Chan­cen und Po­ten­zia­le neu­er Tech­no­lo­gi­en

In­no­va­ti­ve Pro­duk­te, Pro­zes­se und Ge­schäfts­mo­del­le kön­nen ei­nen we­sent­li­chen Bei­trag zur Be­wäl­ti­gung der oben be­schrie­be­nen Her­aus­for­de­run­gen leis­ten. Be­son­ders die Nut­zung fort­schritt­li­cher di­gi­ta­ler Me­tho­den ist für die Ge­sund­heits­ver­sor­gung zen­tral und drin­gend not­wen­dig. So ist ak­tu­ell bei­spiels­wei­se der Da­ten­aus­tausch zwi­schen den Leis­tungs­er­brin­gern im Ge­sund­heits­we­sen sehr auf­wen­dig und führt zu Mehr­fach­be­hand­lun­gen oder auch Fehl­be­hand­lun­gen. Auch die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung von Pa­ti­en­ten, die nicht mo­bil sind oder ab­ge­le­gen le­ben, ge­stal­tet sich schwie­rig. Ins­be­son­de­re durch di­gi­ta­le Tech­ni­ken kann die Ge­sund­heits­ver­sor­gung spür­bar ef­fi­zi­en­ter und ef­fek­ti­ver wer­den.

Ins­ge­samt sind die tech­no­lo­gi­schen Trends viel­fäl­tig und um­fas­sen neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten eben­so wie Bio­tech und Na­no­tech­no­lo­gie so­wie in­no­va­ti­ve Ent­wick­lun­gen aus den Be­rei­chen Phar­ma und Me­di­zin­tech­nik.

 

 

In­no­va­tio­nen aus dem Be­reich der In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik wer­den im Ge­sund­heits­we­sen un­ter dem Be­griff der di­gi­ta­len Ge­sund­heits­wirt­schaft zu­sam­men­ge­fasst und um­fas­sen fünf in­ein­an­der ver­schränk­te An­wen­dungs­fel­der. Da­bei bil­det eHe­alth den Ober­be­griff für ein brei­tes Spek­trum von IKT-ge­stütz­ten elek­tro­ni­schen An­wen­dun­gen im Ge­sund­heits­we­sen:

  • Ge­sund­heits­te­le­ma­tik
    Orts- und ein­rich­tungs­un­ab­hän­gi­ge me­di­zi­ni­sche IKT- An­wen­dun­gen
  • Te­le­me­di­zin
    Au­dio­vi­su­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en (z. B. für Dia­gnos­tik, Kon­sul­ta­ti­on und me­di­zi­ni­sche Not­fall­diens­te)
  • mHe­alth
    Nut­zung mo­bi­ler End­ge­rä­te in der Ge­sund­heits­ver­sor­gung und Prä­ven­ti­on
  • Am­bi­ent As­sis­ted Li­ving
    Nut­zung tech­ni­scher As­sis­tenz­sys­te­me im häus­li­chen Um­feld, z. B. zur Un­ter­stüt­zung von kör­per­lich ein­ge­schränk­ten Per­so­nen

 

 

In al­len die­sen Be­rei­chen be­stehen zu­dem Po­ten­zia­le für Big-Da­ta- und KI-An­wen­dun­gen, die die Ge­sund­heits­wirt­schaft ins­ge­samt re­vo­lu­tio­nie­ren kön­nen.

In der Pfle­ge kön­nen die­se Sys­te­me da­zu bei­tra­gen, den Ver­bleib von Pa­ti­en­ten in der ei­ge­nen Woh­nung so lan­ge wie mög­lich zu rea­li­sie­ren und da­mit die Pfle­ge ef­fi­zi­en­ter und trotz­dem im Sin­ne der Pa­ti­en­ten zu ge­stal­ten. Die im­mer stär­ke­re Nut­zung di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en wird Ar­beits­wei­sen, Pro­zes­se und Pro­duk­te im Ge­sund­heits­we­sen grund­le­gend ver­än­dern und Trei­ber für wei­te­re Neue­run­gen sein.

Bio­tech
Im Bio­tech-Be­reich spielt die so­ge­nann­te ro­te Bio­tech­no­lo­gie ei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Als ent­schei­den­der Durch­bruch gilt die Ent­wick­lung der CRIS­PR/Cas9-Me­tho­de im Jahr 2012, die es in Kom­bi­na­ti­on mit mo­der­nen Ana­ly­se- und Da­ten­aus­wer­tungs­me­tho­den er­mög­licht, DNA-Bau­stei­ne im Erb­gut zu ver­än­dern. Auch im Be­reich bio­tech­no­lo­gi­scher Me­di­ka­men­te zur Be­hand­lung von Au­to­im­mun­er­kran­kun­gen, im Ein­satz von Bio­mar­kern in der Krebs­the­ra­pie oder im Tis­sue En­gi­nee­ring, das die Er­zeu­gung künst­li­cher Or­ga­ne zum Ziel hat, lie­gen enor­me Chan­cen. Da­bei zielt Bio­tech dar­auf ab, Arz­nei­mit­tel und Be­hand­lungs­for­men für be­stimm­te Grup­pen von Pa­ti­en­ten (stra­ti­fi­zier­te Me­di­zin) oder ein­zel­ne Per­so­nen (in­di­vi­dua­li­sier­te bzw. per­so­na­li­sier­te Me­di­zin) zu ent­wi­ckeln.

Na­no­tech­no­lo­gie
Dar­über hin­aus wer­den zu­künf­ti­ge In­no­va­tio­nen auch aus dem Be­reich der me­di­zi­ni­schen Na­no­tech­no­lo­gie er­war­tet. Win­zi­ge Par­ti­kel wer­den u. a. in Me­di­ka­men­ten und Im­plan­ta­ten so­wie zur Dia­gno­se und The­ra­pie ein­ge­setzt. Da­bei kann bei Me­di­ka­men­ten die Wirk­sam­keit er­höht oder die Do­sie­rung op­ti­miert wer­den, im Be­reich der Dia­gnos­tik kön­nen ver­schie­de­ne la­bor­dia­gnos­ti­sche Ver­fah­ren auf ei­nem klei­nen Chip un­ter­ge­bracht wer­den. Na­no­struk­tu­rier­te Ober­flä­chen füh­ren da­zu, dass sich bio­lo­gi­sches und künst­li­ches Ma­te­ri­al bes­ser ver­bin­den und Bak­te­ri­en bes­ser be­kämpft wer­den kön­nen.

Phar­ma
Auch im Phar­ma-Be­reich sind die An­wen­dungs­fel­der viel­fäl­tig. Da­zu ge­hö­ren die Ent­wick­lung neu­er Wirk­stof­fe und Me­di­ka­men­te so­wie die Aus­wer­tung und Nut­zung ge­sund­heits­be­zo­ge­ner Da­ten und der Ein­satz di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en bei Fer­ti­gungs­pro­zes­sen und der Arz­nei­mit­tel­zu­las­sung.

In der stra­ti­fi­zier­ten und per­so­na­li­sier­ten Me­di­zin liegt enor­mes Po­ten­zi­al. Bis­lang wur­de an­ge­nom­men, dass iden­ti­sche Krank­hei­ten bei den be­trof­fe­nen Pa­ti­en­ten auf die­sel­ben Ur­sa­chen zu­rück­zu­füh­ren sind und da­her auch mit ei­ner ein­heit­li­chen The­ra­pie be­han­delt wer­den kön­nen. Fak­tisch kann aber die­sel­be Er­kran­kung bei ver­schie­de­nen Pa­ti­en­ten un­ter­schied­li­che Ur­sa­chen ha­ben und auch Me­di­ka­men­te kön­nen bei ver­schie­de­nen Pa­ti­en­ten un­ter­schied­lich wir­ken. So wird bei der stra­ti­fi­zier­ten Me­di­zin zu­nächst ei­ne Grup­pe von Pa­ti­en­ten iden­ti­fi­ziert, die hin­sicht­lich ih­rer Er­kran­kung, ih­res Er­kran­kungs­ri­si­kos oder in Be­zug auf ihr An­spre­chen auf ein be­stimm­tes Me­di­ka­ment gleich ist. Die­ser Grup­pe wird nun im Rah­men der stra­ti­fi­zier­ten Me­di­zin ei­ne Be­hand­lung an­ge­bo­ten, die mög­lichst ide­al auf die Cha­rak­te­ris­ti­ka die­ser Pa­ti­en­ten­grup­pe ab­ge­stimmt ist. Die per­so­na­li­sier­te Me­di­zin führt die­sen Schritt wei­ter und ent­wi­ckelt für den ein­zel­nen Pa­ti­en­ten maß­ge­schnei­der­te, pass­ge­naue Arz­nei­mit­tel und Be­hand­lungs­me­tho­den. Durch die Be­rück­sich­ti­gung der je­wei­li­gen Ge­no­ty­pen, Le­bens­sti­le und me­di­zi­ni­schen Vor­ge­schich­ten kön­nen The­ra­pi­en ent­wi­ckelt wer­den, die mit ho­her Wahr­schein­lich­keit wirk­sam und mög­lichst ne­ben­wir­kungs­frei sind.

Me­di­zin­tech­nik
Ei­ne wei­te­re Schlüs­sel­tech­no­lo­gie mit enor­mem Po­ten­zi­al ist die Me­di­zin­tech­nik. Ein be­son­ders wich­ti­ges Feld ist die Ro­bo­tik. As­sis­tenz­ro­bo­ter oder Per­so­nen­lif­ter un­ter­stüt­zen Pfle­ge­kräf­te und Ärz­te schon heu­te, lang­fris­tig ist auch denk­bar, dass Ro­bo­ter künf­tig nicht nur tech­ni­sche Hil­fe­stel­lung leis­ten, son­dern auch bei so­zia­len Auf­ga­ben er­gän­zend zum Ein­satz kom­men. Im Ope­ra­ti­ons­saal kom­men ro­bo­ti­sche As­sis­tenz­sys­te­me z. B. bei mi­ni­mal­in­va­si­ven Ein­grif­fen zum Ein­satz, bei de­nen äu­ßerst klei­ne Schnit­te in höchs­ter Prä­zi­si­on aus­ge­führt wer­den müs­sen.

Bild­ge­ben­de Ver­fah­ren
Ein wei­te­rer Schwer­punkt liegt im Be­reich der bild­ge­ben­den Ver­fah­ren. Durch die fort­schrei­ten­de Di­gi­ta­li­sie­rung ist es mitt­ler­wei­le mög­lich, ex­ak­te 3-D-Mo­del­le in Echt­zeit zu er­rech­nen und mit rea­len Bil­dern zu über­la­gern. Das er­öff­net Chir­ur­gen für die Pla­nung und Durch­füh­rung von Ope­ra­tio­nen völ­lig neue Mög­lich­kei­ten. In die­sem Zu­sam­men­hang spielt auch die Nut­zung von Big Da­ta und künst­li­cher In­tel­li­genz ei­ne we­sent­li­che Rol­le. Sie ver­spricht ei­ne Op­ti­mie­rung der kli­ni­schen For­schung, bei­spiels­wei­se bei neu­en The­ra­pie­an­sät­zen (z. B. Ge­nom­se­quen­zie­rung, Stoff­wech­sel­pro­zes­se in der Krebs­the­ra­pie) oder mit­tels Un­ter­stüt­zung durch di­gi­ta­le As­sis­tenz­sys­te­me bei Dia­gno­se und Ent­schei­dungs­fin­dung (z. B. Ana­ly­se/In­ter­pre­ta­ti­on der Da­ten aus bild­ge­ben­den Ver­fah­ren).

Im­plan­ta­te
Zu­neh­men­de Be­deu­tung ge­win­nen auch so­ge­nann­te ther­a­nos­ti­sche oder in­tel­li­gen­te Im­plan­ta­te. Die­se er­fas­sen Vi­tal­pa­ra­me­ter und lei­ten auf de­ren Grund­la­ge the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men ein oder über­tra­gen die Wer­te nach au­ßen an ein Emp­fangs­ge­rät.

 

Ins­ge­samt ist das größ­te Po­ten­zi­al im Be­reich der Di­gi­ta­li­sie­rung zu se­hen, die er­heb­li­che Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne und qua­li­ta­ti­ve Ver­bes­se­run­gen er­mög­licht. Die Ver­füg­bar­keit und Nut­zung von Da­ten ist da­bei der ent­schei­den­de Dreh- und An­gel­punkt.

Ers­te Vor­aus­set­zung da­für ist ei­ne elek­tro­ni­sche Ge­sund­heits- oder Pa­ti­en­ten­ak­te, die es er­mög­licht, für je­den Men­schen ein in­di­vi­du­el­les Ge­sund­heits­pro­fil an­zu­le­gen. Da­durch er­ge­ben sich neue Mög­lich­kei­ten der Prä­ven­ti­on und The­ra­pie. Gleich­zei­tig kön­nen Pro­zes­se op­ti­miert, Zeit­plä­ne über­wacht und Ter­mi­ne kon­trol­liert wer­den.

Denk­bar ist ei­ne sek­tor- und fall­über­grei­fen­de Da­ten­bank, in die die Ak­teu­re des Ge­sund­heits­we­sens me­di­zi­ni­sche Da­ten pa­ti­en­ten­be­zo­gen ein­pfle­gen kön­nen. Durch den ver­bes­ser­ten In­for­ma­ti­ons­fluss zwi­schen al­len be­tei­lig­ten Ak­teu­ren kön­nen Be­hand­lungs­feh­ler mi­ni­miert und die Qua­li­tät der Ver­sor­gung ins­ge­samt ge­stei­gert wer­den. Die Ein­füh­rung ei­ner kas­sen­über­grei­fen­den elek­tro­ni­schen Pa­ti­en­ten­ak­te wird ge­gen­wär­tig in Bay­ern im Rah­men ei­nes Mo­dell­pro­jekts er­probt. In der elek­tro­ni­schen Pa­ti­en­ten­ak­te „Mei­ne Ge­sund­heits­ak­te Di­gi­tal“ wer­den u. a. Not­fall­da­ten, Mut­ter­pass, In­for­ma­tio­nen aus Fit­ness­arm­bän­dern und Kran­ken­häu­sern ge­spei­chert.

Der Ko­ali­ti­ons­ver­trag der neu­en Bun­des­re­gie­rung sieht die Ein­füh­rung ei­ner di­gi­ta­len Pa­ti­en­ten­ak­te auf Bun­des­ebe­ne bis 2021 vor. Mit dem In­kraft­tre­ten des eHe­alth-Ge­set­zes am 1. Ja­nu­ar 2016 wur­den die Rah­men­be­din­gun­gen da­für be­reits ge­schaf­fen. Ziel des Ge­set­zes ist es, Ärz­ten, Kran­ken­häu­sern und Apo­the­ken die Mög­lich­keit zu ge­ben, in si­che­rer, struk­tu­rier­ter und me­di­en­bruch­frei­er Wei­se me­di­zi­ni­sche In­for­ma­tio­nen ih­rer Pa­ti­en­ten an wei­ter­be­han­deln­de Kol­le­gen elek­tro­nisch zu über­mit­teln.