Zen­tra­le Her­aus­for­de­run­gen im Ge­sund­heits­we­sen

Die be­schrie­be­nen Ent­wick­lun­gen for­dern das Ge­sund­heits­we­sen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen her­aus. We­sent­lich sind da­bei die zu­künf­ti­ge Fi­nan­zie­rung, die Stei­ge­rung von Ef­fi­zi­enz und Ef­fek­ti­vi­tät in der Ge­sund­heits­ver­sor­gung so­wie die Si­cher­stel­lung des Zu­gangs zur me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung.

Die ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen se­hen sich im Zu­ge des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels und des me­di­zi­nisch-tech­ni­schen Fort­schritts mit sin­ken­den Ein­nah­men und stei­gen­den Aus­ga­ben kon­fron­tiert. Die Struk­tur der Bei­trags­zah­ler in der GKV ver­schiebt sich. Im­mer mehr Rent­ner ste­hen ei­ner klei­ner wer­den­den Zahl von Er­werbs­tä­ti­gen ge­gen­über, was da­zu führt, dass das Bei­trags­vo­lu­men sinkt. Gleich­zei­tig be­steht ein Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Al­ter der Ver­si­cher­ten und der Hö­he der GKV-Aus­ga­ben. Die Aus­ga­ben sind in den ers­ten Le­bens­jah­ren hoch, dann über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum re­la­tiv nied­rig und stei­gen ab ei­nem Al­ter von ca. 50 Jah­ren ra­pi­de an.

Kommt es we­der zu Leis­tungs­kür­zun­gen noch zu ei­ner Aus­wei­tung des Bun­des­zu­schus­ses oder ei­ner hö­he­ren Ef­fi­zi­enz, sind zur Fi­nan­zie­rung der Leis­tun­gen Bei­trags­satz­stei­ge­run­gen nö­tig. Schreibt man den Ef­fekt des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels mit den heu­te zu­grun­de lie­gen­den Aus­ga­ben­pro­fi­len und den re­al be­ob­ach­te­ten Kos­ten­stei­ge­run­gen pro Kopf fort, kann ei­ne Er­hö­hung des GKV-Bei­trags­sat­zes bis zum Jahr 2035 auf 18,3 Pro­zent pro­gnos­ti­ziert wer­den. Be­rech­nun­gen für das Jahr 2045 zei­gen ei­nen Bei­trags­satz von 19,2 Pro­zent. Bei ei­ner dy­na­mi­sche­ren Kos­ten­ent­wick­lung im Ge­sund­heits­we­sen, die et­wa auf ei­nen me­di­zi­nisch-tech­ni­schen Fort­schritt, dem kei­ne Ein­spar­ef­fek­te ge­gen­über­ste­hen, oder auch auf Lohn­stei­ge­run­gen bei den Ge­sund­heits­be­ru­fen zu­rück­zu­füh­ren ist, ist von ei­nem GKV-Bei­trags­satz von 20,6 Pro­zent im Jahr 2035 aus­zu­ge­hen. Bis 2045 wür­de un­ter die­sen An­nah­men der Bei­trags­satz so­gar bei 23,3 Pro­zent lie­gen.

 

Durch tech­ni­schen Fort­schritt und Di­gi­ta­li­sie­rung be­steht ein gro­ßes Po­ten­zi­al, die Ef­fi­zi­enz und Ef­fek­ti­vi­tät im Ge­sund­heits­we­sen zu er­hö­hen und da­mit die be­stehen­de Über-, Un­ter- und Fehl­ver­sor­gung ab­zu­bau­en. Be­son­de­re Schwach­punk­te lie­gen an den Schnitt­stel­len zwi­schen den Leis­tungs­sek­to­ren und in der man­geln­den In­te­gra­ti­on der am­bu­lan­ten und der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung. Pa­ti­en­ten müs­sen ih­re me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung selbst ko­or­di­nie­ren, wenn sie ei­nen Fach­arzt be­nö­ti­gen oder für ei­ne Be­hand­lung ins Kran­ken­haus müs­sen. Ih­re me­di­zi­ni­schen Wer­te er­hal­ten Pa­ti­en­ten, wenn über­haupt, oft nur in aus­ge­druck­ter Form. Un­ter­su­chun­gen müs­sen des­halb oft mehr­fach durch­ge­führt wer­den, was ei­ne zu­sätz­li­che Be­las­tung für den Pa­ti­en­ten so­wie ei­nen Mehr­auf­wand für den be­han­deln­den Arzt und sein Per­so­nal so­wie die Kran­ken­kas­sen be­deu­tet. Auch die Ver­ord­nung von Arz­nei­mit­teln kann zwi­schen den Ärz­ten oft nicht rich­tig ab­ge­stimmt wer­den. Ge­ra­de für mehr­fach er­krank­te Pa­ti­en­ten be­steht so die Ge­fahr von ris­kan­ten Me­di­ka­men­ten­kom­bi­na­tio­nen. Tech­ni­sche und di­gi­ta­le In­no­va­tio­nen wie ei­ne elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te kön­nen hier­bei Ab­hil­fe schaf­fen. Wei­te­res Po­ten­zi­al zur Er­hö­hung der Ef­fi­zi­enz der Ge­sund­heits­ver­sor­gung liegt in der Prä­ven­ti­on und Ge­sund­heits­för­de­rung, denn ein Groß­teil der Krank­heits­last in Deutsch­land ist auf den in­di­vi­du­el­len Le­bens­stil zu­rück­zu­füh­ren. Die­se sind zwar zu­nächst mit ei­nem hö­he­ren Kos­ten­auf­wand ver­bun­den, al­ler­dings kön­nen zu­künf­ti­ge Ge­sund­heits­aus­ga­ben da­mit ge­senkt bzw. hin­aus­ge­scho­ben wer­den. So kann im Be­reich der be­trieb­li­chen Ge­sund­heits­för­de­rung mitt­ler­wei­le nach­ge­wie­sen wer­den, dass we­ni­ger Fehl­ta­ge und ge­rin­ge­re Krank­heits­kos­ten die Kos­ten für Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me ge­gen­fi­nan­zie­ren. Der Ein­satz neu­er Ge­rä­te und Soft­ware­lö­sun­gen wird zu­dem Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me zu­künf­tig wirk­sa­mer ma­chen bzw. die­se in grö­ße­rem Um­fang als bis­her er­mög­li­chen.