Emp­feh­lun­gen Tech­no­lo­gie­trans­fer / Ko­ope­ra­ti­on

Aus­tausch und Ver­net­zung als Er­folgs­fak­to­ren der Zu­kunft

 

Die tra­di­tio­nel­len Gren­zen zwi­schen ein­zel­nen Bran­chen und Tech­no­lo­gie­fel­dern lö­sen sich zu­neh­mend auf. Dem Tech­no­lo­gie­trans­fer und der Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen ur­sprüng­lich frem­den Be­rei­chen kommt ei­ne maß­geb­li­che Be­deu­tung für den Er­halt der Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft zu.

 

Schnitt­stel­len für den sys­te­ma­ti­schen Aus­tausch

Neue Ak­teu­re müs­sen in künf­ti­ge In­no­va­ti­ons­pro­zes­se in­te­griert wer­den. An Schnitt­stel­len kommt es auf den sys­te­ma­ti­schen Wis­sens- und Er­fah­rungs­aus­tausch an, um die Ent­wick­lung von Quer­schnitts- und In­te­gra­ti­ons­tech­no­lo­gi­en vor­an­zu­trei­ben. Leit­bild für ei­nen sol­chen Aus­tausch muss ei­ne tech­no­lo­gie­of­fe­ne Ziel­ori­en­tie­rung sein.

Die heu­ti­gen För­der­struk­tu­ren sind stark sek­to­ral or­ga­ni­siert; sie neh­men ei­ne Tren­nung ent­lang der klas­si­schen Ein­tei­lung in Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en vor. Die Auf­ga­be von Po­li­tik und Wirt­schaft ist es, die In­fra­struk­tur für ei­nen an­wen­dungs- und pro­blem­ori­en­tier­ten Aus­tausch be­reit­zu­stel­len. Die in der Ver­gan­gen­heit er­folg­rei­che Clus­ter-Of­fen­si­ve des Frei­staats muss jetzt wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den.

Das Ziel muss in ei­ner ech­ten Ver­net­zung lie­gen, d. h. dem Zu­sam­men­brin­gen der Wis­sens­trä­ger und Ent­schei­der aus ver­schie­de­nen Bran­chen und Tech­no­lo­gie­fel­dern. Ent­spre­chend sind Cross-Clus­ter-Ak­ti­vi­tä­ten häu­fi­ger und ef­fi­zi­en­ter zu in­iti­ie­ren, da In­no­va­tio­nen oft an den Schnitt­stel­len zwi­schen Bran­chen und Tech­no­lo­gie­fel­dern ent­ste­hen. Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen oder Ge­schäfts­stel­len sind da­für nicht er­for­der­lich.

Or­ga­ni­sa­to­risch müs­sen die Clus­ter

– ent­spre­chend der För­der­richt­li­ni­en (Bund bzw. EU) auf­ge­stellt sein;

– ihr Mar­ke­ting mit den be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men so­wie den Wirt­schafts-und Wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen ko­or­di­nie­ren; 

– nach­weis­lich ef­fi­zi­ent ar­bei­ten.

Es emp­fiehlt sich die stär­ke­re Bin­dung der Ak­teu­re an die Clus­ter durch In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung der­je­ni­gen Clus­ter, die heu­te noch in­for­mell or­ga­ni­siert sind, et­wa über Ver­eins­struk­tu­ren. Die neu­en Clus­ter müs­sen auf dem Er­folg bis­he­ri­ger In­stru­men­te, wie der Ex­zel­lenz­clus­ter zur Pro­fi­lie­rung von Uni­ver­si­tä­ten und der Spit­zen­clus­ter zur re­gio­na­len Ver­net­zung von Uni­ver­si­tä­ten und au­ßer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen, auf­set­zen und sie leis­tungs- und ver­wer­tungs­ori­en­tiert wei­ter­ent­wi­ckeln.

Es gilt die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te von Be­schaf­fung über Pro­duk­ti­on bis hin zum Mar­ke­ting, Ver­trieb und Ser­vice ab­zu­de­cken. Als Vor­bild kann das er­folg­rei­che Che­mie-Clus­ter die­nen: Es er­schließt ver­steck­te Märk­te so­wohl auf ver­ti­ka­ler Ebe­ne (che­mi­sche Vor­pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen, die auch an Ab­neh­mer aus an­de­ren Bran­chen ver­kauft wer­den kön­nen) als auch auf ho­ri­zon­ta­ler Ebe­ne (che­mi­sche Auf­wer­tung in­dus­tri­el­ler End­pro­duk­te, et­wa durch neue Be­schich­tun­gen).

Der Wis­sen­schaft kommt da­bei ei­ne ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Auf der Ent­wick­lungs­ebe­ne soll die wis­sen­schaft­li­che (uni­ver­si­tä­re und au­ßer­uni­ver­si­tä­re) For­schung ei­ne Vor­den­ker­rol­le über­neh­men, wel­che Aus­wir­kun­gen bei­spiels­wei­se die Di­gi­ta­li­sie­rung auf ein­zel­ne Tech­no­lo­gie­fel­der hat.
Da­bei muss das Den­ken in tra­di­tio­nel­len Fa­kul­täts-, Bran­chen- und Tech­no­lo­gie­g­ren­zen auf­ge­bro­chen wer­den. Hür­den sind ab­zu­bau­en, die durch die Kul­tur­un­ter­schie­de ge­ra­de zwi­schen Un­ter­neh­men und Uni­ver­si­tä­ten be­stehen und ei­nem Aus­tausch im We­ge ste­hen. Hier sind Staat und Wis­sen­schaft glei­cher­ma­ßen ge­for­dert, um ad­mi­nis­tra­ti­ve Hemm­nis­se zu be­sei­ti­gen.

Ver­netz­te Bil­dung und For­schung

Der Be­deu­tungs­zu­wachs von tech­no­lo­gi­schen und sys­te­mi­schen Schnitt­stel­len er­for­dert mehr In­ter- und Trans­dis­zi­pli­na­ri­tät so­wie Mehr­fach-Qua­li­fi­ka­tio­nen. Die Be­rufs­märk­te sind vo­la­ti­ler ge­wor­den und er­for­dern des­halb vom Ein­zel­nen grö­ße­re The­men- und Stand­ort­fle­xi­bi­li­tät als in der Ver­gan­gen­heit.

Um ver­netz­te und kom­ple­xe Pro­ble­me zu be­wäl­ti­gen, muss das Bil­dungs­sys­tem auf Ko­ope­ra­ti­on aus­ge­legt sein und die Fä­hig­keit zur Ko­ope­ra­ti­on mit an­de­ren wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen und mit Ex­per­ten au­ßer­halb des Wis­sen­schafts­be­triebs ver­mit­teln.

Das ge­lingt nur, wenn ei­ne sek­to­ra­le Durch­läs­sig­keit er­reicht wird. Hier­für muss die Kom­pa­ti­bi­li­tät von Ba­che­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen aus un­ter­schied­li­chen Fach­rich­tun­gen aus­ge­baut wer­den. So könn­te man bei­spiels­wei­se ei­nen Bio­tech­no­lo­gie-Ba­che­lor für ein Mas­ter­stu­di­um in In­for­ma­tik mo­ti­vie­ren. Eben­so sind Me­di­zin- und die In­ge­nieurs­fä­cher be­reits auf dem Ni­veau der je­wei­li­gen Stu­di­en­gän­ge zur in­halt­li­chen Ver­net­zung emp­foh­len. In die Me­di­zi­ner-Aus­bil­dung müs­sen tech­ni­sche Fä­cher auf­ge­nom­men wer­den; die Aus­bil­dungs­ord­nung der Me­di­zi­ner (Lern­ziel­ka­ta­log) und die Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te sind drin­gend an­pas­sungs­be­dürf­tig. Die Me­cha­tro­nik mit ih­rem Kern­ziel, in­tel­li­gen­te Me­cha­nis­men durch best­mög­li­che In­te­gra­ti­on von Ma­schi­nen­bau, Elek­tro­tech­nik/Elek­tro­nik und In­for­ma­tik zu schaf­fen, ist her­vor­ra­gend ge­eig­net, um Ab­gren­zun­gen zwi­schen klas­si­schen Fa­kul­tä­ten ab­zu­bau­en.

In­ter­dis­zi­pli­na­ri­tät setzt ei­ner­seits die ver­stärk­te Zu­sam­men­ar­beit über Fa­kul­täts­gren­zen hin­weg vor­aus, an­de­rer­seits ist ei­ne ge­mein­sa­me Hoch­schul­stra­te­gie er­for­der­lich. Aus­bil­dungs­an­ge­bo­te kön­nen viel­fach nicht mehr auf ein­zel­ne Fa­kul­tä­ten be­schränkt wer­den (z.B. Big Da­ta, Ga­mes En­gi­nee­ring). Ein An­reiz für mehr In­ter­dis­zi­pli­na­ri­tät an Hoch­schu­len könn­te die Bil­dung the­men­be­zo­ge­ner Ko­ope­ra­ti­ons­platt­for­men – auch zwi­schen Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len – für ge­mein­sa­me Ab­schluss- und Pro­mo­ti­ons­ar­bei­ten sein (Sys­tem „Ver­bund­pro­mo­ti­on“). Die Grund­aus­bil­dung (Ba­che­lor­pha­se) muss ge­ne­ra­lis­tisch aus­ge­rich­tet sein, wäh­rend die fort­ge­schrit­te­ne Aus­bil­dung (Mas­ter­pha­se bzw. struk­tu­rier­te Pro­mo­ti­on) der Spe­zia­li­sie­rung dient. Die­sen An­satz ver­folgt der BSc-Stu­di­en­gang „In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten“ an der TU Mün­chen, der für zahl­rei­che ver­tief­te Aus­bil­dungs­op­tio­nen (Mas­ter­stu­di­um) an­schluss­fä­hig ist.

Die Ent­wick­lun­gen hin zur In­dus­trie 4.0 und zu Smart Pro­ducts ver­stär­ken die fir­men­über­grei­fen­de Ver­net­zung von Wert­schöp­fungs­ket­ten. Die früh­zei­ti­ge, auf die Er­for­der­nis­se des End­pro­dukts zu­ge­schnit­te­ne Ab­stim­mung in der Wert­schöp­fungs­ket­te ist oft ein Pro­blem. Dies führt z.B. zu Auf­schlä­gen bei den Qua­li­täts­an­for­de­run­gen von Ein­zel­kom­po­nen­ten, die von Zu­lie­fe­rer zu Zu­lie­fe­rer wei­ter­ge­reicht wer­den und so zu ei­ner Über­er­fül­lung der Er­for­der­nis­se und zur Kos­ten­stei­ge­rung bei­tra­gen. Sys­tem­kom­pe­tenz wird zum ent­schei­den­den Fak­tor.

Um der­ar­ti­ge Ab­stim­mungs­pro­zes­se sys­te­ma­tisch zu ver­bes­sern und die Grund­la­gen so­wie er­for­der­li­chen Kom­pe­ten­zen wis­sen­schaft­lich fun­diert zu er­ar­bei­ten, ist ein In­sti­tut oder Zen­trum für „Sys­tems En­gi­nee­ring“ er­for­der­lich; es soll­te durch meh­re­re Fach­kom­pe­ten­zen breit und in­ter­dis­zi­pli­när auf­ge­stellt sein. Ein ganz­heit­li­cher An­satz un­ter Ein­be­zie­hung von Ar­beits­wis­sen­schaf­ten, Be­triebs­wirt­schafts­leh­re, In­for­ma­tik, In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten, Psy­cho­lo­gie, So­zi­al­wis­sen­schaf­ten u.a. fehlt in der bun­des­deut­schen Hoch­schul­land­schaft. Hier soll­te Bay­ern die Vor­rei­ter­rol­le über­neh­men.

Dring­lich sind die För­de­rung von dua­len Stu­di­en­gän­gen und de­ren Ein­füh­rung an Uni­ver­si­tä­ten. Da­durch wird vor al­lem der ler­nen­de Aus­tausch zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft ge­stärkt. Emp­foh­len wird des­halb die In­itia­ti­ve Bay­ern.Du­al, mit Pi­lot­pro­gram­men, die von Staat und Wirt­schaft ge­mein­sam an­schub­ge­för­dert wer­den.

Grün­der­zen­tren sind wirk­sa­me Bin­de­glie­der zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft. Sie ver­stär­ken das En­ga­ge­ment und In­ter­es­se von Stu­die­ren­den, über die Gren­zen ih­res aka­de­mi­schen Stu­di­ums hin­aus­zu­wach­sen. Ge­ra­de für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men kön­nen sich hier­aus wert­vol­le In­no­va­ti­ons­an­stö­ße er­ge­ben.

Wir be­nö­ti­gen un­ter­ein­an­der ver­netz­te (di­gi­ta­le) Grün­der­zen­tren in al­len Re­gie­rungs­be­zir­ken, die in der Nä­he ei­ner oder meh­re­rer Hoch­schu­len an­ge­sie­delt wer­den, die von An­fang an eng ein­ge­bun­den wer­den müs­sen. Auch die Ein­bin­dung der eta­blier­ten re­gio­na­len Un­ter­neh­men und Un­ter­neh­mens­netz­wer­ke ist si­cher­zu­stel­len.

Um den In­ter­net- und Me­di­en­stand­ort Bay­ern in­ter­na­tio­nal zu stär­ken, muss ein sicht­ba­rer Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt ge­schaf­fen wer­den. Die­ser be­nö­tigt Räum­lich­kei­ten und In­fra­struk­tur zur Pro­fes­sio­na­li­sie­rung und In­ter­na­tio­na­li­sie­rung von Grün­dern und zur Ver­net­zung von Teil­bran­chen, wie z.B. der Me­di­en- und Ga­mes­bran­che, und wei­te­ren da­von pro­fi­tie­ren­den Un­ter­neh­men.

Ent­schei­dend ist ne­ben der rei­nen In­fra­struk­tur auch das „Kli­ma“, das den Kon­takt zwi­schen Grün­dern, mit eta­blier­ten Un­ter­neh­men, Wis­sen­schaft, Ver­wal­tung, Ven­ture- Ca­pi­tal-Ge­bern und Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen för­dern muss. Ein wich­ti­ger Mehr­wert sind für vie­le Grün­der ein nie­der­schwel­li­ger Zu­gang und kur­ze We­ge. Vor­bild soll­ten die di­gi­ta­len Leit­re­gio­nen und Grün­der-Hot­spots der Welt sein.

Die Ak­ti­vi­tä­ten und Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für Grün­der wer­den über ei­ne zen­tra­le baye­ri­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form be­kannt ge­macht.

Um ih­re Mit­ar­bei­ter ge­zielt in­ter­dis­zi­pli­när zu qua­li­fi­zie­ren, müs­sen die Un­ter­neh­men auf die Uni­ver­si­tä­ten zu­ge­hen. Be­son­ders ge­eig­net sind For­schungs­se­mes­ter für Un­ter­neh­mens­mit­ar­bei­ter in der uni­ver­si­tä­ren For­schung. Da­mit es bei den Mit­ar­bei­tern nicht zu fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen kommt, soll­te von­sei­ten der Wirt­schaft die Fi­nan­zie­rungs­lü­cke zwi­schen dem re­gu­lä­ren Ge­halt und der uni­ver­si­tä­ren Be­zah­lung über­brückt wer­den.

Um­ge­kehrt müs­sen Hoch­schul­leh­rer zeit­wei­se (z.B. bis zu 5 Jah­re) in die In­dus­trie wech­seln kön­nen, oh­ne Nach­tei­le beim Kar­rie­re­auf­stieg und bei der Al­ters­ver­sor­gung zu er­lei­den. Füh­ren­de Hoch­schu­len Eu­ro­pas, z. B. die ETH Zü­rich, bie­ten die­se Mög­lich­keit seit Lan­gem. Das baye­ri­sche Hoch­schul­leh­rer­ge­setz muss ent­spre­chend an­ge­passt wer­den.

Zu ei­ner ech­ten In­no­va­ti­ons­kul­tur ge­hö­ren för­der­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für Fir­men­aus­grün­dun­gen aus der For­schung. Im Be­reich der Hoch­schu­len sind grün­dungs­ak­ti­ven Pro­fes­so­ren, wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern und Stu­den­ten Frei­se­mes­ter zu ge­wäh­ren. En­tre­pre­neurship-Kur­se an Hoch­schu­len dür­fen kei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung blei­ben. Aus­grün­dun­gen ge­hö­ren in die aka­de­mi­sche Leis­tungs­bi­lanz. Bei Neu­be­ru­fun­gen sind un­ter­neh­me­ri­sche Er­fah­run­gen zu be­rück­sich­ti­gen.

Der Wert des geis­ti­gen Ei­gen­tums ist in der uni­ver­si­tä­ren For­schung er­heb­lich un­ter­be­wer­tet. Hier liegt ei­ne der Ur­sa­chen für den viel­fach man­gel­haft aus­ge­präg­ten „en­tre­pre­neu­ri­al spi­rit“. Die­sem Man­gel kann durch ein sys­te­ma­tisch wirk­sa­mes Scou­ting-Sys­tem ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, in­dem die Wis­sen­schaft­ler für die un­ter­neh­me­ri­sche Re­le­vanz ih­rer Er­fin­dun­gen sen­si­bi­li­siert wer­den, ver­bun­den mit pro­fes­sio­nel­ler Hil­fe­stel­lung bei Pa­tent- und Ge­brauchs­mus­ter-An­mel­dun­gen.

Ge­ne­rell sind Maß­nah­men zur Eta­blie­rung ei­ner In­tra- und En­tre­pre­neurship- Kul­tur bei Mit­ar­bei­tern im For­schungs­sek­tor so­wie bei Hoch­schul­ab­sol­ven­ten um­zu­set­zen. Die Un­ter­neh­mens­grün­dung als al­ter­na­ti­ver Kar­rie­re­weg für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter muss gleich­wer­tig po­si­tio­niert wer­den ne­ben dem Ver­bleib am For­schungs­in­sti­tut bzw. an der Hoch­schu­le oder dem Wech­sel in die In­dus­trie. Hier wird Hand­lungs­be­darf im Baye­ri­schen Hoch­schul­ge­setz und im Baye­ri­schen Hoch­schul­per­so­nal­ge­setz ge­se­hen.

All die­se Maß­nah­men ha­ben nichts mit dem ge­le­gent­lich be­schwo­re­nen Schreck­ge­spenst „Öko­no­mi­sie­rung der Wis­sen­schaft“ zu tun. Sie ha­ben viel­mehr das Ziel, die In­no­va­ti­ons­kraft der wis­sen­schaft­li­chen For­schung im wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­se der Ge­sell­schaft zu stär­ken.

Di­gi­ta­les Ler­nen
Im ge­sam­ten Bil­dungs­be­reich müs­sen di­gi­ta­le Tech­no­lo­gi­en als Werk­zeu­ge zur Ver­fü­gung ste­hen. Bil­dungs­in­hal­te müs­sen die Di­gi­ta­li­sie­rung auf­grei­fen und um­set­zen.

Da­zu müs­sen Schu­len flä­chen­de­ckend mit der er­for­der­li­chen In­fra­struk­tur aus­ge­stat­tet und auf die Nut­zung neu­er Tech­no­lo­gi­en ein­ge­stellt sein. Lehr­ma­te­ria­li­en müs­sen die Po­ten­zia­le des heu­te ver­füg­ba­ren Wis­sens voll aus­schöp­fen, da­mit den Schü­lern le­bens- und pra­xis­nah die rich­ti­gen Kom­pe­ten­zen ver­mit­telt wer­den. Die 1:1-Um­set­zung heu­ti­ger Schul­bü­cher als E-Book ge­nügt nicht. Ent­schei­dend sind die Ver­net­zung und der je­der­zei­ti­ge Zu­griff auf wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen. So ist bei Ver­lin­kun­gen nicht maß­ge­bend, ob die da­hin­ter lie­gen­den In­for­ma­tio­nen je­der­zeit von der Schuld­be­hör­de um­fas­send kon­trol­liert wer­den kön­nen – dem Schü­ler muss viel­mehr die Fä­hig­keit zur kri­ti­schen Ein­ord­nung und rich­ti­gen Nut­zung von Da­ten und Fak­ten ver­mit­telt wer­den.

Di­gi­ta­li­sie­rung in Aus- und Wei­ter­bil­dung
Di­gi­ta­le Kom­pe­ten­zen müs­sen zum selbst­ver­ständ­li­chen Ge­gen­stand je­der Aus­bil­dung wer­den – von der Be­herr­schung gän­gi­ger An­wen­dun­gen über den si­che­ren Um­gang mit ver­füg­ba­ren In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len bis zu ei­nem grund­le­gen­den Ver­ständ­nis von Struk­tur und Auf­bau von IT-Sys­te­men ein­schließ­lich der da­mit ver­bun­de­nen Si­cher­heits­fra­gen. Hin­zu kom­men spe­zi­el­le Kennt­nis­se für die je­wei­li­gen Be­rei­che, wie et­wa Wis­sen über E-Com­mer­ce für den Han­del und Ver­trieb.

For­cie­rung der Ko­ope­ra­ti­ons­fä­hig­keit

Bei der Ent­wick­lung an den Schnitt­stel­len von eta­blier­ten Tech­no­lo­gie­fel­dern müs­sen neue Ak­teu­re sys­te­ma­tisch in In­no­va­ti­ons­pro­zes­se ein­be­zo­gen wer­den.

Bay­ern ist als ex­port­star­kes Land be­reits heu­te stark glo­ba­li­siert. Je­des zwei­te baye­ri­sche Un­ter­neh­men ist di­rekt oder in­di­rekt in in­ter­na­tio­na­le Wert­schöp­fungs­ket­ten ein­ge­bun­den. Vie­le ar­bei­ten auch im Be­reich F+E mit in­ter­na­tio­na­len Part­nern zu­sam­men. Des­halb dür­fen För­der­pro­jek­te nicht an der Lan­des­gren­ze en­den, viel­mehr ist auch bei der För­der­po­li­tik ei­ne grenz­über­schrei­ten­de Zu­sam­men­ar­beit er­for­der­lich. Wei­ter­hin ist die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung re­gio­na­ler In­no­va­ti­ons­clus­ter an­zu­stre­ben.

Bun­des­mit­tel und EU-Gel­der (z.B. KICs, Ho­ri­zon 2020) müs­sen ge­zielt nach Bay­ern ge­holt und mit baye­ri­schen Mit­teln kom­bi­niert wer­den. Die He­bel­wir­kung ist be­acht­lich und da­durch kön­nen zu­sätz­li­che baye­ri­sche Pro­jek­te an­ge­scho­ben wer­den. Ge­ra­de staat­li­ches Han­deln muss sich stär­ker an die­sem Ziel aus­rich­ten. Über die er­folg­rei­chen Ak­ti­vi­tä­ten der Baye­ri­schen For­schungs­al­li­anz hin­aus er­scheint es drin­gend ge­bo­ten, die Ak­qui­si­ti­on von Groß­for­schungs­pro­jek­ten (z. B. Know­ledge and In­no­va­ti­on Com­mu­nities (KICs) der Eu­ro­päi­schen Uni­on) sys­te­ma­tisch zu un­ter­stüt­zen, um im ver­schärf­ten eu­ro­päi­schen Wett­be­werb baye­ri­sche Er­folgs­ge­schich­ten zu be­grün­den. Hier­zu be­darf es in der oft mehr­jäh­ri­gen Vor­be­rei­tungs­pha­se ma­nage­men­ter­fah­re­ner Ko­or­di­na­to­ren, die die­se gro­ßen Ver­bund­pro­jek­te im Wis­sens­drei­eck „Re­se­arch – Teaching – En­tre­pre­neurship“ und zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft auf den Weg brin­gen.

Ins­be­son­de­re Grün­der und jun­ge Un­ter­neh­men müs­sen bei der In­ter­na­tio­na­li­sie­rung un­ter­stützt wer­den, zum Bei­spiel mit Start-up-Un­ter­neh­mer­rei­sen und Aus­bil­dungs­pro­gram­men.

Zur För­de­rung der Ent­wick­lung über Bran­chen- und Tech­no­lo­gie­g­ren­zen hin­weg ist es er­for­der­lich, die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Un­ter­neh­men zu stär­ken und zu ver­ein­fa­chen. Hilf­reich ist hier die Be­reit­stel­lung von Ser­vices, In­for­ma­tio­nen und Best-Prac­tice-Bei­spie­len. Ge­ra­de bei ho­her Tech­no­lo­gie­rei­fe wird auf Ko­ope­ra­tio­nen oft­mals ver­zich­tet, weil die ein­zel­nen Fer­ti­gungs­schrit­te nicht im Rah­men ge­werb­li­cher Schutz­rech­te ab­ge­si­chert wer­den kön­nen. Ei­ne in­sti­tu­tio­na­li­sier­te und län­ger­fris­ti­ge Zu­sam­men­ar­beit im Rah­men von For­schungs­ver­bün­den kann hier Ab­hil­fe schaf­fen, auch im Ver­hält­nis zwi­schen Un­ter­neh­men und Hoch­schu­len.

Ent­schei­dend ist, dass Start-ups in die Ko­ope­ra­ti­ons­pro­zes­se ein­be­zo­gen wer­den. Ein gu­tes Bei­spiel ist die Platt­form Bits & Pret­zels mit rund 2.000 Teil­neh­mern. Sie trägt ei­ner­seits da­zu bei, die Sicht­bar­keit der baye­ri­schen Grün­der­sze­ne zu er­hö­hen, an­de­rer­seits bie­tet sie vor al­lem Start-ups ei­ne Mög­lich­keit zur Ver­net­zung mit eta­blier­ten Un­ter­neh­men. Die Platt­form muss da­her ver­ste­tigt wer­den. Wei­te­re Netz­werkt­ref­fen, auf de­nen jun­ge Un­ter­neh­men ih­re Ent­wick­lun­gen und Ide­en vor­stel­len, Kon­tak­te knüp­fen und Ko­ope­ra­tio­nen an­bah­nen kön­nen, müs­sen fol­gen.

Ko­ope­ra­tio­nen bie­ten sich – auch mit Un­ter­stüt­zung des Staa­tes – im Be­reich des Han­dels an. Bei­spie­le sind die Er­hö­hung der On­line-Sicht­bar­keit von Kleinst­un­ter­neh­men durch Be­tei­li­gung an Wer­be­ge­mein­schaf­ten und Her­an­füh­rung an E-Com­mer­ce-Markt­plät­ze oder die Her­an­füh­rung von Händ­ler­zu­sam­men­schlüs­sen mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men auf lo­ka­ler Ebe­ne an den E-Com­mer­ce.

In­no­va­ti­ons­pro­zes­se bei gro­ßen Or­ga­ni­sa­tio­nen sto­ßen nicht sel­ten auf or­ga­ni­sa­ti­ons­im­ma­nen­te Träg­heit und Rou­ti­nen. Um auf im­mer schnel­ler ge­tak­te­te Her­aus­for­de­run­gen wirk­sam re­agie­ren zu kön­nen, müs­sen die In­no­va­ti­ons­pro­zes­se schnel­ler und fle­xi­bler wer­den.

Ent­spre­chend muss die Ver­net­zung der For­schungs- und In­no­va­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten von Groß- und Klein­un­ter­neh­men in­ten­si­viert wer­den. Da­bei wer­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­ei­gen­schaf­ten kom­bi­niert: Klein­un­ter­neh­men kön­nen ih­re Vor­tei­le als schnel­le und fle­xi­ble Ak­teu­re ein­brin­gen, Groß­un­ter­neh­men hin­ge­gen ih­re Be­stän­dig­keit und (fi­nan­zi­el­les) Durch­hal­te­ver­mö­gen. Da­durch ent­steht ei­ne dy­na­mi­sche Ent­wick­lungs- und Er­pro­bungs­land­schaft für in­no­va­ti­ve Ide­en.

Ent­schei­dend ist die ge­ziel­te staat­li­che För­de­rung von Ver­bund­pro­jek­ten zwi­schen Groß- und Klein­un­ter­neh­men. Er­for­der­lich ist hier nicht nur die För­de­rung von Neu­pro­jek­ten, son­dern auch die von In­no­va­tio­nen im Rah­men be­stehen­der re­gio­na­len Wert­schöp­fungs­ket­ten. Hier kann auf ei­ne be­währ­te, ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit auf­ge­baut wer­den.

Für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men ist ein stär­ke­rer In­put aus uni­ver­si­tä­rer und au­ßer­uni­ver­si­tä­rer For­schung von gro­ßem Wert. Als Best-Prac­tice-Bei­spiel ist das Kom­pe­tenz­zen­trum Mit­tel­stand (KME) der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen und des vbm zu wer­ten. Bun­des­weit wür­de Bay­ern ei­ne Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men, wenn an ge­eig­ne­ten Uni­ver­si­täts­stand­or­ten staat­li­cher­seits For­schungs­ge­bäu­de er­rich­tet wür­den, in de­nen die Ko­ope­ra­ti­ons­for­schung mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men mit Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len so­wie au­ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen er­folgt. Sol­che Zen­tren wä­ren ide­al für Ver­bund­pro­mo­tio­nen ge­eig­net, wie sie in Bay­ern der­zeit zwi­schen den bei­den Hoch­schul­ar­ten ent­wi­ckelt wer­den. Fer­ner ist die Ko­ope­ra­ti­ons­fä­hig­keit, z. B. mit Mus­ter­ver­trä­gen für die Zu­sam­men­ar­beit von Uni­ver­si­tät und Un­ter­neh­men, zu er­leich­tern.

Die Wei­ter­ent­wick­lung der Wis­sen­schafts­land­schaft in Deutsch­land wird über ei­nen Wett­be­werb der Stand­or­te um Ex­zel­lenz und In­no­va­ti­ons­kraft er­fol­gen. Zu­künf­tig wer­den die Wis­sen­schafts­re­gio­nen ge­win­nen, de­nen es ge­lingt, in­te­grier­te Stand­ort­kon­zep­te neu­er Qua­li­tät zu ent­wi­ckeln und ge­mein­sam mit Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Po­li­tik nach­hal­tig um­zu­set­zen.

In­te­grier­te Stand­ort­kon­zep­te neu­er Qua­li­tät zeich­nen sich durch fol­gen­de Merk­ma­le und Zie­le aus:

– Sie über­zeu­gen durch ein the­ma­ti­sches Pro­fil mit Al­lein­stel­lung auf na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Ebe­ne.

– Sie ver­bin­den ex­zel­len­te For­schung und Leh­re, Aus- und Wei­ter­bil­dung, Trans­fer und wirt­schaft­li­che Ak­ti­vi­tä­ten zu ei­nem leis­tungs­fä­hi­gen In­no­va­ti­ons­sys­tem mit re­gio­na­ler, na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Wir­kung und in­ter­na­tio­na­ler Aus­strah­lung.

– Sie be­zie­hen die re­le­van­ten Ak­teu­re aus Wis­sen­schaft (Uni­ver­si­tä­ten, Fach­hoch­schu­len, au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­in­sti­tu­te), Wirt­schaft (KMU, Groß­un­ter­neh­men und Ver­bän­de) und Po­li­tik ein.

– Sie ha­ben als re­gio­na­le An­ker und Kern ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Wis­sen­schafts­ein­rich­tung, las­sen the­men­spe­zi­fi­sche, aber auch trans­re­gio­na­le Ab­strah­l­ef­fek­te mit ver­netz­ten Stand­or­ten zu.

– Sie för­dern die in­ter­dis­zi­pli­nä­re, trans­dis­zi­pli­nä­re und bran­chen­über­grei­fen­de Zu­sam­men­ar­beit.

– Sie stär­ken die In­no­va­ti­ons­kraft ins­be­son­de­re klei­ner und mitt­le­rer Un­ter­neh­men.

Ei­ne mo­der­ner An­satz für die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Un­ter­neh­men und Uni­ver­si­tä­ten sind In­no­va­ti­on Labs. Sie be­schäf­ti­gen sich in­ter­dis­zi­pli­när mit in­no­va­ti­ven Fra­ge­stel­lun­gen, um die­se in der Vor­pro­dukt­ent­wick­lung oder in De­mons­tra­to­ren um­zu­set­zen. Die Er­geb­nis­se aus In­no­va­ti­on Labs flie­ßen in die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men, kön­nen aber auch als Grund­la­ge für Fir­men­grün­dun­gen ge­nutzt wer­den.

Im Ge­gen­satz zu be­stehen­den Grün­der­zen­tren, die pri­mär Start-ups un­ter­stüt­zen, zie­len In­no­va­ti­on Labs auf die Er­ar­bei­tung von Ide­en für be­stehen­de Un­ter­neh­men oder kom­men­de Grün­dun­gen ab. Bei­spiel sind das In­no­va­ti­on Lab der Me­tro­pol­re­gi­on Rhein-Ne­ckar in Hei­del­berg und der neue Ma­ker­Space von Un­ter­neh­mer­TUM. Es müs­sen wei­te­re In­no­va­ti­on Labs in Bay­ern ent­ste­hen.

Be­kannt­heit be­stehen­der Struk­tu­ren er­hö­hen

Für For­schungs- und Ent­wick­lungs­pro­zes­se und Er­pro­bun­gen exis­tie­ren be­reits um­fang­rei­che An­ge­bo­te, wie z.B. Li­ving Labs. Al­ler­dings wer­den die­se zum Teil un­ge­nü­gend ge­nutzt. Es be­steht Hand­lungs­be­darf beim Ab­bau von Nut­zungs­hür­den und bei der Stei­ge­rung der Be­kannt­heit be­stehen­der An­ge­bo­te.

Für Un­ter­neh­men im länd­li­chen Raum sind die Ide­en und die Ex­per­ti­sen aus der Uni­ver­si­tät nicht so schnell und ein­fach zu­gäng­lich. Mit Un­ter­stüt­zung der Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen könn­ten The­men­ta­ge und Part­ne­ring Events der Hoch­schu­len ge­zielt au­ßer­halb von Zen­tren durch­ge­führt wer­den. So wer­den be­stehen­de An­ge­bo­te be­kannt ge­macht und ver­bes­sert.