Grund­sätz­li­che Aus­rich­tung des Sys­tems

Rück­be­sin­nung auf die Ab­si­che­rung von ele­men­ta­ren Le­bens­ri­si­ken

Ziel der So­zi­al­po­li­tik in der So­zia­len Markt­wirt­schaft ist ei­ne Ab­si­che­rung ele­men­ta­rer Le­bens­ri­si­ken. Die­ser Grund­ge­dan­ke wird vor dem Hin­ter­grund der dar­ge­stell­ten Trends (bei­spiels­wei­se der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung) noch wich­ti­ger, um we­der das Ge­sund­heits­sys­tem im Gan­zen zu über­for­dern noch die­je­ni­gen, die sei­ne Fi­nan­zie­rung stem­men.

Um­fang und Gren­zen der so­li­da­risch fi­nan­zier­ten Vor­sor­ge müs­sen de­fi­niert wer­den. Hier­über ist auch ei­ne ge­sell­schaft­li­che De­bat­te zu füh­ren, die ethi­sche und wirt­schaft­li­che Ge­sichts­punk­te glei­cher­ma­ßen be­rück­sich­tigt. Das gilt ins­be­son­de­re auch für den Pfle­ge­be­reich.

 

Fra­gen, de­nen man sich hier stel­len muss, sind un­ter an­de­rem:

Wie ist „Grund­ver­sor­gung“ über­haupt de­fi­niert? Wel­che qua­li­ta­ti­ven (Min­dest-) Stan­dards wer­den ge­setzt, auch im Be­reich der Aus­bil­dung, und wie wird de­ren Ein­hal­tung si­cher­ge­stellt (u. a. auch für Heil­prak­ti­ker etc.)? Wie kön­nen pri­va­te Zu­satz­an­ge­bo­te für dar­über­hin­aus­ge­hen­de Stan­dards ent­ste­hen? Wie wird das An­ge­bot der Grund­ver­sor­gung fi­nan­ziert (Um­la­ge vs. Rück­la­ge; ein­kom­mens­ge­kop­pelt vs. Al­ter­na­ti­ven)? Wie kann ge­währ­leis­tet wer­den, dass die Bei­trags­zah­lun­gen aus­rei­chen, um die Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu de­cken (Äqui­va­lenz­prin­zip)?

 

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt

Mit Au­gen­maß re­gu­lie­ren

Ein Ord­nungs­rah­men ist er­for­der­lich, weil in die­sem spe­zi­el­len Markt An­ge­bot und Nach­fra­ge nicht auf­ein­an­der­tref­fen und mas­si­ve In­for­ma­ti­ons­asym­me­tri­en be­stehen. Die­ser Ord­nungs­rah­men muss drei­er­lei ge­währ­leis­ten:

 

  • Lang­fris­ti­ge Fi­nan­zier­bar­keit der Sys­te­me
  • Zu­gang der Pa­ti­en­ten zu den not­wen­di­gen – auch in­no­va­ti­ven – The­ra­pi­en und Dia­gno­se­ver­fah­ren
  • Spiel­räu­me für Un­ter­neh­men für In­ves­ti­tio­nen in neue und ver­bes­ser­te The­ra­pie und Dia­gnos­tik

 

Es ist un­be­dingt zu ver­mei­den, dass die Kom­ple­xi­tät des Sys­tems noch wei­ter er­höht wird. Bei je­dem wei­te­ren Ein­griff muss ge­prüft wer­den, ob da­mit zu­gleich ei­ne Ver­ein­fa­chung und idea­ler­wei­se ei­ne Re­du­zie­rung von Bü­ro­kra­tie ver­bun­den wer­den kann.

Trans­pa­renz er­hö­hen

Um den Wett­be­werb im Ge­sund­heits­we­sen zu stär­ken, müs­sen die Leis­tun­gen bes­ser mit­ein­an­der ver­gleich­bar und die Kos­ten nach­voll­zieh­bar sein.

 

Im ge­sam­ten Ge­sund­heits­sys­tem, ins­be­son­de­re in der GKV, fehlt es an Trans­pa­renz: bei Kos­ten und Nut­zen ein­zel­ner The­ra­pi­en, über die Ef­fi­zi­enz und Qua­li­tät der Leis­tungs­er­brin­gung (z.B. durch die Kran­ken­kas­sen), über die Ver­sor­gungs­qua­li­tät, über die Ab­rech­nungs­vor­aus­set­zun­gen und Er­stat­tungs­me­tho­den und vie­les mehr. Da­zu tra­gen die kom­ple­xen Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren eben­so bei wie ei­ne über­bor­den­de Re­gu­lie­rung. Auch die Re­form­maß­nah­men der letz­ten Jah­re ha­ben teil­wei­se zu mehr In­trans­pa­renz ge­führt. So wur­de bei­spiels­wei­se durch die Um­stel­lung des Zu­satz­bei­trags von ei­nem fi­xen Eu­ro­be­trag auf ei­nen Pro­zent­satz die Ver­gleich­bar­keit zwi­schen den Kas­sen er­schwert.

 

In al­len ge­nann­ten Be­rei­chen muss mehr Trans­pa­renz ein­ge­führt wer­den. Das gilt für al­le Ak­teu­re der Ge­sund­heits­wirt­schaft eben­so wie für den Ein­zel­nen. Ein ers­ter Schritt auf die­sem Weg kann bei­spiels­wei­se ei­ne bun­des­wei­te Über­sicht über al­le ab­ge­schlos­se­nen (Er­stat­tungs-)Ver­trä­ge (z.B. im Heil­mit­tel­be­reich) durch die Zu­sam­men­füh­rung al­ler ver­öf­fent­lich­ten Da­ten sein, z. B. als Er­gän­zung der Da­ten­ban­ken des Deut­schen In­sti­tuts für Me­di­zi­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on und In­for­ma­ti­on.

Ver­sor­gung flä­chen­de­ckend si­cher­stel­len

Ziel muss es sein, al­len bei uns le­ben­den Men­schen, un­ab­hän­gig von Re­gi­on und Wohn­ort, ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­sor­gung mit Ge­sund­heits- und Pfle­ge­leis­tun­gen zu bie­ten, ein­schließ­lich des Zu­gangs zu ei­ner schnel­len Not­fall­ver­sor­gung (et­wa bei ei­nem Schlag­an­fall). Die Re­gio­nen ent­wi­ckeln sich al­ler­dings nicht gleich­mä­ßig, we­der im Hin­blick auf die De­mo­gra­fie noch auf an­de­re Fak­to­ren wie Wirt­schafts­kraft und In­fra­struk­tur. In ei­ni­gen Räu­men zeich­nen sich da­her heu­te Ver­sor­gungs­lü­cken ab.

 

Ei­nen Teil des Be­darfs wird man über den Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en de­cken kön­nen (z. B. Te­le­me­di­zin, As­sis­tenz­sys­te­me für den Ein­satz im ei­ge­nen Heim etc.), aber es wird auch lang­fris­tig den per­sön­li­chen An­sprech­part­ner vor Ort bzw. in gut er­reich­ba­rer Ent­fer­nung ge­ben müs­sen.

Die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung wird ei­nen wich­ti­gen Bei­trag leis­ten, um den Fach­kräf­te­man­gel ab­zu­mil­dern. Zu­sätz­lich muss aber für ei­ne lang­fris­tig be­darfs­ge­rech­te Ver­sor­gung mit ärzt­li­chen Leis­tun­gen so­wohl bei ei­ner bes­se­ren Al­lo­ka­ti­on der vor­han­de­nen Ärz­te als auch bei der Aus­bil­dung, die mehr ge­eig­ne­ten Kan­di­da­ten den Weg in den Arzt­be­ruf er­mög­li­chen soll­te, an­ge­setzt wer­den.

 

Wir brau­chen für aus­ge­bil­de­te Ärz­te An­reiz­sys­te­me zur Über­nah­me von Land­arzt­pra­xen in je­nen Räu­men, die vom de­mo­gra­fi­schen Wan­del be­son­ders be­trof­fen sind und gleich­zei­tig über ei­ne ge­rin­ge Ver­sor­gungs­quo­te ver­fü­gen.

 

Er­for­der­lich ist au­ßer­dem ei­ne Er­hö­hung der An­zahl der Stu­di­en­plät­ze in Deutsch­land. Im Jahr 2000 gab es bun­des­weit zum Win­ter­se­mes­ter un­ge­fähr 7.800 Plät­ze für den Stu­di­en­gang Me­di­zin, zum Win­ter­se­mes­ter 2017/18 wa­ren es knapp 9.200 Stu­di­en­plät­ze. Das ent­spricht zwar ei­nem An­stieg von 20 Pro­zent, al­ler­dings hat sich die Nach­fra­ge von 20.000 auf über 43.000 im sel­ben Zeit­raum mehr als ver­dop­pelt. Ein ers­ter Schritt in die­se Rich­tung ist die Um­wand­lung des ehe­ma­li­gen Kli­ni­kums in Augs­burg zu ei­nem Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum. Da­durch kann ab Ok­to­ber 2019 die Uni­ver­si­tät Augs­burg erst­mals ein Me­di­zin­stu­di­um an­bie­ten. Den Stu­di­en­gang Hu­man­me­di­zin wer­den zu­nächst ca. 80 und in den fol­gen­den Jah­ren über 200 Stu­di­en­an­fän­ger pro Jahr­gang be­gin­nen.

 

Es ist auch ei­ne An­pas­sung der Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen für das Stu­di­um er­for­der­lich, um zum Bei­spiel re­gio­na­le As­pek­te bei der Ver­ga­be der Stu­di­en­plät­ze stär­ker zu be­rück­sich­ti­gen. Bis­her schon kön­nen 60 Pro­zent der Stu­di­en­plät­ze über von den Uni­ver­si­tä­ten fest­ge­leg­te Auf­nah­me­kri­te­ri­en ver­ge­ben wer­den, was un­ter­schied­lich ge­hand­habt wird. Nach der ak­tu­el­len Ent­schei­dung der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz soll künf­tig die War­te­zeit­quo­te weg­fal­len, es sol­len aber auch künf­tig 20 Pro­zent der Plät­ze al­lei­ne über die Ab­itur­no­te ver­ge­ben wer­den. Ent­schei­dend ist bei der wei­te­ren Aus­ar­bei­tung, den Rah­men für trans­pa­ren­te und auf Eig­nung eben­so wie auf den be­stehen­den Be­darf aus­ge­rich­te­te Ver­fah­ren an den Hoch­schu­len zu set­zen. Da­bei müs­sen die Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen und die an­schlie­ßen­de Aus­bil­dung si­cher­stel­len, dass die Be­wer­ber tat­säch­lich die er­for­der­li­chen Kom­pe­ten­zen auch für den Ein­satz in un­ter­ver­sorg­ten oder von Un­ter­ver­sor­gung be­droh­ten Re­gio­nen mit­brin­gen. Au­ßer­dem muss si­cher­ge­stellt wer­den, dass die Uni­ver­si­tät den (pro­gnos­ti­zier­ten) re­gio­na­len Be­darf tat­säch­lich kennt, um ihn bei der Aus­wahl be­rück­sich­ti­gen zu kön­nen.

Um ei­ne be­darfs­ge­rech­te Ver­sor­gung mit Pfle­ge­leis­tun­gen zu ge­währ­leis­ten, be­darf es ei­nes gan­zen Bün­dels an Maß­nah­men, wo­bei die An­for­de­run­gen re­gio­nal un­ter­schied­lich sind. Ein wich­ti­ges Ziel ist, dass Men­schen so lan­ge wie mög­lich in ih­rer ge­wohn­ten Um­ge­bung blei­ben kön­nen, wo­bei tech­ni­sche As­sis­tenz­sys­te­me ei­ne wich­ti­ge Un­ter­stüt­zung sind. Da­ne­ben muss aber auch ei­ne bay­ern­wei­te Ver­füg­bar­keit an Pfle­ge­kräf­ten ge­währ­leis­tet sein. Ein wich­ti­ger As­pekt ist hier bei­spiels­wei­se be­zahl­ba­rer Wohn­raum, aber auch ei­ne ge­steu­er­te Zu­wan­de­rung ge­winnt an Be­deu­tung.

 

Auch die Fra­ge, wie der Pfle­ge­be­ruf selbst at­trak­ti­ver ge­macht wer­den kann, darf da­bei nicht aus­ge­klam­mert wer­den. Da­zu müs­sen ne­ben ei­nem ver­stärk­ten Ein­satz von As­sis­tenz­sys­te­men z.B. auch Per­so­nal­ent­wick­lungs­maß­nah­men mit in den Blick ge­nom­men wer­den, um rea­lis­ti­sche Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten für das Pfle­ge­per­so­nal an­bie­ten zu kön­nen und die Ver­weil­dau­er im Be­ruf zu er­hö­hen.

Mehr als 400 Kran­ken­häu­ser – da­von fünf Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken – ge­währ­leis­ten der­zeit in Bay­ern die akut­sta­tio­nä­re Ver­sor­gung von ge­setz­lich Ver­si­cher­ten. Die­se Kran­ken­häu­ser ver­fü­gen über mehr als 73.000 Bet­ten so­wie rund 4.000 teil­sta­tio­nä­re, d. h. ta­ges­kli­ni­sche Plät­ze. Der An­teil der Kran­ken­häu­ser in öf­fent­li­cher Trä­ger­schaft (z. B. Kom­mu­nen, Land­krei­se oder Be­zir­ke) ist in Bay­ern über­durch­schnitt­lich hoch. Auch im Frei­staat ist ei­ne Ten­denz zu mehr Kon­so­li­die­rung bzw. Zen­tra­li­sie­rung zu be­ob­ach­ten.

 

Der Kran­ken­haus­plan des Frei­staats be­nennt als Auf­ga­be der staat­li­chen Kran­ken­haus­pla­nung die Ge­währ­leis­tung ei­nes be­darfs­ge­rech­ten, funk­tio­nal ab­ge­stuf­ten und ef­fi­zi­ent struk­tu­rier­ten Net­zes mög­lichst gleich­mä­ßig über das Staats­ge­biet ver­teil­ter, ein­an­der er­gän­zen­der Kran­ken­häu­ser. Kran­ken­häu­ser der ers­ten Ver­sor­gungs­stu­fe (Grund­ver­sor­gung) sol­len – in Ab­hän­gig­keit vom be­stehen­den Be­darf – in Ober­zen­tren und Mit­tel­zen­tren zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Bei der Be­darfs­er­mitt­lung wird als ei­ner der Fak­to­ren (ne­ben Kran­ken­haus­häu­fig­keit, Ver­weil­dau­er und Bet­ten­nut­zung in Bay­ern) die Ein­woh­ner­zahl im je­wei­li­gen Re­gie­rungs­be­zirk be­rück­sich­tigt. Die Pla­nung wird re­gel­mä­ßig fort­ge­schrie­ben. Mit dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del, von dem die baye­ri­schen Re­gio­nen un­ter­schied­lich stark be­trof­fen sind, kann sich da­nach al­so die Be­darfs­be­ur­tei­lung und in der Fol­ge die För­der­fä­hig­keit än­dern. Das darf nicht da­zu füh­ren, dass die zu­rück­zu­le­gen­den We­ge ge­ra­de im länd­li­chen Raum un­an­ge­mes­sen lang wer­den. Die Gleich­mä­ßig­keit der Ver­tei­lung muss auch an­ge­sichts des Ge­bots ei­ner Her­stel­lung gleich­wer­ti­ger Le­bens­ver­hält­nis­se so aus­ge­legt wer­den, dass – noch zu de­fi­nie­ren­de – Weg­zei­ten zwi­schen Wohn­ort und nächst­ge­le­ge­nem Kran­ken­haus nicht über­schrit­ten wer­den.

Der Zu­gang zu Me­di­ka­men­ten muss eben­falls flä­chen­de­ckend si­cher­ge­stellt sein. Bay­ern liegt mit 25 Apo­the­ken je 100.000 Ein­woh­ner leicht über dem Bun­des­durch­schnitt von 24. Auch hier kann sich mit dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del und auf­grund an­de­rer Fak­to­ren (bspw. Kauf­kraft, Kon­kur­renz durch Ver­sand­apo­the­ken) ins­be­son­de­re in länd­li­chen Räu­men ei­ne Schief­la­ge er­ge­ben. Wenn re­gio­nal oder lo­kal mit Blick auf die Ver­sor­gung in der Flä­che ei­ne Hand­lungs­not­wen­dig­keit ent­ste­hen soll­te, wä­re ein Ver­bot von Ver­sand­apo­the­ken der fal­sche Weg. Ein sol­ches Ver­bot ist eu­ro­pa­recht­lich im Hin­blick auf den frei­en Wa­ren- und Dienst­leis­tungs­ver­kehr nicht halt­bar und zu­dem über­flüs­sig: Ak­tu­ell macht der Ver­sand­han­del nur et­was mehr als ein Pro­zent aus.

 

Denk­bar sind An­reiz­mo­del­le wie ein re­gio­nal ge­staf­fel­ter Be­ra­tungs­zu­schlag, mit dem der Be­deu­tung als un­mit­tel­ba­re An­lauf­stel­le für Ge­sund­heits­fra­gen in oh­ne­hin schwä­cher mit me­di­zi­ni­schem Per­so­nal ver­sorg­ten Ge­bie­ten Rech­nung ge­tra­gen wird.

Ei­gen­ver­ant­wor­tung stär­ken

Ei­gen­ver­ant­wor­tung hat zwei Sei­ten: Der Ge­setz­ge­ber muss sie zu­las­sen und die vie­len Ak­teu­re des Ge­sund­heits­we­sens müs­sen sie – auch über die nach­ste­hend ge­nann­ten Be­rei­che hin­aus – wahr­neh­men. Vie­le Re­ge­lun­gen im Ge­sund­heits­be­reich die­nen letzt­lich nur da­zu, er­kann­te Fehl­ent­wick­lun­gen zu kor­ri­gie­ren und Fehl­an­rei­ze für die Zu­kunft zu re­du­zie­ren. Ein gu­ter Schutz ge­gen über­mä­ßi­ge Re­gu­lie­rung, die letzt­lich je­den min­des­tens im Sin­ne von bü­ro­kra­ti­schen An­for­de­run­gen trifft, ist ei­ge­nes ver­ant­wort­li­ches Ver­hal­ten al­ler Ak­teu­re im Ge­sund­heits­be­reich. An­de­ren­falls kommt es stän­dig zu neu­en Ru­fen nach Re­gu­lie­rung.

Die Ei­gen­ver­ant­wor­tung der Be­tei­lig­ten muss ge­stärkt wer­den. Da­zu ge­hö­ren so­zi­al ab­ge­fe­der­te pro­zen­tua­le Ei­gen­be­tei­li­gun­gen bei der In­an­spruch­nah­me von Leis­tun­gen, um ein Kos­ten-Leis­tungs-Den­ken zu eta­blie­ren. Ins­be­son­de­re im Be­reich der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung wer­den Mit­nah­me­ef­fek­te ge­för­dert. Für je­den Ver­si­cher­ten be­stehen An­rei­ze, für den ent­rich­te­ten Ver­si­che­rungs­be­trag ein Ma­xi­mum an Leis­tun­gen zu er­hal­ten.

 

Wirk­sa­me Me­cha­nis­men, die ein kos­ten­be­wuss­tes Ver­hal­ten be­loh­nen, exis­tie­ren nicht. Zu­letzt wur­de mit der Pra­xis­ge­bühr ver­sucht, ent­spre­chen­de Steue­rungs­me­cha­nis­men ein­zu­bau­en. Auch wenn die Pra­xis­ge­bühr durch ei­ne fal­sche Kon­struk­ti­on nicht die ge­wünsch­ten Ef­fek­te er­zie­len konn­te, soll­te in die­se Rich­tung wei­ter­ge­dacht wer­den. Denk­bar wä­ren z. B. ei­ne jähr­li­che Ei­gen­be­tei­li­gung, die sich an der Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­la­ge des Ver­si­cher­ten ori­en­tiert, oder Bo­nus­sys­te­me.

 

Bis­lang ist es ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten nicht mög­lich, nach­zu­ver­fol­gen, wel­che Kos­ten für die Leis­tungs­er­brin­gung an­fal­len. Ei­ne ent­spre­chen­de Kos­ten­trans­pa­renz, z. B. über die Rech­nungs­stel­lung des be­han­deln­den Arz­tes an den Pa­ti­en­ten oder zu­min­dest ei­ne ent­spre­chen­de In­for­ma­ti­on über die ab­ge­rech­ne­ten Leis­tun­gen, kann da­zu bei­tra­gen, das Kos­ten­be­wusst­sein der Ver­si­cher­ten zu stei­gern und Miss­brauch vor­zu­beu­gen. Ei­ne bes­se­re In­for­ma­ti­on über Prei­se und er­brach­te Qua­li­tät soll­te den Ver­si­cher­ten den Zu­sam­men­hang zwi­schen ih­ren Bei­trä­gen und den be­an­spruch­ten Leis­tun­gen ver­deut­li­chen.

 

Gleich­zei­tig kann man dem Pa­ti­en­ten in be­stimm­ten Be­rei­chen mehr Ei­gen­stän­dig­keit er­mög­li­chen, bei­spiels­wei­se über Ge­samt­bud­gets für me­di­zi­ni­sche Be­darfs­ar­ti­kel bei Pfle­ge­be­dürf­ti­gen an­stel­le der heu­te im Rah­men des Sach­leis­tungs­prin­zips not­wen­di­gen Ein­zel­an­trags­stel­lung, die bei Pa­ti­en­ten und Leis­tungs­er­brin­gern zu ho­hem Auf­wand führt.

 

Pa­ti­en­ten wol­len heu­te stär­ker in ih­re Be­hand­lung ein­be­zo­gen wer­den und sich zu­min­dest über häu­fig auf­tre­ten­de Krank­heits­bil­der in ei­ner für Lai­en ver­ständ­li­chen Form in­for­mie­ren oder Ter­mi­ne on­line bu­chen und da­bei ggf. Tei­le der Ana­mne­se vor­ab er­le­di­gen. Das muss – auch im Sin­ne des Ge­samt­sys­tems – be­rück­sich­tigt wer­den.

Kran­ken­häu­ser und Kli­ni­ken müs­sen bei der Ge­stal­tung ih­rer Häu­ser (z. B. an­ge­bo­te­nes Leis­tungs­spek­trum, Spe­zia­li­sie­rung) ei­gen­ver­ant­wort­li­cher pla­nen kön­nen. Die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on öf­fent­li­cher Kran­ken­häu­ser – von de­nen rund 18 Pro­zent laut ei­ner Um­fra­ge ak­tu­ell nicht mehr kre­dit­wür­dig wä­ren, in Bay­ern so­gar ca. 21 Pro­zent – ist ein In­diz da­für, dass ein star­ker staat­li­cher Ein­fluss auf die Pla­nung zwar ver­mut­lich da­für ge­eig­net ist, ei­ne re­gio­na­le Aus­ge­wo­gen­heit der Ver­sor­gung zu ge­währ­leis­ten, mög­li­cher­wei­se aber we­ni­ger für die Si­cher­stel­lung der Wirt­schaft­lich­keit.

 

Der be­stim­men­de Ein­fluss der Po­li­tik auf staat­li­che Häu­ser, in de­nen Man­dats­trä­ger ei­ne Mehr­heit im Auf­sichts­rat stel­len, muss re­du­ziert wer­den, et­wa durch die Auf­nah­me von Ex­per­ten in die Auf­sichts­gre­mi­en.

Ge­sund­heit als Teil von Nach­hal­tig­keit be­trach­ten

Zwi­schen Nach­hal­tig­keit und Ge­sund­heit gibt es ei­ne Viel­zahl von Über­schnei­dun­gen und Wech­sel­wir­kun­gen, die es er­for­der­lich ma­chen, die The­men stär­ker ge­mein­sam zu be­trach­ten.

 

So kann der Trend zu ei­nem hö­he­ren Ge­sund­heits­be­wusst­sein zu ei­nem Ver­hal­ten füh­ren, das zu­gleich res­sour­cen­scho­nend wirkt, z. B. die ver­mehr­te Nut­zung des Fahr­rads. Wenn es um Ap­pel­le im Sin­ne ei­nes ei­gen­ver­ant­wort­li­chen Han­delns geht, soll­te auch die­ser grö­ße­re Kon­text be­dacht wer­den. Wei­te­re Bei­spie­le sind vor al­lem in ei­ner glo­ba­len Be­trach­tung die Aus­wir­kun­gen des Er­näh­rungs­stils und da­mit Aus­wahl und Pro­duk­ti­on von Le­bens­mit­teln auf Kli­ma­wan­del und Um­welt ei­ner­seits so­wie um­ge­kehrt de­ren Rück­wir­kung auf die Ver­füg­bar­keit und Qua­li­tät von Nah­rungs­mit­teln. Ge­sund­heit ist hier auf al­len Ebe­nen be­trof­fen. Ähn­li­ches gilt auch für die Be­zie­hung zwi­schen Tou­ris­mus, Ge­sund­heit und Nach­hal­tig­keit.

 

Wich­tig ist da­bei, nach­hal­ti­ges Han­deln (auch im Sin­ne der Ge­sund­heit) im­mer als Schnitt­men­ge der drei gleich­be­rech­tig­ten Zie­le Öko­no­mie, So­zia­les und Öko­lo­gie zu ver­ste­hen. Vie­le An­stren­gun­gen im Be­reich der öko­lo­gi­schen und so­zia­len Nach­hal­tig­keit sind nur mög­lich, weil Un­ter­neh­men wirt­schaft­lich er­folg­reich sind. Nur durch er­folg­reich wirt­schaf­ten­de Un­ter­neh­men, die vie­le Ar­beits­plät­ze am Stand­ort schaf­fen und si­chern, ste­hen dem Staat aus­rei­chen­de Mit­tel für so­zia­le und öko­lo­gi­sche Auf­ga­ben zur Ver­fü­gung. Gleich­zei­tig ist Nach­hal­tig­keit als sol­che – ein­schließ­lich des Ge­sund­heits­as­pekts – auch ein Wirt­schafts­fak­tor: nicht nur als Ver­kaufs­ar­gu­ment (z. B. in den oben ge­nann­ten Be­rei­chen: um­welt­scho­nen­de Mo­bi­li­tät/ge­sund­heits­för­dern­de Le­bens­mit­tel), son­dern als Pro­dukt (z. B. Um­welt­tech­no­lo­gi­en/Ge­sund­heits­tou­ris­mus) oder für die Pro­duk­ti­on (z. B. lang­fris­ti­ge Roh­stoff­ver­füg­bar­keit/er­go­no­mi­sche Ar­beits­platz­ge­stal­tung), als Stand­ort­fak­tor und schließ­lich als Teil der Grund­aus­rich­tung („DNA“) vie­ler Fir­men.

Prä­ven­ti­on stär­ken

Prä­ven­ti­on be­zeich­net Maß­nah­men, mit de­nen

 

  • Ri­si­ken für Krank­hei­ten be­sei­tigt und ver­min­dert,
  • Krank­hei­ten früh­zei­tig (z. B. durch Scree­nings) er­kannt und
  • Krank­heits­fol­gen ge­mil­dert und die Ver­schlim­me­rung von Krank­hei­ten ver­hin­dert wer­den sol­len.

 

Der Prä­ven­ti­ons­ge­dan­ke ist von al­len Be­tei­lig­ten wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels ge­winnt die Prä­ven­ti­on an Be­deu­tung. Es gilt, die Me­di­ka­li­sie­rungs­the­se zu wi­der­le­gen, wo­nach die Zu­nah­me von Men­schen in der obe­ren Al­ters­grup­pe auch zu ei­ner Zu­nah­me der Leis­tungs­aus­ga­ben führt. Wenn äl­te­re Men­schen die zu­sätz­li­chen Jah­re in Ge­sund­heit ver­brin­gen, nützt das nicht nur dem Ein­zel­nen, son­dern auch dem Ge­sund­heits­sys­tem ins­ge­samt. Die Da­ten­grund­la­ge – d. h. der Ein­fluss prä­ven­ti­ver Maß­nah­men – ist heu­te schon gut, die Er­kennt­nis­se wer­den je­doch zu we­nig ge­nutzt.

 

Die Ge­sund­heit wird zu 30 bis 50 Pro­zent vom ei­ge­nen Ver­hal­ten – zum Bei­spiel The­ra­pie­treue, Be­we­gung, Er­näh­rung etc. – be­stimmt, das da­mit noch vor der ge­ne­ti­schen Ver­an­la­gung oder dem Le­bens­um­feld der wich­tigs­te Fak­tor ist.

 

Tat­säch­lich sind im­mer mehr Men­schen da­zu be­reit, in ih­re ei­ge­ne Ge­sund­heit zu in­ves­tie­ren, was den Ef­fekt der staat­lich oder von den Trä­gern der Ge­sund­heits­wirt­schaft be­trie­be­nen Prä­ven­ti­on zu­sätz­lich ver­stärkt. Das gilt al­ler­dings nicht zwangs­läu­fig für be­son­de­re Ri­si­ko­grup­pen, die durch Prä­ven­ti­on aber eben­falls er­reicht wer­den müs­sen.

 

Der Ein­zel­ne muss bei ei­nem mög­lichst ge­sund­heits­för­dern­den Ver­hal­ten un­ter­stützt wer­den, oh­ne ihn zu be­vor­mun­den.

 

Ei­ne stär­ke­re Sen­si­bi­li­sie­rung für die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten auf die ei­ge­ne Ge­sund­heit – et­wa durch ziel­ge­rich­te­te In­for­ma­tio­nen über be­stehen­de Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­te – ist ein wich­ti­ger ers­ter Schritt, um die Ei­gen­ver­ant­wor­tung zu stär­ken. Die ak­tu­el­len An­ge­bo­te bei­spiels­wei­se des Baye­ri­schen Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums (StMGP) oder des beim Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um an­ge­sie­del­ten Kom­pe­tenz­zen­trums für Er­näh­rung (KErn) ge­hen in die rich­ti­ge Rich­tung. Ein wei­te­res Bei­spiel aus dem un­ter­neh­me­ri­schen Be­reich sind Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe oder Bo­nus­pro­gram­me, die ge­sund­heits­för­dern­des Ver­hal­ten be­loh­nen, wie sie vie­le Kran­ken­kas­sen be­reits im An­ge­bot ha­ben.

Prä­ven­ti­on kann nicht los­ge­löst von der Fra­ge, wie das Ge­sund­heits­sys­tem mit ver­schie­de­nen Ri­si­ko­fak­to­ren um­geht, be­trach­tet wer­den. Das be­trifft po­ten­zi­ell ge­sund­heits­schäd­li­che Ver­hal­tens­wei­sen des Ein­zel­nen, al­so den Um­gang mit be­kann­ten all­ge­mei­nen Ri­si­ko­fak­to­ren, ge­nau­so wie die im­mer ge­naue­ren Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des in­di­vi­du­el­len Ri­si­kos hin­sicht­lich be­stimm­ter Er­kran­kun­gen (Scree­ning). Die Aus­wer­tung gro­ßer Da­ten­men­gen über län­ge­re Zeit­räu­me hin­weg wird eben­falls zu­sätz­li­che und be­last­ba­re­re Er­kennt­nis­se über ent­spre­chen­de Ur­sa­che-Wir­kungs-Zu­sam­men­hän­ge mit sich brin­gen.

 

Fi­nan­zier­bar­keit der Leis­tun­gen

Es stellt sich zum ei­nen die Fra­ge, ob und in wel­chem Um­fang Aus­ga­ben für Prä­ven­ti­on über das Ge­sund­heits­sys­tem fi­nan­ziert wer­den kön­nen und sol­len. Das reicht von Phy­sio­the­ra­pie zur Vor­beu­ge von Mus­kel-Ske­lett-Er­kran­kun­gen bis hin zu prä­ven­ti­ven chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen an noch nicht be­fal­le­nen Or­ga­nen. Letzt­lich wird die­se Fra­ge nur in je­dem Ein­zel­fall ge­son­dert und un­ter Be­rück­sich­ti­gung des spe­zi­fi­schen Ver­hält­nis­ses von er­war­te­ten Vor­tei­len (Wahr­schein­lich­keit des Ein­tritts, Aus­maß der (er­war­te­ten) Ver­bes­se­rung, er­spar­te Auf­wen­dun­gen etc.) ei­ner­seits und mit der Maß­nah­me ver­bun­de­nen Nach­tei­len (z. B. Ri­si­ken oder Ne­ben­wir­kun­gen für den Ein­zel­nen, Kos­ten) an­de­rer­seits be­ant­wor­tet wer­den kön­nen, wo­bei ei­ne ganz­heit­li­che und mög­lichst lang­fris­ti­ge Sicht an­zu­wen­den ist. Hier­für muss ein trans­pa­ren­ter Ent­schei­dungs­me­cha­nis­mus ent­wi­ckelt wer­den, da im Er­geb­nis für be­stimm­te ent­deck­te Ri­si­ko­fak­to­ren kei­ne Leis­tungs­über­nah­me mög­lich sein wird: sei es we­gen des ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen Ri­si­kos, ggf. bei gleich­zei­tig ho­hen Kos­ten, feh­len­den Hand­lungs­op­tio­nen (z. B. ei­ner an­er­kann­ten The­ra­pie für ei­ne be­stimm­te  Krank­heit)  oder des Be­stehens al­ter­na­ti­ver ver­hal­tens­ge­tra­ge­ner An­sät­ze. Bei nach­ge­wie­se­nen po­si­ti­ven Wirk­zu­sam­men­hän­gen müs­sen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men schon al­lein des­halb über das Ge­sund­heits­sys­tem fi­nan­ziert wer­den, weil die­ses letzt­lich von ih­nen pro­fi­tiert.

 

Ge­sund­heits­för­dern­des Ver­hal­ten

Zum an­de­ren wird zu­neh­mend die Fra­ge auf­kom­men, in­wie­weit ge­sund­heits­för­dern­des Ver­hal­ten des Ein­zel­nen vor­aus­ge­setzt und be­rück­sich­tigt wer­den kann. Spä­tes­tens dann, wenn die Kos­ten ei­nes Scree­nings von ei­ner Kran­ken­kas­se über­nom­men wer­den, wird die­se im Hin­blick auf ent­deck­te Ri­si­ko­fak­to­ren Er­war­tun­gen an das Ver­hal­ten des Pa­ti­en­ten knüp­fen und ggf. die Er­stat­tungs­fä­hig­keit be­stimm­ter Leis­tun­gen da­von ab­hän­gig ma­chen. Im zahn­me­di­zi­ni­schen Be­reich gibt es be­reits ers­te An­sät­ze in die­se Rich­tung. Grund­sätz­lich sind frei­wil­li­ge Zu­satz­ver­si­che­run­gen für be­stimm­te Ri­si­ken ein sinn­vol­ler Weg.  Die­se ste­hen aber nicht al­len Be­völ­ke­rungs­schich­ten glei­cher­ma­ßen of­fen. Es muss ent­schie­den wer­den, wie viel „Ba­sis­ver­sor­gung“ auch bei un­ver­nünf­tigs­tem Ver­hal­ten (zu­las­ten der So­li­dar­ge­mein­schaft) ge­währ­leis­tet wer­den muss und wel­cher Grad an Ge­wiss­heit über den Ur­sa­che-Wir­kungs-Zu­sam­men­hang er­for­der­lich ist.

 

Ri­si­ko­kom­pe­tenz

Schließ­lich ist auch ei­ne bes­se­re Wis­sens­ver­mitt­lung zur Ein­schät­zung von Ri­si­ko­fak­to­ren („Ri­si­ko­kom­pe­tenz“) not­wen­dig. Das be­trifft den me­di­zi­ni­schen Be­reich, wo oft­mals Ge­sund­heits­sta­tis­ti­ken be­reits falsch in­ter­pre­tiert wer­den, eben­so wie die Ent­schei­dun­gen über die o. g. Fra­gen und vor al­lem auch die In­for­ma­ti­on der Ge­sell­schaft. Ein wich­ti­ges Bei­spiel hier­für ist der Un­ter­schied zwi­schen re­la­ti­ven und ab­so­lu­ten Ri­si­ken: so wird ein An­stieg des Ri­si­kos für ei­ne Throm­bo­se bei ei­ner be­stimm­ten Ge­ne­ra­ti­on von Kon­tra­zep­ti­va von 1:7.000 auf 2:7.000 in der Re­gel noch kei­nen Ak­tio­nis­mus her­vor­ru­fen. In re­la­ti­ven Zah­len han­delt es sich al­ler­dings um ei­nen Ri­si­ko­an­stieg um alar­mie­ren­de 100 Pro­zent. Die Ge­sund­heits­be­hör­de muss sehr sorg­fäl­tig ab­wä­gen, ob Letz­te­res hier wirk­lich die ge­eig­ne­te In­for­ma­ti­on sein kann. Kon­kret hat dies in Groß­bri­tan­ni­en zu ei­ner Viel­zahl un­er­wünsch­ter Schwan­ger­schaf­ten und Ab­brü­che ge­führt. So­lan­ge Wis­sen über Sta­tis­tik nicht brei­ter vor­han­den ist, muss je­den­falls bei ge­sund­heits­re­le­van­ten Fra­gen wie die­sen we­sent­lich stär­ker auf den Emp­fän­ger­ho­ri­zont ab­ge­stellt wer­den.

Fi­nan­zie­rung zu­kunfts­fest aus­ge­stal­ten

Vor dem Hin­ter­grund der  tief­grei­fen­den tech­no­lo­gi­schen  Ver­än­de­run­gen in al­len Be­rei­chen des Ge­sund­heits­we­sens und der Ge­sell­schaft so­wie der zu­neh­men­den kos­ten­trei­ben­den Fak­to­ren sind An­pas­sun­gen im Sys­tem bis hin zu ei­ner mög­li­chen grund­sätz­li­chen  Neu­aus­rich­tung  un­um­gäng­lich, um ei­ne dau­er­haft leis­tungs­fä­hi­ge Ge­sund­heits­ver­sor­gung zu ge­rech­ten und wirt­schaft­lich trag­ba­ren Be­din­gun­gen si­cher­zu­stel­len. Die Grund­la­gen der Fi­nan­zie­rung sind ins­ge­samt auf den Prüf­stand zu stel­len.

 

Zie­le soll­ten sein:

 

  • Mehr Wett­be­werb zwi­schen den Kran­ken­kas­sen (grö­ße­re Hand­lungs­spiel­räu­me so­wie ei­ne hö­he­re Trans­pa­renz im Hin­blick auf das Ver­hält­nis von Preis, Leis­tung und Qua­li­tät) und er­wei­ter­te Wahl­mög­lich­kei­ten bei den Ver­si­che­rungs­ta­ri­fen
  • Be­sei­ti­gung von In­ef­fi­zi­en­zen, u. a. auch bei der Bei­trags­er­he­bung
  • Ver­hin­de­rung ei­nes wei­te­ren Kos­ten­an­stiegs
  • Ent­kop­pe­lung der GKV-Fi­nan­zie­rung von de­mo­gra­fi­schen und kon­junk­tu­rel­len Ent­wick­lun­gen
  • Ver­mei­dung von wei­te­ren Kos­ten­be­las­tun­gen des Fak­tors Ar­beit

 

Da­zu ge­hört auch, Ne­ben­ef­fek­te des heu­ti­gen Sys­tems zu be­sei­ti­gen,  die zu ei­ner un­ge­rech­ten Ver­tei­lung der Mit­tel füh­ren, wie die heu­ti­ge Aus­ge­stal­tung des mor­bi­di­täts­ori­en­tier­ten Ri­si­ko­struk­tur­aus­gleichs („Mor­bi-RSA“). Er soll durch Zu- und Ab­schlä­ge für die Kran­ken­kas­sen je nach Al­ter, Ge­schlecht und Ge­sund­heits­zu­stand der Ver­si­cher­ten Un­ter­schie­de aus­glei­chen. Fak­tisch führt dies al­ler­dings zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung baye­ri­scher Kas­sen, weil re­gio­nal un­ter­schied­li­che Kos­ten­struk­tu­ren (z. B. Mie­ten und Per­so­nal­kos­ten) nicht be­rück­sich­tigt wer­den. Wei­te­re As­pek­te, die ei­ner nä­he­ren Prü­fung be­dür­fen, sind die kos­ten­lo­se Mit­ver­si­che­rung in der GKV und die Aus­ge­stal­tung der Wahl­frei­heit zwi­schen den Sys­te­men.

Mehr Wett­be­werb wa­gen

Um un­ser Ge­sund­heits­we­sen zu­kunfts­fä­hig zu ma­chen, brau­chen wir mehr Wett­be­werbs­ele­men­te im Sys­tem, so­wohl im Hin­blick auf die Fi­nan­zie­rung als auch hin­sicht­lich der Qua­li­tät der Ver­sor­gung. Wett­be­werb ist da­bei kein Selbst­zweck, son­dern dient dem Ziel, ei­ne bes­se­re me­di­zi­ni­sche Qua­li­tät, mehr Ef­fi­zi­enz und we­ni­ger Bü­ro­kra­tie si­cher­zu­stel­len.

 

Oh­ne Markt­me­cha­nis­men gibt es kein Rin­gen um das bes­te me­di­zi­ni­sche An­ge­bot, kei­ne in­no­va­ti­ons­stei­gern­den In­ves­ti­tio­nen und kei­ne An­rei­ze für Kran­ken­häu­ser und Kli­ni­ken, durch ei­ne mo­der­ne Aus­stat­tung für Pa­ti­en­ten be­son­ders at­trak­tiv zu wer­den. An­stel­le ei­nes ech­ten Markt­ge­sche­hens fin­det sich in zu vie­len Be­rei­chen des Ge­sund­heits­sys­tems nur ein dich­tes Re­gu­lie­rungs­ge­flecht.

 

Das gilt ins­be­son­de­re auf der Ebe­ne der Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler und des Arz­nei­mit­tel­han­dels. Staat­li­che Preis­re­gu­lie­run­gen müs­sen ab­ge­baut und die Ver­si­cher­ten in den Preis-Leis­tungs-Me­cha­nis­mus bes­ser ein­ge­bun­den wer­den.

 

Auch die An­ge­bo­te der Kran­ken­häu­ser, die (ge­setz­li­chen) Kran­ken­kas­sen und die Pfle­ge müs­sen an ver­schie­de­nen Stell­schrau­ben wett­be­werb­lich wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Staat­li­che Pla­nung al­lei­ne wird den gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen auf die­sem Ge­biet nicht ge­recht. Mehr Wett­be­werb meint da­bei so­wohl zwi­schen pri­va­ten und öf­fent­li­chen An­bie­tern wie der öf­fent­li­chen un­ter­ein­an­der. Ers­te Vor­aus­set­zung da­für ist wie­der­um mehr Trans­pa­renz  (vgl. Ka­chel 01.1.2 Trans­pa­renz er­hö­hen) .

 

Pri­va­ten An­bie­tern kommt bei der Ver­sor­gung Pfle­ge­be­dürf­ti­ger schon jetzt ei­ne be­deu­ten­de Rol­le zu. Sie de­cken be­reits 40 bis 50 Pro­zent des Pfle­ge­be­darfs in Bay­ern. Un­nö­ti­ge Re­gu­lie­run­gen so­wie Preis­fest­set­zun­gen von au­ßen be­hin­dern die­se wich­ti­ge Funk­ti­on der pri­va­ten An­bie­ter und scha­den auch den zu Pfle­gen­den. Glei­ches gilt für ei­ne neue Pfle­ge­kam­mer mit Zwangs­mit­glied­schaft und Zwangs­bei­trä­gen. Ei­ne Pfle­ge­kam­mer schafft mehr Bü­ro­kra­tie und ver­hin­dert markt­fä­hi­ge Struk­tu­ren in der Pfle­ge, so­dass der Pfle­ge­be­ruf ins­ge­samt un­at­trak­ti­ver wür­de.

Hö­he­re Ef­fi­zi­enz im Sys­tem er­mög­li­chen

Das Ge­sund­heits­sys­tem ist heu­te von ei­ner Rei­he von In­ef­fi­zi­en­zen ge­prägt, de­ren Be­sei­ti­gung ein ent­schei­den­der Schritt so­wohl in Be­zug auf die Be­zahl­bar­keit als auch die Ge­währ­leis­tung ei­ner best­mög­li­chen Ver­sor­gung wä­re.

 

Ne­ben Pro­zes­sen und Ak­teu­ren, die zu we­nig mit­ein­an­der ver­netzt und auf­ein­an­der ab­ge­stimmt sind, ver­hin­dern auch die Zu­las­sungs-, Er­stat­tungs- und Ab­rech­nungs­ver­fah­ren ei­ne op­ti­ma­le Ver­sor­gung (d. h. den Ein­satz von Pro­duk­ten oder Me­tho­den, die für den Pa­ti­en­ten bes­ser wä­ren) so­wie ei­ne sinn­vol­le Mit­tel­al­lo­ka­ti­on. Dreh- und An­gel­punkt für ei­ne Ver­bes­se­rung der Ef­fi­zi­enz und des Ge­samt­sys­tems sind ei­ne sys­te­ma­ti­sche Er­fas­sung, Aus­wer­tung und Nut­zung von Da­ten über ei­ne elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te.

 

Frei­wer­den­de Ka­pa­zi­tä­ten soll­ten nicht aus­schließ­lich für Ein­spa­run­gen, son­dern ins­be­son­de­re auch für mehr Zeit am Pa­ti­en­ten – so­wohl in der Pfle­ge als auch im ärzt­li­chen Be­reich – und ei­ne sorg­fäl­ti­ge­re Do­ku­men­ta­ti­on z. B. von Arz­nei­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten ge­nutzt wer­den. Heu­te ver­bringt ein Arzt trotz lan­ger Wo­chen­ar­beits­zei­ten im Schnitt nur rund acht Mi­nu­ten mit dem ein­zel­nen Pa­ti­en­ten. Auch im Be­reich der Pfle­ge müs­sen die Be­treu­ungs­si­tua­ti­on ver­bes­sert und zu­gleich das Per­so­nal ent­las­tet so­wie der Pfle­ge­be­ruf at­trak­ti­ver ge­macht wer­den.

 

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt

Elek­tro­ni­sche Kar­te und Ak­te

Die um­fas­sen­de di­gi­ta­le Spei­che­rung der Ge­sund­heits­da­ten – ob auf ei­ner Kar­te oder in an­de­rer Wei­se (in Nor­we­gen bei­spiels­wei­se über ei­ne App) – ist ein Muss. Erst die­ses Sys­tem und die dar­auf auf­bau­en­de Da­ten­nut­zung er­mög­li­chen we­sent­li­che wei­te­re Ver­bes­se­run­gen so­wohl bei der Ver­sor­gungs­qua­li­tät als auch der Op­ti­mie­rung von Pro­zes­sen.

 

Die elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te er­mög­licht un­ter an­de­rem ei­ne Un­ter­stüt­zung der fach­ärzt­li­chen Ver­sor­gung, vor al­lem bei kom­ple­xen Her­aus­for­de­run­gen, chro­ni­schen oder sel­te­nen Er­kran­kun­gen, ei­ne bes­se­re Not­fall­ver­sor­gung, ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ri­si­ken aus Me­di­ka­men­ten­un­ver­träg­lich­kei­ten und Wech­sel­wir­kun­gen und über­grei­fen­de Er­kennt­nis­se für die Ent­wick­lung neu­er oder die Ver­bes­se­rung be­stehen­der The­ra­pi­en. In Deutsch­land wird die An­zahl me­di­ka­men­ten­be­ding­ter To­des­fäl­le auf rund 25.000 im Jahr ge­schätzt, die An­zahl der Fäl­le erns­ter Ne­ben­wir­kun­gen liegt im deut­lich sechs­stel­li­gen Be­reich. Et­wa acht Pro­zent der Not­fall­pa­ti­en­ten in der Kli­nik Fürth wer­den auf­grund von Me­di­ka­men­ten­ne­ben­wir­kun­gen ein­ge­lie­fert, an­de­re Kli­ni­ken mel­den ähn­li­che Zah­len. Die Haupt­ur­sa­chen lie­gen in der Nicht­be­ach­tung von Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Me­di­ka­men­ten und in der feh­len­den Be­rück­sich­ti­gung in­di­vi­du­el­ler Arz­nei­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten. Ein Teil die­ser Fäl­le könn­te al­lei­ne mit bes­se­rer Da­ten­er­fas­sung ver­hin­dert wer­den.

 

Ak­tu­ell gibt es zwar ei­ne elek­tro­ni­sche Ge­sund­heits­kar­te, die aber kei­ne re­le­van­ten Ge­sund­heits­da­ten ent­hält. Die Grün­de da­für, dass Deutsch­land heu­te so weit hin­ter den Mög­lich­kei­ten zu­rück­bleibt, sind nur ein­ge­schränkt tech­ni­scher Na­tur. Die mit die­sen Mit­teln mög­li­che stär­ke­re Trans­pa­renz und Ef­fi­zi­enz im Ge­sund­heits­we­sen wird nicht von al­len Mit­wir­ken­den glei­cher­ma­ßen an­ge­strebt. Hin­zu kommt, dass durch das sehr kom­plex or­ga­ni­sier­te Ge­sund­heits­we­sen ei­ne gro­ße An­zahl ge­setz­li­cher und pri­va­ter Kran­ken­kas­sen und un­ter­schied­li­cher Leis­tungs­er­brin­ger ei­ne Ver­ein­heit­li­chung im Sin­ne von Pa­ti­en­ten­kar­te  und  Pa­ti­en­ten­ak­te auch aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den schwie­rig ist. So hat bei­spiels­wei­se Dä­ne­mark ein staat­li­ches Ge­sund­heits­we­sen und da­mit in ganz an­de­rer Wei­se die Mög­lich­keit, Pro­zes­se so zu ver­ein­heit­li­chen, dass die di­gi­ta­li­sier­te Pa­ti­en­ten­ak­te eben­so ef­fi­zi­ent wie ef­fek­tiv ist.

 

ers­ten Schritt müs­sen kurz­fris­tig Not­fall­da­ten ver­füg­bar ge­macht wer­den. Ein ent­spre­chen­des Pi­lot­pro­jekt da­zu läuft be­reits. Da­bei soll­te nach Mög­lich­keit die für die E-Kar­te von der ge­ma­tik (Ge­sell­schaft für Te­le­ma­tik­an­wen­dun­gen der Ge­sund­heits­kar­te mbH) mit ho­hem Mit­tel­ein­satz ge­schaf­fe­ne In­fra­struk­tur ge­nutzt wer­den.

 

Er­for­der­lich ist die Ein­füh­rung ei­ner ein­heit­li­chen Ak­te, kei­ne In­sel­lö­sun­gen bei den ein­zel­nen Kran­ken­kas­sen. Auch die Selbst­ver­wal­tung muss stär­ker mit in die Ver­ant­wor­tung ge­nom­men wer­den. Der Weg über Pi­lot­an­wen­dun­gen (z. B. „Mei­ne Ge­sund­heits­ak­te Di­gi­tal“ der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung) ist rich­tig, muss aber schnellst­mög­lich in die Flä­che ge­tra­gen wer­den.

 

Die da­für not­wen­di­ge Op­ti­mie­rung der Rah­men­be­din­gun­gen im Be­reich des So­zi­al­da­ten­schut­zes muss sen­si­bel vor­ge­nom­men wer­den. Da­bei ist es grund­sätz­lich rich­tig, wie nach gel­ten­dem Da­ten­schutz­recht vor­ge­se­hen, die Ho­heit über per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten beim Pa­ti­en­ten/Bür­ger zu be­las­sen, der dann Ärz­ten, Kran­ken­häu­sern oder wei­te­ren Drit­ten Zu­griff ge­wäh­ren kann.

 

An­ony­mi­sier­te oder pseud­ony­mi­sier­te Da­ten müs­sen da­ge­gen um­fas­send auch für die For­schung nutz­bar, mit an­de­ren Da­ten­be­stän­den ver­knüpf­bar und bei Be­darf welt­weit aus­tausch­bar sein. Wenn das Da­ten­schutz­recht hier zu ho­he Schran­ken auf­stellt, ist es an­zu­pas­sen.

Zwi­schen Ver­si­cher­ten und Kran­ken­kas­sen muss ei­ne um­fas­sen­de elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on er­mög­licht und ein­ge­rich­tet wer­den, die sich hin­sicht­lich der Au­then­ti­fi­zie­rung am Ban­ken- oder Ver­si­che­rungs­ge­schäft ori­en­tie­ren kann.

Pro­zess­op­ti­mie­rung

Die Ab­läu­fe in Arzt­pra­xen, Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen müs­sen ins­be­son­de­re über ei­nen we­sent­lich stär­ke­ren IT-Ein­satz und ei­ne Au­to­ma­ti­sie­rung von Pro­zes­sen (z. B. Res­sour­cen­pla­nung, Ab­rech­nungs­we­sen etc.) op­ti­miert wer­den. Ers­ter Schritt muss al­ler­dings die Op­ti­mie­rung und Stan­dar­di­sie­rung der zu di­gi­ta­li­sie­ren­den Pro­zes­se sein: Di­gi­ta­li­sie­rung z. B. des Kran­ken­haus­be­triebs be­deu­tet mehr als nur den Er­satz des No­tiz­blocks durch ein Ta­blet. Die Um­stel­lung der Pro­zes­se er­for­dert so­wohl ein pro­fes­sio­nel­les Chan­ge-Ma­nage­ment als auch Schu­lun­gen für das me­di­zi­ni­sche und sons­ti­ge Per­so­nal.

 

Vor­bild je­den­falls für die­je­ni­gen Teil­be­rei­che, in de­nen es nicht un­mit­tel­bar um den per­sön­li­chen Kon­takt zum Pa­ti­en­ten als Teil von Dia­gno­se und The­ra­pie geht, kann die Pro­zess­op­ti­mie­rung in der In­dus­trie sein. Die Ein­bin­dung ent­spre­chen­der fach­frem­der Ex­per­ten für die Neu­ge­stal­tung der Pro­zes­se im me­di­zi­ni­schen Be­reich ist da­für ein viel­ver­spre­chen­der An­satz.

 

Ne­ben den ad­mi­nis­tra­ti­ven Pro­zes­sen müs­sen aber auch wei­te­re As­pek­te we­sent­lich stär­ker be­rück­sich­tigt wer­den, wie bei­spiels­wei­se der Ein­satz er­go­no­misch ge­stal­te­ter Tech­nik, die den Arzt und das sons­ti­ge Heil- und Pfle­ge­per­so­nal kör­per­lich ent­las­tet. Die Nut­zung ent­spre­chen­der Sys­te­me er­hält nicht nur de­ren Ge­sund­heit, son­dern för­dert auch die Ar­beits­platz­at­trak­ti­vi­tät und ver­rin­gert das Ri­si­ko ver­se­hent­li­cher Ver­let­zung des Pa­ti­en­ten. All das nützt letzt­lich wie­der­um auch dem für die Pra­xis, Kli­nik oder Pfle­ge­ein­rich­tung wirt­schaft­lich Ver­ant­wort­li­chen.

 

Das heu­ti­ge Sys­tem der Fall­pau­scha­len för­dert den Ein­satz sol­cher Ver­fah­ren nicht, eben­so we­nig wie den Ein­satz scho­nen­der Ope­ra­tio­nen oder Tech­ni­ken, die den Pa­ti­en­ten we­ni­ger be­las­ten (z. B. mi­ni­mal­in­va­si­ve Ein­grif­fe mit mo­der­ner Ro­bo­ter­chir­ur­gie, wo­durch Schmer­zen und Nar­ben re­du­ziert wer­den) oder die Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­zeit nen­nens­wert ver­kür­zen. Es muss da­her drin­gend re­for­miert wer­den.

An­rei­ze für den Ein­satz ef­fi­zi­enz­stei­gern­der Tech­no­lo­gi­en set­zen

In der be­stehen­den Sys­te­ma­tik füh­ren be­stimm­te tech­no­lo­gi­sche Neue­run­gen – ins­be­son­de­re im Be­reich der Da­ten­ver­ar­bei­tung – zu deut­li­chen Ef­fi­zi­enz­ge­win­nen bei den Kran­ken­kas­sen, wäh­rend die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te zu­nächst vor al­lem Auf­wand für sich se­hen. Hier muss zum ei­nen von Wis­sen­schaft, Ärz­te­schaft und Staat Über­zeu­gungs­ar­beit ge­leis­tet, al­so Mög­lich­kei­ten (Use Ca­ses) und Nut­zen auf­ge­zeigt wer­den (heu­te ver­bringt ein Arzt z. B. rund 30 Pro­zent der Zeit mit ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben), zum an­de­ren soll­te über In­cen­ti­ves nach­ge­dacht wer­den, um die Mo­ti­va­ti­on zu er­hö­hen.

Er­folgs­mes­sung und
Out­co­me-Ele­men­te

Pro­duk­ti­vi­tät und Ef­fi­zi­enz kön­nen im Ge­sund­heits­be­reich nicht al­lei­ne an ein­fa­chen Fak­to­ren wie der An­zahl be­han­del­ter Fäl­le pro Arzt oder Kli­nik ge­mes­sen wer­den, weil da­durch mas­si­ve Fehl­an­rei­ze aus­ge­löst wür­den. Glei­ches gilt bei­spiels­wei­se für die Ein­hal­tung fes­ter Bud­gets durch die Ärz­te, da de­ren Über­schrei­tung re­gel­mä­ßig zu In­ter­es­sens­kon­flik­ten führt. Wir müs­sen al­so an­de­re We­ge für die Er­folgs­mes­sung fin­den.

 

Es muss z. B. ei­nen re­gel­mä­ßi­gen Ab­gleich mit ver­gleich­ba­ren Län­dern ge­ben, bei dem u. a. Ver­schrei­bungs­häu­fig­keit, Me­di­ka­ti­on und an­ge­wand­te The­ra­pie­me­tho­den für be­stimm­te Er­kran­kun­gen der je­wei­li­gen Ent­wick­lung der (Rück-)Fall­zah­len und wei­te­ren Fak­to­ren (z. B. Le­bens­er­war­tung) ge­gen­über­ge­stellt wer­den, um früh­zei­tig Hin­wei­se auf mög­li­che Fehl­an­rei­ze im ei­ge­nen Sys­tem und er­folg­ver­spre­chen­de An­sät­ze in an­de­ren Sys­te­men zu er­hal­ten.

 

Mög­lich­kei­ten zur Ein­füh­rung von Out­co­me-Ele­men­ten, d. h. am Be­hand­lungs­er­folg ori­en­tier­te Ver­gü­tung bzw. Er­stat­tung, müs­sen eben­falls g prüft wer­den, weil sie ei­nen An­reiz für qua­li­ta­ti­ve Ver­bes­se­run­gen set­zen kön­nen. Da­bei müs­sen al­ler­dings un­ter an­de­rem Vor­er­kran­kun­gen und sons­ti­ge be­son­de­re Ri­si­ko­fak­to­ren an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt wer­den, um Fehl­an­rei­ze (Aus­wahl der Pa­ti­en­ten nach güns­ti­ger Pro­gno­se bzw. Aus­schluss be­stimm­ter Ri­si­ken) zu ver­mei­den.

 

Wich­tig ist al­ler­dings, dass Ärz­te und Kli­ni­ken nicht ei­nem noch hö­he­ren Um­satz­druck aus­ge­setzt wer­den. Im Zen­trum muss der The­ra­pie­er­folg ste­hen, der lang­fris­tig nicht nur dem Pa­ti­en­ten, son­dern auch – über die Ver­mei­dung von An­schluss­be­hand­lun­gen – dem Ge­sund­heits­sys­tem ins­ge­samt nützt.

Ent­las­sungs­ma­nage­ment und Hilfs­mit­tel­ein­satz

Ge­gen­wär­tig zei­gen sich bei der Ent­las­sung aus der sta­tio­nä­ren Be­hand­lung ver­schie­de­ne In­ef­fi­zi­en­zen, et­wa bei Hilfs­mit­teln, die wäh­rend des Kran­ken­haus­auf­ent­halts Sa­che des Kran­ken­hau­ses sind, ab Ent­las­sung aber über den Leis­tungs­er­brin­ger ab­ge­rech­net wer­den. Dies gilt ins­be­son­de­re bei in­di­vi­du­ell an­ge­pass­ten Hilfs­mit­teln so­wie bei der Nach­sor­ge und der me­di­ka­men­tö­sen Be­hand­lung. Kurz­zei­tig ge­bauch­te Hilfs­mit­tel kön­nen heu­te kaum er­neut ein­ge­setzt wer­den, weil da­für ge­klärt wer­den müss­te, wer Be­trei­ber ist und die Ver­ant­wor­tung über­nimmt. Da­her wer­den ge­ra­de Stan­dard-Hilfs­mit­tel im­mer wie­der neu an­ge­schafft. Hier müs­sen die Pro­zes­se und Re­gu­la­ri­en im Sin­ne ei­nes über­grei­fen­den An­sat­zes an­ge­passt wer­den.

 

Bei den Aus­schrei­bun­gen im Hilfs­mit­tel­be­reich be­stimmt un­ter den Ver­ga­be­kri­te­ri­en zu oft al­lei­ne der Preis über den Er­folg, teil­wei­se auch mit ei­nem hö­he­ren Ge­wicht als ge­setz­lich vor­ge­se­hen (§ 127 Abs. 1 SGB:  max. 50 Pro­zent). Bei­spie­le aus der Ver­gan­gen­heit zei­gen, dass das oft mit er­heb­li­chen Qua­li­täts­ein­bu­ßen ver­bun­den ist bzw. die Ver­si­cher­ten Auf­zah­lun­gen leis­ten müs­sen, um ih­ren bis­he­ri­gen Ver­sor­gungs­stan­dard hal­ten zu kön­nen. Ein Bei­spiel sind In­kon­ti­nenz­pro­duk­te, wo dem Kun­den nur die Wahl zwi­schen ei­nem Bil­lig­pro­dukt in schlech­ter Qua­li­tät im Rah­men des Leis­tungs­ver­zeich­nis­ses oder ei­nem Pre­mi­um­pro­dukt ge­gen Auf­preis bleibt. Durch ein Aus­schrei­bungs­ge­sche­hen, das ein­sei­tig be­son­ders preis­ag­gres­si­ve Bie­ter be­vor­zugt, die ei­nen mi­ni­ma­len Ge­winn in Kauf neh­men, um Markt­macht zu er­rei­chen und letzt­lich an Zu­satz­leis­tun­gen zu ver­die­nen, wer­den nicht nur die Stan­dards suk­zes­si­ve nach un­ten ge­setzt, son­dern auch das Markt­ge­fü­ge ver­zerrt. Im Sin­ne ei­ner an­ge­mes­se­nen Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung muss der Qua­li­tät wie­der ein hö­he­rer Stel­len­wert ein­ge­räumt wer­den, sei es durch ei­ne deut­lich stär­ke­re Be­rück­sich­ti­gung bei Aus­schrei­bun­gen (min­des­tens un­ter kon­se­quen­ter Ein­hal­tung des ge­setz­li­chen Rah­mens), sei es durch Vor­ga­ben zum ver­stärk­ten Ein­satz von so­ge­nann­ten Ver­hand­lungs­ver­trä­gen an­stel­le von Aus­schrei­bun­gen. Da­bei muss auch be­rück­sich­tigt wer­den, dass es z. B. im Be­reich Or­tho­pä­die­t­ech­nik nicht al­lei­ne um das Pro­dukt geht, son­dern auch um ei­ne Dienst­leis­tung am Pa­ti­en­ten.

Re­ha­bi­li­ta­ti­on

Die Dau­er von Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men muss wei­ter op­ti­miert, in­no­va­ti­ve Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men müs­sen ge­för­dert, ein be­darfs­ge­rech­tes An­ge­bot vor­ge­hal­ten und die Schnitt­stel­len zwi­schen Akut­ver­sor­gung und Re­ha-Ein­rich­tun­gen ver­bes­sert wer­den. Auch hier kön­nen neue Tech­no­lo­gi­en (z. B. Weara­bles + Da­ten­ana­ly­se) ei­nen er­heb­li­chen Bei­trag leis­ten, et­wa ei­ne Ban­da­ge zur Re­ha­bi­li­ta­ti­on nach Kreuz­band­ris­sen, die fest­stellt, ob die Übun­gen rich­tig ge­macht wer­den, und Feed­back gibt; zu­sätz­lich kann über die Da­ten­ana­ly­se der Arzt bei der Be­ur­tei­lung der Fra­ge un­ter­stützt wer­den, ob und wann der Pa­ti­ent nach der Re­ha-Pha­se wie­der Sport trei­ben darf.

Ge­sund­heits­po­li­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen

Das Ge­sund­heits­sys­tem setzt heu­te zu we­nig An­rei­ze da­für, die wirk­sams­ten The­ra­pi­en zu ent­wi­ckeln und zum Ein­satz zu brin­gen.  An­pas­sun­gen sind not­wen­dig, um so­wohl die Ver­sor­gung zu ver­bes­sern als auch In­ef­fi­zi­en­zen zu be­sei­ti­gen und ei­ne hö­he­re Wert­schöp­fung am Stand­ort zu er­mög­li­chen. Die Re­gu­la­to­rik muss auf das not­wen­di­ge Maß re­du­ziert wer­den, um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit nicht zu be­ein­träch­ti­gen.

Ge­ra­de die Phar­ma­bran­che be­fin­det sich in ei­nem Span­nungs­feld der deut­schen Ge­sund­heits­po­li­tik: Ei­ner­seits steht das Ge­sund­heits­sys­tem ins­ge­samt vor der Her­aus­for­de­rung, die Kos­ten im Griff zu be­hal­ten. An­de­rer­seits sol­len in­no­va­ti­ve The­ra­pi­en ent­wi­ckelt und die zu­ver­läs­si­ge Ver­sor­gung mit Me­di­ka­men­ten am Stand­ort ge­si­chert wer­den. Ge­sund­heits­po­li­ti­sche Dämp­fungs­maß­nah­men, et­wa Preis­mo­ra­to­ri­en oder Zwangs­ab­schlä­ge, die­nen dem ers­ten Ziel (mit un­ge­wis­sem Er­folg), schwä­chen aber zu­gleich die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Bran­che und be­hin­dern die Ent­wick­lung in­no­va­ti­ver Me­di­ka­men­te; teil­wei­se ge­stal­tet sich so­gar die Ver­sor­gung mit be­stimm­ten Me­di­ka­men­ten am Stand­ort kri­tisch.

 

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt

Zu­las­sungs­ver­fah­ren und Preis­fest­set­zung

Die Zu­las­sungs­ver­fah­ren für neue Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen, neue Un­ter­su­chungs- und Be­hand­lungs­ver­fah­ren sind sehr kom­plex und lang­wie­rig. In man­chen Be­rei­chen stel­len sich zu­dem Ab­gren­zungs­schwie­rig­kei­ten, wie et­wa bei der Fra­ge, ob In­no­va­tio­nen aus dem Be­reich der Im­mu­n­on­ko­lo­gie noch Arz­nei­mit­tel oder me­di­zi­ni­sche Ver­fah­ren sind.  Von der Ant­wort hän­gen wie­der­um un­ter­schied­li­che Zu­las­sungs­we­ge ab. Im Ver­gleich zu an­de­ren Län­dern fin­det zu­dem ein we­ni­ger in­ten­si­ver Dia­log mit der Zu­las­sungs­stel­le statt.

 

Dass ein Zu­satz­nut­zen von in­no­va­ti­ven Prä­pa­ra­ten im Ver­gleich zur Stan­dard­the­ra­pie nach­ge­wie­sen wer­den muss, ist rich­tig. Es muss da­bei al­ler­dings si­cher­ge­stellt wer­den, dass nur Ver­gleichs­pro­duk­te als Re­fe­renz her­an­ge­zo­gen wer­den, die tat­säch­lich den­sel­ben An­wen­dungs­fall (z. B. Ein­satz in der Schwan­ger­schaft, bei be­stimm­ten Vor­er­kran­kun­gen etc.) adres­sie­ren, und nicht ein­fach ir­gend­ein Ge­ne­ri­kum, das eben­falls zur Be­hand­lung der frag­li­chen Krank­heit ein­ge­setzt wird. Ge­gen­wär­tig ge­schieht dies bei der Nut­zen­be­wer­tung neu­er Pro­duk­te all­zu oft, mit dem Ziel, ei­nen nied­ri­gen Preis durch­set­zen zu kön­nen. 70 Pro­zent be­zie­hen sich auf die Ver­gleichs­the­ra­pie mit Ge­ne­ri­ka, die in der Re­gel bei et­wa 20 Eu­ro lie­gen und so­mit kei­nen Er­fin­der­lohn mehr be­rück­sich­ti­gen kön­nen. Bei ei­nem Zu­satz­nut­zen ist das al­ler­dings nicht zu recht­fer­ti­gen. Im Er­geb­nis kann das da­zu füh­ren, dass we­gen der un­über­brück­ba­ren Preis­dif­fe­renz zum Ge­ne­ri­kum kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de kommt. Die Kon­se­quenz ist, dass neu ent­wi­ckel­te Pro­duk­te ent­we­der gar nicht auf den Markt ge­bracht oder wie­der vom Markt ge­nom­men wer­den. Im Er­geb­nis ent­ste­hen bei uns Lie­fer­eng­päs­se für das spe­zi­el­le­re Prä­pa­rat, und die Kran­ken­kas­sen grei­fen   im Ein­zel­fall zum Im­port aus Nach­bar­staa­ten. Ein Lö­sungs­an­satz wä­re, nach Pa­ti­en­ten­grup­pen dif­fe­ren­zier­te Prei­se zu ver­ein­ba­ren, um den Zu­satz­nut­zen für die­se Grup­pen auch preis­lich ab­zu­bil­den.

 

Pro­ble­ma­tisch ist auch, dass die deut­sche Me­tho­de der Nut­zen­be­wer­tung welt­weit ein­zig­ar­tig ist. 80 Pro­zent der An­trä­ge schei­tern aus for­ma­len Grün­den, et­wa we­gen der Pa­ti­en­ten­aus­wahl bei den Tests. Die Fol­gen blei­ben nicht auf den Stand­ort Deutsch­land be­schränkt: Vie­le Län­der ma­chen ih­re na­tio­na­le Zu­las­sung wie­der­um von ei­nem Ver­trieb im Pro­duk­ti­ons­land ab­hän­gig.

 

Wir müs­sen neue We­ge für ei­ne schnel­le­re, trans­pa­ren­te­re und in­ter­na­tio­nal gän­gi­ge Ab­wick­lung der Zu­las­sungs­ver­fah­ren fin­den.

 

Nut­zen­be­wer­tung und Preis­ver­hand­lung müs­sen da­bei von­ein­an­der ge­trennt wer­den: Heu­te ist bei den Er­stat­tungs­prei­sen für In­no­va­tio­nen mit nach­ge­wie­se­nem Zu­satz­nut­zen der GKV-Spit­zen­ver­band Spie­ler, Schieds­rich­ter und Re­gel­ge­ber in ei­nem. Die Preis­fest­set­zung fin­det not­falls durch ei­ne Schieds­stel­le statt, ein „free pri­cing“ ist im Be­reich der ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Me­di­ka­men­te nicht vor­ge­se­hen. Ei­ne Kla­ge­mög­lich­keit des Her­stel­lers gibt es erst ge­gen den Schieds­spruch. Ei­ne denk­ba­re Lö­sung ist es, zwei ver­schie­de­nen Stel­len die Zu­stän­dig­keit zu über­tra­gen, ein­fa­cher um­setz­bar dürf­te es aber sein, nach er­folg­rei­cher Nut­zen­be­wer­tung auch ei­ne freie Preis­fest­le­gung als Op­ti­on vor­zu­se­hen.

Er­stat­tungs­be­din­gun­gen

Das Er­stat­tungs­sys­tem ist ex­trem kom­plex und von ei­ner Viel­zahl von ge­sund­heits­po­li­ti­schen Spar­ge­set­zen ge­prägt. Heu­te gibt es mehr als 30 ver­schie­de­ne Markt- bzw. Preis­re­gu­lie­rungs­in­stru­men­te im me­di­zi­ni­schen Sek­tor, die teil­wei­se ku­mu­la­tiv an­ge­wandt wer­den. Ziel muss sein, je­weils nur ein Preis­re­gu­lie­rungs­in­stru­ment pro Markt­seg­ment zu ha­ben.

 

Ein Bei­spiel ist der „Zwangs­ra­batt“ (Her­stel­ler­ab­schlag für Arz­nei­mit­tel im Sin­ne ei­nes Men­gen­ra­batts), der heu­te z. B. für er­stat­tungs­fä­hi­ge Arz­nei­mit­tel oh­ne Fest­be­trag ge­setz­lich auf sie­ben Pro­zent fest­ge­legt ist und je nach Fi­nanz­la­ge der GKV in Ab­hän­gig­keit von ex­ter­nen Er­eig­nis­sen (Dot­com-Bla­se, Ban­ken­kri­se etc.) schwankt. Ne­ben Arz­nei­mit­tel­markt­neu­ord­nungs­ge­setz (AM­NOG) und Fest­prei­sen, Aus­schrei­bun­gen und Se­lek­tiv­ver­trä­gen ist kein Platz mehr für ei­nen zu­sätz­li­chen Ra­batt.

 

Ein wei­te­res Bei­spiel sind die Apo­the­ken: Das SGB V gibt ih­nen ei­ne (Re-) Im­port­quo­te von min­des­tens fünf Pro­zent vor. Sie führt zu er­heb­li­cher zu­sätz­li­cher Bü­ro­kra­tie und soll­te ab­ge­schafft wer­den.

Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren ma­chen erst ab ei­ner ge­wis­sen kri­ti­schen Men­ge an An­bie­tern Sinn. Es wird da­her zu Recht dis­ku­tiert, die Re­gu­la­ri­en zu än­dern. Denk­ba­re An­sät­ze sind der Ein­satz von Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren erst ab min­des­tens vier An­bie­tern oder die Er­tei­lung des Zu­schlags an min­des­tens drei An­bie­ter.

Die Er­stat­tungs­höchst­be­trä­ge für Grup­pen ver­gleich­ba­rer Fer­tig­arz­nei­mit­tel (Fest­be­trags­markt) füh­ren zu Kel­ler­trep­pen­ef­fek­ten. Nicht al­le Her­stel­ler kön­nen die Prei­se ent­spre­chend an­pas­sen. Auf­zah­lungs­pro­duk­te tref­fen vor al­lem die­je­ni­gen Grup­pen, für die kei­ne gleich­wer­ti­gen Arz­nei­mit­tel oh­ne Auf­zah­lung ver­füg­bar sind (Kin­der, Äl­te­re, be­son­de­re Dar­rei­chungs­for­men, z. B. für Men­schen mit Schluck­be­schwer­den). Auch hier ist ei­ne dif­fe­ren­zier­te Be­trach­tung er­for­der­lich.

Die so­ge­nann­ten „Mond­prei­se“ für Me­di­ka­men­te sind oft in Wahr­heit kei­ne. Mehr als 40 Pro­zent der Preis­un­ter­schie­de sind auf die Grö­ße der Pa­ti­en­ten­po­pu­la­ti­on zu­rück­zu­füh­ren. Wei­te­re Ele­men­te der Preis­bil­dung sind die Fix­kos­ten so­wie die In­no­va­ti­ons­hö­he. All das muss der Preis ab­bil­den, um In­no­va­tio­nen zu för­dern. Das so­ge­nann­te Risk Sharing (Er­stat­tung nur bei Nut­zen) ist auch in Deutsch­land mög­lich und in die­sem Be­reich grund­sätz­lich sinn­voll, pro­ble­ma­tisch ist da­bei al­ler­dings die Com­p­li­an­ce (The­ra­pie­treue) des Pa­ti­en­ten. Hier kön­nen per­spek­ti­visch neue tech­no­lo­gi­sche An­sät­ze (et­wa Me­di­zin, die re­gis­triert, ob sie ter­min­ge­recht ein­ge­nom­men wur­de, oder „De­pot­lö­sun­gen“, d. h. Prä­pa­ra­te, die die Do­sis nach und nach ab­ge­ben) die Lö­sung dar­stel­len. Das muss wie­der­um bei der For­schungs­för­de­rung be­rück­sich­tigt wer­den.

Wir brau­chen ei­ne deut­li­che Ver­kür­zung des Ver­fah­rens ge­ra­de auch für die Auf­nah­me di­gi­ta­ler Ge­sund­heits­an­wen­dun­gen in die Re­gel­ver­sor­gung. Bis­her gibt es in den Be­rei­chen di­gi­ta­le „Arz­nei“ und Te­le­me­di­zin noch kei­ne so­ge­nann­te EBM-Zif­fer (ein­heit­li­cher Be­wer­tungs­maß­stab), die für die Ab­rech­nung durch den Arzt mit der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung er­for­der­lich wä­re.

 

Die Er­pro­bung, Nut­zen­be­wer­tung und Kos­ten­be­trach­tung von in­no­va­ti­ven me­di­zin­tech­ni­schen Ver­fah­ren und Pro­duk­ten müs­sen auch der Ent­wick­lung hin zu ei­ner zu­neh­mend in­di­vi­dua­li­sie­ren Me­di­zin Rech­nung tra­gen und da­für neue Me­tho­den (u. a. Ent­wick­lung ge­eig­ne­ter Be­wer­tungs­kri­te­ri­en, An­pas­sung kli­ni­scher Prü­fun­gen und Stu­di­en) ent­wi­ckeln. Nur so ist ei­ne Kos­ten­über­nah­me von Bio­mar­ker-Dia­gnos­tik/per­so­na­li­sier­ter The­ra­pie durch die Kran­ken­kas­sen mög­lich. Die klas­si­schen Me­tho­den stel­len auf sta­tis­ti­sche Wer­te ab und sto­ßen an ih­re Gren­zen, wenn die Ziel­wer­te auf der in­di­vi­du­el­len Ebe­ne de­fi­niert wer­den müs­sen. Die Her­aus­for­de­rung be­steht al­so dar­in, auf Ba­sis ge­si­cher­ten wis­sen­schaft­li­chen Han­delns Nut­zen- und Ri­si­ko­be­wer­tun­gen zu im­ple­men­tie­ren, die sich auf das in­di­vi­du­el­le Be­hand­lungs­ziel be­zie­hen. Für all­ge­mei­ne Aus­sa­gen zum Nut­zen be­stimm­ter Ver­fah­ren sind län­ge­re Be­ob­ach­tungs­zeit­räu­me und ent­spre­chend auch län­ge­re För­der­pe­ri­oden er­for­der­lich. Um die Zu­las­sung nicht hin­aus­zu­zö­gern, müs­sen da­für schnel­ler zu über­prü­fen­de Pa­ra­me­ter de­fi­niert wer­den. Dies muss un­ter Be­tei­li­gung von Wis­sen­schaft und for­schen­der In­dus­trie er­fol­gen.

Par­al­lel zur Ent­wick­lung neu­er Me­tho­den und als Grund­la­ge für die Neu­aus­rich­tung von Zu­las­sungs­ver­fah­ren, Preis­fest­set­zung und Er­stat­tungs­be­din­gun­gen müs­sen die Aus­wir­kun­gen der bis­he­ri­gen Ver­fah­ren – ge­ra­de auch im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich – im Hin­blick auf Ver­sor­gungs­qua­li­tät, Kos­ten und Wett­be­werbs­fä­hig­keit bzw. Leis­tungs­fä­hig­keit un­se­rer Un­ter­neh­mens- und For­schungs­land­schaft eva­lu­iert wer­den.

 

Da­bei muss auch un­ter­sucht wer­den, ob von den Preis­set­zungs­me­cha­nis­men die rich­ti­ge – ge­samt­ge­sell­schaft­lich er­wünsch­te – Len­kungs­wir­kung aus­geht, al­so z. B. For­schungs­an­rei­ze für The­ra­pie­ge­bie­te mit ho­hem me­di­zi­ni­schen Be­darf ge­setzt wer­den. Da­bei ist ei­ne ganz­heit­li­che Sicht (nicht be­grenzt auf Kli­nik, Zahn­me­di­zin, Pfle­ge usw.) er­for­der­lich, die bei­spiels­wei­se Nach­sor­ge und Fol­ge­be­hand­lun­gen be­rück­sich­tigt. Auf Grund­la­ge die­ser Er­geb­nis­se muss re­gel­mä­ßig im Er­stat­tungs­ver­fah­ren nach­ge­steu­ert wer­den.

Health Tech­no­lo­gy As­sess­ment

Es fehlt an ei­nem um­fas­sen­den Health Tech­no­lo­gy As­sess­ment (HTA, zu Deutsch et­wa Me­di­zin-Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung). An­de­re Län­der er­rech­nen, was bei­spiels­wei­se ein neu­es Me­di­ka­ment für das Ge­sund­heits­sys­tem ins­ge­samt an Ein­spa­run­gen brin­gen kann: am­bu­lan­te statt sta­tio­nä­re Be­hand­lung, Er­halt der Er­werbs­fä­hig­keit etc. Ein sol­ches Sys­tem muss – nicht nur für Me­di­ka­men­te und Me­di­zin­tech­nik im en­ge­ren Sin­ne, son­dern z. B. auch für An­wen­dun­gen aus dem Be­reich E-Health – we­sent­lich brei­ter ge­nutzt wer­den. Ak­tu­ell wer­den nur ein­zel­ne aus­ge­wähl­te The­men be­han­delt, für die es schon aus­rei­chend Pu­bli­ka­tio­nen gibt, und es wer­den ins­be­son­de­re in al­ler Re­gel kei­ne In­no­va­tio­nen be­wer­tet, son­dern nur Tech­no­lo­gi­en, die sich be­reits im Ein­satz be­fin­den.

 

Es darf aber nicht nur dar­um ge­hen, den Nut­zen be­stehen­der Tech­no­lo­gi­en zu hin­ter­fra­gen und ggf. den Leis­tungs­ka­ta­log der Kran­ken­kas­sen zu kür­zen, son­dern auch dar­um die Wir­kun­gen neu­er – un­ter Um­stän­den auch auf­wän­di­ger und teu­rer – Tech­no­lo­gi­en um­fas­send ab­zu­schät­zen, ganz im Sin­ne ei­ner Me­di­zin-Tech­nik­chan­cen­ab­schät­zung.

 

In ei­nem nächs­ten Schritt ist ei­ne Har­mo­ni­sie­rung der Nut­zen­be­wer­tung ein­schließ­lich HTA auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne sinn­voll: Ge­gen­wär­tig gibt es trotz ei­nes seit An­fang der 90er-Jah­re exis­tie­ren­den in­ter­na­tio­na­len und ei­nes eu­ro­päi­schen Netz­werks (In­ter­na­tio­nal bzw. Eu­ro­pean Net­work of Agen­ci­es for Health Tech­no­lo­gy As­sess­ment) in den ein­zel­nen eu­ro­päi­schen Län­dern ver­schie­de­ne Gold­stan­dards und kei­ne ge­gen­sei­ti­ge An­er­ken­nung bei der Nut­zen­be­wer­tung; nur die Zu­las­sung ist eu­ro­pä­isch.

Bes­se­rer In­for­ma­ti­ons­fluss im Sys­tem

Ganz ent­schei­dend wird es sein, den In­for­ma­ti­ons- und Wis­sens­aus­tausch zwi­schen al­len Ak­teu­ren des Ge­sund­heits­sys­tems zu ver­bes­sern. Er ist Grund­la­ge so­wohl für ei­ne bes­se­re Ef­fi­zi­enz bei der Leis­tungs­er­brin­gung, bei­spiels­wei­se auch über die Er­mög­li­chung neu­er wett­be­werb­li­cher Ele­men­te durch mehr Trans­pa­renz, als auch für die Wei­ter­ent­wick­lung des In­no­va­ti­ons­sys­tems im Gan­zen. Bei­des dient letzt­lich auch ei­ner hö­he­ren Ver­sor­gungs­qua­li­tät. Zu­sätz­lich kann so auch mehr Ei­gen­ver­ant­wor­tung des Pa­ti­en­ten er­mög­licht wer­den.

 

Der Bei­trag neu­er Tech­no­lo­gi­en

Die Nach­fra­ge nach me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen (Quan­ti­tät) und nach der im­mer hö­he­ren ver­füg­ba­ren Qua­li­tät von Dia­gno­se und The­ra­pie (z. B. in­di­vi­du­el­le The­ra­pi­en, Prä­zi­si­ons­me­di­zin) stei­gen gleich­zei­tig an. Bei­de Fak­to­ren wir­ken kos­ten­trei­bend.

 

Neue tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen kön­nen aber z. B. über Pro­zess­op­ti­mie­rung maß­geb­lich da­zu bei­tra­gen, die Kos­ten im Griff zu ha­ben und den Fach­kräf­te­man­gel we­nigs­tens teil­wei­se auf­zu­fan­gen (Bei­spiel Ro­bo­tik). Auch für die Ver­sor­gungs­qua­li­tät bie­ten sich un­ter an­de­rem mit ei­ner in­tel­li­gen­ten Nut­zung der Ge­sund­heits­da­ten gro­ße Chan­cen (vgl. Ka­chel 02.1, Elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te). Smart De­vices kön­nen ein Mo­ni­to­ring der Be­hand­lungs­da­ten in Echt­zeit, ei­ne Me­di­ka­ti­ons­steue­rung und ei­ne Ver­bes­se­rung der The­ra­pie­treue er­mög­li­chen.

 

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt

Tech­no­lo­gi­en stär­ker nut­zen

Über­ge­ord­ne­tes Ziel muss es sein, das ge­sam­te Ge­sund­heits­sys­tem in­no­va­ti­ons­freund­li­cher und tech­no­lo­gie­of­fe­ner auf­zu­stel­len, da­mit neue tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen schnellst­mög­lich ih­ren Nut­zen nach­wei­sen und ent­fal­ten kön­nen.

Oh­ne ei­nen ent­schie­de­nen Wil­len, die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on auch im Ge­sund­heits­be­reich aus­zu­rol­len, und ei­ne kon­se­quen­te För­de­rung die­ses Ziels kön­nen neue Tech­no­lo­gi­en ih­ren Nut­zen nur sehr ein­ge­schränkt ent­fal­ten. Ers­ter und ent­schei­den­der Schritt ist die kon­se­quen­te, flä­chen­de­cken­de Er­fas­sung, Spei­che­rung, Ver­knüp­fung und Nut­zung der Pa­ti­en­ten­da­ten.

Die Te­le­me­di­zin ver­spricht gro­ße Ver­bes­se­run­gen für die Ver­sor­gung in der Flä­che so­wie für die Nach­sor­ge oder für die Ver­sor­gung von Not­fall­pa­ti­en­ten. Ein wei­te­rer An­wen­dungs­be­reich kön­nen in die In­fra­struk­tur ein­ge­bun­de­ne Apo­the­ken sein, um bei ein­deu­ti­gen In­di­ka­tio­nen auch au­ßer­halb der üb­li­chen Er­reich­bar­keits­zei­ten von Arzt­pra­xen den Zu­gang zu Me­di­ka­men­ten wie bei­spiels­wei­se An­ti­bio­ti­ka zu ge­währ­leis­ten.

 

Die Da­ten aus den bis­he­ri­gen Pi­lot­pro­jek­ten zei­gen viel­ver­spre­chen­de Er­geb­nis­se, zum Bei­spiel im Be­reich der chro­ni­schen Herz­in­suf­fi­zi­enz: deut­lich ge­senk­te Mor­ta­li­täts­ra­ten, we­ni­ger er­neu­te sta­tio­nä­re Be­hand­lun­gen und da­mit auch ein spür­ba­rer Re­turn on In­vest­ment. Bay­ern ist im Be­reich Te­le­me­di­zin ver­gleichs­wei­se gut auf­ge­stellt, z. B. mit der Te­le­me­di­zin-Al­li­anz in In­gol­stadt und vie­len vom Mi­nis­te­ri­um ge­för­der­ten Pro­jek­ten.

 

Wich­tig ist, die Er­fah­run­gen aus den Pi­lot­pro­jek­ten bes­ser zu nut­zen und sich jetzt auf die Ska­lie­rung zu kon­zen­trie­ren: Die Te­le­me­di­zin muss in der Flä­che aus­ge­rollt und zü­gig bei wei­te­ren An­wen­dungs­fäl­len ein­ge­setzt wer­den, bei­spiels­wei­se in der Schlag­an­fall­nach­sor­ge.

 

Das Fern­be­hand­lungs­ver­bot ist nicht mehr zeit­ge­mäß. Auch ei­ne aus­schließ­li­che Fern­be­hand­lung muss mehr als nur im Ein­zel­fall mög­lich sein. Die vom 121. Ärz­te­tag be­schlos­se­ne Än­de­rung der Mus­ter-Be­rufs­ord­nung geht in die rich­ti­ge Rich­tung, aber wir brau­chen ei­nen ech­ten Pa­ra­dig­men­wech­sel. Für die Um­set­zung sind die Ärz­te­kam­mern ge­for­dert, ih­re Be­rufs­ord­nun­gen ent­spre­chend an­zu­pas­sen.

 

Da­bei muss ei­ne durch­ge­hen­de Ver­net­zung si­cher­ge­stellt wer­den. Die pri­va­te Hard­ware der Pa­ti­en­ten (und erst recht ei­ne von den Leis­tungs­er­brin­gern be­reit­ge­stell­te Hard­ware für den Heim­ge­brauch) muss mit der In­fra­struk­tur in Arzt­pra­xen, Kran­ken­häu­sern etc. kom­pa­ti­bel sein und pro­blem­los kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Au­ßer­dem muss das The­ma War­tung gleich mit­ge­dacht wer­den.

Ge­ra­de in der Pfle­ge gibt es be­reits ei­ne Viel­zahl in­no­va­ti­ver An­wen­dun­gen (z. B. As­sis­tenz­sys­te­me, Am­bi­ent As­sis­ted Li­ving), die teil­wei­se schon lan­ge bis zur Markt­rei­fe ent­wi­ckelt sind und jetzt in die Flä­che ge­bracht wer­den müs­sen. Glei­ches gilt bei­spiels­wei­se für Tech­nik, die Chir­ur­gen kör­per­lich ent­las­tet: Der ope­rie­ren­de Arzt steht an­sons­ten oft lan­ge vorn­über­ge­beugt am Pa­ti­en­ten, so­dass vie­le Chir­ur­gen mas­siv mit Rü­cken­pro­ble­men kämp­fen.

 

Es müs­sen auch in­ner­halb der Re­gel­ver­sor­gung An­rei­ze da­für ge­schaf­fen wer­den, dass in­no­va­ti­ve Pro­duk­te und Ver­fah­ren über­haupt nach­ge­fragt wer­den (vgl. auch oben, Ka­pi­tel 02, An­rei­ze für den Ein­satz).

Ef­fek­te er­for­schen

Dis­ku­tiert wird vor al­lem, ob die per­so­na­li­sier­te bzw. in­di­vi­dua­li­sier­te Me­di­zin das Ge­sund­heits­sys­tem un­be­zahl­bar macht oder aber viel­leicht ge­ra­de erst be­zahl­bar. An­ge­sichts der gro­ßen Po­ten­zia­le im Hin­blick auf die Ver­mei­dung von un­er­wünsch­ten Ne­ben- und Wech­sel­wir­kun­gen spricht vie­les da­für, dass die per­so­na­li­sier­te Me­di­zin nicht nur die Ver­sor­gung­qua­li­tät für den Ein­zel­nen op­ti­miert, son­dern dass auch das Ge­sund­heits­sys­tem im Gan­zen pro­fi­tie­ren kann. Hier­für wä­re al­ler­dings ei­ne Ge­samt­be­trach­tung er­for­der­lich, wie sie heu­te noch nicht vor­ge­se­hen ist. Um Fehl­an­rei­ze zu ver­mei­den (po­si­ti­ve Ef­fek­te ent­ste­hen an an­de­rer Stel­le als Kos­ten), ist ei­ne sol­che Her­an­ge­hens­wei­se un­ab­ding­bar.

 

Die Ef­fek­te auf die Ge­sund­heits­ver­sor­gung, die Ak­zep­tanz me­di­zin­tech­ni­scher In­no­va­tio­nen in der Ge­sell­schaft so­wie die Aus­wir­kun­gen ei­ner hö­he­ren Selbst­be­stim­mung und Ei­gen­ver­ant­wor­tung der Pa­ti­en­ten soll­ten be­glei­tend un­ter­sucht wer­den, ein­schließ­lich der Ver­än­de­run­gen bei der Rol­le der Apo­the­ken im Zu­ge der In­di­vi­dua­li­sie­rung der Me­di­zin. Da­zu zäh­len auch die da­mit ein­her­ge­hen­den recht­li­chen, ethi­schen und öko­no­mi­schen As­pek­te.

Di­gi­ta­li­sie­rung vor­an­trei­ben

Die Di­gi­ta­li­sie­rung er­öff­net auch im Ge­sund­heits­be­reich ganz neue Mög­lich­kei­ten: vom In­for­ma­ti­ons- bzw. Er­kennt­nis­ge­winn über ei­ne Da­ten­er­fas­sung, -spei­che­rung und -ver­ar­bei­tung in Echt­zeit ein­schließ­lich der Kom­mu­ni­ka­ti­on für Fra­gen zur Dia­gno­se und The­ra­pie (u. a. über­grei­fen­de The­ra­pie­an­sät­ze, Ver­mei­dung all­er­gi­scher Re­ak­tio­nen etc.) bis hin zu neu­en For­schungs­an­sät­zen mit Big-Da­ta-Me­tho­den oder KI-Sys­te­men in un­ter­stüt­zen­de Funk­ti­on bei Dia­gno­se, Ent­schei­dungs­fin­dung (z. B. Ana­ly­se/In­ter­pre­ta­ti­on der Da­ten aus bild­ge­ben­den Ver­fah­ren) und The­ra­pie (Bei­spiel: rech­ner­ge­stütz­te Chir­ur­gie).

 

Auch für ad­mi­nis­tra­ti­ve Pro­zes­se kön­nen sich durch ei­ne in­tel­li­gen­te Da­ten­aus­wer­tung neue Mög­lich­kei­ten er­ge­ben: Bis­her ist z. B. die Plan­bar­keit von Arzt­ter­mi­nen im Hin­blick auf den Zeit­be­darf nur ein­ge­schränkt ge­ge­ben. Wäh­rend das beim Ra­dio­lo­gen noch ver­gleichs­wei­se ein­fach mög­lich ist, ist beim Or­tho­pä­den nur ab­seh­bar, dass Erst­kon­tak­te län­ger dau­ern als Fol­ge­kon­tak­te. Der Ein­satz von Big-Da­ta-Me­tho­den könn­te die Tria­ge maß­geb­lich ver­bes­sern und da­mit auch ei­nen Bei­trag zur schnel­le­ren Ter­min­ver­ga­be bzw. bes­se­ren Ter­mi­nal­lo­ka­ti­on zur Ver­rin­ge­rung der War­te­zei­ten leis­ten.

 

Die­se Ge­bie­te, in de­nen der Ein­satz di­gi­ta­ler Tech­ni­ken im Ge­sund­heits­we­sen wirkt, sind nicht un­ab­hän­gig von­ein­an­der, son­dern be­ein­flus­sen sich ge­gen­sei­tig, wie es dem We­sen der Di­gi­ta­li­sie­rung ent­spricht (vgl. auch die Gra­fik un­ten bei Syn­er­gi­en he­ben).

Tech­ni­sche Vor­keh­run­gen ge­gen An­grif­fe von au­ßen und Miss­brauch von in­nen müs­sen ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit sein. Die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben se­hen in­so­weit ei­nen ein­deu­ti­gen Rah­men und er­heb­li­che Sank­tio­nen vor. Die Ein­hal­tung muss – ins­be­son­de­re auch bei staat­li­chen An­ge­bo­ten – kon­se­quent ge­währ­leis­tet wer­den, um kein Ver­trau­en zu ver­spie­len.

Es muss ein ge­stuf­tes Klas­si­fi­zie­rungs­ver­fah­ren für E-Health-Apps vor­ge­se­hen wer­den, das die Er­for­der­nis ei­ner for­ma­len Markt­zu­las­sung vom Ri­si­ko der An­wen­dung für den Nut­zer ab­hän­gig macht: von der Zu­las­sungs­frei­heit für Pro­duk­te, die nur in­for­mie­ren oder dem Nut­zer ei­ne Da­ten­samm­lung im Sin­ne ei­nes elek­tro­ni­schen Ta­ge­buchs er­mög­li­chen bis hin zur Zu­las­sungs­pflicht mit Nach­wei­sen zur Si­cher­heit bei der Ver­wen­dung für Dia­gno­se- und The­ra­pie­zwe­cke bzw. als Er­satz für ärzt­li­che Leis­tun­gen.

 

Zum Be­leg der me­di­zi­ni­schen Wirk­sam­keit neu­er, di­gi­tal ge­stütz­ter Ver­sor­gungs­kon­zep­te müs­sen kli­ni­sche Stu­di­en durch­ge­führt und ge­för­dert wer­den. Auch der mo­dell­haf­te Ein­satz di­gi­ta­ler In­no­va­tio­nen in der Ver­sor­gung (am­bu­lant, sta­tio­när und in­ter­sek­to­ral) soll­te wei­ter un­ter­stützt wer­den, um den ge­sund­heits­öko­no­mi­schen Nut­zen neu­ar­ti­ger in­te­grier­ter Ver­sor­gungs­pro­zes­se zu be­le­gen.

Wenn wir nicht ler­nen, den Roh­stoff Da­ten zu nut­zen, wer­den wir in­ter­na­tio­nal ab­ge­hängt.

 

Der Ein­satz von Big Da­ta bzw. künst­li­cher In­tel­li­genz ver­spricht zu­sätz­li­che Er­kennt­nis­se bei ei­ner we­ni­ger auf­wen­di­gen Ge­win­nung als mit kli­ni­schen Stu­di­en bzw. ei­ne Op­ti­mie­rung der kli­ni­schen For­schung und Stu­di­en. Bei­spie­le sind neue The­ra­pie­an­sät­zen (z. B. Ge­nom­se­quen­zie­rung, Stoff­wech­sel­pro­zes­se in der Krebs­the­ra­pie) und die Un­ter­stüt­zung durch di­gi­ta­le As­sis­tenz­sys­te­me.

 

Die Da­ten­aus­wer­tung wird erst mit den Pri­mär­da­ten des Pa­ti­en­ten wirk­lich wert­voll. Ge­gen­wär­tig sind al­ler­dings Ab­rech­nungs­da­ten die ein­zi­ge struk­tu­rier­te und stan­dar­di­sier­te Da­ten­quel­le. Ide­al ist ei­ne Kom­bi­na­ti­on von kli­ni­schen In­for­ma­tio­nen mit ge­ne­ti­schen so­wie sons­ti­gen In­for­ma­tio­nen (z. B. aus Weara­bles).

 

An­for­de­run­gen an die An­ony­mi­sie­rung (Pro­blem der Re-Iden­ti­fi­zie­rung) dür­fen nicht über­spannt wer­den. Da­ten­schutz und Da­ten­si­cher­heit sind im­mer (Ri­si­ko-)Ab­wä­gungs­pro­zes­se, die nicht los­ge­löst von der Fra­ge der Nütz­lich­keit ent­schie­den wer­den kön­nen. Wo das Da­ten­schutz­recht in die­sem Sin­ne zu en­ge Gren­zen setzt, muss nach­ge­steu­ert wer­den.

 

Ein wei­te­res wich­ti­ges Ein­satz­ge­biet ist die Be­trugs­be­kämp­fung im Ge­sund­heits­we­sen (Scha­den­sum­me bun­des­weit: ca. 14 Mil­li­ar­den Eu­ro p. a., wo­von nur ein Bruch­teil an­ge­zeigt wird; auch in­ter­ne Kon­trol­len der Leis­tungs­trä­ger de­cken nur ca. 0,25 Pro­zent der Fäl­le auf). Hier kann ein Ein­satz von Big-Da­ta-Me­tho­den, kom­bi­niert mit ei­nem Er­fah­rungs­aus­tausch mit Ver­si­che­run­gen und Ban­ken zu Me­tho­den der au­to­ma­ti­sier­ten Er­fas­sung von Be­trugs­ver­dachts­fäl­len, ei­nen re­le­van­ten Bei­trag zur fai­ren und nach­hal­ti­gen Fi­nan­zie­rung des Ge­sund­heits­sys­tems leis­ten.

Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) kann bei­spiels­wei­se beim Ein­satz in As­sis­tenz­sys­te­men ei­nen we­sent­li­chen Fort­schritt in der Me­di­zin brin­gen.

Ge­gen­über her­kömm­li­chen Ver­fah­ren zeich­nen KI-Sys­te­me vor al­lem fol­gen­de Merk­ma­le aus:

 

  • Sie wer­den bes­ser, je mehr In­for­ma­tio­nen sie ver­ar­bei­ten (Lern­fä­hig­keit).
  • Sie ver­ste­hen na­tür­li­che Spra­che.
  • Sie ver­ar­bei­ten un­struk­tu­rier­te Da­ten, al­so die ein­zi­ge welt­weit wach­sen­de Res­sour­ce.
  • Sie er­zeu­gen neue Er­kennt­nis­se.

 

KI / Vor­be­hal­te und Ängs­te ab­bau­en

Ge­nau die­se Ei­gen­schaf­ten ma­chen KI so wert­voll beim Ein­satz in Dia­gno­se und The­ra­pie. Trotz­dem sto­ßen KI-Sys­te­me in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung teil­wei­se auf Miss­trau­en. Mit ein Grund da­für ist das durch die Me­di­en ge­präg­te Bild von in­tel­li­gen­ten Ma­schi­nen, das ei­nen Aus­prä­gungs­grad künst­li­cher In­tel­li­genz („star­ke KI“) – teil­wei­se so­gar mit ei­ge­nem Be­wusst­sein – trans­por­tiert, der auf ab­seh­ba­re Zeit nur Sci­ence-Fic­tion blei­ben wird. Für die Dis­kus­si­on muss klar­ge­stellt wer­den, dass es hier nicht dar­um geht, son­dern um ei­ne KI, die die mensch­li­che In­tel­li­genz in be­stimm­ten Teil­be­rei­chen er­gänzt und er­wei­tert („aug­men­ted in­tel­li­gence“). Es geht al­so nicht um Mensch ge­gen Ma­schi­ne bzw. Ma­schi­ne statt Mensch, son­dern Mensch und Ma­schi­ne ge­mein­sam ge­gen das Pro­blem, hier die Krank­heit.

 

Rechts­rah­men an­pas­sen

Ge­gen­wär­tig wird auf deut­scher und eu­ro­päi­scher Ebe­ne in­ten­siv dar­über dis­ku­tiert, neue Re­ge­lun­gen für den Ein­satz von künst­li­cher In­tel­li­genz zu er­las­sen, wo­bei die Un­ter­schei­dung zu „klas­si­schen“ Al­go­rith­men teil­wei­se un­scharf ist. So­lan­ge klar ist, dass KI-Sys­te­me nur un­ter­stüt­zen­de Funk­ti­on ha­ben und letzt­lich im­mer der Mensch die Ent­schei­dung trifft, gilt für den Ein­satz von „nor­ma­ler“ un­ter­stüt­zen­der Ana­ly­se­soft­ware und künst­li­cher In­tel­li­genz glei­cher­ma­ßen, dass das gel­ten­de Recht im Grund­satz gut ge­eig­net ist, den heu­ti­gen Stand der Tech­nik ab­zu­bil­den. Bei der Pro­dukt­haf­tung un­ter­schei­den sich nor­ma­le und ler­nen­de Al­go­rith­men in­so­fern von­ein­an­der, als bei Ers­te­ren der Pro­gram­mie­rer die ent­schei­den­den Wei­chen­stel­lun­gen da­für trifft, dass das ge­fun­de­ne Er­geb­nis kor­rekt ist, wäh­rend es bei ei­nem ler­nen­den Sys­tem ent­schei­dend dar­auf an­kommt, dass es nicht nur den rich­ti­gen In­put er­hält, son­dern auch das rich­ti­ge Feed­back zu sei­nen Er­geb­nis­sen. Am En­de ist das aber we­nig mehr als ei­ne Be­weis­fra­ge.

Ei­ne Fra­ge, die sich al­ler­dings mit­tel­fris­tig – näm­lich dann, wenn KI-Sys­te­me bei be­stimm­ten Auf­ga­ben dem Men­schen klar über­le­gen sind – stel­len könn­te, ist, ob der Mensch nicht schon al­lei­ne des­we­gen haf­tet, weil er an­ders ent­schei­det, als es das As­sis­tenz­sys­tem vor­schlägt, und da­bei irrt. Die­se Fra­ge soll­te tat­säch­lich be­reits jetzt in­ter­dis­zi­pli­när dis­ku­tiert wer­den

Bei al­len gro­ßen Vor­tei­len durch den Ein­satz di­gi­ta­ler Tech­ni­ken muss es ins­ge­samt bei der evi­denz­ba­sier­ten Me­di­zin blei­ben, und Kor­re­la­ti­on darf die Kau­sa­li­tät nicht er­set­zen. Di­gi­tal ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se müs­sen an den­sel­ben wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­täts­an­sprü­chen ge­mes­sen wer­den wie die­je­ni­gen aus her­kömm­li­chen Stu­di­en. Blo­ße Kor­re­la­tio­nen kön­nen wert­vol­le Hin­wei­se für die wei­te­re Er­for­schung lie­fern (z. B. mit­tels Vi­su­al Ana­lytics auf­ge­zeig­te auf­fäl­li­ge Mus­ter), müs­sen aber bei der Fra­ge der Nut­zen­be­wer­tung und Er­stat­tungs­fä­hig­keit von Nach­wei­sen klar un­ter­schie­den wer­den. Wenn et­wa der Be­such bei ei­nem Heil­prak­ti­ker sta­tis­tisch be­leg­bar zu ei­nem „Be­hand­lungs­er­folg“ führt, ob­wohl es für das frag­li­che Ver­fah­ren kei­ne wis­sen­schaft­li­che Evi­denz gibt, kön­nen die Da­ten Hin­wei­se auf neue zu über­prü­fen­de Er­klä­rungs­an­sät­ze lie­fern, die­se aber nicht er­set­zen.

Viel­fach dis­ku­tiert wird der­zeit ein An­spruch auf Trans­pa­renz, al­so auf Of­fen­le­gung von Al­go­rith­men. Auf der ei­nen Sei­te gibt es ein nach­voll­zieh­ba­res In­ter­es­se dar­an, wie ein Er­geb­nis zu­stan­de ge­kom­men ist, aber dem ste­hen auf der an­de­ren Sei­te nicht nur Ge­schäfts­ge­heim­nis­se ge­gen­über: Bei Me­tho­den aus dem Be­reich des ma­schi­nel­len Ler­nens oder et­wa des Ein­sat­zes neu­ro­na­ler Net­ze ist selbst bei Kennt­nis des Al­go­rith­mus der Weg zum Er­geb­nis schlicht nicht ex­akt nach­voll­zieh­bar („Black Box“). Zu Recht wird da­her an Ver­fah­ren ge­ar­bei­tet, die es er­mög­li­chen sol­len, auch et­was über den „Lö­sungs­weg“ zu ler­nen („Grey Box“). Die­se For­schung zu un­ter­stüt­zen, ist, im Ver­gleich zu – teil­wei­se un­er­füll­ba­ren – Of­fen­le­gungs­pflich­ten, der sinn­vol­le­re Weg.

Auch für den Ge­sund­heits­be­reich sind die ak­tu­el­len Be­stre­bun­gen auf EU-Ebe­ne zur Re­gu­lie­rung von Da­ten als ver­trag­li­che Ge­gen­leis­tung („Zah­len mit Da­ten“) von Re­le­vanz, ins­be­son­de­re na­tür­lich für den Be­reich mHe­alth bzw. den zwei­ten Ge­sund­heits­markt. Der ei­gent­li­che Wert sol­cher Re­ge­lun­gen liegt bei rich­ti­gem Ver­ständ­nis dar­in, sach­ge­rech­te Son­der­re­ge­lun­gen zum (EU-)Da­ten­schutz­recht zu nor­mie­ren bzw. das Ver­hält­nis von Ver­trags- und Da­ten­schutz­recht zu­guns­ten der Pri­vat­au­to­no­mie zu klä­ren, was zum ge­gen­wär­ti­gen Er­ar­bei­tungs­stand noch nicht der Fall ist. Wich­tig ist auch, dass we­der auf na­tio­na­ler noch auf EU-Ebe­ne neue Aus­schließ­lich­keits­rech­te an Da­ten („Da­ten­ei­gen­tum“) ge­schaf­fen wer­den.

Rah­men­be­din­gun­gen im Hin­blick auf wei­te­re zen­tra­le Tech­no­lo­gi­en ver­bes­sern

Bei Bio­tech (gen- und zell­the­ra­peu­ti­sche An­sät­ze) han­delt es sich um ei­ne Quer­schnitts­tech­no­lo­gie mit vie­len An­wen­dungs­mög­li­chen in an­de­ren In­dus­trie­be­rei­chen. Der Trend zeigt nicht nur im Phar­ma­be­reich deut­lich nach oben. Wir ver­fü­gen am Stand­ort über ein sehr leis­tungs­fä­hi­ges Wis­sen­schafts­sys­tem so­wie über ho­he Kom­pe­ten­zen in der wis­sens­ba­sier­ten In­dus­trie und über gut qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te.

 

Schwä­chen zei­gen sich da­ge­gen bei der Va­li­die­rung und kom­mer­zi­el­len Ver­wer­tung der For­schungs­er­geb­nis­se, ins­be­son­de­re auf­grund von Fi­nan­zie­rungs­fra­gen auf al­len Ebe­nen auf dem Weg zur Markt­rei­fe. Bei Un­ter­neh­men in der Wirk­stof­fent­wick­lung tref­fen sehr lan­ge In­ves­ti­ti­ons­pha­sen und ein ho­hes Ri­si­ko zu­sam­men. Zu den Her­aus­for­de­run­gen zäh­len auch die aus­bau­fä­hi­gen Ko­ope­ra­tio­nen, die ver­fah­rens­tech­ni­sche Ent­wick­lung und Um­set­zung kom­ple­xer Wirk­stoff­for­mu­lie­run­gen und die Ak­zep­tanz der Be­völ­ke­rung.

 

Wir brau­chen ei­ne le­ben­di­ge­re Bio­tech-Sze­ne, die sich stär­ker als bis­her auf die er­lös­star­ke Wirk­stof­fent­wick­lung (statt auf Dienst­leis­tungs- und Zu­lie­fe­rer­ak­ti­vi­tä­ten) kon­zen­trie­ren kann.

 

Ein Bau­stein sind da­bei Bio­ge­ne­ri­ka (Bio­si­mi­lars), de­ren Markt­zu­gang teil­wei­se noch da­durch er­schwert wird, dass über den Pa­tent­schutz des ent­spre­chen­den bio­tech­no­lo­gi­schen Arz­nei­mit­tels hin­aus Ver­trä­ge der Kas­sen mit de­ren An­bie­tern lau­fen. Hin­ter­grund dürf­te der ge­rin­ge­re Kos­ten­druck sein, da der Preis­ver­fall nach Ab­lauf des Pa­tent­schut­zes we­gen der hö­he­ren Pro­duk­ti­ons­kos­ten we­sent­lich nied­ri­ger als bei che­mi­schen Prä­pa­ra­ten ist (ca. 50 Pro­zent vs. 90 Pro­zent). Ei­ne zu­sätz­li­che Re­gu­lie­rung (Ver­bot län­ge­rer Ver­trags­lauf­zei­ten, staat­li­che vor­ge­ge­be­ne ver­bind­li­che Quo­ten für Bio­si­mi­lars) dürf­te der fal­sche An­satz sein, aber an­ge­sichts der be­stehen­den Ein­spar­mög­lich­kei­ten sind vor al­lem die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen ge­for­dert, die Ver­brei­tung zu för­dern und die Ärz­te ent­spre­chend zu in­for­mie­ren.

Na­no­tech­no­lo­gi­sche Ver­fah­ren, Pro­duk­te und De­vices ha­ben ein gro­ßes Po­ten­zi­al in ver­schie­de­nen Be­rei­chen der Me­di­zin und Me­di­zin­tech­nik. Schon heu­te er­mög­licht der Ein­satz na­no­tech­no­lo­gi­scher Ver­fah­ren durch Ober­flä­chen­be­schich­tung von Im­plan­ta­ten und in sen­si­blen Be­rei­chen von Kran­ken­häu­sern ei­ne Ver­rin­ge­rung von In­fek­ti­ons­ri­si­ken. Der ge­ziel­te Trans­port von Wirk­stof­fen im Kör­per (Tar­ge­ting), z. B. über ma­gne­ti­sche Trä­ger­sys­te­me, wird in­ten­siv un­ter­sucht und ver­spricht mit­tel­fris­tig Fort­schrit­te in der lo­ka­len The­ra­pie. Der Ein­satz von Na­no­par­ti­keln in der Sen­so­rik er­laubt den Nach­weis selbst ge­rings­ter Kon­zen­tra­tio­nen von Bio­mar­kern. In Kom­bi­na­ti­on mit Ri­si­ko­pro­fi­len von Pa­ti­en­ten bie­tet höchs­t­auf­lö­sen­de Dia­gnos­tik er­heb­li­che Chan­cen bei der Früh­erken­nung von Krank­hei­ten. Wirk­stof­fe der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on wei­sen oft re­la­ti­ve ho­he Mo­le­ku­lar­ge­wich­te auf, so­dass de­ren Bio­ver­füg­bar­keit ein­ge­schränkt ist. Die phar­ma­zeu­ti­sche Na­no­tech­no­lo­gie er­mög­licht die For­mu­lie­rung die­ser Wirk­stof­fe in Dar­rei­chungs­for­men mit ho­hen Frei­set­zungs­ra­ten und eb­net so den Weg zu de­ren Ein­satz in der The­ra­pie.

 

Mög­li­che Ge­fah­ren von Na­no­tech­no­lo­gi­en und ins­be­son­de­re die to­xi­ko­lo­gi­sche Wir­kung von Na­no­par­ti­keln wur­den und wer­den in zahl­rei­chen Stu­di­en in­ten­siv un­ter­sucht. Mög­li­che Ge­fah­ren von Na­no­par­ti­keln für die Ge­sund­heit sind ernst zu neh­men, sind aber bei sach­ge­rech­tem Um­gang gut be­herrsch­bar. Tat­säch­lich stellt nach heu­ti­gem Kennt­nis­stand das Rau­chen die weit­aus größ­te Ge­fah­ren­quel­le im Hin­blick auf Na­no­par­ti­kel dar. Wich­tig ist ei­ne sach­li­che und strikt evi­denz­ba­sier­te Dis­kus­si­on der Chan­cen und Ri­si­ken von Na­no­tech­no­lo­gie. Nur so kön­nen gleich­zei­tig das er­for­der­li­che Si­cher­heits­ni­veau ge­währ­leis­tet und un­be­grün­de­te Ängs­te vor neu­en An­wen­dun­gen ab­ge­baut wer­den.

Wir müs­sen die Po­ten­zia­le in der Wirk­stoff­pro­duk­ti­on am Stand­ort he­ben, ins­be­son­de­re auch in der bio­phar­ma­zeu­ti­schen Pro­duk­ti­on. Der Fo­kus soll­te auf hö­her­wer­ti­ge Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen ge­legt wer­den. Da­zu ist ei­ne Stär­kung der Hoch- und Spit­zen­tech­no­lo­gie am Stand­ort not­wen­dig. Er­for­der­lich sind ei­ne Ver­zah­nung von Ent­wick­lungs­be­reich und (Groß-)Pro­duk­ti­on für ei­ne Op­ti­mie­rung der Her­stel­lungs­pro­zes­se, ein bes­se­rer Wis­sens­trans­fer, ei­ne hö­he­re Fle­xi­bi­li­tät und ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Qua­li­täts­si­che­rung.

 

Da­bei ist es von zen­tra­ler Be­deu­tung, zu er­ken­nen, dass der Staat hier zwei ganz un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben hat: Un­ter Ver­sor­gungs­ge­sichts­punk­ten muss er sich um das küm­mern, was sich für die Pri­vat­wirt­schaft viel­leicht nicht rech­net, für die Be­völ­ke­rung bzw. Tei­le da­von aber wich­tig ist. Das be­trifft be­son­ders häu­fi­ge Krank­hei­ten im ei­ge­nen Staats­ge­biet, de­ren Be­hand­lung trotz­dem we­nig Pro­fit ver­spricht, z. B. Dia­be­tes, eben­so wie sehr sel­te­ne Er­kran­kun­gen. Un­ter stand­ort- und in­dus­trie­po­li­ti­schen Ge­sichts­punk­ten da­ge­gen muss er Ide­en und de­ren prak­ti­sche Um­set­zung för­dern so­wie vor­han­de­ne Stär­ken stär­ken, auch mit Blick auf den spä­te­ren Ex­port – un­ab­hän­gig da­von, um wel­che Krank­heit es bei den kon­kre­ten Lö­sun­gen geht.

 

Mehr als 4.000 Un­ter­neh­men welt­weit ha­ben der­zeit rund 15.000 Pro­duk­te in der Ent­wick­lung. Von die­sen Pro­duk­ten wird nur ein win­zi­ger Bruch­teil den Markt er­rei­chen. Nur knapp 660 der Un­ter­neh­men ma­chen ei­nen Um­satz von mehr als ei­ner Mil­li­on Eu­ro. Da­bei fin­det der­zeit all­ge­mein – nicht nur in Bay­ern und Deutsch­land – ei­ne Fo­kus­sie­rung auf die On­ko­lo­gie statt, auf die rund 70 Pro­zent der in Ent­wick­lung be­find­li­chen Pro­duk­te aus­ge­rich­tet sind.

 

Laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag will sich die Bun­des­re­gie­rung vor­ran­gig um Krebs küm­mern und die For­schung zu De­menz, psy­chi­schen Er­kran­kun­gen, Lun­gen­er­kran­kun­gen, Im­mu­n­er­kran­kun­gen, Kin­der- und Ju­gend­er­kran­kun­gen, Prä­ven­ti­on so­wie zur glo­ba­len Ge­sund­heit aus­bau­en. Al­le die­se Zie­le sind rich­tig und wich­tig (vgl. u. a. oben, Ka­pi­tel B 01 zur Prä­ven­ti­on). Gleich­zei­tig gilt aber, dass sich der Staat un­ter Ver­sor­gungs­as­pek­ten ganz be­son­ders um das küm­mern muss, was kei­ner macht, weil es (ge­gen­wär­tig) wirt­schaft­lich nicht dar­stell­bar ist: al­so Lü­cken in der ge­sund­heit­li­chen Ver­sor­gung zu schlie­ßen su­chen. Bis­her wird all­zu oft ei­ne För­de­rung, vor al­lem auch für die Um­set­zung der For­schungs­er­geb­nis­se in markt­fä­hi­ge Pro­duk­te, mit der Be­grün­dung ab­ge­lehnt, dass die In­dus­trie ja auch kein Trei­ber sei, so­dass die Ent­wick­lung vor dem Pro­of of Con­cept ste­cken bleibt.

Die Ak­ti­vi­tä­ten der ver­schie­de­nen re­gio­na­len me­di­zin­tech­ni­schen Zen­tren (Ver­bün­de, Clus­ter, Kom­pe­tenz­zen­tren und In­no­va­ti­ons­kam­pa­gnen) un­ter­schied­li­cher fach­li­cher Fo­kus­sie­rung soll­ten stär­ker ge­bün­delt und z. B. zu ei­nem vir­tu­el­len Na­tio­na­len Zen­trum für in­di­vi­dua­li­sier­te Me­di­zin­tech­nik zu­sam­men­ge­führt wer­den, um gro­ße ver­netz­te For­schungs­vor­ha­ben de­fi­nie­ren und das in Deutsch­land vor­han­de­ne me­di­zin­tech­ni­sche Po­ten­zi­al bes­ser nut­zen zu kön­nen.

 

Die Me­di­cal De­vice Re­gu­la­ti­on (Me­di­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung) tritt ab 2020 nach ei­ner Über­gangs­zeit von drei Jah­ren EU-weit in Kraft und be­trifft na­he­zu al­le Me­di­zin­pro­duk­te. Re­gu­liert wer­den u. a. die Klas­si­fi­zie­rung von Pro­duk­ten, die tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on, Eti­ket­tie­run­gen, kli­ni­sche Be­wer­tun­gen, die Markt­über­wa­chung so­wie das Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tem. Die­se Maß­nah­men sind mit ei­nem er­heb­li­chen Mehr­auf­wand für die Me­di­zin­tech­nik-Fir­men ver­bun­den, der sich vor­aus­sicht­lich so­wohl auf die Kos­ten als auch die Zu­las­sungs­dau­er ne­ga­tiv aus­wir­ken wird. Zu­dem wird ein Eng­pass bei den be­nann­ten Stel­len be­fürch­tet, bei ei­ner gleich­zei­tig hö­he­ren An­zahl an Pro­duk­ten, die von ih­nen kon­trol­liert wer­den sol­len. Um zu ver­hin­dern, dass ge­ra­de klei­ne­re Her­stel­ler da­durch in wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten und In­no­va­tio­nen nur ver­zö­gert zum Pa­ti­en­ten ge­lan­gen, muss ei­ne Lö­sung auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne ge­fun­den wer­den.

Ethi­sche Fra­gen an­spre­chen

Mit Fort­schrei­ten der tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten wer­den an ver­schie­de­nen Stel­len Fra­gen auf­kom­men, die ei­ne neue Aus­ein­an­der­set­zung mit un­se­rer Vor­stel­lung von Frei­heit, Ge­rech­tig­keit und Men­schen­wür­de er­for­dern. Was ist bei­spiels­wei­se zu tun, wenn die KI-Emp­feh­lung stets bes­ser ist? Über­trägt man ihr dann auch die Ent­schei­dungs­be­fug­nis, weil al­les an­de­re For­ma­lis­mus wä­re? Und wenn man ihr die Ent­schei­dungs­be­fug­nis über­trägt, wer trägt die Ver­ant­wor­tung? Wird der Pa­ti­ent sei­ne Da­ten an­ge­ben müs­sen, um Leis­tun­gen zu be­zie­hen, weil nur so op­ti­ma­le Ver­sor­gung si­cher­ge­stellt wer­den kann? Wie wird ei­ne Ver­si­che­rung auch für schlech­te Ri­si­ken ge­währ­leis­tet, wenn al­les, u. a. mit der Ge­nom­ana­ly­se, trans­pa­ren­ter wird? Gibt es in­so­weit künf­tig noch ein Recht auf Nicht­wis­sen, auch wenn man den Aus­bruch vie­ler Krank­hei­ten mit ei­ge­nem Ver­hal­ten ver­hin­dern oder stark ver­zö­gern könn­te?

 

Über die­se und wei­te­re Fra­gen muss ein be­glei­ten­der in­ter­dis­zi­pli­nä­rer Dis­kurs ge­führt wer­den, oh­ne aber ge­setz­ge­be­ri­schen Ak­tio­nis­mus aus­zu­lö­sen.

 

Die ak­tu­ell gül­ti­gen ethi­schen Grund­sät­ze müs­sen kon­se­quent ein­ge­hal­ten wer­den. Die Ethik darf aber nicht als Recht­fer­ti­gung für ei­ne über­schie­ßen­de Re­gu­lie­rung miss­braucht wer­den. In ethi­schen Grau­zo­nen muss es mög­lich sein, für For­schungs­zwe­cke Ex­pe­ri­men­tier(frei)räu­me zu be­las­sen.

Ak­zep­tanz schaf­fen

Ge­ra­de im sen­si­blen per­sön­li­chen Be­reich der Ge­sund­heit ist die Ak­zep­tanz ein zen­tra­ler Er­folgs­fak­tor, z. B. für den Ein­satz di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en. Der Bür­ger und Pa­ti­ent darf da­bei al­ler­dings nicht un­ter­schätzt wer­den: in ei­ni­gen Be­rei­chen ist sei­ne Be­reit­schaft, sich auf Neu­es ein­zu­las­sen, we­sent­lich hö­her als die des Ge­setz­ge­bers.

 

66 Pro­zent der Be­völ­ke­rung ver­trau­en dar­auf, dass ge­ra­de Ärz­te und Kran­ken­kas­sen mit ih­ren per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten ver­ant­wor­tungs­voll um­ge­hen. Das ist der höchs­te Wert im Hin­blick auf die Ge­samt­heit der Ak­teu­re, nach de­nen ge­fragt wur­de, und mehr als dop­pelt so hoch wie das dem Staat und der Ver­wal­tung ent­ge­gen­ge­brach­te Ver­trau­en. Das spricht erst recht da­für, das durch Di­gi­ta­li­sie­rung stark ge­trie­be­ne neue Ver­hält­nis zwi­schen Arzt und Pa­ti­en­ten zum bei­der­sei­ti­gen Nut­zen ein­zu­set­zen, auch un­ter Ein­bin­dung der Kran­ken­kas­sen. Staat­li­che Lö­sun­gen müs­sen hier nicht zwin­gend von Vor­teil sein.

 

We­sent­li­ches Ele­ment ist in je­dem Fall ei­ne um­fas­sen­de In­for­ma­ti­on der Pa­ti­en­ten so­wie der Ge­sell­schaft im Gan­zen über die Vor­ und Nach­tei­le in­no­va­ti­ver Me­di­zin­tech­no­lo­gie für ei­ne in­di­vi­du­ell op­ti­ma­le Ge­sund­heits­ver­sor­gung.

 

Wo es dar­um geht, die Ge­sell­schaft zum Mit­ma­chen zu ak­ti­vie­ren, muss auch hin­ter­fragt wer­den, in wel­che Rich­tung die be­stehen­den Re­ge­lun­gen die Ent­schei­dung len­ken. Un­ab­hän­gig da­von, wie man zum so­ge­nann­ten „Nud­ging“ (ein An­stoß un­ter­halb der Ebe­ne von Ver­ oder Ge­bo­ten bzw. öko­no­mi­scher An­rei­ze, durch den das mensch­li­che Ver­hal­ten auf vor­her­sag­ba­re Wei­se be­ein­flusst wer­den soll) durch staat­li­che Stel­len steht: man kann mit ge­setz­ge­be­ri­schen Wei­chen­stel­lun­gen nicht nicht be­ein­flus­sen. Ein Bei­spiel hier­für ist die Or­gan­spen­de. Die An­zahl po­ten­zi­el­ler Spen­der ist in Deutsch­land we­sent­lich ge­rin­ger als in ver­gleich­ba­ren Län­dern. Da­bei ist gleich­zei­tig die Blut­spen­de ein ver­gleichs­wei­se er­folg­reich ein­ ge­führ­tes In­stru­ment, auch wenn hier eben­falls ein noch hö­he­rer Be­darf be­steht. Ins­ge­samt spen­den nach An­ga­ben des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes rund drei Pro­zent der Be­völ­ke­rung re­gel­mä­ßig Blut, was über dem eu­ro­päi­schen Durch­schnitt liegt. Die Auf­wands­ent­schä­di­gung kann an­ge­sichts der ge­rin­gen Hö­he (zwi­schen 10 und 28 Eu­ro pro Voll­blut­spen­de, hö­her bei Throm­bo­zy­ten) je­den­falls nicht der al­lei­ne ent­schei­den­de Fak­tor sein; hin­zu kom­men der Wunsch, an­de­ren zu hel­fen und die Er­war­tung, im Ernst­fall selbst ei­ne not­wen­di­ge Blut­kon­ser­ve er­hal­ten zu kön­nen – As­pek­te al­so, die bei der Or­gan­spen­de ge­nau­so grei­fen müss­ten. Ei­ne Um­stel­lung auf ein „Opt­out­Mo­dell“ soll­te im In­ter­es­se der Mehr­heit der Be­völ­ke­rung lie­gen und ist an­zu­stre­ben.

 

Auch soll­te ge­prüft wer­den, ob nicht ei­ne „Da­ten­spen­de“ (z. B. für Stu­di­en zur Er­for­schung von Krank­heits­bil­dern, Ge­sund­heits­ge­fah­ren etc.) mit ent­spre­chen­den da­ten­schutz­recht­li­chen Er­leich­te­run­gen bei der spä­te­ren Nut­zung der Da­ten (et­wa für ei­nen an­de­ren als den ur­sprüng­lich an­ge­dach­ten For­schungs­zweck) als neu­er An­satz ein­ge­führt wer­den könn­te.

Be­din­gun­gen für Wirt­schaft am Stand­ort ver­bes­sern

Über die Pla­nungs­si­cher­heit et­wa bei den Prei­sen und die Ver­bes­se­rung der Zu­las­sungs­ver­fah­ren hin­aus sind wei­te­re Rah­men­be­din­gun­gen er­for­der­lich, um die gro­ßen Po­ten­zia­le zu he­ben und ins­be­son­de­re auch den Pro­duk­ti­ons­stand­ort zu stär­ken.

 

Der Zu­kunfts­rat emp­fiehlt

Arz­nei­mit­tel­pro­duk­ti­on am Stand­ort stär­ken

Zu­min­dest in ei­nem ge­wis­sen Rah­men ist es an­ge­zeigt, For­schung, Ent­wick­lung und Her­stel­lung von Arz­nei­mit­teln und Impf­stof­fen nach Bay­ern, Deutsch­land und Eu­ro­pa zu­rück­zu­ho­len, um Lie­fer- und Ver­sor­gungs­eng­päs­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken. In vie­len Be­rei­chen – wir ha­ben ins­be­son­de­re kaum noch ei­ne Ge­ne­ri­ka-Pro­duk­ti­on, die sich mitt­ler­wei­le auf ei­ni­ge we­ni­ge An­bie­ter vor­nehm­lich in Asi­en kon­zen­triert – wird es für ein Zu­rück­ho­len zu spät sein. Um­so wich­ti­ger ist es, sich auf die Um­set­zung von For­schungs­er­geb­nis­sen in neue Pro­duk­te und Pro­duk­ti­on vor Ort zu kon­zen­trie­ren.

 

Ver­sor­gung ist auch ei­ne Fra­ge der Preis­fest­set­zung und der Zu­las­sungs­ver­fah­ren (u. a. der un­zu­rei­chen­den Dif­fe­ren­zie­rung nach spe­zi­el­len An­wen­dungs­fäl­len, z. B. in der Schwan­ger­schaft ge­eig­ne­te Blut­druck­mit­tel). Wenn die Be­din­gun­gen zu un­at­trak­tiv aus­ge­stal­tet sind, ent­ste­hen bei uns Eng­päs­se, die wir nicht un­ter Kon­trol­le ha­ben: ein Pro­duk­ti­ons­aus­fall in Chi­na führt zu ei­ner Ver­sor­gungs­ein­schrän­kung bei uns. Die Prei­se lie­gen bei den Stan­dard­me­di­ka­men­ten in 2/3 der Fäl­le un­ter dem eu­ro­päi­schen Durch­schnitt; Par­al­lel­händ­ler kau­fen Wa­re in Deutsch­land auf. Der Ef­fekt auf die Ver­sor­gungs­qua­li­tät ist in al­len Markt­seg­men­ten sicht­bar, auch in kri­ti­schen Be­rei­chen (z. B. On­ko­lo­gie). Da­her ist die Aus­schrei­bung bei Impf­stof­fen auch schon ab­ge­schafft. Aus­schrei­bun­gen soll­ten ge­ne­rell nicht bei sen­si­blen Pro­duk­ten (z. B. An­ti­bio­ti­ka) durch­ge­führt wer­den. Ei­ne Me­di­ka­men­ten­re­ser­ve wä­re kei­ne Lö­sung, da die Halt­bar­keit be­grenzt ist und ei­ne rei­ne Vor­rats­hal­tung im In­land bei be­stehen­dem Be­darf an­de­ren­orts ethisch kaum zu recht­fer­ti­gen wä­re.

Schnel­le­re Trans­la­ti­on

Die Trans­la­ti­on muss be­schleu­nigt wer­den, oh­ne da­bei Ab­stri­che bei der me­di­zi­ni­schen Sorg­falt zu ma­chen. Die von Fraun­ho­fer, Helm­holtz und der Deut­schen Hoch­schul­me­di­zin ins Le­ben ge­ru­fe­ne Pro­of-of-Con­cept-In­itia­ti­ve kann da­bei als Vor­bild die­nen. Ihr Ziel ist es, den zeit­li­chen Ab­stand zwi­schen der Ent­de­ckung neu­er po­ten­zi­el­ler Wirk­stof­fe und ih­rer Wei­ter­ent­wick­lung zu Arz­nei­mit­teln durch die In­dus­trie über ei­ne aus­schrei­bungs­ba­sier­te För­de­rung von Ko­ope­ra­tio­nen zu ver­rin­gern.

 

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Schritt wä­re die kon­se­quen­te Ein­füh­rung des Mo­dells des „Phy­si­ci­an Sci­en­tist“ (auch: Cli­ni­cal Sci­en­tist, Cli­ni­ci­an Sci­en­tist) mit ei­ner par­al­le­len Wahr­neh­mung von kli­ni­scher Tä­tig­keit und For­schungs­tä­tig­keit (z. B. 30 Pro­zent der Ar­beits­zeit in der Kli­nik, 70 Pro­zent in der For­schung, ggf. auch block­wei­se im Wech­sel) nach dem Vor­bild der USA. Da­durch wä­re ei­ne we­sent­lich bes­se­re Ver­net­zung von Grund­la­gen­for­schung und kli­ni­scher For­schung mög­lich. Bis­her gibt es in Deutsch­land auch we­gen der ver­schie­de­nen Ver­gü­tungs­sys­te­me der bei­den Schie­nen nur zeit­lich be­grenz­te För­der­pro­gram­me. Hier muss ein Um­den­ken statt­fin­den.

 

Auch an Uni­ver­si­tä­ten soll­te trans­la­tio­na­le For­schung statt­fin­den kön­nen.

 

Bei Be­darf sind von staat­li­cher Sei­te neue Platt­for­men zu un­ter­stüt­zen, die die ver­schie­de­nen Ak­teu­re (Wis­sen­schaft, Wirt­schaft, Kli­ni­ken, Start-ups etc.) zu be­stimm­ten The­men zu­sam­men­bringt.

For­schungs­freund­li­che Rah­men­be­din­gun­gen

Bay­ern ist ak­tu­ell bei den F+E Aus­ga­ben bun­des­weit auf Platz vier. Ziel muss die Spit­zen­po­si­ti­on sein, auch und ge­ra­de durch ei­nen stär­ke­ren Fo­kus auf den Ge­sund­heits­be­reich. Wäh­rend die USA ca. 100 Mil­li­ar­den Eu­ro in den Me­di­zin­be­reich in­ves­tie­ren, sind es in Deutsch­land nur rund 10 Mil­li­ar­den Eu­ro, im Bio­tech-Be­reich viel­leicht ei­ne Mil­li­ar­de.

Die The­ra­pie­for­schung muss künf­tig Dia­gno­se, Ge­rä­te­me­di­zin, Da­ten und Phar­ma­zeu­tik als Tei­le ei­nes Gan­zen be­grei­fen (die Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft be­treibt dies bei­spiels­wei­se un­ter dem so­ge­nann­te „4D Kon­zept“: Drugs, Dia­gno­stics, De­vices, Da­ta) und die Schnitt­stel­len stär­ker be­set­zen. Das gilt nicht nur für die Schnitt­stel­len der ein­zel­nen Be­rei­che un­ter­ein­an­der, son­dern auch für die Schnitt­stel­le zum Pa­ti­en­ten. Wich­tig sind auch Ge­rä­te zum Trai­ning von Ärz­ten und Pfle­ge­per­so­nal, mit de­nen so­wohl in der Aus­bil­dung wie auch in der Wei­ter­bil­dung un­ter an­de­rem der Um­gang mit sel­te­nen Kom­pli­ka­tio­nen er­lernt wer­den kann.

Au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen (Helm­holtz, Fraun­ho­fer, Leib­niz, Max Planck), Uni­ver­si­tä­ten und Kran­ken­häu­ser müs­sen zu In­no­va­ti­ons­zen­tren ge­bün­delt wer­den. Das in der Re­gie­rungs­er­klä­rung vor­ge­se­he­ne On­ko­lo­gie-Zen­trum ist in­so­fern ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.

Ge­ra­de im Phar­ma­be­reich sind die In­no­va­ti­ons­zy­klen sehr lang (ca. 10 Jah­re, 90 Pro­zent Aus­fall­wahr­schein­lich­keit) und der Ka­pi­tal­kos­ten­an­teil ent­spre­chend hoch. Mar­ke­ting und Ver­trieb sind auch an­ge­sichts des Kun­den­wer­bungs­ver­bots hoch. Gleich­zei­tig wird die Wirt­schaft­lich­keit bei den vie­len re­gu­lie­ren­den Ein­grif­fen ten­den­zi­ell über­schätzt. Beim ROI sieht man durch­schnitt­li­che Ren­di­ten trotz ho­her Ri­si­ken. Aus den Ge­win­nen der Un­ter­neh­men wer­den neue F+E-Vor­ha­ben fi­nan­ziert. Auch dar­auf muss bei der Ge­winn­ab­schöp­fung Rück­sicht ge­nom­men wer­den.

Ei­ne steu­er­li­che For­schungs­för­de­rung ist für Un­ter­neh­men je­der Grö­ßen­ord­nung und un­ter Bei­be­hal­tung der Pro­jekt­för­de­rung er­for­der­lich.

Die An­pas­sung der steu­er­recht­li­chen Ver­lust­ver­rech­nung, wie auf Bun­des­ebe­ne ge­plant, ist ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, wei­te­re steu­er­li­che An­rei­ze zur Mo­bi­li­sie­rung pri­va­ten Ver­mö­gens wä­ren sinn­voll.

Es muss ei­ne un­ab­hän­gi­ge (nicht von An­bie­ter­in­ter­es­sen ge­lei­te­te) zen­tra­le Da­ten­bank für die stan­dar­di­sier­te und an­ony­mi­sier­te Ar­chi­vie­rung von For­schungs­da­ten ein­ge­rich­tet wer­den, die evi­denz­ba­sier­te In­for­ma­tio­nen so­wie dar­auf auf­bau­end Rat­ge­ber­sys­te­me und fach­spe­zi­fi­sche Leit­fä­den für die Da­ten­nut­zung bzw. die aus den In­for­ma­tio­nen ab­zu­lei­ten­den The­ra­pie­emp­feh­lun­gen be­reit­stellt. Wich­tig wä­re auch die Ent­wick­lung wis­sen­schaft­lich fun­dier­ter Aus­wer­tungs­al­go­rith­men.

Qua­li­täts­ge­si­cher­te, leis­tungs­fä­hi­ge Platt­for­men für me­di­zi­ni­sche Da­ten

Um die Vor­tei­le der Di­gi­ta­li­sie­rung nut­zen zu kön­nen, sind qua­li­täts­ge­si­cher­te, leis­tungs­fä­hi­ge Platt­for­men so­wohl für die dia­gnos­ti­schen und the­ra­peu­ti­schen Pa­ti­en­ten­da­ten (so­wie sons­ti­ge vom Bür­ger frei­wil­lig er­gänz­te Ge­sund­heits­da­ten) als auch für For­schungs­er­geb­nis­se drin­gend er­for­der­lich. Die­se Da­ten müs­sen mit­ein­an­der ver­netzt wer­den kön­nen, al­so z. B. Pa­ti­en­ten­da­ten aus kli­ni­schen Stu­di­en mit Se­quen­zie­rungs­da­ten, Re­al World Da­ta mit Cli­ni­cal Da­ta.

 

So feh­len heu­te bei­spiels­wei­se in der On­ko­lo­gie zu­ver­läs­si­ge Da­ten­ban­ken. Da­mit wä­re an­hand der Bi­op­sie und ei­nes Ab­gleichs der Pro­be mit wei­te­ren In­for­ma­tio­nen über den Pa­ti­en­ten (z. B. Vor-Me­di­ka­men­tie­rung, Er­näh­rungs­wei­se, ge­ne­ti­sche Da­ten) und all­ge­mei­nen In­for­ma­tio­nen aus Da­ten­bank ei­ne we­sent­lich zu­ver­läs­si­ge­re Vor­her­sa­ge des The­ra­pie­er­folgs, ei­ne Re­sis­tenz­früh­erken­nung und die Ab­lei­tung ei­ner in­di­vi­du­el­len The­ra­pie­emp­feh­lung mög­lich.

 

Ent­schei­dend ist da­bei, dass ei­ner­seits Si­cher­heit, Da­ten­schutz und Sou­ve­rä­ni­tät des Ein­zel­nen über sei­ne Da­ten ge­währ­leis­tet sind, er an­de­rer­seits aber al­len Ak­teu­ren die Mög­lich­keit ein­räu­men kann, auf be­stimm­te oder al­le Da­ten zu­zu­grei­fen. Die­se müs­sen al­so je nach Be­darf ver­schlüs­selt oder pseud­ony­mi­siert bzw. an­ony­mi­siert zur Ver­fü­gung ge­stellt und ge­nutzt wer­den kön­nen. Wich­tig ist auch, dass nach­voll­zieh­ba­re Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Da­ten­quel­len ge­währ­leis­tet wer­den. Für äl­te­re und we­ni­ger tech­ni­kaf­fi­ne Pa­ti­en­ten muss ei­ne Lö­sung ent­wi­ckelt wer­den, die im Zwei­fel höchs­tes Schutz­ni­veau ga­ran­tiert („Treu­hän­der­sys­tem“).

 

Der von der Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft im Rah­men des In­ter­na­tio­nal Da­ta Space ent­wi­ckel­te An­wen­dungs­fall ei­nes Me­di­cal Da­ta Space ist ei­ne sol­che Platt­form auf na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne. Die neu­ar­ti­ge Kom­bi­na­ti­on un­ter­schied­li­cher Da­ten­quel­len er­laubt es, z. B. Hy­po­the­sen aus me­di­zi­ni­schen Stu­di­en bes­ser und schnel­ler zu va­li­die­ren. Kli­ni­sche Stu­di­en kön­nen be­schleu­nigt, der Aus­tausch von Stu­di­en­er­geb­nis­sen ge­för­dert wer­den. Das Pro­jekt soll­te da­her mög­lichst bald von der Pi­lot­an­wen­dung in den Pra­xis­ein­satz über­führt wer­den.

Fach­kräf­te­si­che­rung

Ein Fach­kräf­te­man­gel ist be­reits heu­te nicht nur bei Ärz­ten, me­di­zi­ni­schem und Pfle­ge­per­so­nal spür­bar. Das gilt eben­falls für die Phar­ma-Pro­duk­ti­on, spe­zi­ell bei klei­ne­ren Un­ter­neh­men und in den eher hand­werk­lich bzw. tech­nisch aus­ge­rich­te­ten Be­ru­fen, oder in der Or­tho­pä­die­t­ech­nik. Po­si­tiv ist, dass zu­letzt mehr Ju­gend­li­che ei­ne Aus­bil­dung im Pfle­ge­be­reich be­gon­nen ha­ben: Im Herbst 2016 ha­ben rund 63.200 Ju­gend­li­che ei­ne Aus­bil­dung als Ge­sund­heits- und Kran­ken-, Kin­der­kran­ken- oder Al­ten­pfle­ger so­wie als Pfle­ge­hel­fer be­gon­nen. Ge­gen­über 2006 ist die Zahl der Aus­bil­dungs­an­fän­ger laut Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt da­mit um 43 Pro­zent ge­stie­gen. An­ge­sichts des wei­ter­wach­sen­den Be­darfs müs­sen aber so­wohl bei der Aus­bil­dung als auch bei der Per­so­nal­ge­win­nung und -bin­dung im ge­sam­ten Ge­sund­heits­be­reich noch grö­ße­re An­stren­gun­gen un­ter­nom­men wer­den.

Es gilt, den ho­hen Aus­bil­dungs­stan­dard zu hal­ten und da­bei auch neue An­for­de­run­gen auf­zu­grei­fen, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den hö­he­ren IT-Ein­satz. Da­zu zäh­len je­den­falls für die Me­di­zi­ner­aus­bil­dung auch Grund­kennt­nis­se in Da­ten­ana­ly­se­me­tho­den und künst­li­cher In­tel­li­genz. Die Nut­zung di­gi­ta­ler Tools (z. B. Ein­satz­mög­lich­kei­ten von Big-Da­ta-Me­tho­den) soll­te in den Lehr­plä­nen / Cur­ri­cu­la breit ver­an­kert wer­den (z. B. Me­di­zin, Pfle­ge, Psy­cho­lo­gie). Da­bei muss un­ter an­de­rem die Her­aus­for­de­rung be­wäl­tigt wer­den, dass Ge­rä­te und An­wen­dun­gen hier deut­lich schnel­ler ver­al­ten.

 

Dar­über hin­aus wird ein gu­tes Ver­ständ­nis von Sta­tis­tik bzw. Wahr­schein­lich­kei­ten noch re­le­van­ter, um die Er­geb­nis­se aus der Aus­wer­tung im­mer grö­ße­rer Da­ten­be­stän­de rich­tig ein­ord­nen zu kön­nen.

 

All­ge­mein müs­sen in­ter­dis­zi­pli­nä­re As­pek­te im Stu­di­um brei­te­ren Raum er­hal­ten und die Fä­hig­keit zur Ko­ope­ra­ti­on mit an­de­ren wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen und wei­te­ren Ex­per­ten ver­mit­telt wer­den. Ins­be­son­de­re In­ge­nieu­re und Me­di­zi­ner müs­sen bes­ser mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren. Auch die Fä­hig­keit zu Trans­la­ti­on (Pro­zes­s­ent­wick­lung, Pa­tent­an­mel­dung etc.) muss als we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für An­wen­dungs­ori­en­tie­rung Teil der Aus­bil­dung sein.

 

Im Be­reich der Pfle­ge­aus­bil­dung ist es wich­tig, dass es zu kei­ner Aka­de­mi­sie­rung der Pfle­ge kommt. Bei der ge­ne­ra­lis­ti­schen Pfle­ge­aus­bil­dung ab Ja­nu­ar 2020 muss dar­auf ge­ach­tet wer­den, dass der länd­li­che Raum als Aus­bil­dungs- und Ar­beits­re­gi­on er­hal­ten bleibt, u. a. durch die Un­ter­stüt­zung klei­ne­rer und mitt­le­rer Un­ter­neh­men bei der Ko­or­di­na­ti­on der vor­ge­ge­be­nen Pra­xis­stel­len.

 

Auch die Be­deu­tung der Wei­ter­bil­dung ist zur Un­ter­stüt­zung der Ärz­te und sons­ti­gen Heil­be­ru­fe im tech­no­lo­gi­schen Wan­del nicht zu ver­nach­läs­si­gen. Über die ge­nann­ten As­pek­te hin­aus muss da­bei auch be­rück­sich­tigt wer­den, dass mit der per­so­na­li­sier­ten und in­di­vi­dua­li­sier­ten Me­di­zin die An­zahl der The­ra­pi­en und Me­di­ka­men­te stark zu­nimmt.

Der Stand­ort Bay­ern bzw. Deutsch­land muss auch für Spit­zen­for­scher at­trak­tiv wer­den. Da­zu zäh­len nicht nur die Ge­häl­ter, die bei­spiels­wei­se für Pro­fes­so­ren deut­lich un­ter den welt­wei­ten Markt­prei­sen lie­gen, son­dern z. B. auch ei­ne tech­ni­sche Aus­stat­tung in den For­schungs­ein­rich­tun­gen auf Spit­zen­ni­veau.

 

Wich­ti­ge wei­te­re An­satz­punk­te sind – ge­ra­de beim sons­ti­gen Heil- und Pfle­ge­per­so­nal – at­trak­ti­ve­re Rah­men­be­din­gun­gen, um die Ver­weil­dau­er im Be­ruf zu er­hö­hen. Hier­zu zäh­len un­ter an­de­rem bes­se­re Kin­der­be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten und die Ein­rich­tung ei­ner Ta­ges­pfle­ge am Ar­beits­platz. Da­bei ist auch ganz ent­schei­dend, den re­gio­na­len As­pekt zu be­trach­ten: Pfle­ge­kräf­te bei­spiels­wei­se müs­sen über­all in Bay­ern ver­füg­bar sein. Da­zu müs­sen für die Men­schen im gan­zen Land ver­gleich­bar at­trak­ti­ve Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen ge­schaf­fen wer­den (vgl. auch oben, Ver­sor­gung si­chern).

 

Dar­über hin­aus wird auch ei­ne ge­ziel­te Zu­wan­de­rung not­wen­dig sein, wo­bei bei der An­er­ken­nung aus­län­di­scher Ab­schlüs­se dar­auf ge­ach­tet wer­den muss, das dua­le Sys­tem nicht zu un­ter­lau­fen.

In­ves­ti­ti­ons­bud­gets
punk­tu­ell er­hö­hen

Das zu­neh­men­de Ge­sund­heits­be­wusst­sein füh­ren zu ei­nem er­höh­ten An­spruchs­den­ken der Men­schen. Dies hat die Be­reit­schaft zu mehr In­ves­ti­tio­nen in den Sek­tor zur Fol­ge. Die hier not­wen­di­gen Stei­ge­run­gen sind auf markt­wirt­schaft­li­cher Ba­sis zu or­ga­ni­sie­ren, da Gel­der so am ef­fek­tivs­ten ein­ge­setzt wer­den und kei­ne Ein­zel­bran­chen durch staat­li­che Vor­ga­ben be­nach­tei­ligt wer­den.

 

Die staat­li­che In­ves­ti­ti­ons­för­de­rung für die akut-sta­tio­nä­re Ver­sor­gung wur­de über die letz­te De­ka­de bun­des­weit um et­wa fünf Pro­zent re­du­ziert. Im sel­ben Zeit­raum stie­gen die Um­sät­ze der Kran­ken­häu­ser mit sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen um 32 Pro­zent. Seit Mit­te der 70er Jah­re sank die In­ves­ti­ti­ons­för­de­rung von 20 auf et­wa vier Pro­zent der Um­sät­ze ab. Als Fol­ge be­steht im sta­tio­nä­ren Be­reich ein In­ves­ti­ti­ons­stau, der auf 20 bis 50 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­schätzt wird.

 

Not­wen­dig sind da­bei auch ge­ziel­te In­ves­ti­tio­nen z. B. in La­bo­re. Ge­gen­wär­tig gibt es in Bay­ern im Be­reich der Hoch­leis­tungs­se­quen­zie­rung von Ge­no­men kei­ne Ge­rä­te auf neu­es­tem Stand der Tech­nik. Hier ist die Staats­re­gie­rung ge­for­dert, ei­nen Hub zu schaf­fen, um den An­schluss an die welt­wei­te Spit­ze nicht zu ver­lie­ren. Die not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen hier­für be­we­gen sich im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich.

 

Ge­ne­rell soll­te die ex­pe­ri­men­tel­le Me­di­zin ge­stärkt und mit der In­dus­trie ver­netzt wer­den (Bei­spiel Krebs-Grund­la­gen­for­schung in Re­gens­burg, die u. a. zeigt, dass Me­ta­st­a­sie­rung an­ders funk­tio­niert, als bis­her ge­dacht, und die Streu­ung frü­her ein­setzt).

 

An­ge­sichts des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels und wei­te­rer Trends wie der In­di­vi­dua­li­sie­rung emp­fiehlt sich der Auf­bau von al­ten­me­di­zi­ni­schen Zen­tren in al­len Re­gie­rungs­be­zir­ken. Ein mög­li­ches Vor­bild kann z. B. das Zen­trum in Hol­le sein, das u. a. über die bau­li­che Ge­stal­tung ein Weg­lauf­ver­hal­ten ver­hin­dert und da­mit ei­ne Im­mo­bi­li­sie­rung De­menz­kran­ker mit den ent­spre­chen­den Ne­ben­wir­kun­gen un­nö­tig macht.

Di­gi­ta­li­sie­rung ge­zielt för­dern

Die Ak­ti­vi­tä­ten der Platt­form Di­gi­ta­le Ge­sund­heit und Me­di­zin am Zen­trum für Di­gi­ta­li­sie­rung (ZD.B) ei­ner­seits und die ge­plan­ten wei­te­ren Pro­jek­te wie ein di­gi­ta­ler OP-Saal beim Deut­schen Herz­zen­trum so­wie ein For­schungs­schwer­punkt „Me­di­cal In­for­ma­ti­on Sci­ence am neu­en Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Augs­burg sind wich­ti­ge Schrit­te, de­nen noch wei­te­re fol­gen müs­sen.

 

An­ge­sichts der gro­ßen und stark wach­sen­den Be­deu­tung von Künst­li­cher In­tel­li­genz im Ge­sund­heits­sek­tor muss das The­ma bei­spiels­wei­se ei­nen Schwer­punkt beim not­wen­di­gen ei­gen­stän­di­gen baye­ri­schen KI-Zen­trum bil­den.

 

Auch in der For­schungs- und Pro­jekt­för­de­rung muss ein deut­li­cher Fo­kus auf die Er­for­der­nis­se der Di­gi­ta­li­sier­ten Me­di­zin ge­rich­tet wer­den. Ent­wick­lungs­be­darf be­steht bei­spiels­wei­se auf den fol­gen­den Fel­dern:

 

  • Me­di­zi­ni­sches „Da­sh­board“ für den Arzt bzw. Pfle­ge­per­so­nal (ge­eig­ne­te Ober­flä­che mit Fach­spra­che)
  • Dia­log zwi­schen den Ak­teu­ren (z. B. Ge­sund­heits­sys­tem, IKT-In­dus­trie, for­schen­den Un­ter­neh­men) zur Klä­rung noch of­fe­ner Fra­gen bei der Um­set­zung di­gi­ta­ler An­wen­dun­gen (z. B. Cloud Com­pu­ting)
  • Brei­ten­an­wen­dun­gen, die se­cu­ri­ty by de­sign und pri­va­cy by de­sign si­cher­stel­len

Start-ups und jun­ge
Un­ter­neh­men

Start-Ups ha­ben ei­nen an­de­ren An­satz für Di­gi­tal Health: sie sind stär­ker auf Use Ca­se und User Ex­pe­ri­ence fo­kus­siert und brau­chen kei­ne gro­ße Wer­bung. Staat­li­che Lö­sun­gen oder An­ge­bo­te gro­ßer eta­blier­ter Ak­teu­re sind in der Re­gel eher we­ni­ger nut­zer­freund­lich und ver­ur­sa­chen gro­ßen Auf­wand (Bei­spiel di­gi­ta­le Dia­be­tes-Ta­ge­bü­cher: Ver­si­che­run­gen und Phar­ma­kon­zer­ne sind bei User Ra­ting und An­zahl der Down­loads stark ab­ge­schla­gen). An­de­rer­seits ver­trau­en die Bür­ger deut­lich stär­ker eta­blier­ten Ak­teu­ren (z. B. Kran­ken­ver­si­che­run­gen, Ärz­ten), wenn es um ih­re Da­ten geht.

Ei­ne noch stär­ke­re Un­ter­stüt­zung bei Aus­grün­dun­gen ist wich­tig, um ins­be­son­de­re die Er­geb­nis­se der Grund­la­gen­for­schung in den Markt zu brin­gen und am Stand­ort in Wert­schöp­fung um­zu­set­zen. Da­bei soll­te die Start- Up-Sze­ne mög­lichst nicht nur im Dienst­leis­tungs-, son­dern auch im Pro­dukt­be­reich ge­för­dert wer­den.

 

Grün­der­zen­tren mit An­bin­dung an Hoch­schu­len und au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen er­mög­li­chen z. B. die Nut­zung sehr kos­ten­in­ten­si­ver High­tech-Hard­ware, von La­bo­ren, Rein­räu­me etc. Es gilt, dem un­ter­neh­me­ri­schen Nach­wuchs zu hel­fen, die ers­ten Schrit­te selbst zu ma­chen, mög­lichst zu­nächst oh­ne Ren­di­te­er­war­tun­gen und auch oh­ne aka­de­mi­sche Ri­tua­le wie Ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ten. Wich­tig sind da­bei ins­be­son­de­re auch ei­ne Un­ter­stüt­zung bzw. Be­ra­tung beim Zu­las­sungs­ver­fah­ren, im Dia­log mit den Kran­ken­kas­sen und bei der Ge­stal­tung von Se­lek­tiv­ver­trä­gen.

In ei­ni­gen Be­rei­chen ent­steht Wert­schöp­fung und Be­schäf­ti­gung nach Ent­wick­lung in Deutsch­land und er­folg­rei­cher Kom­mer­zia­li­sie­rung oft in an­de­ren Län­dern. Ein Bei­spiel sind bei uns ent­wi­ckel­te Bio­tech-Pro­duk­te, die in die USA ver­kauft oder dort li­zen­siert wur­den.

 

Der Pro­of-of-con­cept spielt da­bei ei­ne wich­ti­ge Rol­le, da da­nach ho­he Wert­stei­ge­run­gen und ent­spre­chen­de Un­ter­neh­mens­be­wer­tun­gen schnell mög­lich sind. Ein wei­te­rer As­pekt ist die In­for­ma­ti­on am Stand­ort über viel­ver­spre­chen­de Ent­wick­lun­gen, aber auch der Grün­der­geist muss wei­ter ge­stärkt wer­den. Zu über­le­gen ist schließ­lich, in­wie­weit der Staat selbst als Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber zur För­de­rung dis­rup­ti­ver In­no­va­tio­nen auf­tre­ten soll­te.

Syn­er­gi­en stär­ken und nut­zen

In­ter­es­san­te For­schungs­er­geb­nis­se und neue Ge­schäfts­fel­der er­öff­nen sich re­gel­mä­ßig an der Schnitt­stel­le zwi­schen Bran­chen und Tech­no­lo­gi­en, wie schon die vbw-Stu­die Bay­erns Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en (2015) ein­drucks­voll be­legt hat.

 

Die Ge­sund­heits- und Me­di­zin­tech­no­lo­gi­en wei­sen im tech­no­lo­gi­schen Sinn be­son­ders en­ge Ver­knüp­fun­gen zu Di­gi­ta­li­sie­rung und IKT, Bio­tech­no­lo­gi­en, Na­no­tech­no­lo­gi­en und Er­näh­rungs- und Le­bens­mit­tel­tech­no­lo­gi­en auf:

 

Zu­min­dest per­spek­ti­visch kann bei­spiels­wei­se der Im­pact der Na­no­tech­no­lo­gie auf die Ge­sund­heits- und Me­di­zin­tech­no­lo­gi­en auch noch deut­lich grö­ßer aus­fal­len.

 

Dar­über hin­aus hat das wei­ter ge­fass­te The­ma Ge­sund­heit aber di­rek­te Be­zü­ge zu al­len Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en, sei­en es der Ein­satz neu­er Ma­te­ria­li­en in der tech­ni­schen Or­tho­pä­die (z. B. 3-D-Druck von Pro­the­sen) oder die er­go­no­mi­sche Aus­ge­stal­tung der in­dus­tri­el­len Pro­duk­ti­on.

 

 

Er­gänzt wer­den die­se Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en um wich­ti­ge Quer­schnitts­wis­sen­schaf­ten wie bei­spiels­wei­se Ethik, (Wirt­schafts-)Psy­cho­lo­gie, So­zio­lo­gie und Recht. Sie spie­len ge­ra­de im Ge­sund­heits­be­reich ei­ne ganz zen­tra­le Rol­le.

 

Die Ver­net­zung zwi­schen all die­sen Be­rei­chen muss ak­tiv ge­för­dert wer­den, sei es im Be­reich der For­schungs­po­li­tik, der Aus­bil­dung oder auch durch Ko­ope­ra­tio­nen auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne. Auch Cross-Clus­ter-An­sät­ze sind in die­sem Sin­ne der rich­ti­ge Weg und soll­ten wei­ter ge­stärkt wer­den.

Im Phar­ma­be­reich ist et­wa ei­ne bes­se­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen kli­ni­scher For­schung und In­dus­trie an­zu­stre­ben.

 

In der in­dus­tri­el­len Ge­sund­heits­wirt­schaft kön­nen sich neue Chan­cen z. B. aus der zu­sätz­li­che Va­ri­anz in der Pro­duk­ti­on durch die Er­for­der­nis­se der in­di­vi­dua­li­sier­ten Me­di­zin er­ge­ben. Die in­di­vi­dua­li­sier­te Me­di­zin kann da­mit zu ei­nem wei­te­ren Trei­ber auf dem Weg zu In­dus­trie 4.0 wer­den.

Im Be­reich der 3D-Si­mu­la­ti­on bzw. -Vi­sua­li­sie­rung ste­hen Ge­sund­heits­be­reich, In­dus­trie, Me­di­en und vie­le wei­te­re Bran­chen vor sehr ähn­li­chen Her­aus­for­de­rung bei der tech­no­lo­gi­schen Wei­ter­ent­wick­lung. Ei­ne bes­se­re Ver­net­zung kann hel­fen, die­se Ent­wick­lung ins­ge­samt zu be­schleu­ni­gen.  In Teil­be­rei­chen der Vir­tu­al und Aug­men­ted Rea­li­ty lie­gen zu­dem die me­di­zi­ni­schen An­wen­dun­gen auf der Hand (z. B. Ein­blen­dung zu­sätz­li­cher In­for­ma­tio­nen im Rah­men von Ope­ra­tio­nen, Ein­satz von Ava­taren als künst­li­che As­sis­ten­ten) und kön­nen wei­ter aus­ge­baut wer­den.

 

Im Be­reich des 3-D-Drucks muss die Er­for­schung neu­er Ma­te­ria­li­en und Pro­duk­ti­ons­tech­ni­ken bzw. -kon­zep­ten zur Her­stel­lung in­di­vi­dua­li­sier­ter Me­di­zin­pro­duk­te, ins­be­son­de­re von Im­plan­ta­ten als tech­ni­sche oder bio­lo­gi­sche the­ra­peu­ti­sche Uni­ka­te, vor­an­ge­trie­ben wer­den.

 

Aus dem in­dus­tri­el­len Be­reich könn­ten bei­spiels­wei­se Stan­dards für die Kop­pe­lung ver­schie­de­ner Ge­rä­te und die si­che­re Kom­mu­ni­ka­ti­on (Stö­rungs­frei­heit, Echt­zeit­lö­sun­gen etc.) so­wie die Ka­li­brier­bar­keit der Mess­wer­te in den me­di­zi­ni­schen Be­reich über­tra­gen wer­den, aus dem Ban­ken- oder Ver­si­che­rungs­be­reich Lö­sun­gen zur Au­then­ti­fi­zie­rung.

 

Ge­ra­de auch auf dem zwei­ten Ge­sund­heits­markt er­ge­ben sich durch Ver­net­zung zwi­schen den Bran­chen zahl­rei­che neue Ge­schäfts­chan­cen im Ge­sund­heits­be­reich. Bei­spiel­haft ge­nannt sei­en nur

–    die Quer­schnitts­bran­che Tou­ris­mus ein­schließ­lich der zahl­rei­chen baye­ri­schen Kur- und Heil­bä­der

−     die Ga­mes­bran­che, die da­bei hel­fen kann, den na­tür­li­chen Spiel­trieb für The­ra­pie- oder Re­ha-An­wen­dun­gen zu nut­zen; Bei­spie­le sind et­wa Mes­sung und Trai­ning der Lun­gen­funk­ti­on für Kin­der mit Asth­ma oder die Nach­sor­ge bei Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten.

All­er­gi­en und ins­be­son­de­re ih­re zu­ver­läs­si­ge Dia­gnos­tik ha­ben gro­ßes Po­ten­zi­al: Fünf bis sie­ben Pro­zent der Be­völ­ke­rung ha­ben z. B. Le­bens­mit­tel­all­er­gi­en, das ent­spricht 750.000 Per­so­nen in Bay­ern und rund 45 Mil­lio­nen in Eu­ro­pa. Der Ein­satz neu­er Ver­fah­rens­tech­ni­ken (Iso­lie­rung, Hy­dro­ly­se, Hoch­druck­be­hand­lung usw.) und Le­bens­mit­tel­zu­ta­ten er­mög­licht neue Pro­duk­te, für die es ei­nen sehr gro­ßen Markt gibt.

Auch der in­ter­na­tio­na­le Aus­tausch von Stu­den­ten und For­schern soll­te wei­ter in­ten­si­viert wer­den, um ge­mein­sam Syn­er­gi­en zu he­ben. Hier kann zu­sätz­lich der ver­bes­ser­te ge­mein­sa­me Zu­griff auf For­schungs­er­geb­nis­se und Ge­sund­heits­da­ten we­sent­li­che Fort­schrit­te brin­gen.

Chan­cen der Re­gio­nen in Bay­ern nut­zen

Ge­ra­de länd­li­che Re­gio­nen pro­fi­tie­ren von spe­zi­fi­schen Pro­fi­len, zu­mal Un­ter­neh­men der Ge­sund­heits­wirt­schaft hier nicht sel­ten zu den größ­ten Ar­beit­ge­bern ge­hö­ren. Die­se Stär­ken gilt es aus­zu­bau­en. Ei­ne re­gio­na­le Pro­fil­bil­dung ist vor al­lem für die Lo­kal­po­li­tik ei­ne loh­nen­de Auf­ga­be. Die In­itia­ti­ve „Ge­sund­heits­re­gio­nen“ der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung bie­tet be­reits wert­vol­le An­sät­ze. Die prä­di­ka­ti­sier­ten Kur­or­te ha­ben da­bei ei­ne wich­ti­ge Funk­ti­on.

 

Auch die ge­ziel­te För­de­rung von Un­ter­neh­mens­an­sie­de­lun­gen in Bay­ern muss wei­ter in­ten­si­viert wer­den, über die im Be­reich Ge­sund­heit sehr er­folg­rei­chen Me­tro­pol­re­gio­nen Mün­chen und Nürn­berg hin­aus.

Um­welt und Ge­sund­heit

Die Er­for­schung des Wech­sel­spiels von Um­welt und Ge­sund­heit ist ein wich­ti­ges Feld, aus dem sich für die oh­ne­hin bei Um­welt­tech­no­lo­gi­en stark po­si­tio­nier­te baye­ri­sche Wirt­schaft mög­li­cher­wei­se in­ter­es­san­te Ge­schäfts­fel­der er­ge­ben. Zu Recht soll sich die neue Me­di­zi­ni­sche Fa­kul­tät in Augs­burg da­her un­ter an­de­rem dem For­schungs­schwer­punkt „Me­di­cal Health Sci­ence“ wid­men. Be­son­de­res Au­gen­merk soll­te dar­auf ge­rich­tet wer­den, mehr Fak­ten­ori­en­tie­rung und Sach­lich­keit in die Dis­kus­sio­nen über um­welt­be­zo­ge­ne Ge­sund­heits­ri­si­ken zu brin­gen. So müs­sen z. B. sämt­li­che Grenz­wer­te, die dem Ge­sund­heits­schutz die­nen, strikt evi­denz­ba­siert sein. Er­for­der­lich ist ein kla­rer Nach­weis, ober­halb wel­cher Men­ge ei­ne be­stimm­te Sub­stanz schäd­lich ist. Die­sen Nach­weis gibt es bei­spiels­wei­se bei Fein­staub und Stick­oxi­den nicht.

Baye­ri­sche Ge­sund­heits­wirt­schaft in­ter­na­tio­nal bes­ser ver­net­zen

Bay­ern kann als Stand­ort für Ge­sund­heits­dienst­leis­tun­gen im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb bes­ser po­si­tio­niert wer­den als bis­lang. Ein Blick auf die Be­dürf­nis­se aus­län­di­scher Kun­den – sei es im Be­reich Kran­ken­häu­ser als Pa­ti­ent, bei der Me­di­zin­tech­nik als Käu­fer oder bei in­ter­na­tio­na­len Un­ter­neh­men als Auf­trag­ge­ber – ist hier eben­so hilf­reich wie ei­ne Mar­ke­tin­ginitia­ti­ve. Ge­sund­heits- und Tou­ris­mus­wirt­schaft ha­ben hier glei­cher­ma­ßen gro­ße Er­folgs­aus­sich­ten. Auch die Qua­li­fi­ka­ti­on von aus­län­di­schen Fach­kräf­ten in Bay­ern trägt zur in­ter­na­tio­na­len Ver­net­zung bei.

Neue Lö­sun­gen für die Ent­wick­lungs­hil­fe

Die Ent­wick­lung und der Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en kann auch in­di­rekt dem Stand­ort Bay­ern bzw. Deutsch­land nüt­zen, wenn sie in Ent­wick­lungs­län­dern zum Ein­satz kom­men und dort die Ver­sor­gung ver­bes­sern und ef­fi­zi­en­ter or­ga­ni­sie­ren hel­fen. Als sinn­voll er­weist sich da­bei an­stel­le ei­ner Fo­kus­sie­rung auf ein­zel­ne Krank­hei­ten ins­be­son­de­re ei­ne Un­ter­stüt­zung des Ge­sund­heits­sys­tems im Gan­zen, z. B. durch ei­nen bes­se­ren Zu­gang der Be­völ­ke­rung zu Ge­sund­heits­in­for­ma­tio­nen (z. B. Imp­fun­gen und Impf­ter­mi­ne). Er­for­der­lich da­für sind die Ent­wick­lung re­le­van­ter In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­te eben­so wie das Be­reit­stel­len ei­nes Zu­gangs­punkts, wo sie kos­ten­los ab­ge­ru­fen wer­den kön­nen. Mit ei­ner glo­ba­len In­for­ma­ti­ons­ver­net­zung (z. B. dem Health In­for­ma­ti­on Sys­tem Pro­gram, ge­hos­tet an der Uni­ver­si­tät in Os­lo) kön­nen u. a. Krank­heits­aus­brü­che ver­folgt oder der not­wen­di­ge Per­so­nal­ein­satz pro­gnos­ti­ziert und ge­plant wer­den. Vor­tei­le für un­se­ren Stand­ort lie­gen un­ter an­de­rem in ei­ner ef­fi­zi­en­te­ren Ge­währ­leis­tung von Ent­wick­lungs­hil­fe und der Be­kämp­fung von Flucht­ur­sa­chen.

Emp­feh­lun­gen an Un­ter­neh­men

Je­des Un­ter­neh­men, un­ab­hän­gig von Bran­che und Schwer­punkt der Ge­schäfts­tä­tig­keit, muss sei­ne ei­ge­ne Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie ent­wi­ckeln. Das gilt auch für den Ge­sund­heits­be­reich, für Ärz­te und erst Recht für Kran­ken­häu­ser. Ak­tu­ell hat al­ler­dings mehr als die Hälf­te der deut­schen Kran­ken­häu­ser noch kei­ne Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie. Es wer­den haupt­säch­lich Pi­lot­pro­jek­te durch­ge­führt, und noch kei­ne ge­samt­heit­lich aus­ge­roll­ten Di­gi­ta­li­sie­rungs­in­itia­ti­ven. Wich­ti­ge Hemm­nis­se, die es zu be­sei­ti­gen gilt, sind Fi­nan­zie­rungs­fra­gen und die man­geln­de Kom­pa­ti­bi­li­tät bzw. In­ter­ope­ra­bi­li­tät der vor­han­de­nen IT-Lö­sun­gen so­wie ei­ne feh­len­de Stan­dar­di­sie­rung der Pro­zes­se. Ähn­li­che Her­aus­for­de­run­gen gibt es auch im Be­reich der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te, die z. B. al­te Soft­ware nut­zen, weil sie die Da­ten­mi­gra­ti­on nicht hin­be­kom­men.

 

Die Er­fah­run­gen aus In­dus­trie und in­dus­trie­na­hen Dienst­leis­tun­gen zei­gen, dass sich die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on „lohnt“. Der mög­li­che Mehr­wert – über rein wirt­schaft­li­che As­pek­te hin­aus – wur­de oben be­reits be­schrie­ben und muss noch stär­ker in den Vor­der­grund ge­stellt wer­den.

In­ter­es­san­te neue Ge­schäfts­chan­cen kön­nen sich dann für Un­ter­neh­men er­ge­ben, wenn sie in Ko­ope­ra­ti­on mit den Kran­ken­kas­sen und / oder über die Nut­zung von Platt­for­men für Ge­sund­heits­da­ten z. B. Schu­lungs­pro­gram­me, The­ra­pie­hin­wei­se und Prä­ven­ti­on an­bie­ten.

Auch die Un­ter­neh­men selbst sind ge­for­dert, wenn es um die Er­schlie­ßung neu­er An­wen­dungs­fel­der für in­no­va­ti­ve tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen im Ge­sund­heits­be­reich geht. So kann die Block­chain Tech­no­lo­gie bei­spiels­wei­se im Phar­ma­be­reich zur Fäl­schungs­si­cher­heit und zur Nach­ver­folg­bar­keit von Arz­nei­mit­teln bei­tra­gen, und Smart Con­tracts kön­nen z. B. auch im Ver­si­che­rungs­be­reich die Ab­wick­lung von Ver­trä­gen au­to­ma­ti­sie­ren und da­mit mas­siv er­leich­tern.

Ge­ra­de im Phar­ma­be­reich, aber nicht nur dort, ist ei­ne Be­tei­li­gung an frei­wil­li­gen Ver­fah­ren bzw. der Auf­bau neu­er un­ter­neh­mens­über­grei­fen­der Lö­sun­gen sinn­voll, zu­mal so zu­sätz­li­che Re­gu­lie­rung oft­mals ver­hin­dert wer­den kann. Ei­ne hö­he­re Ef­fi­zi­enz er­mög­li­chen bei­spiels­wei­se Joint Au­dit Ver­fah­ren, wie es sie für Hilfs­stof­fe, Pack­mit­tel oder Trans­port­un­ter­neh­men gibt.

 

Ein wei­te­res Bei­spiel ist der si­che­re Ver­trieb von Arz­nei­mit­teln: Der Her­stel­ler darf den Ver­triebs­weg nach gel­ten­dem Recht nicht ver­fol­gen. Nicht zu­letzt die auf­grund der hie­si­gen Preis­po­li­tik und Zu­las­sungs­ver­fah­ren ent­ste­hen­den Eng­päs­se sind ein Ein­falls­tor für Fäl­schun­gen. Hier kann ei­ne Be­tei­li­gung an ei­ner frei­wil­li­gen In­itia­ti­ve wie Se­cu­re Pharm hel­fen.

Wei­te­re Rah­men­be­din­gun­gen

Auch für die Ge­sund­heits­wirt­schaft ist es ent­schei­dend, dass ei­ne Pro­duk­ti­on am Stand­ort Bay­ern und Deutsch­land im Hin­blick auf Fle­xi­bi­li­tät und Kos­ten im in­ter­na­tio­na­len Ver­glich wett­be­werbs­fä­hig bleibt bzw. noch kon­kur­renz­fä­hi­ger wird.

 

Hier­zu zäh­len zu­nächst die Ar­beits­kos­ten. Sie sind zu­gleich Vor­aus­set­zung und Er­geb­nis ei­ner ef­fek­tiv ar­bei­ten­den Ge­sund­heits­wirt­schaft. Ein we­sent­li­ches Ele­ment sind ver­kraft­ba­re Lohn­zu­satz­kos­ten, die dau­er­haft un­ter­halb der Gren­ze von 40 Pro­zent blei­ben.

 

Das deut­sche Ar­beits­zeit­recht ist ins­be­son­de­re mit sei­nen täg­li­chen Höchst­ar­beits­zei­ten we­nig fle­xi­bel. Ge­ra­de die Ge­sund­heit hält sich aber nicht an ei­nen fes­ten Stun­den­plan. Hier soll­te zu­min­dest der eu­ro­pa­recht­lich zu­läs­si­ge Rah­men aus­ge­schöpft und um­ge­hend auf ei­ne Be­trach­tung der Wo­chen­ar­beits­zeit um­ge­stellt wer­den.

 

Wett­be­werbs­fä­hi­ge En­er­gie­kos­ten sind ins­be­son­de­re – aber nicht nur – für die Phar­ma­in­dus­trie ein kri­ti­scher Fak­tor. Sie sind im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich zu hoch und müs­sen drin­gend auf ein ver­träg­li­ches Ni­veau ge­bracht wer­den, z. B. durch ei­ne Ab­sen­kung der En­er­gie­steu­er auf das eu­ro­pa­recht­lich vor­ge­ge­be­ne Min­dest­ni­veau.

 

Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur muss flä­chen­de­ckend hoch­leis­tungs­fä­hig aus­ge­baut wer­den. Die Zie­le auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne zum Glas­fa­ser- und Mo­bil­funk­aus­bau ge­hen in­so­weit in die rich­ti­ge Rich­tung, soll­ten aber noch schnel­ler er­reicht wer­den. Der Bund will bis 2021 u. a. Kran­ken­häu­ser und so­zia­le Ein­rich­tun­gen der öf­fent­li­chen Hand so­wie bis 2025 al­le Haus­hal­te mit Glas­fa­ser ver­sor­gen; bei der Te­le­me­di­zin oder auch der Nach­sor­ge reicht ein sta­bi­les schnel­les Netz bis zum Kran­ken­haus je­doch nicht, es muss bis zum Pa­ti­en­ten rei­chen.

 

Auch die Te­le­ma­tik­in­fra­struk­tur muss zü­gig wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Not­wen­dig ist ei­ne Ein­be­zie­hung al­ler Leis­tungs­er­brin­ger, auch z. B. der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, und es muss In­ter­ope­ra­bi­li­tät si­cher­ge­stellt wer­den.

 

Ver­kehrs­we­ge so­wie Mo­bi­li­täts­an­ge­bo­te spie­len ei­ne ent­schei­den­de Rol­le im Ge­sund­heits­be­reich. Zu den Vor­tei­len des au­to­no­men Fah­rens – bei des­sen Ent­wick­lung un­se­re Au­to­mo­bil­in­dus­trie ei­ne füh­ren­de Rol­le ein­neh­men muss – zäh­len auch die Po­ten­zia­le für die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit Arzt- und Pfle­ge­leis­tun­gen. Ei­ner­seits kann der Arzt oder Pfle­ger wäh­rend der Fahrt zum Pa­ti­en­ten wei­te­re Auf­ga­ben wahr­neh­men, z. B. Be­rich­te über be­reits ab­sol­vier­te Pa­ti­en­ten­kon­tak­te, Ab­rech­nun­gen oder di­gi­ta­le An­ge­bo­te, an­de­rer­seits wird auch der Pa­ti­ent we­sent­lich mo­bi­ler und kann eher als heu­te zu den ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen trans­por­tiert wer­den.

 

Un­nö­ti­ge Bü­ro­kra­tie muss nicht nur in der Ab­rech­nungs-, Preis­fest­set­zungs- und Er­stat­tungs­sys­te­ma­tik ab­ge­baut bzw. von vorn­her­ein ver­mie­den wer­den, son­dern das The­ma spielt für den Ge­sund­heits­be­reich auch dar­über hin­aus ei­ne wich­ti­ge Rol­le, z. B. bei der Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen oder für die Ent­wick­lung von Start-Ups und jun­gen Un­ter­neh­men.