Emp­feh­lun­gen zu all­ge­mei­nen Rah­men­be­din­gun­gen für In­no­va­tio­nen

Not­wen­di­ge Wei­chen­stel­lun­gen als Re­ak­ti­on auf glo­ba­le Trends

 

In­no­va­tio­nen sind der Treib­stoff für un­se­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit. In ei­ner Welt im ra­san­ten Wan­del müs­sen ne­ben vie­len spe­zi­fi­schen Ein­zel­maß­nah­men da­für vor al­lem die Wei­chen­stel­lun­gen am Stand­ort stim­men.

Die Be­völ­ke­rungs­zahl in Deutsch­land geht zu­rück und die in Deutsch­land le­ben­den Men­schen wer­den im­mer äl­ter – der de­mo­gra­fi­sche Wan­del prägt wie kaum ein an­de­rer As­pekt die wirt­schaft­li­che und ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung des Lan­des in den kom­men­den Jahr­zehn­ten. Die Zahl der Neu­ge­bo­re­nen ei­nes Jahr­gangs ist durch die de­mo­gra­fi­sche Struk­tur der Be­völ­ke­rung für den Zeit­raum ei­ner Le­bens­span­ne – d.h. für rund 80 Jah­re – fest­ge­schrie­ben. Selbst fun­da­men­ta­le Än­de­run­gen bei Fer­ti­li­tät, Mor­ta­li­tät und auch Zu­wan­de­rung blei­ben in­ner­halb ei­ner Ge­ne­ra­ti­on oh­ne we­sent­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Al­ters­struk­tur.

Die dras­ti­sche Al­te­rung der Ge­sell­schaft in­ner­halb der nächs­ten Jahr­zehn­te ist weit­ge­hend un­ab­än­der­lich. Nur ei­ne sub­stan­zi­el­le Zu­wan­de­rung bie­tet in be­grenz­tem Um­fang die Chan­ce für kurz­fris­ti­ge Ver­än­de­run­gen der de­mo­gra­fi­schen Struk­tur. Der ge­ziel­te Zu­zug von Fach­kräf­ten fin­det der­zeit nur in be­grenz­tem Um­fang statt. Dies be­deu­tet für den Ar­beits­markt, dass der Ver­lust von Ar­beits­kräf­ten durch al­ters­be­ding­tes Aus­schei­den nicht voll­stän­dig kom­pen­siert wer­den kann, son­dern durch ei­ne ge­ziel­te An­wer­bung von Fach­kräf­ten er­gänzt wer­den muss. Setzt sich der der­zei­ti­ge Flücht­lings­strom nach Deutsch­land und Bay­ern fort, wird der In­te­gra­ti­on die­ser Grup­pe in den Ar­beits­markt gro­ße Be­deu­tung zu­kom­men.

Die­ses Phä­no­men hat auf die So­zi­al­sys­te­me und auf den Ar­beits­markt mas­si­ve Aus­wir­kun­gen. Durch die Um­la­ge­fi­nan­zie­rung und Leis­tungs­aus­wei­tun­gen wer­den die Bei­trags­sät­ze wei­ter an­stei­gen. Die ent­schei­den­de Her­aus­for­de­rung für die Po­li­tik be­steht dar­in, die So­zi­al­ver­si­che­run­gen so zu re­for­mie­ren, dass sie fi­nan­zier­bar blei­ben und den Fak­tor Ar­beit nicht noch stär­ker be­las­ten. Gleich­zei­tig be­steht auch das In­ter­es­se, Al­ters­krank­hei­ten vor­zu­beu­gen und ef­fek­ti­ve The­ra­pi­en zu ent­wi­ckeln.

Dar­über hin­aus wan­deln sich die Nach­fra­ge und die Be­dürf­nis­se von gro­ßen Tei­len der Be­völ­ke­rung. Hier­auf müs­sen sich nicht nur die Po­li­tik – et­wa hin­sicht­lich der Ge­währ­leis­tung ei­ner flä­chen­de­cken­den me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung – ein­stel­len, son­dern auch Wirt­schaft und Wis­sen­schaft, wenn es bei­spiels­wei­se um die Ent­wick­lung von As­sis­tenz­sys­te­men geht, die ein weit­ge­hend selbst­stän­di­ges Le­ben im Al­ter er­leich­tern, oder um Tech­no­lo­gi­en zur Un­ter­stüt­zung des ge­sun­den Al­terns. Gleich­zei­tig gilt es, bei al­len Ent­schei­dun­gen die Prä­fe­ren­zen ei­ner viel­leicht nicht we­sent­lich klei­ne­ren, aber an­ders zu­sam­men­ge­setz­ten Be­völ­ke­rung an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.

Auf dem Ar­beits­markt wer­den sich die Fol­gen des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels mit am stärks­ten zei­gen. Wie in der vbw-Stu­die „Ar­beits­land­schaf­ten“ dar­ge­stellt, be­steht bis 2020 in Bay­ern ei­ne po­ten­zi­el­le Lü­cke von rund 230.000 Ar­beits­kräf­ten, bis 2040 so­gar von rund 560.000 Ar­beits­kräf­ten.

Die Un­ter­de­ckung ist in den ein­zel­nen Tä­tig­keits­fel­dern un­ter­schied­lich aus­ge­prägt. Die größ­ten Eng­päs­se tre­ten im Dienst­leis­tungs­sek­tor, vor al­lem bei Ge­sund­heit und Pfle­ge, aber auch im Ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be auf. Wäh­rend die Nach­fra­ge nach we­nig oder nicht qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten sinkt, steigt die Nach­fra­ge nach qua­li­fi­zier­ten Be­schäf­tig­ten. So­wohl in der Pro­duk­ti­on als auch bei den Dienst­leis­tun­gen neh­men die wis­sens­ba­sier­ten Tä­tig­kei­ten zu.

Um den Be­darf an Fach­kräf­ten zu de­cken, müs­sen al­le Po­ten­zia­le aus­ge­schöpft wer­den. Ge­eig­ne­te Maß­nah­men sind die Ver­bes­se­rung der Be­schäf­ti­gungs­chan­cen durch Qua­li­fi­zie­rung, ei­ne hö­he­re Er­werbs­be­tei­li­gung von Frau­en, län­ge­re (Le­bens-)Ar­beits­zei­ten so­wie die ge­ziel­te Zu­wan­de­rung von Fach­kräf­ten aus dem Aus­land. Auch die­je­ni­gen, die oh­ne ge­ziel­te An­wer­bung zu uns kom­men und ei­ne kon­kre­te Blei­be­per­spek­ti­ve ha­ben, müs­sen schnellst­mög­lich in den Ar­beits­markt in­te­griert wer­den.

Gu­te Bil­dung ist ein uni­ver­sel­ler Er­folgs­fak­tor. Sie er­mög­licht dem Ein­zel­nen, sein pri­va­tes, be­ruf­li­ches und ge­sell­schaft­li­ches Le­ben selbst­ge­stal­tet füh­ren zu kön­nen. Bil­dung ist heu­te und mor­gen grund­le­gend für die Wei­ter­ent­wick­lung un­se­rer Ge­sell­schaft und de­ren Zu­sam­men­halt, und sie ist ent­schei­dend für den Er­halt un­se­rer volks­wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit so­wie un­se­res Wohl­stands.

Um im glo­ba­len Wett­be­werb be­stehen und um das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al voll aus­schöp­fen zu kön­nen, brau­chen wir in un­se­rem Bil­dungs­sys­tem noch mehr Bil­dungs­qua­li­tät, mehr Bil­dungs­be­tei­li­gung und mehr Par­ti­zi­pa­ti­ons­ge­rech­tig­keit. Denn nur wenn wir al­le Bil­dungs­po­ten­zia­le he­ben, sind wir für die Zu­kunft ge­wapp­net.

Zen­tra­le An­satz­punk­te für die Zu­kunft sind ei­ne ganz­heit­li­che und mehr­di­men­sio­na­le Bil­dung so­wie die op­ti­ma­le Aus­schöp­fung der Po­ten­zia­le di­gi­ta­ler Lehr- und Lern­pro­zes­se.

Bil­dung um­fasst die drei Di­men­sio­nen Wis­sens­er­werb, Kom­pe­tenz­ent­wick­lung und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung. Auf­ga­be des Bil­dungs­sys­tems über al­le Le­bens­pha­sen ist es, Ler­nen­de so­wohl beim Wis­sens­er­werb als auch beim Kom­pe­tenz­auf­bau und bei der ganz­heit­li­chen Ent­wick­lung ih­rer Per­sön­lich­keit zu un­ter­stüt­zen. Nur wenn im Lern­pro­zess al­le Bil­dungs­di­men­sio­nen be­rück­sich­tigt wer­den, stellt sich Er­folg in Schu­le, Aus­bil­dung, Stu­di­um, Be­ruf und in der ge­sell­schaft­li­chen Teil­ha­be ein.

Die Halb­werts­zeit von Wis­sen wird im­mer kür­zer. Gleich­zei­tig er­for­dert der ver­ein­fach­te Zu­gang zu In­for­ma­ti­on neue Kom­pe­ten­zen, die im Bil­dungs­sys­tem ver­mit­telt wer­den müs­sen – zwi­schen Da­ten, In­for­ma­tio­nen und Wis­sen lie­gen er­heb­li­che Ver­ar­bei­tungs­schrit­te. Mit ei­nem Smart­pho­ne kann heu­te ein Kind an ei­nem x-be­lie­bi­gen Punkt der Er­de mehr In­for­ma­ti­on und manch­mal auch Wis­sen auf­ru­fen, als es selbst höchs­te po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger mit al­len Stä­ben, Kon­tak­ten und Ad­mi­nis­tra­ti­ons­ein­hei­ten noch vor 40 Jah­ren konn­ten. Nicht nur Wis­sen wis­sen, son­dern Ler­nen ler­nen und In­for­ma­tio­nen kri­tisch be­wer­ten sind ent­schei­den­de Kom­pe­ten­zen in der Ge­sell­schaft 4.0. Un­ser Bil­dungs­sys­tem muss die­se Maß­stä­be ver­in­ner­li­chen.

Ver­schie­de­ne Stu­di­en zeig­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf, dass in Deutsch­land und Bay­ern der schu­li­sche Er­folg im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich über­durch­schnitt­lich stark von der Her­kunft und dem so­zia­len Sta­tus der El­tern ab­hängt. Zu­dem fal­len Schü­ler oh­ne deut­schen Pass oder mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund deut­lich un­ter den deut­schen Durch­schnitt zu­rück. Da­mit wer­den die Chan­cen ei­nes wich­ti­gen Teils der jun­gen Be­völ­ke­rung auf so­zia­le Teil­ha­be er­heb­lich ge­schmä­lert. Ei­ne er­höh­te Bil­dungs­be­tei­li­gung in die­ser Be­völ­ke­rungs­grup­pe wird das Ar­beits­kräf­te- bzw. Fach­kräf­te­po­ten­zi­al deut­lich er­hö­hen.

Im­mer mehr Schul­ab­gän­ger ent­schei­den sich für ein Hoch­schul­stu­di­um. Der An­teil der Ju­gend­li­chen, die ei­ne dua­le Aus­bil­dung an­stre­ben, nimmt ab. Zu­sätz­lich bleibt die Zahl der jun­gen Er­wach­se­nen, die we­der über ei­nen Stu­di­en­ab­schluss noch über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung ver­fü­gen, auf ei­nem zu ho­hen Ni­veau. Dies ver­schärft die Lü­cke ins­be­son­de­re bei be­nö­tig­ten Fach­kräf­ten mit be­ruf­li­cher Qua­li­fi­zie­rung. Gleich­zei­tig ste­hen die Hoch­schu­len vor der Her­aus­for­de­rung ei­ner stei­gen­den Zahl von Stu­die­ren­den. Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len sind ge­for­dert, ih­re Ef­fi­zi­enz und ih­ren Out­put zu ver­bes­sern. Wich­ti­ge An­halts­punk­te sind die Re­du­zie­rung der Stu­di­en­ab­bruch­quo­ten, nicht zu­letzt durch Op­ti­mie­rung der Ein­gangs­pha­sen (sog. Eig­nungs­fest­stel­lung vor Stu­di­en­be­ginn).

Dar­über hin­aus wer­den Wei­ter­bil­dung und le­bens­lan­ges Ler­nen noch wich­ti­ger. Das ist von in­di­vi­du­el­ler wie und volks­wirt­schaft­li­cher Be­deu­tung. Die Be­deu­tung der Wei­ter­bil­dung wird im her­kömm­li­chen Bil­dungs­sys­tem mas­siv un­ter­schätzt: Nur durch sie lässt sich das Fach­kräf­te­po­ten­zi­al aus­schöp­fen.

Es kommt hin­zu, dass für ei­ne dau­er­haf­te Fach­kräf­te­si­che­rung die Ge­stal­tung von Bil­dungs­an­ge­bo­ten stär­ker dem Um­feld an­ge­passt wer­den muss. Bis­her sind vie­le An­ge­bo­te in den un­ter­schied­li­chen Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen stark stan­dar­di­siert und un­fle­xi­bel. Ei­ne Fle­xi­bi­li­sie­rung von Bil­dungs­an­ge­bo­ten (et­wa in Form von Teil­zeit­aus­bil­dun­gen und -stu­di­en­gän­gen, mo­du­la­ri­sier­ten und / oder be­rufs­be­glei­ten­den An­ge­bo­ten, Sum­mer Schools u. Ä.) kann da­zu bei­tra­gen, dass die ver­schie­de­nen Per­so­nen­grup­pen, ge­ra­de auch je­ne in be­son­de­ren Le­bens­la­gen (et­wa mit Kin­der­be­treu­ung oder Pfle­ge­auf­ga­ben), die Mög­lich­keit er­hal­ten, Bil­dungs­an­ge­bo­te über­haupt erst in An­spruch neh­men zu kön­nen.

In der Ge­sell­schaft 4.0 wer­den al­le Le­bens­be­rei­che di­gi­ta­li­siert. Be­reits heu­te sind Le­ben und Ar­bei­ten durch die Ver­net­zung von Mensch und Ma­schi­ne ge­prägt. Ent­spre­chend sind auch die An­for­de­run­gen an die Un­ter­neh­men und Ar­beit­neh­mer. In der di­gi­ta­len Ar­beits­welt sind Mit­ar­bei­ter ge­fragt, die ins­be­son­de­re ei­ne ho­he Me­di­en­kom­pe­tenz auf­wei­sen, d. h. die di­gi­ta­le Tech­nik ziel­spe­zi­fisch an­wen­den kön­nen, und die zum le­bens­lan­gen di­gi­ta­len Ler­nen be­reit sind. Denn ge­ra­de die Di­gi­ta­li­sie­rung er­mög­licht es Men­schen je­den Al­ters und in al­len Le­bens­si­tua­tio­nen, Bil­dungs­an­ge­bo­te in An­spruch zu neh­men.

Mo­der­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­me­di­en spie­len im Un­ter­richt noch nicht die Rol­le, die ih­nen auf­grund des di­gi­ta­len Wan­dels und der Be­deu­tung für Ge­sell­schaft und Wirt­schaft in Zu­kunft zu­kommt. Al­le Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sind ge­for­dert, sich di­gi­tal bes­ser auf­zu­stel­len, was spe­zi­fi­sche Lern­in­hal­te und -me­tho­den be­trifft. Das stellt auch Her­aus­for­de­run­gen an die In­fra­struk­tur. Nicht nur die schnel­len Da­ten­au­to­bah­nen müs­sen in der Flä­che aus­ge­baut wer­den, auch die Aus­stat­tung der Bil­dungs­ein­rich­tun­gen muss mas­siv vor­an­ge­trie­ben wer­den. Di­gi­ta­li­sie­rung be­ginnt im Klas­sen­zim­mer, wenn nicht schon im Kin­der­gar­ten.

Neue tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen wer­den die Ar­beits­welt in wei­ten Tei­len grund­le­gend ver­än­dern. Die Ar­beits­welt der Zu­kunft wird ver­netz­ter, di­gi­ta­ler und fle­xi­bler. Die Pro­duk­ti­on ver­än­dert sich grund­le­gend. Die stär­ke­re Ver­net­zung und ei­ne en­ge­re Zu­sam­men­ar­beit von Mensch und Ma­schi­ne er­mög­li­chen neue Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen. Die­se Ar­beits­welt be­dingt hoch­qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer, die sich lau­fend auf sich än­dern­de Rah­men­be­din­gun­gen ein­stel­len. Fle­xi­bi­li­tät und Spe­zia­li­sie­rung füh­ren zu ei­nem neu­en Ver­ständ­nis von Ar­beits­ver­hält­nis­sen und Kar­rie­re­we­gen. Da­her ist es nö­tig, dass die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen und die so­zia­len Si­che­rungs­sys­te­me die­sen Chan­cen Rech­nung tra­gen.

Fle­xi­ble Be­schäf­ti­gungs­for­men und neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel bie­ten den Un­ter­neh­men und ih­ren Mit­ar­bei­tern zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten, Ar­beits­ab­läu­fe zu op­ti­mie­ren und zu be­schleu­ni­gen. In der Ar­beits­welt 4.0 ge­stal­ten sich die Gren­zen zwi­schen be­ruf­li­chem und pri­va­tem Be­reich flie­ßend. Da­durch wird es den Ar­beit­neh­mern er­mög­licht, bei­des bes­ser mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen. Ar­beits­zeit und Ar­beits­ort ver­lie­ren an Be­deu­tung. Die Di­gi­ta­li­sie­rung führt zu ei­ner stär­ke­ren Ori­en­tie­rung an Ar­beits­er­geb­nis­sen und zur Auf­lö­sung klas­si­scher funk­tio­na­ler Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten und zu be­schleu­nig­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­sen.

Für vie­le Un­ter­neh­men und ih­re Mit­ar­bei­ter stellt die Ent­kop­pe­lung von Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt oder das Ar­bei­ten in der Cloud ei­ne Er­leich­te­rung dar, die für al­le Sei­ten Vor­tei­le mit sich bringt. Das In­di­vi­dual­ar­beits­recht so­wie zahl­rei­che Ar­beits­schutz­vor­schrif­ten, die die­se mo­der­nen Va­ri­an­ten des Mit­ar­bei­ter­ein­sat­zes nicht im Blick ha­ben, er­schwe­ren je­doch die Eta­blie­rung mo­der­ner Be­schäf­ti­gungs­for­men. Das Ar­beits­recht muss die­sen ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen an­ge­passt wer­den, da­mit die deut­schen Un­ter­neh­men im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb Schritt hal­ten kön­nen.

Mit sei­ner zen­tra­len La­ge und auf­grund sei­ner Ex­port­stär­ke ist Bay­ern in be­son­ders ho­hem Ma­ße in die Welt­wirt­schaft ein­ge­bun­den. Ei­ne po­si­ti­ve wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung ist von ei­ner mo­der­nen, funk­tio­nie­ren­den In­fra­struk­tur ab­hän­gig. Dies gilt um­so mehr, je stär­ker die in­ter­na­tio­na­len Ver­flech­tun­gen der Wert­schöp­fungs­ket­ten zu­neh­men.

Bay­ern ver­fügt über ein gut aus­ge­bau­tes Stra­ßen-, Schie­nen- und Was­ser­stra­ßen­netz. Die­ser Stand­ort­vor­teil ist ge­fähr­det. Ins­be­son­de­re im Stra­ßen­netz sind Ka­pa­zi­täts­gren­zen er­reicht. Es muss ver­hin­dert wer­den, dass rück­läu­fi­ge In­ves­ti­ti­ons­quo­ten und die zu­neh­men­de Be­las­tung zu ei­nem Qua­li­täts­ver­lust füh­ren.

Bis 2030 müs­sen deutsch­land­weit rund 300 Mil­li­ar­den Eu­ro in den Aus- und Neu­bau der deut­schen Ver­kehrs­in­fra­struk­tur in­ves­tiert wer­den, da­mit aku­te Eng­päs­se be­ho­ben so­wie der ste­tig stei­gen­de Gü­ter- und Per­so­nen­ver­kehr auch künf­tig be­wäl­tigt wer­den kön­nen. Da­zu müs­sen die Bun­des­mit­tel für die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur dau­er­haft er­höht und ver­ste­tigt, öf­fent­lich-pri­va­te Part­ner­schaf­ten auf ge­si­cher­ter Rechts­ba­sis ein­ge­gan­gen und die Nut­zer­fi­nan­zie­rung dau­er­haft im­ple­men­tiert wer­den.

Ei­ne zu­neh­mend wich­ti­ge Rol­le spielt der Zu­gang zu schnel­ler In­for­ma­ti­ons­in­fra­struk­tur. Flä­chen­de­ckend – ge­ra­de auch im länd­li­chen Raum – müs­sen min­des­tens 100 Mbit/s bis zum Jahr 2020 zur Ver­fü­gung ste­hen. Er­gän­zend muss suk­zes­si­ve der Aus­bau von Glas­fa­ser­ver­bin­dun­gen bis zu den Häu­sern vor­an­ge­trie­ben wer­den, was für das Flä­chen­land Bay­ern ei­ne im­men­se Her­aus­for­de­rung dar­stellt. Der Be­darf steigt ste­tig mit wach­sen­den Da­ten­men­gen und dem Fort­schrei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung in al­len Be­rei­chen.

Ein hoch­leis­tungs­fä­hi­ger In­ter­net­an­schluss wird von der Be­völ­ke­rung heu­te schon als Teil der Da­seins­vor­sor­ge an­ge­se­hen und ist Grund­la­ge je­des wirt­schaft­li­chen Han­delns. Auch der Staat be­nö­tigt für die Be­reit­stel­lung sei­ner sons­ti­gen An­ge­bo­te und die Um­set­zung sei­ner Auf­ga­ben ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz, das mo­derns­ten An­sprü­chen ge­nügt. Er muss den Zu­gang zum Breit­band­netz, des­sen si­che­ren Be­trieb und sei­ne fort­lau­fen­de An­pas­sung und Er­wei­te­rung ge­währ­leis­ten. Gleich­zei­tig muss die Fra­ge be­ant­wor­tet wer­den, wie un­ter Wah­rung der not­wen­di­gen Netz­neu­tra­li­tät die Fi­nan­zie­rung künf­ti­ger Aus­bau­stu­fen er­folgt und in­wie­weit ei­ne Be­tei­li­gung der­je­ni­gen Un­ter­neh­men denk­bar ist, de­ren Ge­schäfts­mo­del­le dar­auf ba­sie­ren.

Von zen­tra­ler Be­deu­tung für den In­dus­trie­stand­ort Bay­ern sind dar­über hin­aus die Ver­füg­bar­keit und Preis­ent­wick­lung von En­er­gie und Res­sour­cen.

Die si­che­re und um­welt­ver­träg­li­che En­er­gie­ver­sor­gung zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen ist ei­ne un­ver­zicht­ba­re Grund­la­ge für wirt­schaft­li­chen Er­folg und Le­bens­qua­li­tät in un­se­rem Land. Das gilt in be­son­de­rem Ma­ße für die Be­reit­stel­lung von elek­tri­schem Strom. Die Strom­ver­sor­gung ist vom Um­bau der En­er­gie­sys­te­me im Rah­men der En­er­gie­wen­de pri­mär be­trof­fen.

Deutsch­land und Bay­ern ver­fü­gen nach wie vor über ei­ne ho­he Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Für die baye­ri­sche Wirt­schaft mit ih­rem gro­ßen In­dus­trie­an­teil, ins­be­son­de­re für die Stand­ort­ent­schei­dun­gen aus­län­di­scher In­ves­to­ren in Bay­ern, hat Ver­sor­gungs­si­cher­heit obers­te Prio­ri­tät. Ab­stri­che hät­ten fa­ta­le Fol­gen für den Wirt­schafts­stand­ort Bay­ern.

Die Still­le­gung der Kern­kraft­wer­ke in Bay­ern führt in den nächs­ten Jah­ren zu er­heb­li­chen De­fi­zi­ten: Wir ver­lie­ren da­durch bis 2023 40 Pro­zent der ge­si­cher­ten Leis­tung. Bis En­de 2017 ist die Ver­sor­gung ge­si­chert und kann auch bis An­fang des nächs­ten Jahr­zehnts durch ein neu­es Strom­markt­de­sign bzw. ei­ne Ver­ord­nung zur Ka­pa­zi­täts- und Netz­re­ser­ve ge­währ­leis­tet wer­den. Die lang­fris­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen müs­sen jetzt un­mit­tel­bar ge­trof­fen wer­den und dul­den kei­ner­lei Auf­schub.

Um bei wach­sen­dem An­teil er­neu­er­ba­rer En­er­gi­en die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten, ist ein ver­stärk­ter Strom­aus­tausch not­wen­dig. Das gilt vor al­lem von Nord nach Süd und um­ge­kehrt. Das vor­han­de­ne Strom­netz muss so er­tüch­tigt wer­den, dass es den ver­än­der­ten Trans­port­be­darf er­fül­len kann. Als flan­kie­ren­de Si­cher­heits­maß­nah­me und zur Netz­sta­bi­li­sie­rung sind Gas­kraft­wer­ke not­wen­dig, eben­so wie die Ent­wick­lung ka­pa­zi­täts­star­ker En­er­gie­spei­cher­tech­no­lo­gi­en.

Die Strom­prei­se in Deutsch­land ha­ben sich dra­ma­tisch ent­wi­ckelt. In­dus­trie­strom, der nicht un­ter die Be­frei­ung von der EEG-Um­la­ge fällt, ist nach Zy­pern, Mal­ta und Ita­li­en in Deutsch­land am teu­ers­ten. Die deut­sche In­dus­trie be­zahlt für Strom im Mit­tel 50 Pro­zent mehr als in Frank­reich und weit über das Dop­pel­te der Un­ter­neh­men in den USA. Haupt­kos­ten­trei­ber ist un­ver­än­dert das Er­neu­er­ba­re-En­er­gi­en-Ge­setz (EEG). Der Strom­preis muss ge­de­ckelt und mit­tel­fris­tig auf das Ni­veau ver­gleich­ba­rer In­dus­trie­staa­ten ge­senkt wer­den.

Ge­gen­wär­tig sind die Prei­se für fos­si­le En­er­gie­trä­ger, vor al­lem auf­grund der mas­si­ven Aus­wei­tung der För­de­rung von Erd­gas und Erd­öl in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten durch Fracking, ver­gleichs­wei­se nied­rig. Mit­tel- und lang­fris­tig wird der wach­sen­de En­er­gie­be­darf der heu­ti­gen Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­der da­zu füh­ren, dass der glo­ba­le En­er­gie­ver­brauch eben­so wie das Preis­ni­veau für fos­si­le En­er­gi­en deut­lich steigt.

Nach Ein­schät­zung des World En­er­gy Out­look ist da­von aus­zu­ge­hen, dass auch im Jahr 2035 noch rund drei Vier­tel des welt­wei­ten En­er­gie­be­darfs durch fos­si­le En­er­gie­trä­ger ge­deckt wer­den. In Deutsch­land voll­zieht sich der Aus­bau der er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en im Zu­ge der En­er­gie­wen­de we­sent­lich schnel­ler. Ne­ben dem be­schlos­se­nen Aus­stieg aus der nu­klea­ren En­er­gie­er­zeu­gung bis 2022 ist ein deut­li­ches Zu­rück­fah­ren der En­er­gie­er­zeu­gung aus Koh­le ab­seh­bar. Die En­er­gie­wen­de muss so ge­stal­tet wer­den, dass die zu­ver­läs­si­ge En­er­gie­ver­sor­gung für den In­dus­trie­stand­ort Bay­ern ge­währ­leis­tet ist. Un­ter­neh­mens­be­lan­ge, Ver­sor­gungs­si­cher­heit und Um­welt­schutz müs­sen im Ein­klang blei­ben.

Auch die künf­ti­ge Ver­sor­gung mit nicht-en­er­ge­ti­schen Roh­stof­fen hat gro­ße Be­deu­tung für den Pro­duk­ti­ons­stand­ort Bay­ern. Die Wei­ter­ent­wick­lung von Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en, bei­spiels­wei­se in den Be­rei­chen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik, im Fahr­zeug­bau, im Ma­schi­nen­bau oder der Me­di­zin­tech­nik, so­wie der be­schleu­nig­te Wan­del der Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­der zu In­dus­trie­län­dern lässt den Be­darf an Roh­stof­fen stark an­stei­gen. Da­zu ge­hö­ren so­wohl Mas­sen­me­tal­le für In­fra­struk­tur, Bau­wirt­schaft und In­dus­trie als auch Ma­te­ria­li­en wie Halb­me­tal­le, Halb­lei­ter, Edel­me­tal­le, Sel­te­ne Er­den und zu­neh­mend bio­lo­gi­sche (land­wirt­schaft­lich pro­du­zier­te) Roh­stof­fe.

So­wohl bei der In­fra­struk­tur als auch bei der Ver­sor­gung mit En­er­gie und Roh­stof­fen sind Si­cher­heits­fra­gen, ins­be­son­de­re im Be­reich IT-Se­cu­ri­ty, von zen­tra­ler Be­deu­tung.

Vor­aus­set­zun­gen sind in ganz Bay­ern wohn­ort­na­he qua­li­fi­zier­te In­fra­struk­tu­ren zur Grund­ver­sor­gung im Ge­sund­heits­we­sen, aus­rei­chen­de In­fra­struk­tu­ren zur Be­treu­ung von Kin­dern wie auch pfle­ge­be­dürf­ti­ger Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ger vor Ort, er­reich­ba­re Bil­dungs- und Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te so­wie ne­ben den Ein­rich­tun­gen der Spit­zen­for­schung auch auf die re­gio­na­le Un­ter­neh­mens­struk­tur zu­ge­schnit­te­ne, gut ver­netz­te öf­fent­li­che For­schungs­in­fra­struk­tu­ren in al­len Lan­des­tei­len.