Emp­feh­lun­gen zu In­ku­ba­to­ren, De­mons­tra­to­ren, Fi­nan­zie­rung

Ge­ziel­te För­de­rung si­chert die Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft baye­ri­scher Un­ter­neh­men

 

Für ei­ne er­folg­rei­che In­no­va­tions- und Grün­dungs­po­li­tik ist ent­schei­dend, dass in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­men von ih­rer Grün­dung über die Pro­dukt­ent­wick­lung bis hin zur Markt­rei­fe bis zur nächs­ten Wachs­tums­pha­se die pas­sen­den Rah­men­be­din­gun­gen vor­fin­den. Ent­schei­dend sind Ge­schwin­dig­keit, Ka­pi­tal, stra­te­gi­sche Me­cha­nis­men und Da­ten­ban­ken so­wie Netz­wer­ke zu den re­gio­na­len Ak­ti­vi­tä­ten.

Aus- und Neu­grün­dun­gen

Re­vo­lu­tio­när neue Tech­no­lo­gi­en ha­ben ih­ren Ur­sprung häu­fig in neu ge­grün­de­ten Un­ter­neh­men. Da­her muss der seit Jah­ren rück­läu­fi­ge Trend im deut­schen Grün­dungs­ge­sche­hen ge­dreht wer­den. Um im Wett­be­werb um die füh­ren­den Tech­no­lo­gi­en der Zu­kunft be­stehen zu kön­nen, be­darf es ei­ner An­pas­sung der Rah­men­be­din­gun­gen und ei­ner mög­lichst un­bü­ro­kra­ti­schen Un­ter­stüt­zung von Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen. Ge­setz­li­che Auf­la­gen und Ver­wal­tungs­an­for­de­run­gen sind auf ein Mi­ni­mum zu be­gren­zen. Ei­ne ho­he Grün­dungs­in­ten­si­tät be­schleu­nigt den ef­fi­zi­en­ten Trans­fer von Ide­en aus der Wis­sen­schaft in markt­fä­hi­ge Pro­duk­te. Un­ter­neh­me­ri­sches Den­ken und Han­deln muss in die Hoch­schu­len ein­zie­hen und de­ren aka­de­mi­schen Auf­trag er­gän­zen.

Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen wer­den durch di­rek­te Un­ter­stüt­zung we­sent­lich ver­ein­facht. Die­se um­fasst Men­to­ren, Busi­ness An­gels, en­ga­gier­te Pro­fes­so­ren und Stu­den­ten so­wie Un­ter­neh­men. Wich­tig sind vor al­lem ein­fa­che und trans­pa­ren­te Struk­tu­ren, Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung so­wie die Eta­blie­rung von ein­heit­li­chen An­sprech­part­nern (One Stop Agen­cy) und För­der­lot­sen. Über die Er­wei­te­rung be­stehen­der An­ge­bo­te, wie z.B. Un­ter­neh­mer-TUM, kön­nen mehr mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men er­reicht und ak­ti­viert wer­den.

Die Busi­ness-An­gel- und Fi­nan­zie­rungs-Netz­wer­ke müs­sen durch Ge­win­nung neu­er In­ves­to­ren zu­sam­men­ge­führt und ver­stärkt wer­den. Jun­gen Un­ter­neh­men müs­sen in Netz­wer­ke und Ver­bund­pro­jek­te ein­ge­bun­den wer­den, um ei­nen in­ten­si­ven fach­li­chen Er­fah­rungs­aus­tausch zu ge­währ­leis­ten.

Ei­ne Her­aus­for­de­rung sind das in Deutsch­land all­ge­mein schwach aus­ge­präg­te Grün­dungs­kli­ma und die Angst vor dem Stig­ma des un­ter­neh­me­ri­schen Schei­terns. Der un­ter­neh­me­ri­sche Spi­rit, zum Bei­spiel an Uni­ver­si­tä­ten, be­darf ei­ner mas­si­ven, ge­ziel­ten För­de­rung. Die wirt­schaft­li­che Ziel­set­zung darf im Um­feld der uni­ver­si­tä­ren For­schung kein Ta­bu sein.

Nur ei­ne brei­te Un­ter­neh­mer- und Grün­dungs­kam­pa­gne kann zu ei­ner Be­wusst­seins­än­de­rung füh­ren. In die­se müs­sen In­for­ma­ti­ons- und Kar­rie­re­mes­sen an Hoch­schu­len, zu de­nen spe­zi­ell Start-up-Un­ter­neh­men ein­ge­la­den wer­den, eben­so in­te­griert wer­den wie The­men­ta­ge des Mit­tel­stands an den Hoch­schu­len oder bei­spiel­haf­te Pro­jek­te und Wett­be­wer­be für Grün­dun­gen, wie z.B. 5-Eu­ro-Busi­ness.

Re­gio­na­le In­itia­ti­ven, wie die Aus­lo­bung von Grün­der­prei­sen durch eta­blier­te Un­ter­neh­men, sind ein wei­te­rer Bau­stein und kön­nen Vor­bild­cha­rak­ter ha­ben.

Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten ver­bes­sern

Zu vie­le In­no­va­tio­nen schei­tern noch an der Fi­nan­zie­rung. Des­halb wan­dern sie noch zu häu­fig aus Bay­ern aus.

Die baye­ri­schen För­der­quo­ten und -vo­lu­mi­na sind aus­bau­fä­hig. Ge­ra­de bei be­son­ders in­no­va­ti­ven, mög­li­cher­wei­se dis­rup­ti­ven Ent­wick­lun­gen sind ho­he För­der­quo­ten von re­gel­mä­ßig min­des­tens 40 Pro­zent er­for­der­lich, aber auch die Über­nah­me oder Ab­si­che­rung be­stimm­ter Teil­ri­si­ken.

Auf­ga­be der Po­li­tik ist es auch, sich in noch grö­ße­rem Ma­ße für die Ver­ga­be von Bun­des- und EU-Mit­teln nach Bay­ern ein­zu­set­zen, auch durch Un­ter­stüt­zung bei der An­trag­stel­lung, und ei­ne ent­spre­chen­de Ko-Fi­nan­zie­rung ge­zielt si­cher­zu­stel­len.

Die Ab­wick­lung der Ver­fah­ren muss ver­ein­facht, trans­pa­rent ge­stal­tet und be­schleu­nigt wer­den: Von der An­trag­stel­lung mit voll­stän­di­gen Un­ter­la­gen bis zur Ent­schei­dung über den För­der­an­trag dür­fen in der Re­gel nicht mehr als drei Mo­na­te ver­ge­hen.

Be­son­ders für in kauf­män­ni­schen Din­gen oft un­er­fah­re­ne Un­ter­neh­mens­grün­der sind kom­pe­ten­te An­sprech­part­ner und trans­pa­ren­te Fi­nan­zie­rungs­sys­te­me ent­schei­dend für den Grün­dungs­er­folg. Hier­zu ge­hört ei­ne ak­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on von För­der­pro­gram­men und För­der­in­hal­ten.

Um der Ver­net­zung Rech­nung zu tra­gen, muss Tech­no­lo­gie­för­de­rung ge­ra­de auch die Schnitt­stel­len zwi­schen Tech­no­lo­gi­en er­fas­sen. Star­re Be­gren­zun­gen durch Pro­gram­me sind da­her auf­zu­ge­ben.

Da­für emp­fiehlt sich ein ein­heit­li­cher Pro­gramm­ty­pus im Sin­ne ei­ner mis­si­ons­ori­en­tier­ten, pro­blem­zen­trier­ten För­de­rung. Zu­min­dest muss ein tech­no­lo­gie­über­grei­fen­des Ba­sis­pro­gramm al­le Ver­net­zun­gen zwi­schen den Tech­no­lo­gi­en ab­bil­den.

Gleich­zei­tig ver­bie­tet sich auch ei­ne strik­te Tren­nung nach Bran­chen, da­mit neu­en Ge­schäfts­mo­del­len Rech­nung ge­tra­gen wird und Wert­schöp­fungs­ket­ten voll­stän­dig ab­ge­bil­det wer­den kön­nen.

Da­mit KMU die Po­ten­zia­le der Di­gi­ta­li­sie­rung nut­zen kön­nen, brau­chen sie Be­ra­tung und In­for­ma­ti­on zu IKT, Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen und Ge­schäfts­mo¬del­len. Je­des Un­ter­neh­men in Bay­ern be­nö­tigt ei­ne di­gi­ta­le Stra­te­gie, die sich auch auf die IT-Si­cher­heit auf neu­es­tem Stand er­streckt. Hier­für braucht es ein un­kom­pli­zier­tes För­der­for­mat un­ter­halb der „klas­si­schen“ F + E För­de­rung, die für al­le Bran­chen so­wie für al­le An­wen­dungs­be­rei­che der Di­gi­ta­li­sie­rung ent­lang der je­wei­li­gen Wert­schöp­fungs­ket­te ein­schließ­lich Soft­ware of­fen ist (z. B. Er­neue­rung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen, IT-Si­cher­heit, Er­pro­bung neu­er Soft­ware, Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te etc.). Ge­för­dert wer­den sol­len die An­wen­dun­gen in klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men und Start-ups. Mit¬nah­me­ef­fek­te sind aus­zu­schlie­ßen.

Der in­ter­na­tio­na­le Ver­gleich zeigt, dass in Deutsch­land die Fi­nan­zie­rung von tech­no­lo­gie­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men in der Grün­dungs- und Wachs­tums­pha­se durch Be­tei­li­gungs­ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten un­zu­rei­chend ent­wi­ckelt ist. Da in den USA 50-mal so viel Wag­nis­ka­pi­tal zur Ver­fü­gung steht wie in Deutsch­land, kön­nen dort po­ten­zi­ell dis­rup­ti­ve Tech­no­lo­gi­en in viel grö­ße­rem Um­fang und er­heb­lich ra­scher ent­wi­ckelt wer­den. Der Aus­bau der Ver­füg­bar­keit von Ri­si­ko­ka­pi­tal ist da­her ei­ne ele­men­ta­re Not­wen­dig­keit bei der Um­set­zung von in­no­va­ti­ver Tech­no­lo­gie in un­ter­neh­me­ri­sches Han­deln.

In Bay­ern gibt es mit Bay­ern Ka­pi­tal und LfA be­währ­te In­sti­tu­tio­nen, bei de­nen Grün­der so­wohl Hil­fe bei der Fi­nan­zie­rung als auch Un­ter­stüt­zung mit be­triebs­wirt­schaft­li­chem Know-how er­hal­ten. Dort gibt es auch Be­tei­li­gungs­pro­gram­me für den IT-Be­reich so­wie Fi­nan­zie­run­gen, die spe­zi­ell auf Vor­ha­ben mit er­heb­li­chen tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Ri­si­ken zu­ge­schnit­ten sind. Trotz­dem er­scheint vie­len Start-ups der „Sze­ne­platz“ Ber­lin at­trak­ti­ver. Dar­aus lässt sich ab­lei­ten, dass ne­ben Um­feld­fak­to­ren auch die Sicht­bar­keit des vor­han­de­nen An­ge­bots so­wie ei­ner ein­heit­li­chen An­lauf­stel­le ent­schei­dend sind.

Nach­dem im Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung / IT ein Nach­hol­be­darf in Bay­ern be­steht, der sich über Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en er­streckt, ist spe­zi­ell für Grün­der aus dem Be­reich IT ein ein­heit­li­cher An­sprech­part­ner („Di­gi­ta­li­sie­rungs­lot­se“) für Bay­ern Ka­pi­tal und LfA ein­zu­set­zen. Die­ser muss zu den be­stehen­den För­der­pro­gram­men und Fi­nan­zie­rungs­op­tio­nen be­ra­ten so­wie Kon­tak­te in das ent­spre­chen­de wirt­schaft­li­che und wis­sen­schaft­li­che Um­feld ver­mit­teln.

Dar­über hin­aus sind die steu­er­li­chen und re­gu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen für Wag­nis­ka­pi­tal in Deutsch­land zu ver­bes­sern, zum Bei­spiel bei der Mo­bi­li­sie­rung von Ven­ture Ca­pi­tal für Wachs­tums- bzw. An­schluss­fi­nan­zie­run­gen. Das La­ter-Sta­ge-Fun­ding liegt in den USA mit ca. 12 Mrd. Eu­ro rund 30-mal so hoch wie in Deutsch­land. Das ho­he Ri­si­ko bei In­ves­ti­tio­nen von Ven­ture-Ca­pi­tal-Fonds in Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen kann durch Ge­wäh­rung steu­er­li­cher An­rei­ze aus­ge­gli­chen wer­den.

Ex­pe­ri­men­tier­feld für Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ko­ope­ra­ti­ons­mo­del­le

In­no­va­tio­nen ent­ste­hen durch Of­fen­heit, Krea­ti­vi­tät, un­kon­ven­tio­nel­le Denk­an­sät­ze und aus mu­ti­gen Ex­pe­ri­men­ten. Ei­ne Vor­aus­set­zung für die­se geis­ti­ge Frei­heit ist al­ler­dings auch die Ab­we­sen­heit von fi­nan­zi­el­lem Druck. Des­halb müs­sen die För­der­struk­tu­ren und -be­din­gun­gen so ge­öff­net wer­den, dass sie die „Im­pro­vi­sa­ti­ons­freu­de“ in Wis­sen­schaft, For­schung und Ent­wick­lung be­flü­geln. Stark aus­bau­be­dürf­tig sind Son­der­för­der­pro­gram­me für be­son­ders in­no­va­ti­ve, aber auch ris­kan­te For­schungs- und Ent­wick­lungs­vor­ha­ben („high risk, high re­ward“), vor­zugs­wei­se in­ter­dis­zi­pli­när und an den Schnitt­stel­len der Tech­no­lo­gie­fel­der. Die Mög­lich­keit ei­nes Fehl­schla­ges soll da­bei be­wusst in Kauf ge­nom­men wer­den, was sich auch in den För­der­richt­li­ni­en nie­der­schla­gen muss.

Der­ar­ti­ge Son­der­för­der­pro­gram­me kön­nen in be­stehen­de Sys­te­me der For­schungs­fi­nan­zie­rung, wie z.B. die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft, in­te­griert wer­den. Auch In­no­va­ti­on Labs bie­ten sich zur Um­set­zung von „ris­kan­ten“ Ex­pe­ri­men­ten an.

„Val­ley of De­ath“ über­win­den

Die Grund­la­gen­for­schung ist oft sehr gut durch öf­fent­li­che Mit­tel ab­ge­deckt, wäh­rend die För­der­mög­lich­kei­ten mit zu­neh­men­der Markt­rei­fe ab­neh­men. An die­ser Stel­le wird vom „Val­ley of De­ath“ ge­spro­chen, wenn vor al­lem klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men oder Aus­grün­dun­gen die Ei­gen­fi­nan­zie­rung nicht auf­brin­gen kön­nen.

Das trifft auch auf die Hoch­schu­len zu, nach­dem sie sich – vor al­lem kraft des In­puts aus der öf­fent­lich fi­nan­zier­ten For­schung – an Aus­grün­dun­gen be­tei­ligt ha­ben: Man­gels Ka­pi­tal kön­nen sie Fi­nan­zie­rungs­run­den nicht stem­men, was ei­ne stu­fen­wei­se re­du­zier­te Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gung nach sich zieht. Um den Aus­grün­dungs­er­folg aus­zu­schöp­fen, müs­sen al­so auch die Hoch­schu­len be­darfs­ge­recht mit Ka­pi­tal aus­ge­stat­tet wer­den.

Be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist die Fi­nan­zie­rung der letz­ten Ent­wick­lungs­schrit­te bis zur Markt­rei­fe. Nicht zu­letzt schei­tern neue Tech­no­lo­gi­en an der Mas­sen­fer­ti­gung. Die Auf­nah­me von Fremd­ka­pi­tal, bei­spiels­wei­se in Form von Bank­kre­di­ten, ge­stal­tet sich schwie­rig, da Ban­ken oft­mals nicht die Er­folgs­aus­sich­ten be­ur­tei­len kön­nen.

Es müs­sen ge­zielt die För­der­mög­lich­kei­ten für die letz­ten Ent­wick­lungs­schrit­te und die Markt­ein­füh­rung mit staat­li­cher Hil­fe er­wei­tert wer­den. Zu­dem soll­te die För­de­rung von Ba­sis­tech­no­lo­gi­en stär­ker mit An­wen­dun­gen ver­knüpft wer­den. Auch an­wen­dungs­na­he De­mons­tra­to­ren und Schau­fens­ter­pro­jek­te sind – ggf. in Ab­stim­mung mit wei­te­ren Ak­teu­ren – zu för­dern. Die­se Maß­nah­men stel­len si­cher, dass nicht nur die Ent­wick­lung, son­dern auch die sich an die er­folg­rei­che Markt­ein­füh­rung an­schlie­ßen­de Wert­schöp­fung in Bay­ern statt­fin­det.

Ins­be­son­de­re staat­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen kön­nen über ih­re Auf­trags­ver­ga­be ge­zielt In­no­va­ti­ons­pro­zes­se för­dern. Wäh­rend die USA von die­sem In­stru­ment („pu­blic pro­cu­re­ment for in­no­va­ti­on“) in er­heb­li­chem Um­fang Ge­brauch ma­chen, wird es in Eu­ro­pa bis­lang in kaum ei­nem Land ge­nutzt.

Um die Ein­bin­dung jun­ger Un­ter­neh­men (Aus­grün­dun­gen, Start-ups) zu er­mög­li­chen, müs­sen die Ver­ga­be­richt­li­ni­en an­ge­passt wer­den, z.B. An­for­de­run­gen an Li­qui­di­tät und das Vor­lie­gen von Jah­res­ab­schlüs­sen.

Auch Groß­un­ter­neh­men kön­nen in­no­vie­ren­de klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men durch ge­ziel­te Auf­trags­ver­ga­be un­ter dem As­pekt „vom Pro­to­typ­ing zum Pro­dukt“ un­ter­stüt­zen.

Mit Leucht­turm-In­itia­ti­ven kom­plet­te Wert­schöp­fungs­netz­wer­ke för­dern

Mit ge­ziel­ten Leucht­turm-Pro­jek­ten,die sich auf ei­ne be­stimm­te An­wen­dung, vor al­lem aber auf ein zu lö­sen­des Pro­blem fo­kus­sie­ren, müs­sen kom­plet­te Wert­schöp­fungs­netz­wer­ke ge­för­dert wer­den. Ein kon­kre­tes Bei­spiel ist der Be­reich der As­sis­tenz­ro­bo­tik. Vor­ge­schla­gen wird bei­spiels­wei­se ei­ne Leucht­turm-In­itia­ti­ve As­sis­tenz­ro­bo­tik, in die un­ter Ko­or­di­na­ti­on des in­ter­na­tio­nal füh­ren­den DLR-Ro­bo­tik-Zen­trums ne­ben sei­nen Spin-off-Start-ups die ein­schlä­gi­gen TUM-In­sti­tu­te bzw. An-In­sti­tu­te wie FOR­TISS und die In­sti­tu­te der Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft ein­ge­bun­den sind, baye­ri­sche Un­ter­neh­men (Raum­fahrt-Spe­zia­lis­ten, In­dus­trie­ro­bo­ter­her­stel­ler, Elek­tro­nik-Aus­rüs­ter) und baye­ri­sche Kli­ni­ken so­wie Pfle­ge-Ein­rich­tun­gen. Der Fi­nanz­be­darf ei­ner auf 5 Jah­re an­ge­leg­ten wirk­sa­men In­itia­ti­ve liegt bei jähr­lich ca. 10 Mio. Eu­ro, d. h. ins­ge­samt bei 50 Mio. Eu­ro.

Grün­der an Bay­ern bin­den

Jun­ge Un­ter­neh­men müs­sen auch nach der Markt­ein­füh­rung in Bay­ern wach­sen kön­nen, um die Wert­schöp­fung lang­fris­tig im Frei­staat zu rea­li­sie­ren. Heu­te ist viel­fach zu be­ob­ach­ten, dass stra­te­gi­sche Ein­käu­fer aus dem Aus­land ge­zielt Start-ups ein­kau­fen, vor al­lem aus dem leicht ska­lier­ba­ren IKT-Be­reich. Da­durch ver­la­gern sich ab­rupt Wert­schöp­fung und Wachs­tum.

Die Über­nah­me von und die Be­tei­li­gung an Start-ups durch ein­hei­mi­sche Un­ter­neh­men muss un­ter­stützt wer­den, um die stra­te­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Po­ten­zia­le aus­zu­schöp­fen. Da­zu müs­sen po­ten­zi­el­le Er­wer­ber (Un­ter­neh­men, Fonds, in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger) und jun­ge Un­ter­neh­men zu­sam­men­ge­bracht wer­den. Emp­feh­lens­wert sind die bei­den fol­gen­den Maß­nah­men:

– Auf­bau ei­ner Platt­form, auf der sich jun­ge Un­ter­neh­men prä­sen­tie­ren kön­nen. Die­se Platt­form ist z.B. bei Bay­ern In­no­va­tiv oder der LfA an­zu­sie­deln und über Hoch­schu­len, au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen und Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen zu be­wer­ben. Hier­zu kann für den Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung auf die be­stehen­de Platt­form Bits & Pret­zels auf­ge­baut wer­den.

– Un­ter­stüt­zung eta­blier­ter Un­ter­neh­men bei der Su­che nach ge­eig­ne­ten Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern oder Über­nah­me­kan­di­da­ten un­ter den jun­gen Un­ter­neh­men. Ge­ra­de im Mit­tel­stand fehlt es an „Scouts“, die ge­zielt und recht­zei­tig Start-ups auf­spü­ren. Be­ra­tung und Best-Prac­tice-Bei­spie­le sind er­for­der­lich. Grö­ße­re, vor al­lem in­ter­na­tio­na­le Un­ter­neh­men ver­fü­gen teil­wei­se be­reits über Scouts, de­ren Ar­beit ei­nen Teil der ei­ge­nen Ent­wick­lung er­setzt. Für den brei­te­ren Ein­satz des sog. stra­te­gi­schen Scou­tings ist ei­ne be­darfs­ge­rech­te För­de­rung vor­zu­se­hen.

För­de­rung von De­mons­tra­to­ren

För­der­fä­hig müs­sen künf­tig auch De­mons­tra­to­ren mit au­ßer­halb von Bay­ern ent­wi­ckel­ten Tech­no­lo­gi­en sein, wenn die­se mit der Ent­wick­lung neu­er An­wen­dungs­po­ten­zia­le in Bay­ern kor­re­spon­die­ren. Sol­che De­mons­tra­ti­ons­vor­ha­ben sind sinn­voll, um den Nut­zen in der Pra­xis zu zei­gen und An­sät­ze für die Wei­ter­ent­wick­lung und Op­ti­mie­rung zu fin­den. Hin­zu kommt die Ver­füg­bar­keit von Ba­sis-Pa­ten­ten.

Baye­ri­sche Tech­no­lo­gie­för­de­rung auf dem Prüf­stand

Die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung will ih­re Tech­no­lo­gie­för­de­rung im Lich­te der Er­kennt­nis­se des Zu­kunfts­rats auf den Prüf­stand stel­len und ex­tern eva­lu­ie­ren las­sen. Die­se Über­prü­fung er­folgt un­ter Be­rück­sich­ti­gung der bis­he­ri­gen Emp­feh­lun­gen des Zu­kunfts­rats.

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt, die Eva­lu­ie­rung so­fort in Gang zu set­zen. Er wird die Er­geb­nis­se der Eva­lu­ie­rung er­ör­tern und wei­te­re Emp­feh­lun­gen ma­chen. Die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung be­ab­sich­tigt, dar­auf auf­bau­end die Tech­no­lo­gie­för­de­rung neu auf­zu­stel­len.

An­pas­sung von recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen

Die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen dro­hen zu­neh­mend von den tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen über­holt zu wer­den. Ziel muss es sein, ge­setz­li­che Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die den Weg für die prak­ti­sche Um­set­zung neu­er Tech­no­lo­gi­en frei­ma­chen und da­mit die An­wen­dung in Deutsch­land und Bay­ern för­dern.

Die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen sind be­son­ders im Be­reich der In­for­ma­ti­ons- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en be­reits heu­te nicht aus­rei­chend an be­stehen­de und auch tat­säch­lich ge­nutz­te tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten an­ge­passt. Deut­lich wird dies z. B. beim mo­bi­len Ar­bei­ten und bei der Da­ten­si­cher­heit. Hier sind auch im Sin­ne der Ar­beit­neh­mer die Fle­xi­bi­li­täts­po­ten­zia­le voll aus­zu­schöp­fen.

Drin­gend ge­bo­ten ist ei­ne kri­ti­sche Ana­ly­se von recht­li­chen Hür­den für tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen. Dies be­trifft Haf­tungs­the­men, Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen und -ge­neh­mi­gun­gen. Neue An­wen­dun­gen (z.B. au­to­no­mes Fah­ren, Droh­nen) be­nö­ti­gen drin­gend ei­nen recht­li­chen Rah­men, um die wei­te­re Ent­wick­lung und Ver­brei­tung der Tech­no­lo­gi­en zu er­mög­li­chen. Durch ei­ne ra­sche und vor­aus­schau­en­de Ge­setz­ge­bung kann Deutsch­land ei­ne Vor­rei­ter­rol­le bei der markt­wirt­schaft­li­chen Um­set­zung sol­cher Auf­bruchs­tech­no­lo­gi­en ein­neh­men.

Die Ent­wick­lun­gen in den Life Sci­en­ces stel­len die Ge­sell­schaft vor neue ethi­sche Her­aus­for­de­run­gen, auf die vom Ge­setz­ge­ber an­ge­mes­se­ne Ant­wor­ten er­war­tet wer­den. Da­bei müs­sen die For­schungs- und An­wen­dungs­frei­heit mit dem Ver­brau­cher­schutz und ethi­schen Er­wä­gun­gen ins Gleich­ge­wicht ge­bracht wer­den.

Die not­wen­di­gen An­pas­sun­gen der Rah­men­be­din­gun­gen kön­nen nur be­grenzt von re­gio­na­len Ak­teu­ren oder auf Lan­des­ebe­ne um­ge­setzt wer­den. Um Bay­ern für die be­stehen­den und kom­men­den Her­aus­for­de­run­gen zu rüs­ten, sind ent­spre­chen­de Maß­nah­men zum Agen­da-Set­ting auf Ebe­ne des Bun­des und der EU an­zu­re­gen. Zur Vor­be­rei­tung ei­ner baye­ri­schen Po­si­ti­on sind zu be­son­ders re­le­van­ten Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en Ex­per­ten­grup­pen mit Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Po­li­tik ein­zu­set­zen.

Steu­er­li­che For­schungs­för­de­rung

In Deutsch­land ist – er­gän­zend zu den be­stehen­den För­der­mög­lich­kei­ten für Ein­zel- und Ver­bund­vor­ha­ben – ei­ne steu­er­li­che For­schungs­för­de­rung vor­zu­se­hen, wie sie in den meis­ten EU-Staa­ten und in mehr als zwei Drit­teln der OECD-Staa­ten längst exis­tiert: Un­ter­neh­men müs­sen grö­ßen­un­ab­hän­gig zehn Pro­zent ih­rer F+E In­ves­ti­tio­nen von der Steu­er­schuld ab­zie­hen kön­nen („tax credit“).

Be­son­ders für den Mit­tel­stand ist die­se Maß­nah­me in­no­va­ti­ons­för­dernd. Für die wir­kungs­vol­le Um­set­zung ei­ner steu­er­li­chen F+E För­de­rung ist ent­schei­dend, dass Un­ter­neh­men auch nach au­ßen ver­ge­be­ne For­schungs­auf­trä­ge steu­er­lich in vol­lem Um­fang gel­tend ma­chen kön­nen.