Big Da­ta am Stand­ort Bay­ern

Big Da­ta trifft im Frei­staat Bay­ern auf gu­te Rah­men­be­din­gun­gen. So ge­hört die Re­gi­on Mün­chen / Ober­bay­ern zu den wich­tigs­ten IT- und High­tech-Stand­or­ten in Eu­ro­pa. Hier sind laut High­tech-At­las 2015 mehr als 2.300 High­tech- Un­ter­neh­men an­ge­sie­delt, so vie­le wie in kei­ner an­de­ren Re­gi­on Deutsch­lands. Im ICT Po­les of Ex­cel­lence Ran­king der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on 2014 be­legt die Re­gi­on Mün­chen den 1. Platz im eu­ro­päi­schen Ver­gleich. Die Struk­tur der Un­ter­neh­men der IKT-Bran­che in Bay­ern reicht von in­ter­na­tio­na­len Tech­no­lo­gie­kon­zer­nen über mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men bis hin zu Start-ups. Die ho­he At­trak­ti­vi­tät zeigt sich auch durch jüngs­te An­sied­lungs­ent­schei­dun­gen glo­bal tä­ti­ger IT-Kon­zer­ne. Da­ne­ben ha­ben wich­ti­ge in­ter­na­tio­na­le An­bie­ter von Big-Da­ta-Tech­no­lo­gi­en zu­min­dest ih­ren Deutsch­land­sitz in Mün­chen und ei­ne Rei­he wei­te­rer in­ter­na­tio­nal tä­ti­ger IT-Un­ter­neh­men, die Big-Da­ta-Lö­sun­gen an­bie­ten, sind am Stand­ort prä­sent. Le­dig­lich zwei der welt­weit größ­ten An­bie­ter von Big-Da­ta- Lö­sun­gen sind nicht im Groß­raum Mün­chen ver­tre­ten. Ne­ben in­ter­na­tio­na­len IT-Kon­zer­nen bie­ten auch noch ei­ne Rei­he eta­blier­ter hei­mi­scher Un­ter­neh­men so­wie baye­ri­scher Start-ups Big-Da­ta-An­wen­dun­gen an.

Im In­dus­trie­be­reich nimmt der Frei­staat Bay­ern als Stand­ort für Big-Da­ta- Tech­no­lo­gi­en und -An­wen­dun­gen im eu­ro­päi­schen Ver­gleich ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung ein und ist für glo­bal agie­ren­de Un­ter­neh­men hoch at­trak­tiv. Als For­schungs­stand­ort ist die Stär­ke des Frei­staats Bay­ern we­ni­ger aus­ge­prägt – eben­so wie die von Deutsch­land ins­ge­samt. Nur ca. fünf Pro­zent al­ler Pu­bli­ka­tio­nen im Be­reich Big Da­ta konn­ten bei ei­ner Ana­ly­se deut­schen For­schungs­in­sti­tu­tio­nen zu­ge­ord­net wer­den. Die meis­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen in die­sem Be­reich stam­men aus Chi­na und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Deutsch­land nimmt nach dem Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich und In­di­en den fünf­ten Platz bei der An­zahl der Ver­öf­fent­li­chun­gen zu Big-Da­ta-For­schungs­the­men ein. Re­la­ti­viert, aber nicht auf den Kopf ge­stellt, wird der Be­fund durch ei­ne Im­pact-Ana­ly­se. Ein Groß­teil der For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten im Be­reich Big Da­ta fin­det au­ßer­halb Eu­ro­pas statt.

Auch zwi­schen den Län­dern gibt es er­heb­li­che Un­ter­schie­de bei der Pu­bli­ka­ti­ons­stär­ke zur Big-Da­ta-For­schung. Der Frei­staat Bay­ern nimmt, ge­mes­sen an den Pu­bli­ka­tio­nen, nach Ba­den-Würt­tem­berg und Nord­rhein-West­fa­len den drit­ten Platz ein. Die­se drei Län­der ver­ei­nen ca. die Hälf­te al­ler Ver­öf­fent­li­chun­gen auf sich, die an­de­re Hälf­te tei­len sich die üb­ri­gen 13 Län­der. Der Frei­staat Bay­ern ist heu­te ein ak­ti­ver, aber kein her­aus­ra­gen­der For­schungs­stand­ort im Big-Da­ta-Be­reich. Die­se Er­geb­nis­se konn­ten auch durch ei­ne Ana­ly­se der För­der­da­ten von Bund und EU un­ter­mau­ert wer­den.

Es gibt al­ler­dings ei­ne Rei­he her­aus­ra­gen­der For­schungs­in­sti­tu­tio­nen in Bay­ern. Al­len vor­an ist die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Mün­chen zu nen­nen, die bun­des­weit ei­nen Spit­zen­platz im Ver­gleich der In­sti­tu­tio­nen im Big-Da­ta-Be­reich ein­nimmt. Schwer­punk­te ih­rer For­schungs­ar­beit bil­den Da­ten­ban­ken, Ana­ly­se­tech­ni­ken, Neu­ro­na­le Net­ze und Ma­schi­nel­les Ler­nen. Wei­te­re star­ke For­schungs­in­sti­tu­tio­nen im Big-Da­ta-Be­reich sind die Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen, die Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Er­lan­gen-Nürn­berg so­wie die Ju­li­us-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Würz­burg, die Sie­mens AG so­wie das Helm­holtz Zen­trum Mün­chen – Deut­sches For­schungs­zen­trum für Ge­sund­heit und Um­welt. Ins­ge­samt rei­chen aber die bis­he­ri­gen Ak­ti­vi­tä­ten nicht aus, um im glo­ba­len For­schungs­wett­be­werb ein ei­gen­stän­di­ges Pro­fil zu ent­wi­ckeln. Der Frei­staat Bay­ern wird ge­gen­wär­tig we­der im in­ter­na­tio­na­len noch im na­tio­na­len Ver­gleich dem An­spruch ei­nes Spit­zen­stand­orts 

Big Da­ta ist als denk­ba­res Hand­lungs­feld der Mehr­heit der baye­ri­schen Un­ter­neh­men zu­min­dest be­kannt. Dies er­gab auch ei­ne ak­tu­el­le Un­ter­neh­mens­be­fra­gung der vbw zum The­ma Big Da­ta in den Bran­chen Au­to­mo­bil­bau, Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer und Ma­schi­nen­bau.

Den höchs­ten Be­kannt­heits­grad ha­ben da­bei Vi­su­al Ana­lytics (64 %), Ma­schi­nel­les Ler­nen (54 %) und Ana­ly­ti­sche Ar­chi­tek­tu­ren (50 %). Dem­entspre­chend ist Vi­su­al Ana­lytics auch die heu­te in baye­ri­schen Me­tall- und Elek­tro­un­ter­neh­men am häu­figs­ten an­ge­wand­te Big-Da­ta-Me­tho­de, ge­folgt von ana­ly­ti­schen Ar­chi­tek­tu­ren.

Als Grün­de für die – be­reits er­folg­te oder künf­ti­ge – Ein­füh­rung von Big-Da­ta-Tech­no­lo­gi­en wer­den von den Un­ter­neh­men bran­chen­über­grei­fend in ers­ter Li­nie die ver­bes­ser­te Steu­erung ope­ra­ti­ver Pro­zes­se, die Re­duk­ti­on von Kos­ten, die Ver­bes­se­rung von stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen so­wie die Be­schleu­ni­gung von Ent­schei­dun­gen an­ge­ge­ben. Der Fo­kus liegt noch auf ei­ner Op­ti­mie­rung der be­stehen­den Ab­läu­fe. Das zeigt zu­gleich, dass noch gro­ßes Po­ten­zi­al brach­liegt, so­weit es um die Nut­zung der Me­tho­den für Ver­än­de­run­gen und Er­wei­te­run­gen des heu­ti­gen Ge­schäfts­mo­dells geht.

 

Big-Da­ta-Tech­no­lo­gi­en und -An­wen­dun­gen wer­den die Nut­zung und Pro­duk­ti­on von Wis­sen, aber auch die Wert­schöp­fungs­pro­zes­se dras­tisch und nach­hal­tig ver­än­dern. In den Ana­ly­sen und Ex­per­ten­ge­sprä­chen wur­de deut­lich, dass vor al­lem Groß­un­ter­neh­men die­se Ent­wick­lung be­reits er­kannt ha­ben und sich ak­tiv mit den neu­en Op­tio­nen von Big Da­ta aus­ein­an­der­set­zen – so­wohl im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be als auch ins­be­son­de­re bei den Fi­nanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tun­gen so­wie im On­line-Han­del. Sie zei­gen ei­ne ho­he Auf­merk­sam­keit hin­sicht­lich neu­er Ent­wick­lun­gen und sind be­reit, neue Mög­lich­kei­ten der Big-Da­ta-An­wen­dun­gen zu er­pro­ben.

In klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men ist da­ge­gen häu­fig noch ein Be­ob­ach­ter­sta­tus fest­zu­stel­len. In der Ad­ap­ti­on von IKT-Tech­no­lo­gi­en wei­sen klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men ein spe­zi­fi­sches Hand­lungs­mus­ter auf. Sie nut­zen neue Tech­no­lo­gi­en und An­wen­dun­gen zu­nächst nicht in ih­ren Kern­pro­zes­sen, son­dern in vor- und nach­ge­la­ger­ten Wert­schöp­fungs­stu­fen, wie z. B. in der Lo­gis­tik, der Per­so­nal­ver­wal­tung oder dem Kun­den­ma­nage­ment. Sie wäh­len so­mit ei­ne „Fol­lo­wer-Stra­te­gie“, die den ei­ge­nen Ent­wick­lungs­auf­wand ver­rin­gert. Die­se Stra­te­gie birgt al­ler­dings zu­gleich die Ge­fahr, not­wen­di­ge Pro­zess­ver­än­de­run­gen, die das ei­ge­ne Kern­ge­schäft be­tref­fen, zu spät zu er­ken­nen und da­mit im Wett­be­werb deut­lich zu­rück­zu­fal­len. Die ab­war­ten­de Hal­tung be­grün­det sich ei­ner­seits aus den knap­pen In­ves­ti­ti­ons­bud­gets, die die­sen Un­ter­neh­men zur Ver­fü­gung ste­hen. Folg­lich wer­den ein­zel­ne Ent­schei­dun­gen über den Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en häu­fig so­lan­ge ver­scho­ben, bis ei­ne ein­deu­ti­ge Hand­lungs­not­wen­dig­keit er­kenn­bar ist. An­de­rer­seits füh­ren nicht aus­rei­chen­de Kom­pe­ten­zen in der Be­wer­tung von In­no­va­tions- und In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen häu­fig da­zu, dass vor­sichts­hal­ber ganz auf den Ein­satz neu­er Me­tho­den ver­zich­tet wird.