lungs­be­darf be­steht in den Be­rei­chen IKT und Di­gi­ta­li­sie­rung, in­tel­li­gen­ter Ver­kehr und Mo­bi­li­tät so­wie bei der Luft- und Raum­fahrt. Ähn­lich stellt sich die Si­tua­ti­on in den Be­rei­chen Me­di­zin­tech­nik und Ge­sund­heits­wirt­schaft dar, die stark von der Di­gi­ta­li­sie­rung pro­fi­tie­ren kön­nen. Zu­dem muss das Zu­sam­men­wach­sen der Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en et­wa bei Na­no- /Neue Ma­te­ria­li­en, Bio­tech­nik und Bio­öko­no­mie und IKT ge­stärkt wer­den.

Ri­si­ko wa­gen – Ak­ti­ve Be­tei­li­gung an dis­rup­ti­ven In­no­va­tio­nen

Dis­rup­ti­ve In­no­va­tio­nen zer­stö­ren her­kömm­li­che Märk­te und er­set­zen sie durch neue Märk­te. Ein Bei­spiel ist der Über­gang von der CD zur On­line- Ver­füg­bar­keit von Mu­sik (z.B. Strea­m­ing-Diens­te), die kei­ne phy­si­schen Pro­duk­ti­ons- und Ver­kaufs­stät­ten be­nö­ti­gen und da­durch die tra­di­tio­nel­len Markt­struk­tu­ren der Mu­sik­bran­che be­deu­tungs­los ma­chen.

Die ak­ti­ve Be­tei­li­gung an dis­rup­ti­ven In­no­va­tio­nen ist wich­tig, weil die Ver­än­de­run­gen vor al­lem die der­zei­ti­gen in­dus­tri­el­len Stär­ke­fel­der und tra­di­tio­nell star­ke Dienst­leis­tungs­bran­chen be­tref­fen. So wird bei­spiels­wei­se im Au­to­mo­bil­bau das Ele­ment der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gi­en im­mer wich­ti­ger. Dis­rup­ti­ve In­no­va­tio­nen stel­len aber auch et­wa das Ban­ken­we­sen vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen, wie das Bei­spiel Pay­Pal zeigt.

Neue Tech­no­lo­gi­en und Ge­schäfts­mo­del­le sind zu­nächst ei­ne Chan­ce, selbst wenn sie ei­nen be­stehen­den Markt tief grei­fend ver­än­dern oder auf­lö­sen. Das Ri­si­ko ist bei sol­chen In­no­va­tio­nen, die das Po­ten­zi­al hät­ten, den Markt um­zu­krem­peln, na­tur­ge­mäß be­son­ders hoch, die Chan­cen aber auch. Die­se Er­kennt­nis muss sich in der För­der­po­li­tik ab­bil­den, al­so bei Ri­si­ko­über­nah­me bzw. För­der­quo­ten von min­des­tens 40 Pro­zent.

Um das Po­ten­zi­al von dis­rup­ti­ven In­no­va­tio­nen zu he­ben, ist das treff­si­che­re und früh­zei­ti­ge Er­ken­nen der neu­en Tech­no­lo­gie und ih­rer kom­men­den Be­deu­tung ent­schei­dend. Ide­en zu neu­en tech­no­lo­gi­schen Trends kom­men häu­fig aus jun­gen und klei­nen Un­ter­neh­men, für den Er­folg auf dem Mas­sen­markt (Mas­sen­durch­drin­gung, Ver­trieb etc.) sind in der Re­gel Ko­ope­ra­tio­nen mit gro­ßen Un­ter­neh­men not­wen­dig. Ent­spre­chen­de Ko­ope­ra­ti­ons­for­men, zum Bei­spiel mit Start-ups aus der Wis­sen­schaft, kön­nen wie­der­um durch den Staat un­ter­stützt wer­den.

Ei­ge­ne Ent­wick­lun­gen, auch auf be­stehen­den Märk­ten

Die be­stehen­de Markt­füh­rer­schaft an­de­rer darf das ei­ge­ne En­ga­ge­ment nicht aus­schlie­ßen, wenn das Wachs­tums­po­ten­zi­al der Tech­no­lo­gie groß ist. Ein Bei­spiel sind un­be­mann­te Luft­fahr­zeu­ge (Droh­nen): Die Pro­duk­te der Kon­kur­renz sind am Markt ver­füg­bar, die Markt­füh­rer­schaft (Is­ra­el, USA und Ka­na­da mit deut­li­chem Ab­stand) ist ge­klärt und Deutsch­land ist heu­te ab­ge­schla­gen. Es han­delt sich aber um ei­nen Zu­kunfts­markt, ge­ra­de auch für die zi­vi­le Nut­zung. In vie­len Ein­zel­be­rei­chen er­ar­bei­ten hei­mi­sche Un­ter­neh­men heu­te schon Lö­sun­gen, die die Wett­be­wer­ber ein­set­zen. Die Wert­schöp­fung fin­det der­zeit aber haupt­säch­lich im Aus­land statt.

Die Ent­wick­lung, auch der Droh­nen, ins­ge­samt im In­land muss ge­för­dert und mit Rah­men­be­din­gun­gen flan­kiert wer­den, die ei­nen Ein­satz – bei­spiels­wei­se für Trans­port­zwe­cke oder zur Er­he­bung von Da­ten aus der Luft in der Land­wirt­schaft – er­mög­li­chen, oh­ne un­se­re ho­hen Si­cher­heits­stan­dards auf­wei­chen zu müs­sen.

Ein an­de­res Bei­spiel ist das Vor­an­trei­ben von Pro­jek­ten wie Ga­li­leo, mit de­nen ein un­ab­hän­gi­ger wei­te­rer Zu­gang zu Da­ten ge­si­chert wer­den kann, die bei­spiels­wei­se für die Ent­wick­lung in­tel­li­gen­ter Ver­kehrs­sys­te­me wich­tig wer­den.

Über­kom­me­ne Tren­nun­gen auf­ge­ben, Ver­net­zung ab­bil­den

Nicht nur die Zu­sam­men­ar­beit von Groß­un­ter­neh­men mit klei­nen, in­no­va­ti­ven Un­ter­neh­men si­chert die Zu­kunfts­fä­hig­keit, auch die Ko­ope­ra­ti­on über die klas­si­schen Tech­no­lo­gie- und Bran­chen­gren­zen hin­weg ist not­wen­dig.

Die tra­di­tio­nel­le sta­tis­ti­sche Klas­si­fi­ka­ti­on von Bran­chen und Sek­to­ren bil­det die tat­säch­li­chen Wert­schöp­fungs­struk­tu­ren un­se­rer Wirt­schaft nicht mehr ab. Die ein­zel­nen Wirt­schafts­be­rei­che sind mitt­ler­wei­le so stark mit­ein­an­der ver­netzt, dass die be­stehen­den Sek­to­ren- und Bran­chen­de­fi­ni­tio­nen ih­re Zweck­mä­ßig­keit mehr und mehr ver­lie­ren.

Der – bis­her sehr er­folg­rei­chen – baye­ri­schen Tech­no­lo­gie­för­de­rung liegt ein Tech­no­lo­gie­bild der 90er-Jah­re zu­grun­de. Die Struk­tu­ren und tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lungs­pfa­de ha­ben sich fun­da­men­tal ge­än­dert. Die Tech­no­lo­gie­för­der­pro­gram­me müs­sen des­halb neu an den ak­tu­el­len tech­no­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, vor de­nen Bay­ern steht, aus­ge­rich­tet wer­den (vgl. nä­her Teil B. 04, v. a. 04.8).

In­no­va­ti­ons­för­de­rung im wei­tes­ten Sin­ne muss da­her grund­sätz­lich bran­chen-, sek­to­ren- und tech­no­lo­gie­über­grei­fend or­ga­ni­siert wer­den.

Der ge­stei­ger­ten Be­deu­tung von hy­bri­der Wert­schöp­fung und neu­en Ge­schäfts­mo­del­len muss durch die Be­reit­stel­lung von Fi­nan­zie­rungs­mo­del­len, De­mons­tra­to­ren und In­ku­ba­to­ren Rech­nung ge­tra­gen wer­den.

Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en müs­sen zu Hand­lungs­fel­dern ge­bün­delt wer­den:

– Di­gi­ta­li­sie­rung (einschl. Elek­tro­nik, Me­cha­tro­nik, Au­to­ma­ti­on) 

– En­er­gie­tech­nik (einschl. Um­welt­tech­no­lo­gie)

– Ge­sund­heit (Bio­tech­no­lo­gie, Me­di­zin­tech­nik, Er­näh­rung)

– Ma­te­ria­li­en (einschl. Che­mie, Na­no­tech­no­lo­gie)

– Mo­bi­li­tät, Au­to­mo­ti­ve (Luft- und Raum­fahrt, Bahn­tech­nik)

Die­se Hand­lungs­fel­der müs­sen in ei­nem Sys­tem­an­satz mit den tech­no­lo­gie- po­li­ti­schen In­stru­men­ten ver­netzt wer­den:

– For­schungs­in­fra­struk­tur

– In­no­va­ti­ons­för­der­pro­gram­me 

– Clus­ter

– Grün­der­för­de­rung

An­wen­der von An­fang an mit­neh­men, Be­geis­te­rung ent­fa­chen

Die öf­fent­li­che Mei­nung bzw. ein in­no­va­ti­ons­freund­li­ches ge­sell­schaft­li­ches Kli­ma sind wich­tig bei der Ver­brei­tung und dem wirt­schaft­li­chen Er­folg neu­er Tech­no­lo­gi­en. Nicht nur die Ab­wä­gung von tech­ni­schen und öko­no­mi­schen, son­dern auch die der ge­sell­schaft­li­chen Chan­cen und Ri­si­ken sind für er­folg­rei­che In­no­va­ti­ons­pro­zes­se von Be­deu­tung.

Zwar lässt sich ei­ne grund­le­gen­de Tech­no­lo­gieskep­sis in der Be­völ­ke­rung sta­tis­tisch nicht be­le­gen, die Nut­zung ei­ni­ger neu­er Tech­no­lo­gi­en wird je­doch durch die öf­fent­li­che Mei­nung er­heb­lich be­hin­dert. Ein Bei­spiel hier­für ist die Gen­tech­nik; ähn­li­che Be­den­ken be­stehen beim Fracking.

Gleich­zei­tig zei­gen an­de­re Bei­spie­le, wie die Nut­zung des In­ter­nets in sei­nen ver­schie­de­nen Er­schei­nungs­for­men oder die Ver­brei­tung von Mo­bil­te­le­fo­nen, dass neue Tech­no­lo­gi­en auch in der Brei­te po­si­tiv auf­ge­nom­men und dass auch kur­ze In­no­va­ti­ons­zy­klen nach­voll­zo­gen wer­den, wenn der An­wen­der für sich ei­nen fass­ba­ren Nut­zen in der Tech­no­lo­gie er­lebt und die Ein­bet­tung in den ge­sell­schaft­li­chen Kon­text stimmt.

Des­halb be­steht der drin­gen­de Be­darf ei­ner um­fas­sen­den und ab­ge­stimm­ten Stra­te­gie zwi­schen al­len re­le­van­ten Ak­teu­ren aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Po­li­tik und Ge­sell­schaft. Der Be­völ­ke­rung muss Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den, sich in Dis­kus­si­ons­pro­zes­se ein­zu­brin­gen und sich an neu­en Ent­wick­lun­gen mög­lichst früh­zei­tig zu be­tei­li­gen.

Da­zu sind Vor­aus­set­zun­gen er­for­der­lich, die es den re­le­van­ten Ak­teu­ren er­mög­li­chen, sich früh­zei­tig an die­sen Pro­zes­sen zu be­tei­li­gen. Von gro­ßem Nut­zen wä­re da­für die För­de­rung von For­schungs­pro­jek­ten über ei­ne ziel­ge­nau wir­ken­de Par­ti­zi­pa­ti­on und Nut­zer­inte­gra­ti­on bei ge­sell­schaft­lich und wirt­schaft­lich be­son­ders re­le­van­ten Fra­gen. Das gilt vor al­lem auch für die Um­set­zung von Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en und -pro­jek­ten. So kön­nen die Grund­la­gen da­für ge­schaf­fen wer­den, dass die baye­ri­sche Wirt­schaft und Ge­sell­schaft die Her­aus­for­de­run­gen der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen als Chan­ce für Wohl­stands­ent­wick­lung und Sta­bi­li­tät nut­zen.

Gleich­zei­tig sind Wis­sen­schaft und Wirt­schaft ge­for­dert, ei­ner­seits In­hal­te und mög­li­chen Nut­zen von For­schung und Ent­wick­lung zu ver­deut­li­chen und an­der­seits die In­ter­es­sen der spä­te­ren An­wen­der mög­lichst früh­zei­tig zu be­rück­sich­ti­gen. Für Letz­te­res ist Open In­no­va­ti­on ein wich­ti­ger An­satz.

Po­ten­zia­le der Di­gi­ta­li­sie­rung und des In­ter­nets he­ben

Die In­for­ma­ti­ons- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie nimmt ei­ne Schlüs­sel­stel­lung für die Ent­wick­lung und die Ver­net­zung der an­de­ren Tech­no­lo­gie­be­rei­che ein. Al­ler­dings ist in we­sent­li­chen Be­rei­chen der IKT die deut­sche und baye­ri­sche Wirt­schaft oh­ne Be­deu­tung. Die Hard­ware und Chip-Pro­duk­ti­on, die Pro­duk­ti­on von IKT-Ge­rä­ten für den Mas­sen­markt und die Soft­ware­ent­wick­lung (mit Aus­nah­me spe­zi­el­ler Be­rei­che) sind kaum exis­tent. Dies führt zu ei­nem ge­rin­gen Ein­fluss auf die Set­zung von Stan­dards und die De­fi­ni­ti­on von Schnitt­stel­len. Trotz der gu­ten Aus­gangs­la­ge im Be­reich des Ma­schi­nen­baus und der Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gi­en ist die Ab­we­sen­heit re­le­van­ter IKT-Ak­teu­re ein Ri­si­ko für die wei­te­re Ent­wick­lung der baye­ri­schen Schlüs­sel­bran­chen. Da­her ist die Be­he­bung des Man­gels an sys­tem­füh­ren­den IT-Un­ter­neh­men eben­so ei­ne we­sent­li­che Her­aus­for­de­rung wie die Sen­si­bi­li­sie­rend al­ler Un­ter­neh­men für die Her­aus­for­de­run­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung. Die be­stehen­de staat­li­che Un­ter­stüt­zung muss sich auf al­len Ebe­nen dar­an neu aus­rich­ten.

Der Frei­staat rich­tet ak­tu­ell ein Zen­trum Di­gi­ta­li­sie­rung.Bay­ern ein, in dem die Kom­pe­ten­zen von Hoch­schu­len, For­schungs­ein­rich­tun­gen, Un­ter­neh­men und Grün­dern ge­bün­delt wer­den. Die­ses Zen­trum be­steht aus ei­ner Steue­rungs­ein­heit in Gar­ching, der Schaf­fung von 20 Pro­fes­su­ren und For­scher­teams, die über ganz Bay­ern ver­teilt sind, so­wie der Bil­dung von bis auf Wei­te­res fünf Platt­for­men, auf de­nen zu den wich­tigs­ten Fel­dern der Di­gi­ta­li­sie­rung ge­forscht wer­den soll und Netz­wer­ke ge­bil­det wer­den:

– Platt­form In­dus­trie 4.0

– Platt­form Ver­netz­te Mo­bi­li­tät

– Platt­form Di­gi­ta­le Ge­sund­heits­wirt­schaft 

– Platt­form En­er­gie

– Platt­form IT-Si­cher­heit

Es ist sind zu­sätz­li­che Platt­for­men zu den The­men Di­gi­ta­le Ar­beits­welt, Di­gi­ta­les Pla­nen und Bau­en so­wie ggf. auch E-Go­vern­ment bzw. Ver­wal­tung 4.0 er­for­der­lich; bei Be­darf sind wei­te­re Er­gän­zun­gen vor­zu­neh­men. Um der wach­sen­den Be­deu­tung von Da­ten (Si­cher­heit, Si­che­rung, Ver­ar­bei­tung und Ver­wer­tung) Rech­nung zu tra­gen, müs­sen wir auf deut­scher und eu­ro­päi­scher Ebe­ne Stan­dards set­zen und ei­ge­ne Lö­sun­gen ent­wi­ckeln. Das ist in sämt­li­chen Platt­for­men zu be­rück­sich­ti­gen.

Die Ar­beit der Platt­for­men muss so or­ga­ni­siert wer­den, dass ins­be­son­de­re der Mit­tel­stand pro­fi­tiert, In­for­ma­tio­nen über Chan­cen und Ri­si­ken der Di­gi­ta­li­sie­rung er­hält und die­se in Pro­duk­ti­on und Un­ter­neh­mens­all­tag nut­zen kann. Gleich­zei­tig muss die Ar­beit des Zen­trums und der Platt­for­men so ge­steu­ert wer­den, dass sie zur Er­hö­hung der ge­sell­schaft­li­chen Ak­zep­tanz von Chan­cen und Po­ten­zia­len der Di­gi­ta­li­sie­rung bei­trägt.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung muss in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung kon­se­quent um­ge­setzt wer­den. Al­len Bür­gern und Un­ter­neh­men in Bay­ern muss un­ab­hän­gig von ih­rem Wohn- und Stand­ort ein di­gi­ta­les Ser­vice­an­ge­bot der Ver­wal­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen, mit dem sie ein­fach, schnell, si­cher und rund um die Uhr ih­re „Be­hör­den­gän­ge“ on­line er­le­di­gen kön­nen. Es muss ein zen­tra­ler Zu­gang zu Ver­wal­tungs­leis­tun­gen ge­schaf­fen wer­den, un­ab­hän­gig da­von, ob es sich um ei­ne staat­li­che oder kom­mu­na­le Be­hör­de han­delt. An­zu­pas­sen ist auch der Rechts­rah­men für die di­gi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Ver­wal­tung; die Si­cher­heits­maß­nah­men (Da­ten­si­cher­heit, IT-Se­cu­ri­ty) müs­sen lau­fend höchs­ten An­for­de­run­gen ent­spre­chen. Die öf­fent­li­che Ver­wal­tung darf mit den von ihr er­ho­be­nen (nicht per­so­nen­be­zo­ge­nen) Da­ten kei­ne Wis­sens­mo­no­po­le schaf­fen, son­dern muss sie zur Nut­zung frei­ge­ben (Open Da­ta).

Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen müs­sen die Un­ter­neh­men beim di­gi­ta­len En­ab­ling un­ter­stüt­zen. Das be­ginnt beim Auf­bau von Platt­for­men, geht über das Auf­zei­gen von Best-Prac­tice-Bei­spie­len, die Mes­sung des Di­gi­ta­li­sie­rungs­gra­des, ei­ne Ana­ly­se von Po­ten­zia­len und Ge­schäfts­mo­del­len bis hin zur Aus- und Wei­ter­bil­dung von Mit­ar­bei­tern. Ent­spre­chen­de An­ge­bo­te wer­den der­zeit durch die Me­tall- und Elek­tro­ar­beit­ge­ber bay­me vbm vor­be­rei­tet.

Sol­che Ser­vices für die Un­ter­neh­men – ge­ra­de klei­ne­re und mit­tel­stän­di­sche Be­trie­be – sind in al­len Wirt­schafts­be­rei­chen er­for­der­lich. Hier sind ei­ner­seits an­de­re Bran­chen­ver­bän­de ge­for­dert, ver­gleich­ba­re An­ge­bo­te zu schaf­fen, an­de­rer­seits muss der Staat er­gän­zend da­bei un­ter­stüt­zen, die Bei­spie­le in die Flä­che zu tra­gen.

Start-ups sind be­son­ders ge­eig­net, um kur­ze In­no­va­ti­ons­zy­klen und teil­wei­se dis­rup­ti­ve Ver­än­de­run­gen durch di­gi­ta­le Tech­no­lo­gi­en auf­zu­grei­fen. Da­mit kön­nen sie zu­gleich Schwä­chen (z.B. Re­ak­ti­ons­zei­ten, in­ter­ne Ver­wal­tungs­ab­läu­fe) gro­ßer Un­ter­neh­men aus­glei­chen. Die staat­li­che In­no­va­ti­ons­po­li­tik muss da­her in be­son­de­rem Ma­ße Start-ups im IKT-Be­reich er­fas­sen.

IT-Si­cher­heit ist ein Zu­kunfts­markt – und not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne er­folg­rei­che di­gi­tal-ba­sier­te Wert­schöp­fung –, auf dem wir mit un­se­rem Know-how bei Tech­nik ei­ner­seits und bei der Set­zung recht­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen und Zer­ti­fi­zie­rungs­stan­dards an­de­rer­seits von ei­ner Spit­zen­po­si­ti­on aus star­ten. Flan­kiert wer­den muss dies durch bran­chen­spe­zi­fi­sche Wei­ter­bil­dun­gen und Zer­ti­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te, um das Know-how in die Flä­che zu tra­gen, bei­spiels­wei­se mit Work­shops zu Cy­ber-Se­cu­ri­ty für Ma­nage­ment und IT-Ex­per­ten.

Ein wei­te­res Bei­spiel für ei­ne ei­ge­ne baye­ri­sche Ent­wick­lung im Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung ist die Nut­zung der 3D-Mo­del­lie­rung und -Vi­sua­li­sie­rung für den vir­tu­el­len „bar­rie­re­frei­en“ Be­such baye­ri­scher Land­schaf­ten, Städ­te und Bau­denk­mä­ler über das schnel­le In­ter­net. Sie stärkt den Tou­ris­mus, spricht die brei­te Be­völ­ke­rung an und zeigt das tech­nisch Mach­ba­re (u.a. Be­wäl­ti­gung von Big Da­ta), hat aber auch für vie­le an­de­re Be­rei­che Be­deu­tung, et­wa den Denk­mal­schutz, städ­te­bau­li­chen Maß­nah­men, Out­door-Na­vi­ga­ti­on, die Berg­ret­tung und den Po­li­zei­ein­satz. Zahl­rei­che wei­te­re Ein­satz­mög­lich­kei­ten für 3D-An­wen­dun­gen be­stehen bei­spiels­wei­se auch im Pro­duk­ti­ons­be­reich.