Stra­te­gi­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft für die Zu­kunft si­chern

 

Um Bay­ern für die Zu­kunft zu rüs­ten, müs­sen Po­li­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft die Wei­chen rich­tig stel­len und zu­sam­men­wir­ken. Nur ge­mein­sam ist der Er­folg in ei­ner tech­no­lo­gie­ge­trie­be­nen Wirt­schaft mög­lich. Das be­trifft grund­sätz­li­che Stra­te­gi­en eben­so wie kon­kre­te Ein­zel­maß­nah­men.

Stär­ken stär­ken

Wie in fast al­len Volks­wirt­schaf­ten hat sich auch in Bay­ern in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren die Spe­zia­li­sie­rung auf sol­che Be­rei­che ver­stärkt, in de­nen be­reits ein kom­pa­ra­ti­ver Vor­teil be­steht. Für die baye­ri­sche In­dus­trie sind der Kraft­wa­gen­bau und der Ma­schi­nen­bau bei der Pro­duk­ti­on und Aus­fuhr so­wie For­schung und Ent­wick­lung die mit Ab­stand wich­tigs­ten Ein­zel­bran­chen. Glo­bal sind die­se die größ­ten Ex­port­bran­chen und si­chern der­zeit Bay­erns wirt­schaft­li­chen Er­folg. Des­halb müs­sen Kraft­wa­gen- und Ma­schi­nen­bau in je­dem Zu­kunfts­kon­zept der baye­ri­schen Wirt­schaft ei­ne tra­gen­de Rol­le spie­len. Vor­han­de­nen Stär­ken sind sys­te­ma­tisch aus­zu­bau­en und vor al­lem die Chan­cen der Di­gi­ta­li­sie­rung voll aus­zu­schöp­fen.

Ein zen­tra­ler An­knüp­fungs­punkt ist die Kom­bi­na­ti­on von Stär­ke­fel­dern. Ein Schlüs­sel zum wei­te­ren Er­folg liegt ne­ben den In­no­va­tio­nen in den ein­zel­nen Tech­no­lo­gie­fel­dern in der Ver­net­zung von Tech­no­lo­gi­en und gan­zen Bran­chen. Die zu­neh­men­de Sys­tem­in­te­gra­ti­on und Ver­net­zung muss durch Po­li­tik, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Ver­wal­tung kon­se­quent auf­ge­grif­fen und un­ter­stützt wer­den, vor al­lem zwi­schen den für Bay­ern be­son­ders aus­sichts­rei­chen Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en und -bran­chen.

Ne­ben der In­for­ma­ti­ons- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie prä­gen auch in Zu­kunft neue Werk­stof­fe und Ma­te­ria­li­en den Kfz- und Ma­schi­nen­bau. Der­zeit steht die Ver­wen­dung von Car­bon in Mit­tel­punkt, in Zu­kunft wer­den wei­te­re Ma­te­ria­lin­no­va­tio­nen Ein­zug hal­ten. In­no­va­tio­nen ent­ste­hen nicht nur in den Be­rei­chen Be­last­bar­keit oder Ge­wicht: Neue Ent­wick­lun­gen der Mess­tech­nik ma­chen „smar­te“ Bau­tei­le mög­lich. Auch die En­er­gie­ver­sor­gung durch So­lar­zel­len wird zu­neh­mend in die Bau­tei­le in­te­griert.

Es gilt, wei­te­re An­sät­ze für die Kom­bi­na­ti­on vor­han­de­ner Stär­ke­fel­der mit krea­ti­ven Schnitt­stel­len zu fin­den, um In­no­va­tio­nen durch Tech­no­lo­gie­trans­fer und Ko­ope­ra­ti­on zu för­dern. Ein Bei­spiel sind die koh­len­stoff­ba­sier­ten Hoch­leis­tungs­werk­stof­fe; hier hat die Wis­sen­schaft in Bay­ern ih­ren In­no­va­ti­ons­auf­trag für die Wirt­schaft ver­stan­den.

Ein wei­te­rer sol­cher Be­reich kann die As­sis­tenz­ro­bo­tik wer­den. Sie wird sich zu ei­ner Schlüs­sel­tech­no­lo­gie der Ge­sell­schaft ent­wi­ckeln. Auch jen­seits des Ein­sat­zes von Ro­bo­tern in der Pro­duk­ti­on oder für Trans­port und Mo­bi­li­tät ent­ste­hen zahl­rei­che neue Ein­satz­ge­bie­te. Da­zu ge­hö­ren z.B. die neu­en mi­ni­mal­in­va­si­ven Chir­ur­gie­sys­te­me, me­cha­tro­nisch-ro­bo­ti­sche Im­plan­ta­te, in­tel­li­gen­te Pro­the­sen (z. B. Bau­kas­ten­prin­zip) oder „Per­so­nal As­sis­tan­ce“-Ro­bo­ter, die durch den de­mo­gra­fi­schen Wan­del ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung er­hal­ten. Da­mit bringt der Be­reich der Mensch- Ma­schi­ne-In­ter­ak­ti­on bzw. -Ko­ope­ra­ti­on um­fas­sen­den For­schungs­be­darf mit sich, der kon­zen­trier­ter als bis­her ab­zu­de­cken ist.

Auch die Luft- und Raum­fahrt­tech­no­lo­gie ge­hört zu den hoch­in­no­va­ti­ven Be­rei­chen, in de­nen der Frei­staat auf vor­han­de­ne Stär­ken auf­bau­en kann.

In Ge­sund­heits­wirt­schaft und Me­di­zin­tech­nik muss auf der vor­han­de­nen gu­ten Ba­sis vor al­lem im Be­reich For­schung und Ent­wick­lung auf­ge­baut wer­den, da de­ren Be­deu­tung an­ge­sichts des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels kon­junk­tur­un­ab­hän­gig wei­ter steigt.

Über Er­wei­te­run­gen des An­ge­bots im ei­ge­nen Un­ter­neh­men oder Ko­ope­ra­tio­nen mit Dienst­leis­tern kön­nen Wert­schöp­fungs­ket­ten deut­lich ver­län­gert und neue Ge­schäfts­mo­del­le um­ge­setzt wer­den. Heu­te setzt schon rund ein Vier­tel der Un­ter­neh­men auf hy­bri­de Ge­schäfts­mo­del­le, mit stark stei­gen­der Ten­denz und mess­ba­ren wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len. Ziel muss es sein, ein wett­be­werbs­fä­hi­ges und auf die Kun­den­be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­te­nes Pro­dukt an­zu­bie­ten, und auch auf Än­de­run­gen im Kon­sum­ver­hal­ten fle­xi­bel re­agie­ren zu kön­nen.

So ver­liert z. B. der per­sön­li­che Be­sitz ei­nes Au­tos an Be­deu­tung. Die Er­war­tungs­hal­tung der Kun­den ver­schiebt sich vom Sta­tus­sym­bol zur be­darfs­ori­en­tier­ten und fle­xi­blen Ver­füg­bar­keit. Au­to­mo­bil­her­stel­ler wan­deln sich zu „Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tern“ und stei­gen z. B. in den Car-Sharing-Markt ein. Sei­tens der Un­ter­neh­men be­steht ei­ne ent­schei­den­de Her­aus­for­de­rung dar­in, Kun­den frü­her und stär­ker in die neu­en Be­darfs­pro­fi­le ein­zu­bin­den.

Klum­pen­ri­si­ko durch Di­ver­si­fi­ka­ti­on auf­lö­sen

Die re­la­ti­ve Be­deu­tung des Au­to­mo­bil- und Ma­schi­nen­baus ist in Bay­ern noch hö­her als im Bun­des­durch­schnitt. Durch ih­ren Er­folg sind sie auch für an­de­re Bran­chen von gro­ßer Wich­tig­keit. Mit ei­ner der­art star­ken Schwer­punkt­set­zung ist ein Klum­pen­ri­si­ko ver­bun­den: Es be­steht das Ri­si­ko, dass ein Ab­schwung in die­ser für Bay­ern zen­tra­len Bran­che die Ge­samt­kon­junk­tur in Mit­lei­den­schaft zieht. So ist der Fahr­zeug­bau stark kon­junk­tur­ab­hän­gig, und das Bran­chen­wachs­tum fin­det der­zeit in nur we­ni­gen Wachs­tums­re­gio­nen statt. Gleich­zei­tig tre­ten neue Kon­kur­ren­ten, v.a. aus der IKT-Bran­che auf, wie bspw. Goog­le und Ap­ple, die mit au­to­no­men Fahr­zeu­gen und ei­ge­nen Diens­ten den Markt re­vo­lu­tio­nie­ren wol­len.

Die Wirt­schafts­för­de­rung muss sich al­so auch auf die Kom­pen­sa­ti­on von Schwä­chen und auf Di­ver­si­fi­ka­ti­on fo­kus­sie­ren. Der Be­deu­tungs­zu­wachs von Tech­no­lo­gie­schnitt­stel­len bie­tet da­her auch die Chan­ce, bis­her un­ter­re­prä­sen­tier­te Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en aus­zu­bau­en. Be­son­de­rer Hand­lungs­be­darf be­steht in den Be­rei­chen IKT und Di­gi­ta­li­sie­rung, in­tel­li­gen­ter Ver­kehr und Mo­bi­li­tät so­wie bei der Luft- und Raum­fahrt. Ähn­lich stellt sich die Si­tua­ti­on in den Be­rei­chen Me­di­zin­tech­nik und Ge­sund­heits­wirt­schaft dar, die stark von der Di­gi­ta­li­sie­rung pro­fi­tie­ren kön­nen. Zu­dem muss das Zu­sam­men­wach­sen der Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en et­wa bei Na­no- /Neue Ma­te­ria­li­en, Bio­tech­nik und Bio­öko­no­mie und IKT ge­stärkt wer­den.

Po­ten­zia­le der Di­gi­ta­li­sie­rung und des In­ter­nets he­ben

Die In­for­ma­ti­ons- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie nimmt ei­ne Schlüs­sel­stel­lung für die Ent­wick­lung und die Ver­net­zung der an­de­ren Tech­no­lo­gie­be­rei­che ein. Al­ler­dings ist in we­sent­li­chen Be­rei­chen der IKT die deut­sche und baye­ri­sche Wirt­schaft oh­ne Be­deu­tung. Die Hard­ware und Chip-Pro­duk­ti­on, die Pro­duk­ti­on von IKT-Ge­rä­ten für den Mas­sen­markt und die Soft­ware­ent­wick­lung (mit Aus­nah­me spe­zi­el­ler Be­rei­che) sind kaum exis­tent. Dies führt zu ei­nem ge­rin­gen Ein­fluss auf die Set­zung von Stan­dards und die De­fi­ni­ti­on von Schnitt­stel­len. Trotz der gu­ten Aus­gangs­la­ge im Be­reich des Ma­schi­nen­baus und der Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gi­en ist die Ab­we­sen­heit re­le­van­ter IKT-Ak­teu­re ein Ri­si­ko für die wei­te­re Ent­wick­lung der baye­ri­schen Schlüs­sel­bran­chen. Da­her ist die Be­he­bung des Man­gels an sys­tem­füh­ren­den IT-Un­ter­neh­men eben­so ei­ne we­sent­li­che Her­aus­for­de­rung wie die Sen­si­bi­li­sie­rend al­ler Un­ter­neh­men für die Her­aus­for­de­run­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung. Die be­stehen­de staat­li­che Un­ter­stüt­zung muss sich auf al­len Ebe­nen dar­an neu aus­rich­ten.

Der Frei­staat rich­tet ak­tu­ell ein Zen­trum Di­gi­ta­li­sie­rung.Bay­ern ein, in dem die Kom­pe­ten­zen von Hoch­schu­len, For­schungs­ein­rich­tun­gen, Un­ter­neh­men und Grün­dern ge­bün­delt wer­den. Die­ses Zen­trum be­steht aus ei­ner Steue­rungs­ein­heit in Gar­ching, der Schaf­fung von 20 Pro­fes­su­ren und For­scher­teams, die über ganz Bay­ern ver­teilt sind, so­wie der Bil­dung von bis auf Wei­te­res fünf Platt­for­men, auf de­nen zu den wich­tigs­ten Fel­dern der Di­gi­ta­li­sie­rung ge­forscht wer­den soll und Netz­wer­ke ge­bil­det wer­den:

– Platt­form In­dus­trie 4.0

– Platt­form Ver­netz­te Mo­bi­li­tät

– Platt­form Di­gi­ta­le Ge­sund­heits­wirt­schaft 

– Platt­form En­er­gie

– Platt­form IT-Si­cher­heit

Es ist sind zu­sätz­li­che Platt­for­men zu den The­men Di­gi­ta­le Ar­beits­welt, Di­gi­ta­les Pla­nen und Bau­en so­wie ggf. auch E-Go­vern­ment bzw. Ver­wal­tung 4.0 er­for­der­lich; bei Be­darf sind wei­te­re Er­gän­zun­gen vor­zu­neh­men. Um der wach­sen­den Be­deu­tung von Da­ten (Si­cher­heit, Si­che­rung, Ver­ar­bei­tung und Ver­wer­tung) Rech­nung zu tra­gen, müs­sen wir auf deut­scher und eu­ro­päi­scher Ebe­ne Stan­dards set­zen und ei­ge­ne Lö­sun­gen ent­wi­ckeln. Das ist in sämt­li­chen Platt­for­men zu be­rück­sich­ti­gen.

Die Ar­beit der Platt­for­men muss so or­ga­ni­siert wer­den, dass ins­be­son­de­re der Mit­tel­stand pro­fi­tiert, In­for­ma­tio­nen über Chan­cen und Ri­si­ken der Di­gi­ta­li­sie­rung er­hält und die­se in Pro­duk­ti­on und Un­ter­neh­mens­all­tag nut­zen kann. Gleich­zei­tig muss die Ar­beit des Zen­trums und der Platt­for­men so ge­steu­ert wer­den, dass sie zur Er­hö­hung der ge­sell­schaft­li­chen Ak­zep­tanz von Chan­cen und Po­ten­zia­len der Di­gi­ta­li­sie­rung bei­trägt.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung muss in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung kon­se­quent um­ge­setzt wer­den. Al­len Bür­gern und Un­ter­neh­men in Bay­ern muss un­ab­hän­gig von ih­rem Wohn- und Stand­ort ein di­gi­ta­les Ser­vice­an­ge­bot der Ver­wal­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen, mit dem sie ein­fach, schnell, si­cher und rund um die Uhr ih­re „Be­hör­den­gän­ge“ on­line er­le­di­gen kön­nen. Es muss ein zen­tra­ler Zu­gang zu Ver­wal­tungs­leis­tun­gen ge­schaf­fen wer­den, un­ab­hän­gig da­von, ob es sich um ei­ne staat­li­che oder kom­mu­na­le Be­hör­de han­delt. An­zu­pas­sen ist auch der Rechts­rah­men für die di­gi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Ver­wal­tung; die Si­cher­heits­maß­nah­men (Da­ten­si­cher­heit, IT-Se­cu­ri­ty) müs­sen lau­fend höchs­ten An­for­de­run­gen ent­spre­chen. Die öf­fent­li­che Ver­wal­tung darf mit den von ihr er­ho­be­nen (nicht per­so­nen­be­zo­ge­nen) Da­ten kei­ne Wis­sens­mo­no­po­le schaf­fen, son­dern muss sie zur Nut­zung frei­ge­ben (Open Da­ta).

Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen müs­sen die Un­ter­neh­men beim di­gi­ta­len En­ab­ling un­ter­stüt­zen. Das be­ginnt beim Auf­bau von Platt­for­men, geht über das Auf­zei­gen von Best-Prac­tice-Bei­spie­len, die Mes­sung des Di­gi­ta­li­sie­rungs­gra­des, ei­ne Ana­ly­se von Po­ten­zia­len und Ge­schäfts­mo­del­len bis hin zur Aus- und Wei­ter­bil­dung von Mit­ar­bei­tern. Ent­spre­chen­de An­ge­bo­te wer­den der­zeit durch die Me­tall- und Elek­tro­ar­beit­ge­ber bay­me vbm vor­be­rei­tet.

Sol­che Ser­vices für die Un­ter­neh­men – ge­ra­de klei­ne­re und mit­tel­stän­di­sche Be­trie­be – sind in al­len Wirt­schafts­be­rei­chen er­for­der­lich. Hier sind ei­ner­seits an­de­re Bran­chen­ver­bän­de ge­for­dert, ver­gleich­ba­re An­ge­bo­te zu schaf­fen, an­de­rer­seits muss der Staat er­gän­zend da­bei un­ter­stüt­zen, die Bei­spie­le in die Flä­che zu tra­gen.

Start-ups sind be­son­ders ge­eig­net, um kur­ze In­no­va­ti­ons­zy­klen und teil­wei­se dis­rup­ti­ve Ver­än­de­run­gen durch di­gi­ta­le Tech­no­lo­gi­en auf­zu­grei­fen. Da­mit kön­nen sie zu­gleich Schwä­chen (z.B. Re­ak­ti­ons­zei­ten, in­ter­ne Ver­wal­tungs­ab­läu­fe) gro­ßer Un­ter­neh­men aus­glei­chen. Die staat­li­che In­no­va­ti­ons­po­li­tik muss da­her in be­son­de­rem Ma­ße Start-ups im IKT-Be­reich er­fas­sen.

IT-Si­cher­heit ist ein Zu­kunfts­markt – und not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne er­folg­rei­che di­gi­tal-ba­sier­te Wert­schöp­fung –, auf dem wir mit un­se­rem Know-how bei Tech­nik ei­ner­seits und bei der Set­zung recht­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen und Zer­ti­fi­zie­rungs­stan­dards an­de­rer­seits von ei­ner Spit­zen­po­si­ti­on aus star­ten. Flan­kiert wer­den muss dies durch bran­chen­spe­zi­fi­sche Wei­ter­bil­dun­gen und Zer­ti­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te, um das Know-how in die Flä­che zu tra­gen, bei­spiels­wei­se mit Work­shops zu Cy­ber-Se­cu­ri­ty für Ma­nage­ment und IT-Ex­per­ten.

Ein wei­te­res Bei­spiel für ei­ne ei­ge­ne baye­ri­sche Ent­wick­lung im Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung ist die Nut­zung der 3D-Mo­del­lie­rung und -Vi­sua­li­sie­rung für den vir­tu­el­len „bar­rie­re­frei­en“ Be­such baye­ri­scher Land­schaf­ten, Städ­te und Bau­denk­mä­ler über das schnel­le In­ter­net. Sie stärkt den Tou­ris­mus, spricht die brei­te Be­völ­ke­rung an und zeigt das tech­nisch Mach­ba­re (u.a. Be­wäl­ti­gung von Big Da­ta), hat aber auch für vie­le an­de­re Be­rei­che Be­deu­tung, et­wa den Denk­mal­schutz, städ­te­bau­li­chen Maß­nah­men, Out­door-Na­vi­ga­ti­on, die Berg­ret­tung und den Po­li­zei­ein­satz. Zahl­rei­che wei­te­re Ein­satz­mög­lich­kei­ten für 3D-An­wen­dun­gen be­stehen bei­spiels­wei­se auch im Pro­duk­ti­ons­be­reich.

Ri­si­ko wa­gen – Ak­ti­ve Be­tei­li­gung an dis­rup­ti­ven In­no­va­tio­nen

Dis­rup­ti­ve In­no­va­tio­nen zer­stö­ren her­kömm­li­che Märk­te und er­set­zen sie durch neue Märk­te. Ein Bei­spiel ist der Über­gang von der CD zur On­line- Ver­füg­bar­keit von Mu­sik (z.B. Strea­m­ing-Diens­te), die kei­ne phy­si­schen Pro­duk­ti­ons- und Ver­kaufs­stät­ten be­nö­ti­gen und da­durch die tra­di­tio­nel­len Markt­struk­tu­ren der Mu­sik­bran­che be­deu­tungs­los ma­chen.

Die ak­ti­ve Be­tei­li­gung an dis­rup­ti­ven In­no­va­tio­nen ist wich­tig, weil die Ver­än­de­run­gen vor al­lem die der­zei­ti­gen in­dus­tri­el­len Stär­ke­fel­der und tra­di­tio­nell star­ke Dienst­leis­tungs­bran­chen be­tref­fen. So wird bei­spiels­wei­se im Au­to­mo­bil­bau das Ele­ment der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gi­en im­mer wich­ti­ger. Dis­rup­ti­ve In­no­va­tio­nen stel­len aber auch et­wa das Ban­ken­we­sen vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen, wie das Bei­spiel Pay­Pal zeigt.

Neue Tech­no­lo­gi­en und Ge­schäfts­mo­del­le sind zu­nächst ei­ne Chan­ce, selbst wenn sie ei­nen be­stehen­den Markt tief grei­fend ver­än­dern oder auf­lö­sen. Das Ri­si­ko ist bei sol­chen In­no­va­tio­nen, die das Po­ten­zi­al hät­ten, den Markt um­zu­krem­peln, na­tur­ge­mäß be­son­ders hoch, die Chan­cen aber auch. Die­se Er­kennt­nis muss sich in der För­der­po­li­tik ab­bil­den, al­so bei Ri­si­ko­über­nah­me bzw. För­der­quo­ten von min­des­tens 40 Pro­zent.

Um das Po­ten­zi­al von dis­rup­ti­ven In­no­va­tio­nen zu he­ben, ist das treff­si­che­re und früh­zei­ti­ge Er­ken­nen der neu­en Tech­no­lo­gie und ih­rer kom­men­den Be­deu­tung ent­schei­dend. Ide­en zu neu­en tech­no­lo­gi­schen Trends kom­men häu­fig aus jun­gen und klei­nen Un­ter­neh­men, für den Er­folg auf dem Mas­sen­markt (Mas­sen­durch­drin­gung, Ver­trieb etc.) sind in der Re­gel Ko­ope­ra­tio­nen mit gro­ßen Un­ter­neh­men not­wen­dig. Ent­spre­chen­de Ko­ope­ra­ti­ons­for­men, zum Bei­spiel mit Start-ups aus der Wis­sen­schaft, kön­nen wie­der­um durch den Staat un­ter­stützt wer­den.

Ei­ge­ne Ent­wick­lun­gen, auch auf be­stehen­den Märk­ten

Die be­stehen­de Markt­füh­rer­schaft an­de­rer darf das ei­ge­ne En­ga­ge­ment nicht aus­schlie­ßen, wenn das Wachs­tums­po­ten­zi­al der Tech­no­lo­gie groß ist. Ein Bei­spiel sind un­be­mann­te Luft­fahr­zeu­ge (Droh­nen): Die Pro­duk­te der Kon­kur­renz sind am Markt ver­füg­bar, die Markt­füh­rer­schaft (Is­ra­el, USA und Ka­na­da mit deut­li­chem Ab­stand) ist ge­klärt und Deutsch­land ist heu­te ab­ge­schla­gen. Es han­delt sich aber um ei­nen Zu­kunfts­markt, ge­ra­de auch für die zi­vi­le Nut­zung. In vie­len Ein­zel­be­rei­chen er­ar­bei­ten hei­mi­sche Un­ter­neh­men heu­te schon Lö­sun­gen, die die Wett­be­wer­ber ein­set­zen. Die Wert­schöp­fung fin­det der­zeit aber haupt­säch­lich im Aus­land statt.

Die Ent­wick­lung, auch der Droh­nen, ins­ge­samt im In­land muss ge­för­dert und mit Rah­men­be­din­gun­gen flan­kiert wer­den, die ei­nen Ein­satz – bei­spiels­wei­se für Trans­port­zwe­cke oder zur Er­he­bung von Da­ten aus der Luft in der Land­wirt­schaft – er­mög­li­chen, oh­ne un­se­re ho­hen Si­cher­heits­stan­dards auf­wei­chen zu müs­sen.

Ein an­de­res Bei­spiel ist das Vor­an­trei­ben von Pro­jek­ten wie Ga­li­leo, mit de­nen ein un­ab­hän­gi­ger wei­te­rer Zu­gang zu Da­ten ge­si­chert wer­den kann, die bei­spiels­wei­se für die Ent­wick­lung in­tel­li­gen­ter Ver­kehrs­sys­te­me wich­tig wer­den.

Über­kom­me­ne Tren­nun­gen auf­ge­ben, Ver­net­zung ab­bil­den

Nicht nur die Zu­sam­men­ar­beit von Groß­un­ter­neh­men mit klei­nen, in­no­va­ti­ven Un­ter­neh­men si­chert die Zu­kunfts­fä­hig­keit, auch die Ko­ope­ra­ti­on über die klas­si­schen Tech­no­lo­gie- und Bran­chen­gren­zen hin­weg ist not­wen­dig.

Die tra­di­tio­nel­le sta­tis­ti­sche Klas­si­fi­ka­ti­on von Bran­chen und Sek­to­ren bil­det die tat­säch­li­chen Wert­schöp­fungs­struk­tu­ren un­se­rer Wirt­schaft nicht mehr ab. Die ein­zel­nen Wirt­schafts­be­rei­che sind mitt­ler­wei­le so stark mit­ein­an­der ver­netzt, dass die be­stehen­den Sek­to­ren- und Bran­chen­de­fi­ni­tio­nen ih­re Zweck­mä­ßig­keit mehr und mehr ver­lie­ren.

Der – bis­her sehr er­folg­rei­chen – baye­ri­schen Tech­no­lo­gie­för­de­rung liegt ein Tech­no­lo­gie­bild der 90er-Jah­re zu­grun­de. Die Struk­tu­ren und tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lungs­pfa­de ha­ben sich fun­da­men­tal ge­än­dert. Die Tech­no­lo­gie­för­der­pro­gram­me müs­sen des­halb neu an den ak­tu­el­len tech­no­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, vor de­nen Bay­ern steht, aus­ge­rich­tet wer­den (vgl. nä­her Teil B. 04, v. a. 04.8).

In­no­va­ti­ons­för­de­rung im wei­tes­ten Sin­ne muss da­her grund­sätz­lich bran­chen-, sek­to­ren- und tech­no­lo­gie­über­grei­fend or­ga­ni­siert wer­den.

Der ge­stei­ger­ten Be­deu­tung von hy­bri­der Wert­schöp­fung und neu­en Ge­schäfts­mo­del­len muss durch die Be­reit­stel­lung von Fi­nan­zie­rungs­mo­del­len, De­mons­tra­to­ren und In­ku­ba­to­ren Rech­nung ge­tra­gen wer­den.

Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en müs­sen zu Hand­lungs­fel­dern ge­bün­delt wer­den:

– Di­gi­ta­li­sie­rung (einschl. Elek­tro­nik, Me­cha­tro­nik, Au­to­ma­ti­on) 

– En­er­gie­tech­nik (einschl. Um­welt­tech­no­lo­gie)

– Ge­sund­heit (Bio­tech­no­lo­gie, Me­di­zin­tech­nik, Er­näh­rung)

– Ma­te­ria­li­en (einschl. Che­mie, Na­no­tech­no­lo­gie)

– Mo­bi­li­tät, Au­to­mo­ti­ve (Luft- und Raum­fahrt, Bahn­tech­nik)

Die­se Hand­lungs­fel­der müs­sen in ei­nem Sys­tem­an­satz mit den tech­no­lo­gie- po­li­ti­schen In­stru­men­ten ver­netzt wer­den:

– For­schungs­in­fra­struk­tur

– In­no­va­ti­ons­för­der­pro­gram­me 

– Clus­ter

– Grün­der­för­de­rung

An­wen­der von An­fang an mit­neh­men, Be­geis­te­rung ent­fa­chen

Die öf­fent­li­che Mei­nung bzw. ein in­no­va­ti­ons­freund­li­ches ge­sell­schaft­li­ches Kli­ma sind wich­tig bei der Ver­brei­tung und dem wirt­schaft­li­chen Er­folg neu­er Tech­no­lo­gi­en. Nicht nur die Ab­wä­gung von tech­ni­schen und öko­no­mi­schen, son­dern auch die der ge­sell­schaft­li­chen Chan­cen und Ri­si­ken sind für er­folg­rei­che In­no­va­ti­ons­pro­zes­se von Be­deu­tung.

Zwar lässt sich ei­ne grund­le­gen­de Tech­no­lo­gieskep­sis in der Be­völ­ke­rung sta­tis­tisch nicht be­le­gen, die Nut­zung ei­ni­ger neu­er Tech­no­lo­gi­en wird je­doch durch die öf­fent­li­che Mei­nung er­heb­lich be­hin­dert. Ein Bei­spiel hier­für ist die Gen­tech­nik; ähn­li­che Be­den­ken be­stehen beim Fracking.

Gleich­zei­tig zei­gen an­de­re Bei­spie­le, wie die Nut­zung des In­ter­nets in sei­nen ver­schie­de­nen Er­schei­nungs­for­men oder die Ver­brei­tung von Mo­bil­te­le­fo­nen, dass neue Tech­no­lo­gi­en auch in der Brei­te po­si­tiv auf­ge­nom­men und dass auch kur­ze In­no­va­ti­ons­zy­klen nach­voll­zo­gen wer­den, wenn der An­wen­der für sich ei­nen fass­ba­ren Nut­zen in der Tech­no­lo­gie er­lebt und die Ein­bet­tung in den ge­sell­schaft­li­chen Kon­text stimmt.

Des­halb be­steht der drin­gen­de Be­darf ei­ner um­fas­sen­den und ab­ge­stimm­ten Stra­te­gie zwi­schen al­len re­le­van­ten Ak­teu­ren aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Po­li­tik und Ge­sell­schaft. Der Be­völ­ke­rung muss Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den, sich in Dis­kus­si­ons­pro­zes­se ein­zu­brin­gen und sich an neu­en Ent­wick­lun­gen mög­lichst früh­zei­tig zu be­tei­li­gen.

Da­zu sind Vor­aus­set­zun­gen er­for­der­lich, die es den re­le­van­ten Ak­teu­ren er­mög­li­chen, sich früh­zei­tig an die­sen Pro­zes­sen zu be­tei­li­gen. Von gro­ßem Nut­zen wä­re da­für die För­de­rung von For­schungs­pro­jek­ten über ei­ne ziel­ge­nau wir­ken­de Par­ti­zi­pa­ti­on und Nut­zer­inte­gra­ti­on bei ge­sell­schaft­lich und wirt­schaft­lich be­son­ders re­le­van­ten Fra­gen. Das gilt vor al­lem auch für die Um­set­zung von Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en und -pro­jek­ten. So kön­nen die Grund­la­gen da­für ge­schaf­fen wer­den, dass die baye­ri­sche Wirt­schaft und Ge­sell­schaft die Her­aus­for­de­run­gen der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen als Chan­ce für Wohl­stands­ent­wick­lung und Sta­bi­li­tät nut­zen.

Gleich­zei­tig sind Wis­sen­schaft und Wirt­schaft ge­for­dert, ei­ner­seits In­hal­te und mög­li­chen Nut­zen von For­schung und Ent­wick­lung zu ver­deut­li­chen und an­der­seits die In­ter­es­sen der spä­te­ren An­wen­der mög­lichst früh­zei­tig zu be­rück­sich­ti­gen. Für Letz­te­res ist Open In­no­va­ti­on ein wich­ti­ger An­satz.